Postproduction, Test, Top-Story: 16.11.2009

Lückenfüller für Final Cut Pro: Look-Gestaltung, Color Grading

Plug-Ins und Zusatzprogramme von Drittanbietern können die Funktionalität von Final Cut Pro sinnvoll und effektiv ergänzen. Dieser Teil des Tests befasst sich mit dem Thema Look-Gestaltung und Color Grading.

Wem die Möglichkeiten innerhalb von FCP nicht immer ausreichen, der kann das Apple-Schnittprogramm mit Plug-Ins von Drittanbietern »pimpen«. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl von Plug-Ins für die Look-Gestaltung, die in der täglichen Produktion sinnvoll sind und eine wichtige Rolle spielen können.

Look-Gestaltung, Color Grading
Red Giant Colorista 1.0 (rund 190 Euro)

Red Giant Colorista bietet wie die 3-Wege-Farbkorrektur von FCP drei Farbkreise, die allerdings nach dem Lift/Gamma/Gain-Modell aufgebaut sind. Im Unterschied zu den drei Farbkreisen in der integrierten Farbkorrekur von FCP automatisiert Colorista gleich die Kontrasteinstellung und eliminiert Werte über 100 und unter 0. Außerdem beeinflusst jede Veränderung des Farbwertes auch den Bildkontrast. Der Farbkreis »Lift« bearbeitet dabei die dunklen Bildbereiche, Gain die Hellen und Gamma die Mittleren. Der Regler, um die Helligkeitswerte ohne Farbveränderung zu steuern, sind um den jeweiligen Kreis angeordnet. Wirklich praktisch ist der Exposure-Regler, um das Bild insgesamt heller oder dunkler einzustellen. In diesem Prinzip sehen viele Spezialisten die bessere Lösung, um Color Gradings durchzuführen — doch leider krankt die Bedienung an der eigenwilligen Ausführung der Oberfläche: Die grafische Benutzeroberfläche muss immer erst angepasst werden, indem man den Viewer vergrößert, außerdem ist die exakte Bedienung und präzise Steuerung mit der Maus schwierig. Der etwas versteckte Weißabgleich funktioniert auf Anhieb nicht so gut wie in FCP, da nicht nur der Farbton, sondern immer auch die Helligkeit des jeweils ausgewählten Weißpunkts korrigiert wird und diese dann wieder manuell auf den gewünschten Wert zurück gestellt werden muss.

So ist Colorista letztlich gar nicht primär für die Farbkorrektur geeignet — wie es der Name suggeriert — sondern mehr für das Einstellen des Bildkontrastes und der Gamma-Kurve. Colorista ist daher eher mit einem Curve-Filter zu vergleichen, wie man sie etwa im Media Composer von Avid oder in After Effects findet. Die Handhabung ist dabei zwar schneller als bei den klassischen Curves, dafür aber auch nicht so exakt und umfangreich.

Für eine effektive Farbkorrektur oder Look-Gestaltung fehlt zudem eine Splitscreen-Ansicht. Ein Mehrwert besteht in der integrierten Maske, die sich als Ellipse oder Rechteck in beliebiger Größe einstellen lässt. Dazu werden zwei Referenzpunkte für den äußeren Rand, eine Größe und ein Seitenverhältnis eingegeben. Die Begrenzung kann, wie in FCP üblich, über Keyframes animiert werden. Der Übergang wird mit einer Feather Control eingestellt. Damit ist Colorista schnell für selektive Farbkorrekturen einsetzbar, doch um hier wirklich einen entscheidenden Mehrwert zu bieten, fehlt eine eingebaute Tracking-Funktion.

Eine anderer Aspekt ist die interne Verarbeitung der Farbkanäle mit jeweils 32 Bit. Die 8 oder 10 Bit des Videosignals werden in Colorista immer in 32 Bit farbkorrigiert. Das ergibt eigentlich nicht viel Sinn, denn was an Farb- und Helligkeitsinformationen nicht da ist, kann auch nicht erzeugt und verändert werden. Dennoch ist dieses Feature sinnvoll: Wenn etwa ein Glow-Filter verwendet wird, oder wenn Compositing-Funktionen zum Einsatz kommen: Wenn die entsprechende Option in der Sequenzeinstellung von FCP gewählt ist, werden alle Effekte mit 32 Bit pro Kanal berechnet, wenn es der jeweilige Codec zulässt. In diesen — in der Praxis aber eher seltenen Fällen — bietet Colorista einen echten Mehrwert im Render-Ergebnis.

Wer generell das Lift/Gamma/Gain Modell bevorzugt, der findet mit Colorista eine passende, preisgünstige Alternative, so zu arbeiten.

Red Giant Bullet Looks 1.1 (rund 290 Euro)

Magic Bullet Looks ist keine Farbkorrektur im klassischen Sinne, sondern ein Werkzeug zur Look-Gestaltung. Die vorhergehende Version konnte ausschließlich mit zahlreichen und auch schon wirklich guten Presets aufwarten. Magic Bullet Looks 1.1 bietet nun eine Benutzeroberfläche, um diese Looks auch nach eigenen Bedürfnissen modifizieren und kombinieren zu können. Nun wird der Look auch nicht im Viewer eingestellt, sondern innerhalb einer eigenen Benutzeroberfläche. Nur die Maskenfunktion, die mit der von Colorista identisch ist, wird im Viewer eingestellt.

Look und Feel der Oberfläche erinnern von der Gestaltung entfernt an Apples Color, die Software ist aber weit einfacher zu erlernen und zu bedienen. Zunächst muss man immer einen aus den Hunderten verschiedener Look-Presets aussuchen. Diese sind sinnvoll in plakativ benannte Kategorien eingeteilt, ein Thumbnail gibt einen ersten Eindruck, wie sich der Look auf das Bild auswirkt. Klickt man auf einen Look, wird dieser sofort geladen und angewendet. Unter der Vorschau stehen dann die Effekte, eingeteilt in fünf Kategorien: »Subject« erlaubt es beispielsweise, nachträglich Spotllights zu setzen, »Matte« simuliert klassische Kamerafilter, »Lens« fügt Objektiveffekte zu, »Camera« erlaubt es Kameraeinstellungen nachträglich zu simulieren und »Post« gibt Zugriff auf gängige Postproduktionsfilter.

Dabei ist die Einteilung nicht ganz strikt: Etliche Filter sind in allen Kategorien vorhanden. Jeder Effekt wird als eigenes Quadrat in einem Flussdiagramm dargestellt. Einzelne Effekte in der Kette lassen sich jederzeit an und ausschalten. Die Eigenschaften werden beim Auswählen auf der rechten Seite angezeigt. Neben Farbanpassung, Kontrastkurven und Weichzeichnern finden sich auch variable Verlaufsfilter, deren Verlauf dem Bild angepasst werden kann

Bullet Looks bringt auch eine eigene 3-Wege-Farbkorrektur mit, zudem eine übersichtlichere Lift/Gamma/Gain-Funktion und eine Maskenfunktion. Damit macht Bullet Looks die Colorista-Sammlung in fast allen Punkten überflüssig, ist dabei noch sehr viel umfangreicher und arbeitet ebenfalls im 32-Bit-Farbraum.

Ein Nachteil besteht darin, dass sich die Effektfilter aus Bullet Looks nicht über Keyframes animieren lassen.

Wenn man eine Kette an Effekten zusammengestellt hat, werden diese als Kette aus Thumbnails im Viewer dargestellt: Einen einfacheren und schnelleren Weg, um einen ausgefeilten Look zu kreieren, kennen die Tester momentan nicht. Erfreulich ist auch, dass Bullet Looks wirklich schnell reagiert und jeweils sehr rasch eine Vorschau bereitstellt. Schnell ist auch der Wechsel zwischen Final Cut und der Bullet-Looks-Oberfläche. Das macht selbst den Kritikpunkt, dass es in Bullet Looks keine Timeline gibt und man immer nur das aktuelle FCP-Bild sieht, fast überflüssig, denn der Wechsel ist nahezu ohne Verzögerung möglich. So bleiben eigentlich nur noch kleinere Kritikpunkte, wie etwa dass die Vignetten nur als Kreise und nicht als Oval zur Verfügung stehen …

Fazit Look-Gestaltung, Color Grading

Colorista bietet einen anderen Ansatz, um Kontrast, Gamma und Farbgebung zu korrigieren, das Plug-In verhilft hier schneller zu einem guten Ergebnis, als die On-Board-Möglichkieten von FCP. Colorista ist aber keine Farbkorrektur im eigentlichen Sinne. und die Bedienung ist nicht gerade vorbildlich. Angesichts des Preises von fast 200 Euro ist es vor allem eine Alternative für Nutzer, die das Lift/Gamma/Gain-Modell bevorzugen und hauptsächlich die Kontrastwiedergabe auf schnellem Wege korrigieren wollen.

Wer ein schnelles, umfassendes Werkzeug zur Look-Gestaltung und Kontrastkorrektur sucht, der kann Colorista getrost ignorieren und gleich zu Bullet Looks greifen, einer Sammlung von wirklich sehr guten und vor allem schnellen Werkzeugen für diese Zwecke. Zwar kostet Bullet Looks rund 100 Euro mehr, bietet dafür aber alles, was man zur Look-Gestaltung benötigt. Es ist mehr als nur ein einfaches Plug-In, denn es besitzt eine durchdachte, eigene Oberfläche. Der größte Nachteil ist, dass man die Looks nicht mit Keyframes animieren kann. In der Bedienung ist es lange nicht so umfangreich wie Color, dafür aber sehr viel einfacher und schneller und im Ergebnis dürfte in den meisten Fällen kaum ein Unterschied sichtbar sein.

Hier gelangen Sie zu den weiteren Teilen des Plug-In-Test:

Keying
Tracking
Lensflare

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Autor
Christoph Harrer, Nonkonform
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