Kamera, Objektiv, Top-Story, Zubehör: 08.05.2020

Glas-Recycling: Mit Vintage-Objektiven arbeiten

Altglas in einer besonders attraktiven Form: Sas Kaykha stellt einige seiner Vintage-Objektive vor. Er gibt Tipps, erklärt, wie man mit Vintage-Objektiven umgehen und arbeiten kann — und worin der Reiz dieser Linsen liegt.

 

Vintage-Objektive, Vintage, Objektive, © Sas Kaykha

Vintage-Objektive, Vintage, Objektive, © Sas Kaykha
Gängiger Objektivanschluss: M42 an einem Vivitar 28 mm f2.5.

Wie nutzt man Vintage-Objektive?

Im Grunde ist es ziemlich simpel, Vintage-Objektive zu nutzen: Es gibt Adapter für fast alle möglichen Kombinationen von Kameras und Objektiven. Am gängigsten ist wohl der M42-Mount, der, wie der Name schon vermuten lässt, einen 42-mm-Gewindeanschluss hat.

Vintage, Objektive, © Sas Kaykha
Mit einem Adapter findet ein solches Objektiv Anschluss an die Digitalwelt.

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Die Durchmesserangabe bezieht sich auf das Filtergewinde des Objektivs, nicht auf den Mount.

Habe ich etwa eine GH5-Kamera, brauche ich einen M42-auf-MFT-Adapter. Bei einer Canon-EF-Kamera dementsprechend einen M42-auf-EOS-Adapter. Hier sieht man schon ganz gut, dass der MFT-Adapter viel länger ist, als der für das EOS-System. MFT hat also ein längeres Auflagemaß als EF.

Vintage, Objektive, © Sas Kaykha
Mit Adaptern wie diesen können Vintage-Objektive zum Leben erweckt werden.

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Ein Helios-Objektiv mit M42-Anschluss aus russischer Fertigung, hier mit EF-Adapter.

Viele ältere russische Objektive besitzen einen M42-Anschluss. Ein bekannter Kandidat ist hier etwa die Helios-44-M-Reihe.

Hierbei handelt es sich um ein 58-mm f2-Objektiv, das oft als Zeiss-Biotar-Kopie betrachtet wird.

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Bekannte M42-Kandidaten: ein älteres und neueres Helios-Objektiv.

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Das russische 58-mm-f2-Objektiv wird oft als Zeiss-Biotar-Kopie betrachtet.

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Das Helios wurde von verschiedenen Herstellern (KMZ, MMZ, Jupiter) und auch zu verschiedenen Zeiten hergestellt.

Diese Objektivreihe ist sehr interessant und beispielhaft für die Vintage-Objektivwelt, da sie von verschiedenen Herstellern (KMZ, MMZ, Jupiter) und auch zu verschiedenen Zeiten hergestellt wurde. So gibt es Modelle mit verschiedenen Auflösungen und Coatings, die sich untereinander nochmals in der Qualität unterscheiden, abhängig von Alter und Pflege. (Hier kann ich Interessierten empfehlen, sich mal die Geschichte der Helios-Objektive anzuschauen.)

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»Swirly Bokeh«: eine etwas surreale, verdrehte Unschärfe.

Das »Swirly Bokeh« ist ein bekanntes Merkmal dieses Objektivs, also eine etwas surreale, verdrehte Unschärfe.

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Das russische Mir 1b 37 mm erzeugt ein »Swirly Bokeh«.

Dieses lustige Bokeh hat auch das Mir 1b 37 mm.

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Das Mir 1 ist die Kopie eines Flektogon-Modells.

Auch dieses Objektiv gibt es oft mit einem M42-Anschluss, M39 ist bei älteren Modellen zu finden. Das Mir 1 ist ebenfalls eine Zeiss-Kopie, und zwar vom Flektogon-Modell.

Sehr bekannt und beliebt sind die Canon-FD-Objektive. Die FD-Objektive haben eine hervorragende Qualität und waren sehr verbreitet, bis Canon dann auf das EF-System umstellte.

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Sehr verbreitet, bis Canon auf das EF-System umstellte: Canon-FD-Objektive.

Ironischerweise sind die FD-Objektive einen Tick zu kurz für das EOS-System. Dadurch verliert man die Unendlicheinstellung, wenn man diese Objektive direkt mit einem Adapter nutzt. Das kann man aber beheben: Es gibt Firmen, die einen Umbau der FD-Objektive anbieten, oder man kann sich einen Umrüst-Kit für den Selbstbau besorgen.

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Auf MFT lassen sich FD-Linsen ganz einfach adaptieren.

Metabones baut FD-Adapter für Sony-Kameras, und auf MFT lassen sich FD-Linsen ganz einfach adaptieren. Frühe FD-Objektive haben einen silbernen Ring, die nachfolgenden Modelle sind aktuell wohl noch eher verbreitet — man erkennt sie an der grünen Fokusskala und dem schwarzen Gehäuse. Besonders beliebt sind hier das 50 mm f1.4 und f1.2, sowie das 35 mm f2.0.

Zusammen mit dem 85 mm f1.8 ist man eigentlich gut ausgerüstet.

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Nikon-Linsen sind im Schnitt etwas teurer als die äquivalenten Canon-FDs.

Im Vergleich zu den aktuellen Objektiven von Canon (nicht-L) machen die FDs eine sehr gute Figur. Sie sind etwas kontrastärmer und somit super für moderne Digitalkameras geeignet, um auf einen gewollten Film-Look hinzuarbeiten.

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Sieben Blendenlamellen in einem lichtstarken Nikkor 50 mm — mit leichtem Kollateralschaden.

Ähnlich verhält es sich mit den Nikon-Linsen, die im Schnitt etwas teurer sind als die von Canon.

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Nikon-Objektiv mit Nikon-AI-auf-EF-Adapter.

Zeiss ist natürlich ein Begriff. Auch diese Firma hat viele Objektive produziert, unter anderem die oben genannten Vorbilder für die russischen Varianten.

Sehr beliebt sind die Biotars, hier gibt es von der 58-mm-Version auch ein seltenes Modell mit relativ vielen Blendenlamellen — warum das gut ist, wird später in diesem Artikel noch erläutert.

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Das Pentacon 135 mm f2.8 hat eine Besonderheit.

Die Firma Pentacon, die heute noch unter der Schneider-Kreuznach-Gruppe existiert, entspringt — ganz grob gesagt — ebenfalls den Zeiss-Werken.

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Das Pentacon 135 mm f2.8 beherbergt 15 Blendenlamellen.

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Pentacon 135 mit M42-auf-MFT-Adapter.

Auch von Pentacon gibt viele günstige und ältere Objektive. Besonders hervor sticht hier die Variante des 135 mm f2.8 mit 15 Blendenlamellen.

Unter dem Namen Voigtländer wurden bereits ab 1756 Linsen gebaut. Diese frühen Modelle möchte ich natürlich eher nicht empfehlen, sehr wohl aber die Linsen der Nachkriegszeit, die heute noch eine unglaubliche Qualität besitzen. Dies kann man auch ganz gut am aktuell gehandelten Preis der Nokton-Reihe erkennen.

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Für das Konica Hexanon 40 mm.

Auch für ungewöhnlichere Objektive gibt es Adapter.

Bei Ebay wird man auch oft Objektive mit Pentax und vielen weiteren Anschlüssen finden, auch hier muss man nur kurz checken, ob für die Kombination ein Adapter verfügbar ist — Objektive mit exotischen Anschlüssen sind meist preisgünstiger.

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Was spricht für Vintage-Objektive?, Optik-Basics
Seite 3: Wie nutzt man Vintage-Objektive?
Seite 4: Speedbooster, Objektivzustand checken

Seite 5: Blendenlamellen
Seite 6: Tuning, Praxistipp, Link
Seite 7: Auflagemaßtabelle

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Autor
Sas Kaykha

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