Kamera, Objektiv, Top-Story, Zubehör: 08.05.2020

Glas-Recycling: Mit Vintage-Objektiven arbeiten

Altglas in einer besonders attraktiven Form: Sas Kaykha stellt einige seiner Vintage-Objektive vor. Er gibt Tipps, erklärt, wie man mit Vintage-Objektiven umgehen und arbeiten kann — und worin der Reiz dieser Linsen liegt.

Was spricht für Vintage-Objektive?

Nun, zum einen wäre hier ganz sicher der Preis zu nennen. Mit etwas Glück ergattert man eine gute und lichtstarke 50-mm-Festbrennweite schon für unter 50 Euro.

Der spezielle Look, den viele solcher Objektive sozusagen automatisch mitbringen, ist natürlich ein weiteres Argument. Ein einzelnes Objektiv kann dabei durchaus schon viel Spaß bringen. Findet man aber ein komplettes Set von einem Hersteller, ist das nahezu der Idealfall, den man anstreben sollte. Dann kann man konsistent in einem bestimmten Look arbeiten.

Vintage-Objektive, Vintage, Objektive, © Sas Kaykha
Manche Vintage-Objektive erweisen sich trotz niedrigen Preises als wahre Schätzchen.

Der Speedbooster von Metabones ist einerseits ein mechanischer Adapterring, enthält aber auch ein optisches Element. Dadurch kann man höhere Lichtstärke erreichen.

Einen weiteren Aspekt, den Vintage-Objektive mitbringen: Wenn man einen Speedbooster verwendet, können sich daraus sehr interessante Kombinationen ergeben — man gewinnt ja mindestens eine Blende an Lichtstärke.

MFT-Mount an einer Micro Cinema Camera von Blackmagic.

Ein paar Basics: Bildkreis/Sensorgröße und Auflagemaß

Will man zum Beispiel ein MFT-Objektiv an einer Vollformatkamera nutzen, tritt ein Problem auf:  der Bildkreis ist nur für den kleineren MFT-Sensor gerechnet: Es wird also nicht der ganze Sensor beleuchtet. Dieses grundlegende Problem muss man beachten, wenn man Objektive moderner Kameras an anderen Bodys verwenden will. Das Objektiv muss einen ausreichend großen Bildkreis abdecken.

Bei den meisten Vintage-Objektiven ist das aber kein Problem, da viele eh für 35-mm-Film gerechnet sind und der Bildkreis dementsprechend alle derzeit gängigen Sensorgrößen im Digitalbereich abdeckt.

Vintage-Objektive, Vintage, Objektive, © Sas Kaykha
Hat man einen kleineren Sensor als der Bildkreis des Objektives, kann man das Objektiv problemlos nutzen: Pentacon 30 mm auf Exakta-MFT-Adapter.

Hat man einen kleineren Sensor als der Bildkreis des Objektives, kann man das Objektiv problemlos nutzen. Dann muss man lediglich berücksichtigen, dass man nur einen Ausschnitt dessen sieht, was das Objektiv eigentlich abbilden könnte und darf sich von der Beschriftung auf dem Objektiv nicht irreleiten lassen.

Natürlich gibt es auch Sensorgrößen, die der Bildkreis von 35-mm-Fotoobjektiven nicht abdeckt.

Ist die Sensordiagonale kleiner als der Bildkreis, den das Objektiv ausleuchtet, verliert man also zwar Weitwinkligkeit, aber es gibt auch einen Vorteil: Bei vielen älteren Objektiven fällt die Abbildungsqualität in den Bildecken stark ab: Randunschärfe, Verzeichnungen, Aberrationen, Vignettierungen werden hier viel stärker sichtbar. Nutzt man bedingt durch einen kleineren Sensor aber gar nicht den ganzen Bildkreis, sondern nur die Kernzone des Objektivs, dann fallen diese Probleme weit weniger ins Gewicht.

Eine weitere wichtige Kenngröße für jedes Objektiv ist das Auflagemaß. Das ist (im Fotobereich) der Abstand zwischen dem Sensor und der Auflagefläche des Objektivs. Wenn das Auflagemaß zwischen Kamera und Objektiv nicht sehr genau übereinstimmt, dann stimmt die Schärfenskala des Objektivs nicht mit der Realität überein. Hier kann es aber auch verschiedene Probleme und Herausforderungen prinzipieller Art geben, wenn man Vintage-Objektive an modernen Kameras verwenden will.

Manchmal hindert uns das Auflagemaß daran, bestimmte Adapter mit manchen Objektiven nutzen zu können. In der angefügten Tabelle am Artikelende ist das sehr gut zu sehen. Ein MFT-Objektiv lässt sich zum Beispiel an einer Red adaptieren, da das Auflagemaß einfach verlängert werden kann. Bei einer Canon-EF-M-Kamera würde dies nicht ohne weiteres gehen, denn hier müssten wir die Optik umbauen, um ein kürzeres Auflagemaß zu bekommen.

Ein Kamerasystem mit kleinem Sensor ist also empfänglicher für mehr Objektivkombinationen.

In allen Beispielen, die im weiteren Verlauf des Textes vorkommen, ist das nur für mögliche Linsen-Adapterkombinationen wichtig. Je nachdem, mit welchen Adaptern man arbeitet, stimmen dann die Schärfeskalen der alten Objektive nicht mehr exakt, und es kann bei älteren Objektiven auch passieren, dass sie sich im Lauf der Jahre durch Abnutzung oder andere Effekte verschoben haben und nicht mehr so genau stimmen. Dies kann man aber mit einem Follow Focus oder per Peaking gut kompensieren.

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Was spricht für Vintage-Objektive?, Optik-Basics
Seite 3: Wie nutzt man Vintage-Objektive?
Seite 4: Speedbooster, Objektivzustand checken

Seite 5: Blendenlamellen
Seite 6: Tuning, Praxistipp, Link
Seite 7: Auflagemaßtabelle

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Autor
Sas Kaykha, Nonkonform

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