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Praxistest: DaVinci Resolve 21
Neues von der KI-Front
Das Thema des Jahres macht auch vor diesem Update nicht Halt. BMD bietet zehn neue KI-Funktionen, die es nur in der Studio-Version gibt. IntelliSearch ist ein Assistent, um Aufnahmen nach Gesichtern zu ordnen und diese zu durchsuchen.

Die KI-Funktion IntelliSearch zeigt eine Übersicht der Gesichter in den Videoclips – braucht aber schon in der schnellen Variante lange, um die Clips zu analysieren.
Je nach Material kann eine solche Analyse eine ganze Menge Zeit in Anspruch nehmen, vor allem, wenn die Option »Better« ausgewählt wird.

Der Speech Generator macht aus einem geschriebenem Text schnell einen gesprochenen, das Ergebnis ist in Englisch vielleicht ausreichend, auf Deutsch unbrauchbar.
Ich habe hier jeden Versuch mit der Option »Better« abgebrochen, bzw. Resolve hat dies oft gemacht, indem es abgestürzt ist. Die Option kann man im Drei-Punkte-Menü des Media-Pools auswählen. Im Modus »Faster« dauerte die Analyse von 17 Clips 14 Minuten. Die Auswahl eines ganzen Projekts mit über 1000 Clips war auch über Nacht nicht mit der Analyse fertig. Bei Bilddateien auf der Photo-Seite ist die Analyse natürlich sehr viel schneller und sinnvoller. Das Ergebnis kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Gesichter werden zwar oft erkannt und in einer Gesichter-Galerie angelegt, die Zuordnung in der Timeline ist aber oft nicht richtig. Die Funktion kann Zeit sparen, wenn man diesen Prozess vor dem Beginn der Arbeit oder über Nacht laufen lässt. In den meisten Fällen wird man manuell schneller sein beim Organisieren des Materials. Dazu müssen beide Modelle erst mit dem Extra-Download-Manager heruntergeladen werden. Zusammen belegen sie über 5 GB auf der Festplatte, aber wie bei BMD üblich können alle KI-Funktionen lokal ausgeführt werden und benötigen keine Verbindung zum Internet.
Die beiden KI-Funktionen Speech-Generator, welche geschriebenen Text in gesprochene Sprache umwandelt, und Slate ID, die Klappentexte findet und in die Metadaten überträgt, müssen ebenfalls im Extra-Download-Manager heruntergeladen werden. Slate ID ist tatsächlich eine gute und schnelle Methode, um Aufnahmen nach den Klappentexten zu ordnen. Dabei wird in den entsprechen Slate-Positionen dort ein Marker gesetzt, wo sich die Slates befinden.
Beim Umwandeln von Text in Sprache kann der Speech-Generator entweder mit den vorgegebenen oder selbst trainierten Sprachmodellen verwendet werden.

Age Transform kann vielleicht die Illusion einiger Jahre an Alter mehr oder weniger erzeugen, wirkt aber auch schnell unnatürlich.
Die in Resolve 20 eingeführte KI-Voice-Convert-Funktion generiert aus einem Clip mit Sprachaufnahmen eine synthetische Stimme. Dieses Feature kann in einzelnen Fällen hilfreich sein, etwa wenn einzelne Worte oder kurze Sätze nachträglich ersetzt werden; sie klingt aber weithin immer noch sehr synthetisch. Das gilt auch beim Einsatz des Speech-Generators, vor allem, wenn er für deutschen Text verwendet wird. Selbst bei englischen Texten haben vor allem längere Sätze einen unnatürlichen Klang, so als wären sie mit einem fehlerhaften Mikrofon aufgenommen. Aber vereinzelt gab es Ergebnisse bei kurzen Sätzen, die ich in die Kategorie OK einordnen würde.
Wer keinerlei Erfahrung mit dem Einsprechen von Off-Stimmen hat, könnte dennoch von dem Ergebnis profitieren, vor allem, da man schnell ein Ergebnis hat, also einen ersten Entwurf oder ein Arbeits-Off für den Schnitt. In der Summe ist es aber immer noch eine Spielerei. Das gilt allerdings nur für englischen Text. Bei deutschen Texten versagt diese KI so weitreichend, dass oft nicht mal ein einziges Wort aus einem Satz klar herauszuhören ist. Wer eine Phantasiesprache für einen Film benötigt, hat hier vielleicht das richtige Werkzeug; eine deutsche Sprecherstimme lässt sich bei Version 21.02 aber nicht mal ansatzweise simulieren. Auch für ein Arbeits-Off reicht es auf Deutsch nicht. Einige Experimente haben gezeigt, dass es meist besser ist, die Speed-Settings etwas herunterzusetzen; zumindest bei englischer Sprachausgabe lieferte das bessere Ergebnisse.

Ultra Sharpen ist der bisher beste Filter, um leicht unscharfe Szenen zu schärfen, ohne dass es nach künstlicher Schärfe aussieht.
Das Bearbeiten von Gesichtern wurde um drei KI-Funktionen bereichert. Die einfachste davon ist das Blemish-Remove-Tool, das Flecken und »Makel« in der Haut beseitigt. Es gibt hier nur einen Regler für die Stärke und das Ergebnis sieht meist organisch aus. Die Bereiche der Haut, bei denen etwas entfernt wurde, wirken nicht unnatürlich weichgezeichnet. Für eine einfache Gesichtsretusche auf der Photo-Seite eignet sich dieser Filter auch gut.
Mit Face Reshape lässt sich sehr viel stärker in das Aussehen einer Person eingreifen. Alle Bereiche des Gesichts, Form, Augen, Nase, Mund und Augenbrauen, lassen sich vergrößern, verkleinern oder in der Form verändern. Hier kommt es auf die Dosierung an. Maßvolle Einstellungen, die keine Auswirkungen auf den Hintergrund haben, wirken auch bei Bewegungen natürlich und nicht bearbeitet. Sobald man aber beispielsweise die Kopfform stark verändert, ist beim Übergang vom Vordergrund zum Hintergrund ein Warp-Effekt zu sehen, der bei starken Bewegungen umso mehr auffällt. In allen Kategorien kann man es mit Face Reshape stark übertreiben und horror- oder karikaturartige Effekte erzielen. Ein Gollum-Gesicht mit dem kurzen Aufblitzen einer Fratze ist damit schnell und einfach erstellt. Dennoch eignet sich der Effekt hauptsächlich für Manipulationen von Interviews. Wenn ein Mensch stark in Bewegung ist, kommt es oft zu seltsamen Effekten, die sehr unnatürlich wirken.
Der Filter Age Transform bietet nur zwei Slider, um ein Gesicht älter und faltiger oder jünger und glatter aussehen zu lassen. Wie bei Reshape führen kleine Änderungen zu realistisch aussehenden Ergebnissen; wer den Alters-Slider auf Maximum stellt, bekommt eher eine Karikatur. Allerdings kann der Filter auch gut verwendet werden, um die Haut gleichmäßig weichzuzeichnen; dazu bewegt man den Regler leicht in einen negativen Wert.
Face Reshape und Age Transform gibt es nur in der Photo- und der Color-Seite. Den KI-Filter UltraSharpen gibt es neben Color auch in Cut, Edit und Fusion. Er schärft nur die Bereiche, die geschärft werden müssen, und das funktioniert erstaunlich gut. Dabei können jedoch keine Informationen, die in Unschärfe verloren gegangen sind, wiederhergestellt werden. Aber wenn das Gesicht leicht unscharf ist, gibt es bessere Ergebnisse als mit den anderen Schärfe-Funktionen, ohne dass es sich auf den unscharfen Hintergrund auswirkt. Wer es mit dem Schärferegler übertreibt, bekommt auch wieder unnatürliche Artefakte.
Die Funktion KI Motion DeBlur beseitigt Bewegungsunschärfe. Dabei handelt es sich aber nicht um einen klassischen Filter, der auf einen Clip angewendet wird, sondern um ein Tool im Media Pool, mit dem ein neuer Clip berechnet wird. Leider konnten wir diese Funktion nicht testen, da sie eine Grafikkarte mit mindestens 12 GB VRAM erfordert.
Die wahrscheinlich beste neue KI-Funktion ist der AI CineFokus. Sie ist eine erweiterte Version von Depth Matte (in Verbindung mit dem Defocus Background Filter), und das alles in einem Effekt und einem Fenster. Mit ihr lässt sich einfach die Schärfeebene im Bild definieren, um dann die Stärke und den Verlauf der Unschärfe einzustellen. Auch eine Schärfeverlagerung ist mit ihr kein Problem und sieht in den meisten Fällen auch sehr organisch aus. Die Optionen für Unschärfe, Verlauf und Übergänge sind sehr umfangreich; doch auch hier kann man es mit den Einstellungen übertreiben und unnatürliche Effekte erhalten.
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Autor: Christoph Harrer
Bildrechte: Christoph Harrer











