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Praxistest: DaVinci Resolve 21
Fusion
Bei Fusion gibt es zwar keine grundlegend neuen Werkzeuge auf der Oberfläche. Dennoch hat Fusion neben den ganzen KI-Funktionen und der Photo-Seite das größte Set an neuen Optionen bekommen. Die Krokodove-Bibliothek, die in einer Variante ohnehin gratis ist, wurde in die Oberfläche integriert und steht so auch den Nutzern der kostenlosen Version zur Verfügung. Da die Effekte in Fusion meist ohnehin ihr eigenes Toolset bereitstehen, während Fusion nur den Rahmen stellt, sind sie nicht nur Effekte, sondern teilweise eine fundamentale Erweiterung. Die Effekte werden im Handbuch aufgelistet, eine Bedienungsanleitung im klassischen Sinne gibt es aber von BMD nicht.
Im Netz findet man ein etwas veraltetes Handbuch, das einem helfen kann, die Optionen bei einzelnen Effekten besser zu verstehen. Viele der Optionen der Krokodove-Filter lassen sich in Fusion auch auf anderen Wegen erreichen, sind aber teilweise eine Vereinfachung, wie beispielsweise eine unkomplizierte Beschneiden-Funktion. Es gibt viele Möglichkeiten, Text, Grafik oder Bildelemente zu verfremden. Dazu gehört der Rasterize-Node, der einen Text ähnlich einem Pixeleffekt mit geometrischen Formen umwandelt. Der Pack-Node verwandelt ein Bild oder Video in unterschiedliche Formen.
Dazu können auch eigene Formen oder Logos ausgewählt werden. »Stretch« lässt einzelne Teile des Textes strecken, wobei sich im Text festlegen lässt, welcher Bereich gestreckt werden soll. »Bevel« erstellt mit einfachen Einstellungen einen Bevel für einen Text, mit dem die Lichtposition mit zwei Slidern eingestellt werden kann. »Extrude« erlaubt eine 3D-Textdarstellung mit Lichteinstellungen, ohne die 3D-Oberfläche nutzen zu müssen. Mit dem Grow-Effekt wachsen einzelne Buchstaben, unterschiedlich in Reihenfolge und Fortschritt.
Für abstrakte Animationen oder Effekte eignet sich »Generate«, das eine fraktale Veränderung aufgrund der Pixelwerte generiert. Dazu gibt es »Lines«, um Muster aus Linien zu generieren, und »Shapes«, um Kreise und Quadrate zu generieren, die sich schnell animieren lassen. »Microwaves« kann gut verwendet werden, um abstrakte Leuchteffekte zu animieren. Mit »Spherize« wird beispielsweise schnell ein Lupeneffekt erstellt, mit »Stretch« lassen sich auf einfache Weise eingeschränkte Bildbereiche strecken, um beispielsweise nur den Rand etwas auszuweiten, und mit »Shuffle« kann man schnell Glitches in einem Bild generieren. Dabei gibt es noch zahlreiche weitere Tools, um abstraktere Animationen zu erstellen oder Bilder zu abstrahieren.
Hilfreich kann der Recolor-Node sein, bei dem sich einzelne Farben auswählen und ersetzen lassen, um beispielsweise die Farbe einer Grafik schnell zu verändern. Bei Video gibt es auf der Color-Seite aber weit bessere Tools. Die Bedienung all dieser Funktionen ist nicht immer selbsterklärend, und auch die Namen sind teilweise etwas unverständlich. Hier muss man zunächst viel ausprobieren, doch gerade wer sich noch nicht an Fusion herangetraut hat, wird hier einige hilfreiche Filter finden, um schneller zum Ziel zu kommen.
Aber es gibt auch weitere neue Nodes für das USD Geometry Tool. uProjector- und uCatcher-Nodes erlauben, Bilder direkt auf die Objekte zu mappen, und vereinfachen vor allem das Texture-Mapping. Dazu gibt es noch eine Relief Map, um die Textures mit Tiefeneffekten zu erweitern, und den dColor Corrector für die in Version 20 eingeführten Deep Imaging Compositings, die nicht mit den 2D-Nodes bearbeitet werden können.
Mit dem SpeedWarp hat BMD noch ein neues KI-Tool, das bei Zeitlupen neue Bilder interpoliert. Die Einstellungen sind einfach gehalten, und wenn es nicht zu viel Bewegungsunschärfe gibt, sehen die Zeitlupen auch bei 25% Geschwindigkeit immer noch sehr gut aus und sind kaum von echt gedrehten Zeitlupen zu unterscheiden. Lediglich eine leicht unnatürlich wirkende generierte Bewegungsunschärfe kann die Zeitlupe als eine nachträglich generierte entlarven. Die Option steht auch im Render-Fenster in Edit zur Verfügung.
Der Macro Editor, mit dem sich vorgefertigte Effektbäume speichern und bearbeiten lassen, wurde um eine Live-Vorschau erweitert und um eine Oberfläche, die die Macros so auflistet, wie sie im Inspector aussehen werden.
Multi-Inspector nennt BMD die Funktion, mehrere Parameter in den Transform-Eigenschaften in verschiedenen Nodes auf einmal einstellen zu können. Dazu müssen nur die Nodes ausgewählt und dann mit einer Schaltfläche kombiniert werden. So lassen sich die Einstellungen aus mehreren Nodes vereinen, die dann zusammen bearbeitet werden können. Der Keyframe- und Spline-Editor lässt sich aus dem Fensterverbund lösen. Animationen, bzw. einzelne Eigenschaften eines Nodes, lassen sich jetzt mit einem einfachen Befehl z.B. von der Amplitude der Audioausgabe abhängig machen.
Anmerkung zur Stabilität
Bisher hatte ich unter Windows niemals Stabilitätsprobleme mit einer Version von DaVinci seit Version 17, welche anfangs mit Stabilitätsproblemen zu kämpfen hatte, die aber schnell beseitigt wurden. Bei diesem Test, sowohl mit der Beta-Version als auch mit dem finalen Release, gab es viele Abstürze. Beim Einsatz der Geschwindigkeitskurve im Keyframe-Editor mit Bézierkurven stürzte die Software immer ab. Und beim exzessiven Testen der KI-Neuerungen und Intellisearch beendete DaVinci öfters nicht ohne eine Fehlermeldung, vor allem bei der Option »Better«, aber auch bei »Faster«. Etliche Anwendungen von Intellisearch gingen aber auch ohne Probleme.
Und das auf zwei Windows-PCs, die mir zur Verfügung standen. Einer mit einem Ryzen 7, der andere mit einem Intel i9. Dabei hatte keiner eine Grafikkarte mit mehr als 8 GB VRAM. Vor allem die KI-Funktionen scheinen mehr Arbeitsspeicher auf den Grafikkarten zu benötigen. Im normalen Schnittbetrieb und bei Farbkorrekturen gab es kaum solche Probleme; trotzdem kam es auch dann bei der Wiedergabe mehrerer Effekte auf einem Clip zum Absturz, während die meisten dieser Nodes auch bei Version 20 ohne Probleme im Einsatz waren. Die Nvidia-Treiber sind auf dem aktuellen Stand. Woran es nun genau liegt, ist schwer festzustellen. Es dürfte sich schon seit einiger Zeit herumgesprochen haben, dass Windows 11 in einem schlechten Zustand ist. Auch Photoshop, Premiere, After Effects und Acrobat stürzen bei beiden Rechnern regelmäßig ab. Fünf bis sechsmal an einem Arbeitstag ist keine Seltenheit. Ob es nun Windows 11 selbst ist, die KI-Filter zu viel von meiner Grafikkarte fordern, oder an den Treibern von Nvidia liegt, ist schwer zu sagen, wer aber auf die KI-Funktionen und komplexe Retiming-Effekte verzichtet, der bekommt auch unter Windows weitgehend einen stabilen Betrieb. Hierbei sollte man aber eine Grafikkarte mit mindestens 12 GB VRam haben.
Fazit
Die meisten kleinen Verbesserungen und die Photo-Seite kommen auch der kostenlosen Version zugute, während es die KI-Werkzeuge nur in Studio gibt. Insoweit hält BMD die Balance und versorgt beide Nutzerkreise mit Neuerungen. Zwar ist die Photo-Seite an sich schon eine große Neuerung, die dazu führt, dass ich Lightroom endgültig in Rente schicke, doch in der Summe ist dieses Update eine sehr bunte Mischung aus vielen kleinen Verbesserungen, und die Aufzählung der Neuigkeiten wäre auch sehr viel länger geworden, hätte ich hier alle berücksichtigt.
Die neuen KI-Funktionen sind das wichtigste neue Update für Studio-Nutzer oder Anwender, die für die Photo-Seite kaum eine Verwendung haben. Für den Speech-Generator gilt dasselbe wie den KI-Voice-Convert, sie haben ihren Nutzen, können aber nur dafür eingesetzt werden, ganze Sprechertexte synthetisch zu erzeugen, wenn man kein Problem mit dem deutlich synthetischen Klang hat. Zudem kann der Speech-Generator deutsche Texte so gut wie gar nicht herstellen. Intellisearch funktioniert ganz gut, um Gesichter zu finden, dauert aber zu lange, bis ein Ergebnis zur Verfügung steht. Jeder geübte Editor wird das manuell schneller ordnen.
Die KI-Funktionen, die Gesichter von einem »Makel« befreien wollen, indem sie ganze Gesichts- und Kopfformen und das Alter verändern, bringen bei gemäßigtem Einsatz sehr realistische Ergebnisse, bei starkem Einsatz aber eher nicht. Auch der UltraSharpen-Filter ist eine hilfreiche Erweiterung, um kleine Fehler in der Schärfeebene zu korrigieren, und der CineFocus-Filter vereinfacht das Einstellen von Unschärfen, bietet viel Kontrolle und sieht meist wirklich überzeugend aus. Ordner-Gruppen und speicherbare Effektketten in Fairlight werden in meinem Produktionsalltag wahrscheinlich am meisten Einsatz finden. Trotz der Photo-Seite ist BMD mit diesem Update einen kleinen Schritt weiter vorwärts gegangen als mit Version 20. Angesichts des Marktumfeldes ist das aber immer noch weitaus mehr, als alle anderen Hersteller in den letzten Jahren boten.
Autor: Christoph Harrer
Bildrechte: Christoph Harrer


















