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Sony stellt Rialto 65 vor
Sony hat bei einem Event in Pinewood bei London das Rialto 65-Kameraerweiterungssystem für die Venice-2-Kamera vorgestellt. Ausgestattet mit einem 65-mm-Sensor im Seitenverhältnis 1,5:1 erweitert Rialto 65 die Venice 2 auf das 65-mm-Format. Das konnten bis dato nur Kameras wie die Alexa 65 oder die Blackmagic Ursa Cine 17K bieten.

Die Rialto 65 unterstützt den Extension-Modus, bei dem der Kamerakopf vom Venice-2-Gehäuse getrennt ist.
Bei der Rialto 65 ist kurz gesagt ein 65-mm-Sensor in einem Gehäuse untergebracht, das man per Kabel (4,5 m im Lieferumfang, optional 12 m) mit der Sony Venice 2 verbinden oder direkt ohne Kabel am Kamerabody montieren kann. Die Aufzeichnung erfolgt dabei weiterhin auf der Venice 2.
Zusätzlich ergibt sich der Vorteil, dass man bei der Kabelvariante nur den leichten Sensorblock mit Objektiv hat. So lässt sich die Kamera an Orten montieren, an denen man sonst auf kleinere Kameras zurückgreifen musste.
Das Abkoppeln von der Kamera war bei der Venice übrigens bereits früher mit der Rialto (1) und dem Venice 2 Extension System Mini möglich, allerdings »nur« mit dem 8,6K-Vollformat der Venice.
Der Sensor der neuen Rialto 65 ist ca. 2,2-mal so groß und misst 53,75 mm × 35,83 mm.
Dabei erhält man eine Bilddiagonale von (wer hätte es gedacht) 64,60 mm. Der ganze Sensorblock, an den man natürlich Handgriffe und Zubehör bauen kann, wiegt ca. 1,5 kg und misst etwa 115 mm × 154 mm × 63 mm (B × H × T).
Aufgenommen werden kann in 9,6K 3:2 Open Gate (14 bis 30 fps). Außerdem wird aktuell noch ein Modus mit 2,20:1 Seitenverhältnis (14 bis 50 fps) angeboten, der eine kleinere Diagonale von 59,04 mm hat.
Weitere Auslesemodi wie 65 mm 17:9, Vollformat 6,4K 3:2 und S35 17:9 sollen per Software-Update für die Venice 2 in Zukunft noch kommen. Denn eine Sache darf man natürlich nicht vergessen: Die Objektive müssen für 65 mm einen entsprechend großen Bildkreis haben.
Sony verkauft die Rialto 65 ohne Objektivanschluss. Somit ist man auf Adapter von Drittanbietern angewiesen. Das hat aber auch den Vorteil, dass diese passend zu den jeweiligen Objektiven gefertigt werden. Bei entsprechenden Objektiven werden dann auch die Objektivinformationen als Metadaten übertragen. Leitz hat z. B. einen LPL-Mount angekündigt.
Die Rialto 65 verfügt über zwei Base-ISO-Stufen, die erste mit 2.500, die zweite mit 10.000.
Bei ISO 2.500 gibt Sony einen Belichtungsspielraum von mehr als 15 Blenden an. Durch die hohe Lichtempfindlichkeit des Sensors gibt es zusätzlich einen weiteren, stärkeren ND-Filter (3.0). Die 11 Drop-in-ND-Filter der Rialto 65 lassen sich einzeln in den Sensorblock schieben und sind im Lieferumfang enthalten. Die Venice 2 erkennt die Dichte des eingesetzten Filters automatisch. Bei einem Preis von 80.000 US-Dollar für die Rialto 65, die übrigens im ersten Halbjahr 2027 erhältlich sein soll, ist das auch klar.
Zusammengefasst erhält man mit der Rialto 65 einen externen 65-mm-Sensor in einem Gehäuse, den man direkt an die Venice 2 montieren oder per Kabel auch nur den Sensor samt Objektiv nutzen kann. Die Aufzeichnung erfolgt dabei auf der Venice 2. Mit dem Venice-2-System arbeitet man also immer in dessen Color Science und kann beispielsweise auch intern im 16 Bit X-OCN-Format aufzeichnen. Außerdem bleibt natürlich alles andere gleich, da man ja nur einen neuen Sensor kauft. Speicherkarten, Log-Formate usw. ändern sich nicht. Es ist ein wenig so, als ob man bei seinem Auto einfach »nur« einen stärkeren Motor einbaut bei gleichbleibender Ausstattung.
Um den Look von 65 mm mal live zu erleben, bietet sich besonders »The Revenant« an, natürlich auch der Klassiker »Lawrence von Arabien«, der sphärisch gedreht wurde.
Großer Sensor, besonderer Look
Aber was bringt einem dieser neue Motor in Form eines 65mm-Sensors jetzt genau, außer der extrem hohen Lichtempfindlichkeit? Und was macht den »Look« aus?
Großformat kennt man normalerweise aus dem Kino und auch hier eher unter der Bezeichnung 70 mm. Die zusätzlichen 5 mm gegenüber dem 65mm-Aufnahmefilm wurden bei klassischen 70mm-Filmkopien für die Magnettonspuren genutzt. Das eigentliche Aufnahmeformat besitzt also eine Filmbreite von 65 mm und eine Bildfläche von etwa 52,5 × 23 mm.
Daniel Listh Daniel stellt Rialto 65 vor.
Davon zu unterscheiden ist IMAX 15/70. Hier kommt ebenfalls 65-mm-Film zum Einsatz, der allerdings horizontal durch die Kamera läuft. Durch die Verwendung von 15 statt fünf Perforationen pro Einzelbild entsteht ein wesentlich größeres Bildfenster von etwa 70 × 48,5 mm.
Wie bereits erwähnt, ist die Sensorfläche der Rialto 65 mehr als doppelt so groß wie die von 35mm-Vollformat. Dadurch wird der typische Vergleich mit 35mm-Vollformat interessant. Normalerweise braucht man bei einem kleineren Sensor ein weitwinkligeres Objektiv, um den gleichen Bildausschnitt zu bekommen. Bei 65-mm-Großformat ist es genau anders herum: Man braucht ein Objektiv mit längerer Brennweite, um den Bildausschnitt vom 35mm-Vergleich zu bekommen. Dadurch ergibt sich zunächst eine geringere Schärfentiefe, was neben ästhetischen Vorteilen natürlich auch »Nachteile« mit sich bringt. Fokusziehen ist schwieriger, man muss abblenden, um mehr Schärfentiefe zu bekommen. Das bedeutet auch mehr benötigtes Licht.
Und hier schließt sich der Kreis zu den zunächst verwunderlich erscheinenden hohen Base-ISO-Zahlen: Mit denen kann mehr abgeblendet werden. Dadurch erhält man ein Kamerasystem, das sich auch außerhalb kontrollierter Studiobedingungen nutzen lässt. Erreicht wird das Ganze durch den Sony-typischen Umgang mit Sensorfläche und Pixelanzahl/-größe. Die Formel dafür ist: großer Sensor, moderate Pixelanzahl und entsprechend größere Pixel. Das ergibt eine höhere Lichtempfindlichkeit.
Da man mit 65 mm ja längere Brennweiten für den gleichen Bildausschnitt wie bei 35 mm nutzt, ist das Bokeh dementsprechend auch präsenter im Bild. Zusätzlich wirken die Aufnahmen durch die Kompression subjektiv räumlicher und ruhiger, da man mit der längeren Brennweite auch einen größeren Aufnahmeabstand hat. Interessant wird es auch im kürzeren Brennweitenbereich. Um auf einen weitwinkligen Bildausschnitt zu kommen, braucht es bei 65 mm ja keine extrem kurzen Brennweiten. Somit hat man selbst bei einem weiten Bildausschnitt kaum bis gar keine Verzerrungen von Linien.
Kameravergleich und Objektive
Bei der Präsentation der Rialto 65 standen zwei Venice-Kameras nebeneinander, eine »normale« mit Vollformat und eine mit dem Rialto-65-System, die Brennweiten abgestimmt. So konnte man die Unterschiede direkt sehen.
Neben den Kameras konnten wir auch auf eine interessante Auswahl an Objektiven zum Testen zugreifen. Wie bereits erwähnt, benötigt man Linsen mit einem entsprechend großen Bildkreis, um die gesamte Sensorfläche auszuleuchten. Andernfalls kommt es zu einer sichtbaren Vignettierung bis hin zu schwarzen Bildrändern. Die kommenden Auslesemodi sollen hier Abhilfe schaffen, indem sie den genutzten Sensorbereich verkleinern und dadurch auch Objektive mit einem kleineren Bildkreis ermöglichen. Allerdings verzichtet man damit teilweise auf die Vorteile des Großformats und den damit verbundenen Look.
Passende Optiken wären im Satz z. B. die Zeiss Panoptes 65, die es von 25 mm bis 180 mm mit je T2.2 gibt. Arri hat gleich mehrere 65mm-Serien: Prime DNA (Rehousing-Optiken), Prime 65 (S) und Vintage 765.
Wichtig ist bei der Linsenauswahl eigentlich immer nur der Bildkreis von 65 mm. Es gibt auch Optiken, die nicht explizit für 65 mm ausgeschrieben sind, aber dennoch einen passenden Bildkreis haben. Weiterhin gibt es die Leitz-Thalia-Serie sowie Panavision System 65 und Primo 65. Vantage Hawk65 sowie Atlas Kaizen sind anamorphotische Serien. Mit ihrem 3:2-Sensor bringt die neue Rialto natürlich beste Voraussetzungen für die Aufnahme im Breitbild (siehe Artikel Anamorphot) mit.
Ein weiteres Highlight war für mich der Moment, als der Techniker von Sony ein anamorphotisches 105-mm-Objektiv von Caldwell auf die Rialto 65 montiert. Anamorph gedrehte Bilder haben einfach einen eigenen speziellen Look, vor allem aber bringt es extrem viel Bildinformation auf die Leinwand. Gepaart mit Großformat, das ja ebenfalls »viel Bild zeigt«, konnte ich mit dem 105 mm aus 4 m Entfernung eine Totale drehen. Aber darum geht es gar nicht, sondern eher um diese geballte Kombination der beiden Looks. Die grüne anamorphotische Caldwell-Optik in Verbindung mit der Rialto 65 war beim Sony Event dann auch sozusagen der »Publikumsmagnet«.
Hands On
Vor Ort konnte ich den Sensorblock mit verschiedenen Optiken »handheld« testen. Eine Sache, die vielen von uns direkt aufgefallen ist: Das ganze System ist sehr ausgewogen und nicht kopflastig, wie man es zumindest bei schwereren Optiken erwarten würde. Beim Filmen aus der Hand ist natürlich irgendwann die Brennweite der limitierende Faktor.
Mit der auf den Rücken geschnallten Venice lässt sich die Rialto 65 wunderbar halten, während man einen Schauspieler rennend über Dächer verfolgt und ihm dann an ein Seil geriggt über einen Abgrund durch eine Fensterscheibe hinterherspringt.
Für Rennaufnahmen wird die Rialto 65 vorne an der Stoßstange eines Wagens montiert. Das Kabel geht in das Auto, wo die Venice befestigt ist. So lassen sich vergleichbar hohe Geschwindigkeiten fahren. Das alles mit einer 65-mm-Kinokamera.
Durch die hohen Base-ISO-Werte kann man die Venice/Rialto-Kombination sehr flexibel auch outdoor nutzen, und da liegt auch eine Stärke des großen Formats: »epische« Lawrence-Landschaftsaufnahmen, bei denen keine Details verschwimmen.
In Innenräumen hat man durch die relativ lange Brennweite in Kombination mit dem trotzdem weiten Bild ein Anamorphot-ähnliches Erlebnis.
Durch die Kombination aus 65-mm-Sensor und der Rigging-Flexibilität der kleinen Sensoreinheit ist die Rialto 65 ein hochspezialisiertes Arbeitsgerät, das bei Film- und hochwertigen Werbedrehs zum Einsatz kommen kann – und wohl auch häufig wird.
Autor: Sas Kaykha
Bildrechte: Sas Kaykha
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