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G&L Systemhaus mit KI-Gebärdensprachlösung

Das Vorhaben soll die Deutsche Gebärdensprache (DGS) mittels KI-generierter Avatare für Live- und On-Demand-Streaming skalierbar zugänglich machen.

Finalist Social Impact.

Das Kölner Systemhaus G&L Systemhaus hat sein Projekt »Closing the Sign Language Gap: AI-Powered Sign Language for Live and On-Demand Streaming« für die IBC2026 Awards in der Kategorie Social Impact eingereicht.

G&L Systemhaus baut und betreibt Streaming-Infrastrukturen für Sender, Behörden und Live-Events, unter anderem für deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, das Europäische Parlament und die Deutsche Telekom. Aus dieser Arbeit heraus identifizierte das Unternehmen ein wiederkehrendes strukturelles Problem: Gebärdensprachdolmetschung wird von Kunden regelmäßig nachgefragt und in öffentlichen Ausschreibungen häufig aus rechtlichen Gründen vorgeschrieben, scheitert in der Praxis aber oft an fehlenden skalierbaren Lösungen. Qualifizierte Dolmetscher seien rar und teuer, Live-Events erforderten aus physischen Gründen zwei Dolmetscher pro Einsatz, und die notwendige Vorlaufzeit von mehreren Wochen mache kurzfristige oder kleinere Einsätze praktisch unmöglich.

©G & L

Alexander Leschinsky.

Von 3D-Avataren zur KI-Lösung

G&L-Mitgründer und CEO Alexander Leschinsky experimentierte nach eigenen Angaben zunächst mit 3D-Avatar-Technologie auf Basis von Game-Engines wie Unity und Unreal – ohne Erfolg. Die linguistische Komplexität von Gebärdensprache, mit Raumgrammatik, Mimik, Klassifikatoren und Gleichzeitigkeit mehrerer Informationsebenen, ließ sich mit reiner 3D-Modellierung nicht abbilden. Daraus leitete G&L vier Anforderungen an eine tragfähige Lösung ab: ein tiefes Verständnis der Arbeitsweise menschlicher Dolmetscher, eine fundierte linguistische Basis, eine von Beginn an community-orientierte Entwicklung sowie broadcast-taugliche technische Ausgabeformate.

Partnerschaft mit Signapse, Norsk und Akamai

Auf der IBC 2025 traf G&L auf das britische KI-Unternehmen Signapse, das aus einem Forschungsprojekt der University of Surrey mit Beteiligung der University of Oxford und des University College London hervorgegangen ist und vom Engineering and Physical Sciences Research Council gefördert wurde. Die fotorealistischen Digital-Signer-Avatare von Signapse basieren auf umfangreichen Aufnahmen professioneller, in der Gehörlosengemeinschaft anerkannter Gebärdensprachdolmetscher und wurden in enger Zusammenarbeit mit der Royal Association for Deaf People entwickelt. CEO Sally Chalk bringt 21 Jahre Erfahrung als Geschäftsführerin einer britischen Gebärdensprachdolmetscher-Agentur mit.

© G&LSignapse erfüllte drei der vier von G&L definierten Anforderungen; die fehlende Broadcast-Pipeline-Integration übernahm G&L selbst als Systemintegrator. Ab September 2025 baute das Unternehmen die technische Infrastruktur auf: Für die Live-Streaming-Pipeline kam Norsk von id3as zum Einsatz, dessen Media SDK Echtzeit-Videoworkflows inklusive Picture-in-Picture-Compositing ermöglicht. Für die Content-Auslieferung setzt die Lösung auf Akamai Technologies und dessen Adaptive Media Delivery für skalierbare, weltweite Verteilung.

Die Gesamtlösung akzeptiert Text, Live-Audio oder Video als Eingabe und liefert signierte Videoausgabe über Standardprotokolle wie RTMP, HLS, LL-HLS und MP4 aus. Unterstützt werden gängige Seitenverhältnisse (16:9, 9:16, 1:1, 4:5) sowie Picture-in-Picture-Einbindung, die Integration in bestehende Broadcast-Infrastrukturen erfolgt über offene APIs und SDKs ohne Systemumbau.

DGS-Modelle auf Basis eines gehörlosen Dolmetschers

Signapses Digital-Signer-Modelle sind für British Sign Language und American Sign Language bereits produktiv im Einsatz. Seit Frühjahr 2026 entstehen auf dieser Grundlage zwei DGS-Modelle, basierend auf umfangreichen Videoaufnahmen von Andreas Costrau, einem selbst gehörlosen, staatlich geprüften Gebärdensprachdozenten aus Berlin. Costrau, Gründer von gebaerdenservice.de und DGS-Coach für Schauspieler, ist während der gesamten Entwicklung eingebunden und liefert linguistische Beratung sowie Qualitätsprüfung.

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