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Ach, Fernsehen!

Fasching, respektive Karneval, ist vorbei — die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens merken das daran, dass die endlosen Karnevalssitzungen im Abendprogramm jetzt wieder abgelöst werden durch TV-Filme, in denen wahlweise Christine Neubauer oder Christiane Hörbiger als Nonnen, adlige Damen, Unternehmerinnen, gereifte Teufelsweiber oder überforderte Mütter auftreten und in denen Fritz Wepper mal den Bürgermeister, mal den Psychiater oder den Grafen gibt. Als Alternative bieten sich Rosamunde-Pilcher- und Inga-Lindström-Filme an, bei denen schon die ersten zehn Sekunden des Soundtracks im Grunde den ganzen Film erzählen.

Schon 1990 sang Bruce Springsteen: »57 Channels and nothin‘ on« — heute sind es eben 570. Selbst bei den Sendern, die eigentlich verpflichtet wären, Vielfalt widerzuspiegeln, ist dieses Ansinnen schon längst verbannt und einem jeweils sendertypischen, zähen Brei gewichen. Der kann mal aus Talk-, Quiz- und Kochshows bestehen, oder aus alten Serien. Dazwischen noch ein bisschen Casting- und irgendeine »Deutschlands-Größte«- oder Chart-Show eingestreut, fertig.

Aber es gibt doch so viele Sender und so viel Auswahl. Ach ja, stimmt: Beim Quiz hat man die Wahl zwischen Jauch, Pflaume, Pilawa oder auch mal Hirschhausen, die aber bei Bedarf auch nach »Deutschlands schlaustem Was-auch-immer« suchen. Außerdem kann sich der Zuschauer frei entscheiden, ob er den Gesundheitsexperten Karl Lauterbach oder den Trigema-Chef Wolfgang Grupp lieber bei Anne Will, Günter Jauch, Frank Plasberg, Reinhold Beckmann, Markus Lanz oder Sandra Maischberger sehen will.

Ist das die Zukunft des Fernsehens? Gibt es irgendwann nur noch Themenkanäle: ein paar für alte Serien, ein paar für neue Serien, ein paar für Scripted Reality, ein paar für kulinarische Themen, ein paar für Comedy, ein paar für Krimis? Wer übrigens den Kulturpessimismus auf die Spitze treiben und den aktuell neuesten Tiefstand der TV-Landschaft in Deutschland sehen will, dem sei ein Scripted-Reality-Format von RTLII ans Herz gelegt: »Liebe im Paradies«.

Es ist müßig, zu fragen, ob das alles sein muss. Aber schade ist es schon, denn eigentlich ist Fernsehen ein tolles Medium, das informieren, unterhalten, berühren und sogar bilden kann — auch und gerade in Zeiten, in denen es neue Medien und Verbreitungswege gibt, mit denen das Fernsehen mithalten muss. Es gibt Leute, die finden am Fernsehen toll, dass man dort zufällig auf Dinge stoßen kann, nach denen man im Internet niemals gesucht hätte: Musikstile, Bands, Orte oder Sachverhalte, von deren Existenz man nichts ahnte, hier werden sie frei Haus geliefert — aber nur an den wenigen Stellen im Fernsehbereich, wo eben noch nicht der klebrige Einheitsbrei alles andere erstickt.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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