Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Dr. Frank Hoffmann: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Dr. Frank Hoffmann. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

B_0105_Premiere_HoffmannDr. Frank Hoffmann ist Head of Key Accounting Technology bei Premiere. Premiere bietet Pay-TV-Programme an und hat für den 1. November 2005 den Sendestart von drei HDTV-Programmen angekündigt.

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer Sicht ändern?

Premiere plant, ab dem 1. November 2005 drei Programme in HDTV auszustrahlen. Daher ist High Definition für uns und für meinen Tätigkeitsbereich ein enorm wichtiges und spannendes Thema.
Premiere als Pionier für digitales Fernsehen ist ja dafür bekannt, bei technologischen Innovationen immer eine Vorreiterrolle einzunehmen. Für Premiere ist HD deshalb ein ganz heißes Thema, hier geht es schließlich um das »Fernsehen der Zukunft«.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen werde. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Die Fußball-WM hatte schon einmal Signalwirkung für das Fernsehen, schließlich kann man den Durchbruch vom Schwarzweiß- zum Farbfernsehen auch an einer Fußball-Weltmeisterschaft festmachen.
Jetzt kann eine Fußball-WM erneut einer vergleichbaren technologischen Neuerung zum Durchbruch verhelfen: Sehr viele Menschen werden allein in Deutschland vor dem Fernseher sitzen, und wer die Möglichkeit hat, die Übertragungen in HDTV zu sehen, wird begeistert sein.
Wer beispielsweise schon einmal eine Fußballübertragung in HD gesehen hat, der weiß, dass diese Qualität um Klassen besser ist, als bei digitalen Standard-Signalen.
HD ist die beste Form, die ich bisher beim Fernsehen gesehen habe, um mitten im Geschehen zu sein. Das könnte der entscheidende Durchbruch für das hochauflösende Fernsehen werden.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD im Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

Viele Sender reagieren sehr zurückhaltend beim Thema HDTV, weil es nicht ausreichend TV-Haushalte mit entsprechenden Geräten gibt. Beim Zuschauer müssen Receiver stehen, die HD empfangen können, und Displays, die HD darstellen können.
Die Displays sind aber noch relativ teuer – deutlich teurer als die Receiver. Deshalb wird die Entwicklung des Display-Marktes einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg von HD haben. Die Prognosen für den Display-Absatz sehen ja ganz gut aus: Es wird erwartet, dass in diesem Jahr zum ersten Mal der Absatz von Flachbildschirmen größer sein wird als der Absatz von Röhrengeräten.
Das allein reicht aber für den Erfolg von HDTV sicher nicht aus. Um den Zuschauer von HDTV überzeugen zu können, muss es auch Sender geben, die Programme in HD ausstrahlen.
Premiere ist bisher der einzige Sender in Deutschland, der konkrete Pläne für HDTV-Programme hat. Nach wie vor scheuen die TV-Unternehmen in Deutschland kostspielige Investitionen, die nicht sofort refinanzierbar sind.
Damit sich HD auf Seiten der Sender einigermaßen rechnet, muss zunächst die benötigte Bandbreite, die ein großer Kostenfaktor ist, so gering wie möglich gehalten werden. Mit den bisherigen Kompressionsmethoden, also mit MPEG-2, benötigt man fürs Ausstrahlen von HD im Vergleich zum herkömmlichen digitalen Fernsehen ungefähr die fünffache Bandbreite – das ist natürlich sehr kostspielig. Mittlerweile sind aber Lösungen in Sicht, etwa in Form von MPEG-4 und anderen Kompressionstechnologien, mit denen man es schafft, die für HD benötigte Brandbreite auf das Doppelte der Standard-Signale zu begrenzen. Ich denke, das ist eine vernünftige Basis, auf der man funktionierende Business-Modelle aufbauen kann.
Ausgehend von dieser Voraussetzung hat Premiere als Abo-TV-Anbieter mit qualitativ hochwertigen Programminhalten die Chance, ein vernünftiges Geschäftsmodell zu etablieren und HD zu positionieren. Wir sehen HD daher als große Chance, die wir natürlich auch dem-entsprechend nutzen wollen.

**Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können? Spielt das für Ihren Tätigkeitsbereich eine Rolle? Was erwarten Sie beim Thema HDTV von den öffentlich-rechtlichen Anbietern, was von den privaten?

Eine konkrete Prognose fällt hier schwer. Premiere plant jedenfalls den Start seiner HDTV-Programme für den 1. November 2005.
Wie schon bei der Einführung des digitalen Fernsehens werden die meisten anderen TV-Sender erst einmal abwarten und Premiere die Vorreiterolle überlassen. Die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender haben bisher jedenfalls beim Thema HDTV sehr zurückhaltend reagiert. Regelmäßige HDTV-Programme bei mehreren Sendern wird es deshalb aus meiner Sicht in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht geben.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plasma- und LC-Displays?

Ganz allgemein betrachtet kann man feststellen, dass die Displays bei den Zuschauern immer größer werden. Damit wird natürlich die subjektiv wahrgenommene Auflösung auf dem Bildschirm eigentlich immer schlechter. Das bedeutet wiederum, dass es einen zunehmenden Bedarf nach besserer Bildqualität geben wird. Und das kann nur HDTV sein!
Ein qualitativ gutes HD-Display ist derzeit ab 2000 Euro zu bekommen. Je mehr sich diese Technologie jedoch verbreitet, desto mehr wird HD davon profitieren, desto günstiger werden auch die Displays werden. Natürlich werden auch Entwicklungen wie etwa die HD-DVD einen großen Einfluss haben.
Nicht zuletzt wird auch Premiere mit seinen HDTV-Programmen einen Beitrag zum Erfolg von HDTV leisten. Aus meiner Sicht ist klar: Je mehr HD insgesamt zu sehen und zu erleben ist, desto mehr Nachfrage nach HDTV wird es auch geben.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen? Nennen Sie uns bitte die Eckwerte und ergänzen Sie diese mit einer kurzen Begründung.

Bereits im Vorfeld der IBC 2004 hatten sich die wichtigsten europäischen Programmveranstalter und Gerätehersteller mit SES Astra auf Standards, Zeitfenster und ein Logo zur HDTV-Einführung in Europa geeinigt. Die EICTA hat jetzt ein Label entwickelt und vorgestellt, das Displays und Beamer als HDTV-tauglich kennzeichnet. Voraussetzung für die Vergabe des Labels ist eine Mindestauflösung von 720 Zeilen vertikal, die Abbildung von 1080i und 720p, jeweils mit 50 und 60 Hertz, sowie eine integrierte DVI- oder HDMI-Schnittstelle, die den Kopierschutz HDCP unterstützen.
Insofern gibt es schon gewisse Eckwerte für HD. HD-Receiver werden dagegen im Grunde schon relativ flexibel sein und meist mehrere Formate darstellen können. Insgesamt kann man schon heute feststellen, dass die notwendigen Geräte relativ flexibel sein müssen. Dann können auch alle gesendeten Programme empfangen und abgebildet werden.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_Premiere_Hoffmann.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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