Top-Story: 18.04.2006

Hollywood inside: Kodak

Postproduction-Trends aus Hollywood — Site-Report Kodak: Film bleibt Film – für eine lange Zeit. (PDF-Download am Ende des Textes.)

»Film wird auch im Zeitalter der Digitaltechnik noch für eine sehr, sehr lange Zeit weiterleben.« Das sagt Robert Gibbons, Marketing Director der Kodak-Abteilung Entertainment Imaging in Los Angeles nicht bloß so dahin, sondern er hat handfeste Zahlen, auf die er sich bei seiner Prognose berufen kann: So blieb das von der Abteilung »Entertainment Imaging« weltweit abgesetzte Filmvolumen in den vergangenen Jahren nahezu konstant und ist in etlichen Regionen der Welt sogar noch weiter angestiegen. Selbst im Bereich 16mm-Film verzeichnet Kodak demnach weltweit gesehen starke Zuwächse. Auf Basis der Firmenzahlen ist es durchaus nachvollziehbar, wenn Gibbons folgert, dass dem Film in der Medienproduktion noch eine lange Zukunft bevorstehe.

Ein Unternehmen wie Kodak verschlösse sich jedoch der Zukunft, wenn es sich nicht gleichzeitig mit den aktuellen Trends der Digitaltechnik in der Postproduktion und in der Distribution beschäftigte. Einer dieser Trends heißt Digital Cinema, und für Robert Gibbons ist das neben der Postproduktion eines der zentralen Themen, mit denen er sich bei Kodak beschäftigt.

Gibbons hat schon in den 90er Jahren die ersten Gehversuche des Unternehmens in der Postproduktion hautnah miterlebt: etwa mit den digitalen Cineon-Postproduktionssystemen, die Kodak vorstellte und mit der Gründung von Cinesite, einer von Kodak selbst betriebenen Visual Imaging Facility in Hollywood. Während der Versuch mit den Cineon-Produkten neue Märkte für Kodak zu erschließen, später wieder aufgegeben wurde, setzte Kodak im Jahr 2003 mit dem Kauf der etablierten Post-Facility Laser Pacific, die in Hollywood zu den ganz Großen zählt, einen zusätzlichen Akzent im Postproduction-Dienstleistungsbereich.

Auch aus der Sicht von Robert Gibbons ist klar, dass die Digitaltechnik in der Postproduktion längst auf breiter Front Einzug gehalten hat, doch er betont, dass Film nicht nur in der Akquisition, sondern auch in diesem Bereich an bestimmten Stellen der Bearbeitungskette nicht wegzudenken sei.

In der Distribution sieht Gibbons ein großes Potenzial für digitale Präsentationstechniken: Schließlich bieten diese für die großen Studios die Möglichkeit, die Kopienkosten ihrer Kino-Releases deutlich zu reduzieren. Doch bislang, so Gibbons, fehle es auch in den USA noch an einem Business-Modell, das Digital Cinema für Kinobetreiber gleichermaßen wie für die Studios interessant mache. Er prognostiziert daher, dass es wohl noch etliche Jahre dauern werde, bis eine großflächige Infrastruktur für die digitale Distribution in Kinos vorhanden sei.

Dennoch ist auch Kodak mit etlichen Systemen im Digital-Cinema-Bereich aktiv. Für die nahe Zukunft erwartet Gibbons, dass sich zunächst digitale Systeme fürs Einspielen von Werbung oder Previews etablieren werden. Von den 36.000 Screens in den USA zeigten rund 28.000 Preview-Programme, und diesen Markt will Kodak mit digitalen Pre-Show-Systemen angehen. Darunter versteht der Hersteller digitale Videoprojektionssysteme und Server, mit denen Trailer und Werbung vor dem Hauptfilm gezeigt werden.

Mit rund 1.200 Leinwänden, die Kodak in den USA schon bestücken konnte, sei das Unternehmen Marktführer bei den digitalen Pre-Show-Systemen im Heimatland des Unternehmens, so Gibbons. Kodak bietet solche Systeme als Komplettlösung an und Robert Gibbons kann sich gut vorstellen, dass die Kinobetreiber über diesen Weg den Schritt in die digitale Filmprojektion wagen. Er sieht jedoch durchaus die Nöte der Kinobetreiber: Wer in ein digitales Vorführsystem investiere, benötige auch möglichst viele digitale Releases der Studios, und daran mangle es derzeit noch. Hierin sieht der Kodak-Mann den eigentlichen Hemmschuh bei der Einführung von Digital Cinema – und nicht etwa in technischen Limitationen von Digital Cinema.

Auf die Frage, ob in der digitalen Projektion die 4K– schon bald die 2K-Projektion ablöse, hat Gibbons eine einfache Antwort: 2K funktioniere mittlerweile recht gut, dieser Technik würden die Kunden vertrauen. Bei 4K sei das noch nicht der Fall. Gibbons möchte die Qualitäts-Diskussion auch nicht nur auf die Auflösung reduziert wissen. Bei der Bildqualität spielten auch Kontrast, Farbe und etliche andere Faktoren eine wichtige Rolle – und diese Erkenntnis, so Gibbons, gehe bei der 2K/4K-Diskussion leider all zu oft unter.

Kodak: Unternehmens-Infos

George Eastman begründete vor über 100 Jahren die Kodak-Company, die in ihrer Geschichte zu einem internationalen Unternehmen wuchs, das Niederlassungen in aller Welt betreibt und neben dem professionellenFilmbereich zahlreiche weitere Märkte bedient.

Nach einer Neugliederung der internen Strukturen, die den aktuellen Entwicklungen speziell auch im Bereich der Digitaltechnik Rechnung tragen soll, ist Kodak nunmehr in vier große Unternehmensbereiche eingeteilt. Einer davon ist »Digital & Film Imaging Systems«, der unter anderem die Geschäftsfelder Digital Cinema wie auch Kodak-Produkte für Film & Fernsehen betreut. Die Kodak-Niederlassung in Los Angeles ist für den US-Markt zuständig und konzentriert sich auf die Produktions- und Postproduktions-Community in Hollywood.

Kodak: Hard- und Software für Digital Cinema

Kodaks Pre-Show-Lösung ist eine Komplettlösung, um Trailer und Werbung vor dem Hauptfilm digital zu projizieren. Kodak liefert das System als Paket aus einem Server und Bedien-Software im Verbund mit unterschiedlichen Projektoren aus. Das System ist skalierbar und lässt sich für unterschiedlich große Kinos anpassen. Ein Upgrade dieses Systems bietet auch beim Pre-Show-Programm Surround-Sound, was besonders für den amerikanischen Markt besonders wichtig ist.

Mit den Digital Cinema Services bietet Kodak die Möglichkeit, den Content, der beispielsweise via Pre-Show-System gezeigt wird, zu verwalten, aufzubereiten, zu prüfen und an die teilnehmenden Kinos zu distribuieren.

Der Kodak CineServer ist ein System, mit dem Kinounternehmen Inhalte verschlüsseln, zu dekomprimieren und an Projektoren mit einer Auflösung von bis zu 2K verteilen können. Der Kodak CineServer unterstützt zurzeit das MPEG-2-Dateiformat und in der Feature-Variante auch JPEG2000 (nach DCI-Spezifikationen).

Wenn Sie auf den unten stehenden PDF-Dateinamen klicken, können Sie ein PDF herunterladen, das alle vier Teile des Hollywood-Postproduction-Specials enthält.

Downloads zum Artikel:

T_0406_PostHollywood.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Top-Story