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Postproduction: Kleiner, schneller und billiger

Avid kündigte im Umfeld der NAB2008 Preissenkungen an, präsentierte neue Beschleuniger-Hardware und dazu passende Software-Versionen, die zu deutlich günstigeren Konditionen mehr Funktionalität bieten sollen. Damit reagiert der Editing-Experte auf einen Trend, der sich im Postproduction-Bereich schon seit Jahren gefestigt hat und der im Editing nun eben ganz stark zu verzeichnen ist: Software muss immer mehr bieten und darf immer weniger kosten.

Apple hat vorgemacht, wie man diese Anforderungen erfüllt und dabei trotzdem noch Gewinn macht: Wer hätte vor Jahren gedacht, dass aus dem kleinen Editing-Programm Final Cut Pro eine Software werden könnte, mit der Videojournalisten und Postproduction-Spezialisten ebenso arbeiten, wie Broadcast-Journalisten in den Newsrooms auf aller Welt.

Sicher, eingefleischte Avid-Anwender rühmen nach wie vor die Funktionalität und die vielen Vorteile im Detail, die ein etabliertes Avid-Postproduction-System bieten kann. Aber das reicht den Kunden nicht mehr — sie wollen mehr: Etwa, dass neue Trends und Formate in der Akquisition möglichst schnell in die Softwares implementiert werden und dass es ausreichend Schnittstellen bei Im- und Export, aber auch zu anderen Systemen gibt. Verlangt der Kunde mit dem Wunsch nach enger Vernetzung zuviel? Prinzipiell ganz sicher nicht, aber wenn das alles nichts kosten darf, dann schon. Denn die vielzitierte Workflow-Optimierung erfordert beim Hersteller Erfahrung, Zeit und viel Austausch mit denen, die täglich mit den Produkten arbeiten. Das kostet wiederum Geld, das aber nicht alle Kunden bezahlen wollen. Und so polarisiert sich der Postproduction-Markt eben weiter in teure High-End-Systeme und in günstigere Einsteiger-Softwares. Die breite Mittelschicht dazwischen bricht immer mehr weg – ein Effekt, den der Hersteller Avid, der in diesem Bereich lange Jahre gutes Geld verdient hatte, nun schmerzlich spüren muss.

Was bedeutet diese Polarisierung für den Markt? Beim Kunden gibt es sie letztlich schon längst nicht mehr, denn in einer Post-Facility steht nun mal neben einem teuren Autodesk-VFX-System ein kleiner After-Effects-Arbeitsplatz, der dem teuren System vielfach zuarbeitet — auch wenn das teilweise länger dauert und die Abläufe nicht immer optimal sind. Und bei manchem Sender wird jetzt mit Final Cut Pro geschnitten, wo früher vielleicht vielleicht noch ein teureres Avid-System im Einsatz war.

Beim Kunden hat die Marktveränderung und -polarisierung also schon längst stattgefunden. Jetzt müssen die Hersteller noch eine Lösung dafür finden, mit der neuen Situation umzugehen und jene vernetzten Produkte und Technolgien zu liefern, die der Endkunde braucht. Und das sollten Sie bald tun.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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