Branche: 22.07.2014

CinePostproduction: Ein Jahr nach dem Insolvenzantrag

Vor rund einem Jahr stellten CineMedia und deren Tochterunternehmen CinePostproduction Insolvenzantrag. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt und Steuerberater Stephan Ammann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH bestellt. Was hat sich seither getan, wie geht es weiter? film-tv-video.de sprach darüber mit Wolfgang Bernhardt, dem zuständigen Mitarbeiter des Insolvenzverwalters.

Wolfgang Bernhardt ist Rechtsanwalt und Diplom-Kaufmann und als zuständiger Mitarbeiter des Insolvenzverwalters Stephan Ammann mit dem bisherigen und aktuellen Geschehen bei der CinePostproduction bestens vertraut. Wie es dazu kam, dass CinePostproduction derzeit de facto von Insolvenzspezialisten geleitet wird und wie es mit dem Unternehmen weiter gehen soll, fragte film-tv-video.de bei Wolfgang Bernhardt nach.

Vorgeschichte der Insolvenz

Im August 2013 hatte die CineMedia AG, der die CinePostproduction GmbH als 100-%-Tochter gehört, per Pressemitteilung bekannt gemacht, dass sie »rechnerisch überschuldet« sei und Finanzierungsgespräche mit den Großaktionären erfolglos verlaufen seien. Einige Tage später stellte die CinePostproduction Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens (siehe frühere Meldung hierzu). Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Stephan Ammann bestellt, der zunächst beschloss, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und den Versuch zu unternehmen, CinePostproduction zu sanieren.

Am 1. November 2013 eröffnete das Amtsgericht München dann das Insolvenzverfahren über das Vermögen der CinePostproduction GmbH (siehe frühere Meldung hierzu) und setzte Stephan Ammann als Insolvenzverwalter ein. Wolfgang Bernhardt ist seither der zuständige Mitarbeiter für CinePostproduction bei Pluta.

Wie konnte es so weit kommen?

Zwei wesentliche Faktoren macht Wolfgang Bernhardt für die zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags bestehenden wirtschaftlichen Probleme der CinePostproduction verantwortlich: Der technische Wandel mit der Abkehr vom chemischen Film zur Digitaltechnik erfolgte schneller als vom Management erwartet und konnte nicht rasch genug bewältigt werden. Der zweite große Brocken waren die Pensionsverpflichtungen, die der CinePostproduction die finanziellen Spielräume abschnitten. So gab es zahlreiche, sehr hohe und schon lange bestehende Ansprüche auf Pensionen und Betriebsrenten.

Was bisher geschah

Der Insolvenzverwalter nahm zunächst Restrukturierungsmaßnahmen vor: Das letzte Kopierwerk des Unternehmens in Berlin wurde geschlossen, auch die Standorte in Hamburg und Köln wurden abgewickelt. Für die hiervon betroffenen Mitarbeiter wurde vom Betriebsrat und dem Insolvenzverwalter ein Transfersozialplan ausgehandelt: Die Mitarbeiter wechselten in eine Transfergesellschaft, mit dem Ziel, dort für andere Tätigkeiten qualifiziert zu werden. Nach sechs Monaten in der Transfergesellschaft haben laut Wolfgang Bernhardt rund 80 % der Mitarbeiter eine Anschlusstätigkeit gefunden.

Vom 100-%-Tochterunternehmen Licht & Ton LTGV GmbH, das im Rental-Bereich tätig war, hat sich CinePostproduction im ersten Quartal 2014 getrennt.

Mit dem Insolvenzverfahren konnten auch die wachsenden Pensionsverpflichtungen der CinePostproduction zunächst abgeschnitten werden. Nun ist der Pensionssicherungsverein der größte Gläubiger der CinePostproduction.

Der aktuelle Stand

Durch diese und weitere Maßnahmen konnte das Ziel des Insolvenzverwalters erreicht werden, die Betriebsteile, die sich mit Ton, digitaler Bildbearbeitung, der Lagerung von Filmmaterial und dem DCP-Geschäft befassen, an den Standorten München und Berlin zu erhalten. Rund 110 Mitarbeiter beschäftigt CinePostproduction derzeit, das Unternehmen konnte auf diesem Niveau stabilisiert werden.

»Der Geschäftsbetrieb wurde nahtlos fortgeführt«, erläutert Wolfgang Bernhardt. »Alle zu Beginn des Insolvenzverfahrens bestehenden Projekte wurden termingerecht fertiggestellt und es konnten seither auch zahlreiche neue Projekte akquiriert werden. Das Vertrauen der Kunden kehrt zurück, der Geschäftsbetrieb läuft ganz normal weiter. Dass sich etwas tut, können die Kunden und Interessenten unter anderem auch an der neuen Homepage des Unternehmens sehen. Ein Insolvenzantrag bedeutet nicht das Ende für ein Unternehmen,« betont Wolfgang Bernhardt, »sondern bietet die Chance für eine nachhaltige Restrukturierung und damit für einen Neuanfang. Die Insolvenzverwaltung hat die notwendigen Sanierungsmaßnahmen daher zügig durchgeführt, um die Weichen für die Fortführung zu stellen.«

Wie geht es weiter?

Insolvenzverfahren unterliegen keiner zeitlichen Begrenzung, sie können über viele Jahre andauern, während der die Unternehmen operativ normal weiter arbeiten. So war das etwa auch bei Teilen der Kirch-Gruppe. Aber ist bei CinePostproduction ein Ende absehbar?

»Derzeit können wir dazu keine konkreten Angaben machen«, erklärt Wolfgang Bernhardt. »Die CinePostproduction ist operativ rentabel, wir können deshalb Gespräche mit Übernahmeinteressenten ohne Druck führen, was wir auch tun.«

Wie groß sind die Chancen, einen Käufer zu finden, der die CinePostproduction fortführt? »Das frühere Management von CinePostproduction hatte schon vor der Insolvenz mit Umstrukturierungen begonnen und der Insolvenzantrag wurde frühzeitig gestellt. Daher ist das Unternehmen technologisch up-to-date und bei der Ausrüstung auf dem neuesten Stand — und nicht etwa ausgeblutet, wie das bei anderen Insolvenzen hin und wieder der Fall ist. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über hochqualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Aus unserer Sicht stehen daher die Chancen ziemlich gut, dass die CinePostproduction einen Käufer findet und weiterbestehen wird«, prognostiziert Wolfgang Bernhardt.

»Zunächst werden wir aber die CinePostproduction ganz normal weiterführen, so wie bisher auch. Alles läuft hier seinen normalen, geregelten Gang. Viele Kunden haben uns darin bestätigt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, weil sie die Qualität der angebotenen Dienstleistungen schätzen und eine weitere Marktverengung auf noch weniger Wettbewerber für gefährlich halten. Insofern hoffe ich, dass wir in Zukunft noch mehr Kunden von der CinePostproduction überzeugen können.«

Und was ist mit den Gläubigern, denen die insolvente CinePostproduction noch Geld schuldet? »Es steht  derzeit noch keine Quote fest, mit der die Forderungen der Gläubiger befriedigt werden können. Das Verfahren läuft ja noch«, führt Wolfgang Bernhardt aus. Der größte Gläubiger der CinePostproduction ist, wie erwähnt, der Pensionssicherungsverein.

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Autor
red

Bildrechte
Pluta, CinePostproduction

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