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TVN in Bewegung

Markus Osthaus steuert den TV-Dienstleister TVN durch interessante Zeiten. Im Gespräch mit film-tv-video.de geht er auf den Markt und aktuelle Entwicklungen ein.

Breiter aufgestellt in die Zukunft

Die Strategie von TVN für die Zukunft ist klar: Der Dienstleister will sich breiter aufstellen. »Man tut nicht gut daran, sich darauf auszuruhen, dass man ein Premium-Dienstleister ist«, so Osthaus. Neben der etablierten Live-Produktion, einer Corporate Agentur, Systemintegration und zweier Fernsehproduktionsfirmen hat TVN innerhalb der TVN Production (Kamerateams und Postproduktion) bereits eine Abteilung für Streaming und Corporate-Produktionen, die mit ganz anderen Technologien arbeitet – von Starlink über LiveU-Systeme bis zu ganz anderen Mischern und Encodern. Diese unterschiedlichen Ansätze für Live Produktionen werden zukünftig je nach Bedarf zum Einsatz kommen.

Nathalie Pohls erfolgreicher Weltrekordversuch, Ibiza schwimmend zu umrunden – eine annähernd 32-Stunden-Liveübertragung – produzierte TVN beispielsweise mit komplett anderen Mitteln als bei einer klassischen Fußballproduktion.


Nathalie Pohl bei ihrer Ibiza-Umrundung.

Bei Premium-Sportarten wie Fußball ist Innovation aus der Dienstleisterrolle heraus allerdings schwierig. »Wir wissen alle, wie lange es dauert, bis neue Kameraperspektiven, wie sie etwa die Schiricam bietet, eingesetzt werden dürfen«, erklärt Osthaus. In den Premium-Sportarten innovativ zu sein, sei aufgrund der vielen Regularien und Einschränkungen gar nicht so einfach. Hier gehe es aufgrund der hohen Werthaltigkeit der Medienrechte im ersten Schritt um eine hohe Zuverlässigkeit und Qualität. Trotz allem bringt TVN in die Partnerschaften mit den Kunden immer wieder neue Innovationen ein.

©Nonkonform

Bei Premium-Sportarten wie Fußball ist Innovation aus der Dienstleisterrolle heraus schwierig.

Bei technischen Standards ist die Branche aus der Sicht von Markus Osthaus allerdings auf Sicht ausgereift. 1080p HDR habe sich als Standard etabliert, UHD sei eher rückläufig, aber als Top-Standard inzwischen gelebte Praxis. Beim Ton sei man mit Dolby Atmos bereits weit fortgeschritten. Daher geht es vor allem darum, neue Kameraperspektiven und Erzählweisen zu entwickeln – etwa den Cinematic Style, den TVN mit eingebracht hat.

©VTFF

Markus Osthaus ist auch im Vorstand des VTFF aktiv, dem Verband Technischer Betriebe für Film und Fernsehen. 

Wachstum oder Konsolidierung?

Markus Osthaus sieht beides. »Die VTFF-Herbstumfrage zeichnet ein klares Bild: Deutlich mehr als zwei Drittel der Branche erwarten, dass es schwieriger wird«, sagt Osthaus. Die Konsolidierung werde voranschreiten, doch TVN wolle einer jener Player sein und bleiben, die auf der Gewinnerseite stehen. Dabei stehe es aber im Vordergrund, sinnvoll voranzuschreiten. »Wir wollen unseren Ü-Wagenbereich nicht von zehn auf 20 Fahrzeuge vergrößern, das können die internationalen Anbieter besser – und ich glaube, auch die haben ihre Probleme. Wir wollen qualitativ und organisch wachsen.«

©TV plus

Die TVN Group hat unlängst 100 Prozent der Geschäftsanteile der TV Plus GmbH übernommen.

Zu dieser Strategie passt die jüngste Akquisition: So hat die TVN Group 100 Prozent der Geschäftsanteile der TV Plus GmbH übernommen. Das in Hannover ansässige Produktionsunternehmen TV Plus produziert erfolgreich Dokumentationen, Reportagen und Unterhaltungsformate, darunter »BINGO! – Die Umweltlotterie«. Hier sieht Markus Osthaus für TVN durchaus Potenzial. »TVN als starkes Medienunternehmen mit eigener Fernsehredaktion und TV Plus als ebenfalls sehr erfolgreicher Show- und Content-Produzent passen perfekt zusammen, da bieten sich spannende neue Möglichkeiten. «

Optimismus trotz Herausforderungen

Trotz aller Herausforderungen des Markts bleibt Markus Osthaus optimistisch. »Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich grundsätzlich positiv und optimistisch bin.« Die Medienbranche hat sich schon immer permanent verändert und so muss man auch in der gegenwärtigen Situation auf die Chancen gucken.

©Madsack Mediengruppe, Alexander Koerner

Markus Osthaus blickt trotz vieler Herausforderungen positiv in die Zukunft.

Die Situation auf Kundenseite, die beeindruckende technologische Entwicklung und nicht zuletzt KI, sorgen dafür, dass es spannend bleibt. »Es gibt ja unglaublich viele coole Möglichkeiten – bei Olympia können wir davon gerade einiges sehen, wie nicht zuletzt den fast flächendeckenden Einsatz von FPV Drohnen, um neue Perspektiven zu ermöglichen.«

Die Herausforderung bestehe darin, all dies wirtschaftlich tragfähig umzusetzen. »Man muss eben immer wieder neue Lösungen und Chancen entdecken«, so Osthaus. Die TVN Group steht damit exemplarisch für die gesamte Branche: In Bewegung bleiben, sich anpassen, neue Wege gehen – und dabei nicht vergessen, wofür man steht.

Seite 1: Markt, Preis, Remote Production
Seite 2: Neue Produktionsfelder, Perspektiven

Autor: Christine Gebhard

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