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Cloudbass testet softwaredefinierte Remote-Produktion
Der Test lief parallel zum konventionellen OB-Betrieb bei der Live-Berichterstattung von der British Touring Car Championship. Cloudbass kombinierte dabei die Onsite-Audio- und Videoverarbeitung in Thruxton mit der Remotesteuerung aus der Production Gallery in Ripley. Die Idee: Die wichtigsten Services wandern auf handelsübliche Server, die Hauptoperatoren sitzen remote. Nach Einschätzung von Cloudbass ließe sich vergleichbare Produktionskapazität damit langfristig aus einem Fahrzeug liefern, das nicht größer ist als ein kleiner Sprinter.
»Wir suchen nach neuen Wegen, die Übertragungen der Zukunft zu bauen«, sagt Cloudbass-Technikchef Michael Beaumont. »Klassische Hardware braucht viel Platz, verbraucht viel Strom und erzeugt Wärme, die aufwendig gekühlt werden muss. Softwarebasierte Verarbeitung verkleinert den Maschinenraum, und durch den Remote-Betrieb müssen Bild- und Ton-Regie nicht mehr im Truck sitzen. Der Platz kann entfallen oder anders genutzt werden.«
Ein nachhaltigeres OB-Modell
Das Projekt ist Teil einer größeren Cloudbass-Initiative, die mehrere Produktionsdisziplinen umfasst. Für den softwaredefinierten Videoworkflow kam Grass Valley AMPP zum Einsatz, für die virtualisierte Audioverarbeitung auf COTS-Servern SSLs System T Virtual Tempest Engine (VTE).
Weil die Verarbeitung vor Ort in Thruxton blieb, konnte Cloudbass die Produktionssignale in voller Qualität im lokalen Umfeld halten. Die Steuerung wurde über eine öffentliche Internetverbindung nach Ripley realisiert. So mussten keine bandbreitenintensiven Signale zu einem Remote-Operations-Center transportiert werden, und Support, Konfiguration und Fehlersuche waren von beiden Standorten aus möglich.
»Die Branche steht unter Druck, effizienter zu arbeiten«, so Beaumont. »Weniger Equipment und weniger Personal vor Ort bringen klare Vorteile für Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance. Ein softwarebasiertes Modell erlaubt es uns außerdem, Ressourcen je nach Größe und Anforderungen der Produktion hoch- oder herunterzuskalieren.« Cloudbass sieht darin auch die Chance, Rechenleistung je nach Event bereitzustellen und temporäre, variable und Spitzenlasten ohne hohe Vorabinvestitionen in Single-Purpose-Infrastruktur zu bedienen.
Verarbeitung vor Ort, Steuerung remote
In Ripley bediente der Audio-Operator die Virtual Tempest Engine in Thruxton über ein SSL System T S400 mit 32 Fadern. Trotz räumlich getrennter Engine und Control Surface bekam er so das taktile, vertraute Mischerlebnis, das für Live-Produktionen unter hohem Druck nötig ist.
Am Thruxton Circuit sorgte ein kompakter lokaler Arbeitsplatz aus SSLs Tempest Control App und einer Desktop Fader Tile Plus dafür, dass der Engineer unabhängig auf das System zugreifen konnte, etwa für Monitoring, Signalchecks und technischen Support. Eine SSL SB 8.8 Stagebox an der Strecke lieferte fernsteuerbare analoge I/Os für die lokalen Mikrofone.
»Touchscreens funktionieren für manche Aufgaben gut, aber in Live-Produktionen unter hohem Druck brauchen Operatoren weiterhin die Vertrautheit und Unmittelbarkeit physischer Fader und Regler«, sagt Beaumont. »Wir wollten, dass alle Parameter an beiden Enden zugänglich sind, damit sich der Betrieb aus Ripley genauso anfühlt wie das Arbeiten an einem Pult, das lokal mit der Engine verbunden ist. System T hat uns dieses vollständige Mischerlebnis geboten, während der Engineer in Thruxton unabhängigen Zugriff auf dieselbe Verarbeitung behielt.«
Integration in die ST-2110-Produktion
In Thruxton band eine SSL Net I/O ST 2110 Bridge die System-T-Umgebung in die übrige ST-2110-Infrastruktur der Produktion ein. Die Audiofeeds gelangten zur Verarbeitung in die virtualisierte System-T-Plattform, die fertigen Mischungen gingen zurück ins ST-2110-Netzwerk und von dort an die restlichen Produktionssysteme.
»Die Virtual Tempest Engine hat sich in die vorhandene ST-2110-Infrastruktur des Trucks integriert, sodass wir die benötigten Audiofeeds von den Kameras empfangen und die fertigen Mischungen ins Netzwerk zurückgeben konnten«, so Beaumont. »Außerdem haben wir eine SSL-Stagebox an der Strecke genutzt, um analoge Mikrofonsignale ins System zu holen. Dass sich softwarebasierte Verarbeitung mit der übrigen Produktionsumgebung kombinieren lässt, war ein wichtiger Teil des PoCs.«
Remote-Betrieb über das öffentliche Internet
Der Proof of Concept benötigte rund 50 MBit/s Upload-Bandbreite von Thruxton nach Ripley, für Steuerdaten sowie das Audio- und Video-Monitoring der Remote-Operatoren. Weil die Hauptverarbeitung vor Ort blieb, musste Cloudbass nicht jede unkomprimierte Produktionsquelle nach Ripley übertragen. Das senkt die Anforderungen an die Anbindung im Vergleich zu stärker zentralisierten Remote-Produktionsmodellen.
»Die verfügbare Bandbreite an vielen Rennstrecken und Veranstaltungsorten macht klassische Remote-Produktion schwierig«, erklärt Beaumont. »Wenn wir die Verarbeitung vor Ort behalten, bleibt die Latenz niedrig und die Signalqualität erhalten, und nur Steuerung und Monitoring für die Operatoren werden remote geführt. Dadurch lässt sich das Modell auch dort einsetzen, wo keine dedizierte Hochbandbreiten-Anbindung verfügbar ist.«
Berny Carpenter, Broadcast Product Manager bei SSL, sieht in dem Projekt einen Beleg dafür, dass softwaredefinierte Verarbeitung ein wichtiger Teil der Zukunft von Broadcast-Audio ist. »Audioverarbeitung dort einzusetzen, wo sie gebraucht wird, und sie von überall zu steuern, gibt Broadcastern und Produktionsfirmen deutlich mehr operative Freiheit«, sagt Carpenter. »Cloudbass hat gezeigt, wie System T VTE die Infrastruktur vor Ort reduziert und zugleich das speziell entwickelte, taktile Bedienkonzept und den bewährten Funktionsumfang liefert, den Live-Operatoren erwarten. Diese vertraute Bedienung in Kombination mit skalierbarer Verarbeitung auf Standardservern ist eine starke Grundlage für effizientere verteilte Produktion.«
Beaumont zieht ein positives Fazit: »Die Technik ist an einem Punkt, an dem softwaredefinierte Workflows den Anforderungen der Live-Produktion gerecht werden. Der Proof of Concept hat die Flexibilität, den kleineren Footprint und die Nachhaltigkeitsvorteile gezeigt, die wir suchen. Vor allem aber arbeitet die Technik im Hintergrund, ohne die Qualität der Produktion für die Zuschauer zu Hause zu beeinträchtigen.«
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