Broadcast, Sport, Top-Story: 02.09.2009

Berta: Host-Broadcaster der Leichtathletik-WM in Berlin

Ein ausführlicher Report über die TV-Übertragung während der Leichtathletik-WM in Berlin: ARD und ZDF kooperierten als Host-Broadcaster Berta (Berlin Radio Television Athletics) und produzierten das Weltsignal in 1080i.

Für die Übertragung der Leichtathletik-WM in Berlin wurde, wie bei Sport-Großereignissen heute üblich, ein Host-Broadcaster etabliert: Berta (Berlin Radio Television Athletics). Berta wurde als Gemeinschaftsprojekt von ARD und ZDF realisiert und produzierte vom 15. bis 23. August 2009 das offizielle Weltsignal der Weltmeisterschaft, das an TV-Stationen aus 190 Ländern in Form eines 1080i-HD-Signals abgegeben wurde. Für die Installation und den Betrieb der dafür notwendigen technischen Infrastruktur beauftragte Berta das Berliner Produktionshaus TopVision für alle Wettbewerbe, die im Olympiastadion stattfanden. Der SWR übertrug im Auftrag von Berta mit seinem HD1 die Geher-Wettkämpfe vom Brandenburger Tor und zusammen mit dem HD5 von Betamobil auch die Marathonläufe.

Zusätzlich zu den Bildern, die im Auftrag von Berta eingefangen wurden, fuhren zahlreiche Broadcaster auch noch eigene Produktionstechnik auf, um zusätzlich zum Weltsignal auch noch jeweils exklusives, sendereigenes Bildmaterial zur Verfügung zu haben (Unilaterale). So nutzten etwa ARD und ZDF außerhalb der Berta-Aktivitäten den neuen ZDF-Ü-Wagen MP4 (Videoreport), um zusätzlich zum internationalen Bildmaterial weitere Bilder von nationalem Interesse einzufangen (mehr dazu am Ende dieses Beitrags und in einem separaten Bericht).

Die Leichtathletik-WM war das erste Sport-Event, das von ARD und ZDF live in HDTV ausgestrahlt wurde. Die Produktion erfolgte durchgehend in 1080i, die Ausstrahlung in Deutschland dagegen in 720p, dem von den öffentlich-rechtlichen Broadcastern hierzulande bevorzugten HD-Format.

Berta in Aktion

Fast 500 Mitarbeiter arbeiteten während der neun Produktionstage für den gastgebenden Host-Broadcaster Berta. Für das wahrscheinlich weltweit größte Sportereignis des Jahres 2009 hatte die Berta-Lenkungsgruppe ein Team von Live-Produktions-Spezialisten von ARD, ZDF, TopVision, Betamobil, Media Broadcast, TV Skyline, ST Sportservice, MBS DutchView, Aggreko, RTS und PMT zusammengestellt. Vorsitzender der Berta-Lenkungsgruppe war der ZDF-Mitarbeiter Dieter Gruschwitz. Allein TopVision war mit einem Team von 143 Mitarbeitern vor Ort: EVS-Operatoren, Bildtechniker, Kameraleute, Kabelhilfen, Toningenieure, Drahtlostechniker und Steadicam-Operatoren.

Die Aufgabe des Berta-Teams war die Erstellung des internationalen Signals (»Weltbild«) von allen 47 Entscheidungen in 24 Disziplinen, die Weitergabe der Bildsignale an die EBU und alle Rechteinhaber vor Ort, sowie die Erstellung eines täglichen Highlight-Programms von 52 Minuten Länge, das auf Band und per Downlink bereitgestellt wurde.

Da im Stadion teilweise bis zu vier Wettbewerbe gleichzeitig ausgetragen wurden, war es notwendig, auch jeweils parallel mehrere Feeds zu verarbeiten: Ein Feed für die Laufwettbewerbe (Regie 2), zwei Feeds für die Wurfdisziplinen und das Kugelstoßen (Regie 3), ein Feed für Weit- und Dreisprung (Regie 4) und ein Feed für die Hochsprung-Wettbewerbe mit und ohne Stab (Regie 5) wurden zumindest phasenweise gleichzeitig produziert — mehr als 70 Kameras im Stadion waren dazu notwendig. Ein weiterer Feed wurde von den Wettbewerben im Gehen mit 17 und im Marathon mit 25 Kameras über den HD-Ü-Wagen des SWR (Regie 6) am Brandenburger Tor erstellt und ins Stadion übertragen.

Aus allen sechs Feeds wurde dann im HD Ü5 (Regie 1) von TopVision ein Integrated Feed kombiniert, in dem alle Entscheidungen live oder mit der kürzest möglichen Verzögerung den unilateralen Broadcastern über den Hauptschaltraum (MCR) zur Verfügung gestellt wurden. Über den MCR hatten alle Sender, die TV-Rechte an der Leichtathletik erworben hatten, aber auch Zugriff auf die Feeds 2 – 6, sowie auf weitere einzeln abgesteckte Kamerasignale.

Im MCR befand sich auch der »TV Injection Point« für alle unilateralen Playouts. Um diesen Dreh- und Angelpunkt war das Internationale Broadcast Center (IBC) aufgebaut. Büro- und Technik-Container mit einer Fläche von 6.350 qm boten mehr als 50 internationalen TV-Anstalten ein temporäres Quartier.

Ebenfalls zum Betrieb des IBC gehörten der Aufbau der Mixed Zone im Stadion mit 28 Live-Interview-Positionen für die Rechteinhaber, weit über 100 Kommentator-Stellen für Reporter und Moderatoren, sowie neun Moderationsplattformen (unter anderem genutzt von ARD, ZDF, BBC, TBS, France Television, NRK, YLE, RAI, Korean Broadcast).

Eine weitere zentrale Anlaufstelle für alle Lizenznehmer war das Berta Booking Office. Dort erfolgte die Koordination aller Dienste, die Berta den Lizenznehmern zur verfügung stellte, unter anderem die Vergabe von Slots für buchbare Live-Kameras in der Mixed Zone oder auch Playouts von verschiedenen Bandformaten.

Sichere, unabhängige Stromversorgung

Aggreko installierte eine mobile Stromversorgung mit mehr als zwei Megawatt Leistung, um die unabhängige Stromversorgung der HD-Ü-Wagen von Berta, der unilateralen HD-Ü-Wagen, der Rüstwagen, der Satelliten-Farm und der HD-SNGs unterbrechungsfrei sicher zu stellen.

Die Produktion des Weltbildes im Olympiastadion

Auf einem abgegrenzten Bereich neben dem Olympiastadion in Berlin, dem Hauptaustragungsort der Leichtathletik-WM, war der Host Broadcaster Compound eingerichtet. Dort befanden sich die Produktionsmittel von Berta und deren Dienstleistern. Zudem wurden dort die internationalen Grafiken (Epson/DeltaTre), die virtuellen Grafiken (ST Sportsservice) und die Zeiteinblendungen (Seiko) produziert.

Für die Produktion des Weltbildes wurden zwei HD-Ü-Wagen von TopVision mit den dazugehörigen Rüstwagen genutzt (HD Ü4 und HD Ü5). In diesen Fahrzeugen waren insgesamt fünf Regien mit MVS-8000-Bildmischern von Sony eingerichtet. Für die verschiedenen Wettbewerbe hatten die Teams vorab bestimmte Settings erstellt und gespeichert, die dann je nach anstehendem Wettbewerb aufgerufen werden konnten. Vom HD Ü5 aus wurden 24 Kameras ausgesteuert, vom HD Ü4 weitere 15 Kameras. Die Aussteuerung von 33 zusätzlichen Kameras war in Container ausgelagert, dort befanden sich auch weitere Teile der Bildtechnik. Auch der Zentrale Geräteraum (ZGR), die Tonmischung für die Feeds 3, 4 und 5, sowie die Kommandotechnik, die SloMo/MAZ-Bereiche mit 23 vernetzten 6-Kanal LSM XT2 Harddisk Rekordern von EVS, sowie die drahtlose Kameratechnik von BMS waren in Containern untergebracht.

72 Kamerapositionen im Stadion

Im Stadion hatte das Berta-Team 72 Kamerapositionen eingerichtet. Neben den »normalen« HD-Kameras von Sony (Modelle HDC-1000 und HDC-1500) waren verschiedene Spezialsysteme im Einsatz: sechs Zeitlupenkameras des Typs HDC-3300 von Sony, vier Sportscams von TV Skyline, eine an Seilen über dem Stadion verfahrbare Spidercam, eine Towercam und eine Kran-Kamera, jeweils mit Hot-Head von PMT. Desweiteren ein Schienenkamera-System von RTS, eine Polecam, Mini-Kameras über den Latten beim Hochsprung und Stabhochsprung, sowie acht HDC-1500 von Sony auf Steadicam-Systemen, mit Drahtlos-Adaptern von BMS.

Hautnah an den Athleten: Drahtlos-Kameras

Den flexibelsten und mobilsten Einsatz ganz nah am Geschehen erlauben Drahtlos-Kameras. Wie im Fußball heute üblich, sollten auch bei der Leichtathletik die Emotionen gezeigt und die Athleten nach Sieg oder Niederlage hautnah porträtiert werden. Der Drahtlos-Experte BMS hatte zu diesem Zweck für Berta zehn HD-Drahtlosstrecken der neuesten Generation im Frequenzbereich von 3,0 bis 3,5 GHz aufgebaut. Mit nur vier Empfangsantennen war es möglich, den kompletten Stadionbereich abzudecken. Über Triaxkabel wurde das Signal dann von den Empfangsantennen in den ZGR übertragen und über ein Verteilsystem auf die zehn, den einzelnen Kamerasignalen zugeordneten BMS-Diversity-Empfänger verteilt. Zusätzlich wurden im Stadion BMS-Telemetrie-Sender montiert, um in der Gegenrichtung — also von der Kamerakontrolle aus hin zur Kamera — alle Bildparameter der Drahtlos-Einheiten fernsteuern zu können.

Siegerehrungen und mehr: Spidercam, Tower, Kran

Über der Westkurve des Olympiastadions bewegte sich die Spidercam von PMT wie ein ferngesteuertes Flugobjekt dreidimensional im Raum. Ein an vier Punkten befestigtes Seilzugsystem mit vier koordiniert arbeitenden Seilwinden erlaubte es, die Kamera in unterschiedlicher Höhe über den unterschiedlichen Wettkampfstätten in der Westkurve zu positionieren und sie dort mit einem zweiachsigen Remote-Head auf die jeweilige Sportart einzurichten: Hochsprung, 200-m-Start, Hammerwurf und Kugelstoßen etwa wurden teilweise mit der Spidercam aufgenommen. Die schwebende Kamera konnte den Wettkämpfern über die Schulter schauen, sie wurde aber auch genutzt, um die Athleten bei der Siegerehrung über dem Marathontor aufzunehmen.

Vor dem Siegerpodest begleitete ein Supertower 6 auf Schiene (ebenfalls von PMT) die Medaillen-Verleihungen und lieferte die notwendigen Gegenschüsse zu den Bildern der Spidercam.

Im Stadioninnenraum wurde ein Foxy Advanced Kamerakran von Wettkampfort zu Wettkampfort bewegt und verfolgte die Athleten beim Kampf um Gold in den Disziplinen Stabhochsprung, Hochsprung, Zehnkampf und Siebenkampf.

Schneller als Usain Bolt: die Schienenkamera

Parallel zur Zielgeraden war ein Trackrunner von RTS mit einem stabilisierten Remote-Head (Nettmann StabC Compact) auf einer Schienenlänge von 110 m installiert. Er begleitete die Athleten vom Start bis ins Ziel und konnte dabei einer maximalen Geschwindigkeit von 13,5 m/s bewegt werden: Das reichte selbst für den 100-m-Weltrekord von Usain Bolt. Aber auch bei allen anderen Laufwettbewerben war der Trackrunner mit einer auf dem Remote-Head montierten HDC-1500 im Einsatz und lieferte dynamische Bilder der Athleten im vollen Lauf über die Hürden oder beim Finish der 400- und 800-m-Wettkämpfe.

Kugel, Hammer, Speer und Diskus: Sportscam

Alles was während der Leichtathletik-WM gestoßen oder geworfen wurde, flog auf Sportscams von TV Skyline zu. Mit diesen fernbedienbaren Kameras waren neue Perspektiven von den Wurfathleten im Ring möglich: Nähe zum Wettkämpfer in dem Moment, wenn Kugel, Hammer, Diskus oder Speer die Hand verlassen. Wichtiges Element, um hier überzeugende Bilder zu erfassen: die intuitive Fernbedieneinheit der Kamera, dank der es dem Operator im Servicewagen von TV Skyline möglich war, der raschen Action zu folgen.

Bewegungsabläufe im Detail: HiMotion

Neben den sechs SloMo-Kameras (HDC-3300 von Sony) setzte TopVision auch eine HiMotion-Kamera von Arri Media ein, die höhere Bildraten schafft und damit noch bessere Zeitlupenstudien von schnellen Bewegungsabläufen ermöglicht. Bei Tageslicht waren mit der HiMotion-Kamera bis zu 600 fps möglich, bei Flutlicht die Hälfte davon. In der Wiederholung konnten damit Ereignisse wie der Sprung eines Athleten über die Hochsprunglatte oder der Abstoß der Kugel vom Hals des Wettkämpfers in 6- bis 12facher Dehnung vom EVS-Server LSM XT2 abgespielt werden. Diese große Zeitdehnung erlaubt es, auch bei sehr kurzen Ereignissen in dem bei Live-Produktionen üblichen Schnittrhythmus von 8 bis 10 Sekunden zu bleiben, bevor wieder auf eine andere Kamera umgeschnitten wird.

Höhen, Weiten, Zeiten: Seiko

Direkt über der Ziellinie im Olympiastadion befand sich der Kontrollraum für die Zeit-, Weiten- und Höhenmesser von Seiko. Alle technischen Aktivitäten im Stadion wurden dort kontrolliert und alle gemessenen Daten gesammelt: Reaktionszeiten, Startzeiten, Windgeschwindigkeiten, Zieleinlaufzeiten und Rundenzeiten, sowie die erzielten Weiten und Höhen. Die jeweils erfasste Flut von Daten musste dann mehrere Kontrollinstanzen durchlaufen, bevor die offiziellen Resultate auf den Anzeigentafeln im Stadion angezeigt und an Berta weitergegeben wurden.

Eine besondere Herausforderung stellten die Starts zu den Rennen bis 400 m dar, denn hier gilt es, Fehlstarts sicher zu erkennen. Hierfür erfasst das Seiko-Startsystem kontinuierlich den Druck, den die Läufer auf die Startblöcke ausüben: Beim Startschuss wird dieser Druck durch den Läufer erheblich erhöht, weil er sich aus dem Block katapultiert. Der Moment dieser Druckzunahme wird in Relation zum Startschuss gemessen und wenn der Druckimpuls an einem der acht Startblöcke innerhalb der ersten Zehntelsekunde nach dem Startschuss oder früher erfolgt, bricht das System den Start ab. Nach gelungenem Start wird die Zeit beim Zieleinlauf mit einer Genauigkeit von 1/1000 Sekunde gemessen und das Zielfoto erstellt. Usain Bolts Weltrekorde über 100 m und 200 m etwa, wurden so dokumentiert und bestätigt.

Bei allen Weiten- und Höhenmessungen kam das Electronic Distance Measurement (EDM) zu Einsatz, das aus einem Prisma und einem Infrarot-Laser besteht und trianguläre Kalkulationen durchführt.

Datenerfassung und Weltbildproduktion am Brandenburger Tor

Erstmals in der Geschichte der Leichtathletik-WM lagen Start und das Ziel der Geherwettbewerbe und der Marathonläufe nicht im Stadion. Die Stadt Berlin hatte sich beim Leichtathletikverband IAAF mit dem Vorschlag durchgesetzt, diese Wettbewerbe ins Zentrum der Stadt zu verlegen. Auch bei der Zeitmessung gab es ein Novum: Seiko setzte Sender ein, die in die Startnummern der Athleten integriert waren. Die Empfänger waren im Abstand von einem Kilometer (beim Gehen) und von fünf Kilometern (beim Marathon) in der Wettkampfstrecke, sowie am Ziel in blauen Matten integriert, die die Wettkämpfer passieren mussten. Damit konnten für die Live-Bilder Zwischenzeiten und auch die Endzeit für jeden Geher und Läufer aktuell abgerufen werden.

Für die Produktion des Weltbildes hatte Berta am Brandenburger Tor einen zweiten Host Broadcast Compound eingerichtet. Hier war der HD1 des SWR stationiert, dessen Regie als Zentrale für das Weltbild von der Stadtstrecke diente: Hier liefen alle Kamerasignale von der Strecke auf.

Als zwei Kilometer lange Rennstrecke für die Geherwettbewerbe diente die Straße Unter den Linden, sie musste von den Wettkämpfern je nach Wettbewerb 10- oder. 25-mal durchgangen werden. 17 Kameras waren an der Strecke postiert.

Die Laufstrecke für die Marathonläufe war ein Rundkurs von zehn Kilometern Länge, der 4-mal durchlaufen wurde. Bei der letzten Runde gab es eine 2,95 Kilometer lange Ergänzung, um auf die vorgeschriebenen 42,95 km zu kommen. Um die Bilder hiervon zu erfassen, war zusätzlich der HD5 von Betamobil auf der Museumsinsel platziert. Insgesamt wurden 25 Kameras für den Marathon genutzt. Ein Teil davon war entlang der Strecke aufgebaut, weitere befanden sich im mobilen Einsatz: Das niederländische Produktionshaus MBS DutchView war von Berta beauftragt, mit drei mobilen Drahtlos-Kameras auf Motorrädern, einer auf dem Leadcar montierten Wescam (Kamerastabilisierung) und einem weiteren Wescam-System als Hubschrauberkamera, die mobilen Bilder einzufangen.

Die Hubschrauberkamera lieferte beeindruckende Bilder vom Zentrum Berlins. Gleichzeitig diente der Hubschrauber aber auch als Relaisstation für die Signale der drei Motocams und der Wescam auf dem Leadcar unten auf der Strecke. Alle Signale wurden vom Hubschrauber dann zu den Antennen auf dem Dach des RBB geschickt, dort empfangen und über eine von Versatel eingerichtete Glasfaser-Sendeleitung mit einer Kapazität von 7 x ASI 18.096 Mbps dem HD1 des SWR am Brandenburger Tor zugeführt. Eine von Media Broadcast eingerichtete Richtfunkstrecke mit der gleichen Kapazität diente als zusätzliche Absicherung. Zusammen mit den Signalen der festinstallierten Kameras — darunter ein Kran von PMT und ein Steiger von Gardemann — wurde im HD1 des SWR daraus das Weltbild kombiniert. Über eine von Media Broadcast bereitgestellte Sendeleitung wurde das Weltbild dann transparent zum MCR am Olympiastadion übertragen und stand dann dort wieder allen Rechteinhabern zur Verfügung. Auch die Übertragung des Weltsignals vom Brandenburger Tor zum Olympiastadion war natürlich zusätzlich abgesichert: durch eine ebenfalls von Media Broadcast eingerichtete Satellitenstrecke.

Die Produktion des unilateralen HD-Signals für »Das Erste HD« und »ZDF HD«

Vom MCR übernahm der vom ZDF am 24. Juli 2009 in Dienst gestellte und zuvor von Broadcast Solutions in nur acht Monaten fertiggestellte HD-Ü-Wagen MP4 (siehe Meldung) das Weltbild. Zusätzlich liefen hier die unilateralen Kamerasignale für ARD und ZDF auf. Dazu gehörten etwa die HD-Signale von der Moderatorenplattform oberhalb des Marathontors, von der Interviewplattform in der Mixed Zone und von einer nur für ARD und ZDF exklusiv genutzten Drahtlos-Kamera, die zusammen mit der notwendigen Sende- und Empfangsinfrastruktur bei PresteigneCharter angemietet worden war.

Der 13,6 m lange MP4 mit einem 1,6 m breite, komplett durchgehenden Auszug, verfügt über zwei unabhängige Video- und Ton-Regieräume und ist vorbereitet für 3-Gbps-Signale. Über eine EQX-Kreuzschiene von Evertz mit 468×864-Matrix und über das redundante VSM-Steuersystem sind alle angeschlossenen Geräte, wie etwa die 16 HD-Kameras von Ikegami (Typ HDK-727P), die sechs vernetzten 6-Kanal-Server von EVS (LSM XT2), maximal acht MAZen, sowie die extern anliegenden Signale frei schaltbar. Die Videosignalverteilung sowie die Signalkonvertierung und -wandlung wurde mit Modular-Equipment von Lynx realisiert.

Aus den von Berta produzierten multilateralen und den zusätzlichen unilateralen 1080i-Signalen wurde im ZDF-Ü-Wagen an einem Kahuna-Bildmischer von Snell mit 64 Eingängen an den ungeraden Tagen das Programm für die ARD und an den geraden Tagen das Programm für das ZDF erstellt.

Im Gegensatz zu Eurosport HD, BBC HD, France Television HD, RAI HD, NBC HD, TBS HD, KBS HD, NRK HD und vielen weiteren Broadcastern, strahlten ARD und ZDF das in 1080i produzierte Signal nicht in diesem Format aus, sondern wandelten die insgesamt 55 Stunden Live-Programm vor der Ausstrahlung in ein 720p-Signal, das dann via Satellit oder Einspeisung ins Kabelnetz zu den wenigen Endkunden gelangte, die derzeit einen HD-Receiver besitzen.

HD in Deutschland

Erstmals in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland wurde mit der Leichtathletik-WM eine internationale Großveranstaltung in HD produziert und ausgestrahlt. Die Mitarbeiter von ARD, ZDF, TopVision, MBS DutchView, Betamobil, TV Skyline, PMT, Media Broadcast und andere haben diese Leistung als Team erbracht.

Interessant: Alle internationalen Sportereignisse, die bisher in High Definition produziert wurden (Olympische Spiele, Fußball-WMs, Fußball-EMs, Schwimm-WMs, Rugby-WMs, Tour de France, Roland Garros, Wimbledon, Champions League und weitere) nutzten den 1080i-Standard — auch die Leichtathletik-WM. Auch die kommenden Olympischen Winterspiele in Vancouver und die Fußball-WM in Südafrika werden in 1080i produziert. Das gleiche gilt für die aktuell und noch bis zum 10. September 2009 laufende Fußball-EM der Frauen in Finnland und die Fußball-WM der Frauen 2011 in Deutschland. Auch die Spiele der Fußball-Bundesliga werden seit drei Jahren im Format 1080i erstellt, genauso wie in der laufenden Saison.

Da drängt sich ein weiteres mal die Frage auf, weshalb ARD und ZDF diese Signale vor der Ausstrahlung in 720p wandeln wollen: Wenn das Weltbild in 1080i produziert und anschließend in 720p gewandelt wird, kombiniert man nämlich die Nachteile der beiden Systeme: Erst produziert man mit der schlechtere Bewegungsauflösung von 1080i und wirft dann einen Teil der höheren Auflösung dieses Standards weg. Verschließt hier jemand die Augen vor der Realität der internationalen TV-Sportproduktion?

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Autor
Reinhard Penzel

Bildrechte
Penzel, TopVision, Archiv

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