Branche, Report, Top-Story: 20.03.2014

Aus der Bar ins Wohnzimmer: Live mit IP-Technik

Der norwegische Fernsehsender TV2 hat in drei NXL-IP55-Produktionseinheiten investiert, die bei Außenproduktionen von Nachrichten und Sport eingesetzt werden sollen. Eine der ersten Produktionen fand in einer Sportsbar statt.

Ü-Wagen-Einsätze sind relativ teuer, deshalb suchen viele Anwender nach Möglichkeiten, Live-Übertragungen von Events technisch einfacher und somit kostengünstiger zu realisieren. Eine mögliche Lösung besteht darin, statt klassischer Videotechnik, Live-Übertragungssysteme auf Basis von IT-Komponenten zu nutzen. Vereinfacht gesagt werden dabei gängige IT-Komponenten genutzt, um Bild und Ton auf IP-Basis zu übertragen. Das ist in der Regel deutlich günstiger als klassische SDI-basierte Videotechnik, erreicht aber aktuell auch noch nicht die hohe Betriebssicherheit einer klassischen Live-Übertragung mit SDI-Vernetzung. Manche Anbieter nutzen deshalb kleinere Events als Plattform, um diese neue, kostengünstigere Form der Live-Übertragung auf IP-Basis zu testen.

Es gibt mittlerweile etliche Anbieter, die solche Systeme und Produktionsmodule entwickeln, darunter etwa der Hersteller Axon, der unter Einsatz von »Audio Video Bridging« Live-Signale via Ethernet überträgt. Sony hat ebenfalls ein IP-basiertes Live-Produktionssystem im Programm, das Ethernetkabel und IP-Technologie nutzt, um Live-Übertragungen in Broadcast-Qualität zu realisieren. Die Übertragungseinheit NXL-IP55 ermöglicht es, mehrere Kameras über ein Standard-Gigabit-Ethernet-Netzwerk zu verbinden. Drei HD-SDI-Signale können mit dem System Point-to-Point über die IP-Verbindung übertragen werden, in der Gegenrichtung ist ein Video-Return möglich, auch die Tally-Signalisierung und die Genlock-Synchronisierung erfolgen über die IP-Verbindung.

Einsatz bei TV2 in Norwegen

Der norwegische Fernsehsender TV2 hat sich für das Sony-System entschieden und investierte in drei NXL-IP55-Produktionseinheiten, mit denen künftig Außenübertragungen von Nachrichten und Sport realisiert werden sollen.

Eine der ersten Testproduktionen fand für die Pub-Fußballsendung »Matchball Mandag« statt. »Matchball Mandag« ist eine Koproduktion zwischen TV2 und dem OB-Team. Bei der Unterhaltungsshow diskutieren Experten in einer Sportsbar über die wöchentlichen Fußballereignisse. Dabei werden drei kompakte Sony HDC-P1-Kameras vor Ort in Kombination mit der NXL-IP55 zur Verarbeitung des Bildmaterials sowie eine Rückführung vom TV2-Kontrollraum mit Funk eingesetzt.

TV2 wollte mit dem Einsatz des IP-Produktionssystems schlichtweg Kosten sparen. Bei kleineren Ereignissen, für die drei Kameras ausreichen, kann das Produktionsteam eine NXL-IP55-Produktionseinheit vor Ort und eine im Studio einsetzen. »Damit fallen die Kosten für Übertragungswagen weg, weil die gesamte benötigte Ausrüstung in ein leicht transportables Flypack passt.«

Wie Bård Egil Torgersen, technischer Betriebsleiter bei TV2, erklärt, hatten die Techniker des Senders bereits versucht, ihr eigenes IP-basiertes System zur Aufnahme und Übertragung des Bildmaterials von ferngesteuerten Kameras zu entwickeln. »Problematisch dabei war, dass es kompliziert zu bedienen war und eigentlich nur eine Person wirklich damit umgehen konnte – ziemlich ungünstig, wenn diese Person dann einmal ausfiel.« Deshalb entschied sich TV2 für den Einsatz von Sonys NXL-IP55-System. »Einige Produzenten waren anfangs unzufrieden damit, dass ein Einheitenpaar auf drei Live-Kameras beschränkt ist, zeigten sich von den zahlreichen Vorteilen aber mehr als begeistert.« Laut Torgersen setzte der Sender TV2 das System bisher übrigens lediglich bei zuverlässigen Dark-Fibre-Netzwerken ein, ein Härtetest mit schwächeren Leitungen steht also noch aus.

Plug and Play

Bård Egil Torgersen, Technischer Betriebsleiter bei TV2 (Norwegen), resümiert: »Die NXL-IP55 hat den Vorteil, dass man auf eine ganz neue Art und Weise arbeiten und somit Geld und Personal einsparen kann.«
Bei TV2 wurde das System bisher mit der HDC-P1-Kamera von Sony verwendet. Torgersen fügt aber hinzu: »Wir haben vor, es häufiger bei ferngesteuerten Kameras einzusetzen, wofür aber erhebliche Investitionen nötig sein werden.« Torgersen möchte das System unter anderem in einem der großen Fußballstadien von Oslo für die Kommentare aus dem Studio einsetzen. Außerdem soll es bei der Übertragung von anderen Sportereignissen, etwa der Tour de France 2014, getestet werden.

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Autor
red
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