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Die Gewinnerfilme des 41. Dokfest München

Der Schweizer Film »The Narrative« von Bernard Weber und Martin Schilt gewinnt den Hauptpreis des 41. Dokfest München, die Viktoria Dok.international Main Competition.

©NonkonformDas 41. Dokfest München – erstmals unter der Leitung von Adele Kohout – war ein großer Erfolg. In die Kinos und Sonderspielstätten kamen deutlich mehr Besucher_innen als im Vorjahr: Rund 40.500 Zuschauer_innen und Gäste nahmen an den zahlreichen Vorführungen, den Veranstaltungen der Branchenplattform Dok.forum und des Bildungsprogramms Dok.education teil. Das sind rund 4.500 mehr als im Vorjahr.

©Dokfest

Adele Kohout

Festivalleiterin Adele Kohout bilanziert: »Wir sind begeistert, dass diese Edition so fulminant verlaufen ist. Viele Gäste sind auf uns zugekommen und haben sich enthusiastisch über die Filme geäußert, die Stimmung war vibrierend. Das Kino bleibt der beste Ort für Filme, und die künstlerisch erzählten, gesellschaftlich relevanten Dokumentarfilme haben ein großes Publikum erreicht: Erstmals seit der Pandemie waren wieder zahlreiche Vorstellungen ausverkauft. Die Weiterentwicklung der Programmstruktur mit den Signature-Filmen kam sehr gut an und die FokusTalks schufen einen echten Mehrwert für unser Publikum. Das Rahmenprogramm rund um die Filme haben die Gäste ebenfalls begeistert aufgenommen, ob die Neue Musik von Mitgliedern des Ensemble Modern oder den Hardrock nach dem Wacken-Film. Besonders war die Begegnung von Weltstar Wim Wenders mit dem bedeutenden afrikanischen Regisseur King Ampaw, zwei Alumni des ersten Jahrgangs der HFF München. Es war wunderbar zu erleben, wie Menschen beim Dokfest München zusammenkommen und gemeinsam Kino erleben – oft weit über den Film hinaus. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig weiterhin die digitale Festivalausgabe bleibt. Denn sie erreicht Menschen, die sonst keinen Zugang zu diesen Filmen und Themen hätten.«

Dok.international Main Competition

The Narrative
Bernard Weber, Martin Schilt
Schweiz 2026

©DOK.fest München, The Bigger Picture

Aus The Narrative (c) The Bigger Picture

Der ehemalige UBS-Trader Kweku Adoboli wird für den Verlust von 2,3 Milliarden Dollar verurteilt. Doch wen trifft wirklich die Schuld in diesem Fall? Der Film rekonstruiert den Prozess anhand originaler Protokolle und hinterfragt die dominierende Erzählung. Ein vielschichtiges Porträt über Kapitalismus, Systemversagen und die Macht von Narrativen.

Aus der Jurybegründung: »Der Gewinnerfilm ist eine Meisterleistung darin, mit der überwältigenden Komplexität der Wahrheit umzugehen. Mit einem Protagonisten, der ebenso sympathisch wie resilient ist, führen uns die Filmemacher in eine Geschichte, die »emotional intensiv« ist, dabei aber durch einen scharfsinnigen, unverzichtbaren Sinn für Humor bemerkenswert ausgeglichen wird. Der Film deckt eine tiefgreifende systemische Ungerechtigkeit auf und enthüllt die kaltherzige Verantwortungslosigkeit sowie die vielschichtigen Täuschungsmanöver mächtiger Bankinstitute. Im Kern ist der Film eine schonungslose Anklage darüber, wie leicht ein Mensch zum Sündenbock gemacht werden kann, und beleuchtet eine Geschichte des Widerstands angesichts allgegenwärtigen, alltäglichen Rassismus.«

Die Jury: Heino Deckert (Geschäftsführer ma.ja.de. & Produzent), Jacqueline Nsiah (Filmkuratorin und Programmerin) und Per K. Kirkegaard (Filmemacher & Editor).

Die Viktoria Dok.international ist mit 10.000 Euro dotiert. Preisstifter ist der Bayerische Rundfunk. Nominiert waren Filme, die ein breites inhaltliches und formales Spektrum aufweisen und sich durch ihre hohe künstlerische Qualität auszeichnen.

Dok.deutsch Wettbewerb

Meanwhile in Namibia
Jonas Spriestersbach
Deutschland, Namibia 2026

©DOK.fest München, Meanwhile in Namibia, Jonas Spriestersbach

Aus Meanwhile in Namibia (c) Jonas Spriestersbach

Deutschland erkennt den Völkermord an den Ovaherero und Nama in Deutsch-Südwestafrika zwar an, doch statt Reparationen zu zahlen, wird Entwicklungshilfe angeboten. Jonas Spriestersbach findet starke Bilder, die strukturelle Ungleichheit und Rassismus erschreckend allgegenwärtig machen.

Aus der Jurybegründung: »Wir sind tief beeindruckt von der einfühlsamen Kameraführung des Regisseurs, die Tourist_innen einfängt, die die Darbietung der schwarzen Bevölkerung in vorkolonialen Kostümen mit unverhohlen rassistischen und sexistischen Blicken betrachten. Wir sind verblüfft von den Bildern, den Handlungen und Ansichten, die sie widerspiegeln. Die Kamera wirkt nicht neutral, doch die Protagonist_innen werden so dargestellt, wie sie sich selbst präsentieren. Sie äußern sich offen vor der Kamera. Der Regisseur unterstreicht gekonnt das Unbehagen, das der Film zu Recht hinterlässt, wenn die Kamera gelegentlich einen Perspektivwechsel zulässt, bei dem Namibier_innen das Verhalten und Auftreten der Deutschen kommentieren. Ein intensiver und visuell atemberaubender Film, der noch lange nachwirkt.«

Die Jury: Christa Auderlitzky (Geschäftsführerin Filmdelights Vertrieb & Distribution), Inka Achté (Künstlerische Leiterin des DocPoint Helsinki Dokumentarfilmfestivals und Leiterin der Abteilung für Akquisition und Strategie bei Raina) und Mira Bach Hansen (Festivalberaterin für Dokumentarfilme am Dänischen Filminstitut).

Die Viktoria Dok.deutsch ist mit 7.500 Euro dotiert. Der Preisstifter ist Sky. Nominiert waren Filme, die sich mit Menschen und Themen des deutschsprachigen Raums oder der deutschen Geschichte auseinandersetzen.

Dok.horizonte Competition – Cinema of Urgency

Unwelcomed
Sebastián Gonzaléz, Amílcar Infante
Chile 2025

©DOK.fest München, Unwelcomed

Aus Unwelcomed (c) Dokfest München

Ein Mob jagt, irgendwo in Chiles Norden, venezolanische Migrant_innen, die zu Tausenden tausende Kilometer zurücklegen und eines suchen: Arbeit und ein anständiges Leben. Chiles karg-schöne Landschaft aus der Vogelperspektive steht den Nahaufnahmen der Protagonist_innen gegenüber. Die Komplexität von Migration auf der anderen Seite des Ozeans hält uns einen Spiegel vor.

Aus der Jurybegründung: »Was diesen Film für uns auszeichnet, ist die Klarheit der formalen Entscheidungen der Co-Regisseure Sebastián Gonzaléz und Amílcar Infante. Anstatt einem einzelnen Erzählstrang zu folgen, vereinen sie eine Vielzahl von individuellen Erfahrungen, ohne in ein vereinfachtes Narrativ zu verfallen. Dadurch bleibt der Überblick gewahrt, während eine Spannung zwischen Distanz und Nähe das Zuschauer_innenerlebnis prägt. Weitläufige Luftaufnahmen halten uns auf Distanz, während Nahaufnahmen eine Unmittelbarkeit vermitteln, die bewusst unvollständig bleibt. Auf diese Weise schildert der Film Migration nicht nur, sondern macht ihre Umstände greifbar. Dies wird besonders deutlich in Sequenzen, die von kollektiver Gewalt geprägt sind. Der Film zwingt die Zuschauenden, sich mit dem auseinanderzusetzen, was schwer zu ertragen ist.«

Die Jury: Dario Oliveira (Künstlerischer Leiter von PortoPostDoc), Susann Knießner (Förderungskoordinatorin Berlinale World Cinema Fund) und Susan Mbogo (Geschäftsführerin, Docubox).

Die Viktoria Dok.horizonte wird von der Petra-Kelly-Stiftung gestiftet und ist mit 5.000 Euro dotiert. Nominiert waren Filme, die ihr Augenmerk auf Länder mit instabilen Strukturen richten.

Kinokino Publikumspreis

When Pigs Fly
Denise Riedmayr
Deutschland 2026

©DOK.fest München, When Pigs Fly (c) Felix Riedelsheimer

Aus When Pigs Fly (c) Felix Riedelsheimer

Ist das Schwein ein Nutztier? Oder doch was zum Liebhaben? Und wenn Schweineherzen bald in Menschen transplantiert werden können, stellen sich dann nicht noch ganz andere Fragen? Verwischen die Grenzen zwischen den Spezies? Ein Film zwischen Uni-Labor und Gnadenhof, der nie belehrt, sondern kluge Fragen stellt und Erstaunliches entdeckt.

Der Kinokino Publikumspreis ist mit 2.000 Euro dotiert und wird gestiftet von BR, 3sat und dem Dokfest München. Namensgeber und Medienpartner des Publikumspreises ist Kinokino – Das Filmmagazin im Bayerischen Rundfunk | 3sat. Nach jeder Vorstellung des Dokfest München 2026 konnten die Zuschauer_innen den gesehenen Film per QR-Code bewerten.

Megaherz Student Award

Was an Empfindsamkeit bleibt
Daniela Magnani Hüller
Deutschland 2026

©DOK.fest München, Was an Empfindsamkeit übrig bleibt,Bildersturm Filmproduktion

Aus Was an Empfindsamkeit bleibt (c) Bildersturm Filmproduktion

Vierzehn Jahre nachdem sie einen versuchten Femizid überlebt hat, kehrt die Filmemacherin zu den Menschen und Momenten von damals zurück. Es sind Gespräche voller Wärme und Zuversicht, aber auch voller Kälte und Brutalität. In intensiven Begegnungen sucht die Protagonistin nach Erinnerungen – und nach Antworten auf all die Fragen, die sie seitdem begleitet haben.

Aus der Jurybegründung: »In Was an Empfindsamkeit bleibt gelingt es Daniela Magnani Hüller, eine persönliche traumatische Erfahrung männlicher Gewalt in eine Erzählung zu verwandeln, die weit über das Individuelle hinausweist und eine gesellschaftliche Dimension eröffnet. Aus unterschiedlichsten Bildquellen erschafft Daniela ein beeindruckendes Mosaik, das uns durch die Höhen und Tiefen der Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses führt. Mit einer einzigartigen filmischen Vision überzeugt Daniela auf eindrucksvolle Weise und brilliert darin, die vielschichtigen emotionalen Prozesse von Heilung miteinander zu verweben.«

Die Jury: José Manuel Cahuantzi (Escuela Superior de Cine), Jura Branellec (ZeLIG School for Documentary, Television and New Media) und Lissy Giglberger (HFF München).

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury für First Lap Crash von Liam Erlach aus. Seine Schwester Amina ist 21 Jahre alt und lebt mit der Behinderung, bei der die Betroffenen schon kleinste Anstrengungen aus der Bahn werfen können. Eine kurative Therapie gibt es bislang nicht – nur schwer zu findende Wege, um Symptome zu lindern. Der Bruder antwortet mit einem Film über und für sie. Aus der Jurybegründung: »Der Film schafft es, eine unsichtbare Welt durch Rhythmus, Stille und radikale Minderung sichtbar werden zu lassen. Liam findet dafür eine eigene visuelle Sprache, um Erschöpfung, Isolation und die Zerbrechlichkeit des alltäglichen Lebens auszudrücken.«

Der Student Award wird von Megaherz gestiftet und ist mit 3.000 Euro dotiert. Nominiert waren herausragende Dokumentarfilme von Studierenden deutschsprachiger Filmhochschulen und Akademien.

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