Report, Top-Story, Trend: 21.04.2002

Kompatibilität zwischen den DV-Formaten

Viele Geräte können die Kassetten mehrerer DV-Standards verarbeiten: DV, DV-Longplay, DVCAM, DVCPRO, DVCPRO50, DVCPROHD und DVCPROHD-Extended stehen dabei zur Auswahl. Aber wer kann was abspielen und wer nimmt wie auf? Was ist mit Digital-8 und D9? Ein Überblick.

Als generelle Regel gilt: Wenn ein DVCPRO-, DVCAM- oder DV-Gerät auch Kassetten anderer Formate akzeptiert, dann handelt es sich dabei in aller Regel um eine reine Abspiel-Kompatibilität. Die meisten Geräte können also lediglich Kassetten anderer Formate wiedergeben, aber nicht in diesem anderen Format aufzeichnen. (Ausnahmen von dieser Regel gibt es, sie werden im weiteren Verlauf dieses Textes genannt).

Außerdem gilt es zu beachten: Die Wiedergabe der anderen Formate ist meist mit Kompromissen behaftet. Teilweise werden nicht alle Tonspuren ausgelesen, es gibt den generellen Unterschied zwischen Unlocked Audio bei DV und Locked Audio bei DVCPRO, DVCPRO50 und DVCAM. Hinzu kommt der Abtastunterschied zwischen 4:2:0 bei DV und DVCAM, 4:1:1 bei DVCPRO und 4:2:2 bei DVCPRO50, der ebenfalls zu Einschränkungen führen kann. Zudem arbeiten DV und DVCAM mit anderem Bandmaterial als DVCPRO und DVCPRO50, was bei intensiver Nutzung der Geräte im jeweils anderen Format zu erhöhtem Verschleiß und rascherer Kopfverschmutzung führen kann. Nicht umsonst liegt den »Multiformat-DV«-Geräten meist ein Reinigungsband bei.
Aus allen genannten Faktoren können sich im Einzelfall Probleme ergeben. Schwierigkeiten sind auch vorprogrammiert, wenn beim »Cross-Playback« der digitale Signalaustausch mit anderen Geräten über die IEEE-1394- oder SDTI-Schnittstelle erfolgen soll: 4:1:1 und 4:2:0 sind eben einfach nicht das Gleiche.

Bei den folgenden Betrachtungen geht es daher vorrangig darum, ob die Kassette rein mechanisch ins Gerät passt und ob sie sich in einer akzeptablen, üblichen Signalform ausgeben lässt, also als SDI- oder im Notfall auch als analoges Signal.

DVCPRO-Recorder
Alle Panasonic-Studiorecorder im DVCPRO-Format können auch DV und DVCAM wiedergeben. Für die Wiedergabe von Mini-DV-Kassetten mit DVCPRO-Maschinen ist ein mechanischer Adapter nötig.
Aufgenommen wird mit DVCPRO-Geräten immer im DVCPRO-Format, nur ein Gerät bildet hier eine Ausnahme: Mit dem AJ-D455 bietet Panasonic einen DVCPRO-Recorder an, der wahlweise auch im DV-Format auf normale DV-Kassetten aufzeichnen kann. Für die Aufzeichnung auf Mini-DV-Kassetten gibt es hierbei einen speziellen mechanischen Adapter, der vom bisher üblichen Adapter-Modell abweicht.

DVCAM-Recorder
Alle Sony-Recorder im DVCAM-Format können auch DV-Kassetten wiedergeben. Ein Recorder aus der DVCAM-Palette kann wahlweise auch in DV aufnehmen, der DSR-11. Alle anderen Recorder nehmen stets im DVCAM-Format auf, auch wenn für die Aufnahme DV-Kassetten eingelegt werden.
Zwei Modelle aus der Sony-Studiorecorder-Palette, das Top-Editing-Modell DSR-2000 und der kompakte DSR-1500 mit halber Rackbreite, können zusätzlich auch DVCPRO-Kassetten wiedergeben, dabei wird aber die Cue-Audiospur nicht gelesen und es werden auch keine Signale am SDTI- und am IEEE-1394-Ausgang (i.Link-Buchse) ausgegeben. Der DSR-2000 und der DSR-1500 können jede Kassettengröße, von Mini-DV über Midsize- bis zur Standard-DV-Kassette direkt verarbeiten. Longplay-DV-Aufnahmen, wie sie mit einigen Consumer-Camcordern und -Recordern hergestellt werden können, spielt der DSR-2000 ebenfalls ab.

DV-Recorder
Der JVC-DV-Recorder BR-DV600 arbeitet ausschließlich im DV-Format, es passen ausschließlich Mini-DV-Kassetten in den Geräteschacht.
Der Sony-DV-Heimrecorder DHR-1000 und auch viele Sony-DV-Consumer-Camcorder können auch DVCAM-Kassetten wiedergeben, nehmen aber ausschließlich in DV auf.
Der Panasonic-Recorder AG-DV2700 (bauähnlich zum Consumer-Modell NV-DV10000) ist ein DV-Recorder, kann aber, obwohl das nicht im Handbuch dokumentiert ist, auch DVCAM-Kassetten abspielen.

DVCPRO50-Recorder
Alle DVCPRO50-Geräte spielen auch DVCPRO-Kassetten ab. Alle DVCPRO50-Geräte mit Aufnahmefunktion können sowohl mit 50 Mbps (DVCPRO50), wie auch mit 25 Mbps (DVCPRO) aufzeichnen.
Unter den DVCPRO50-Geräten beherrschen nur der Recorder AJ-D960 und der Player AJ-D940 auch DV- und DVCAM-Playback. Diese Geräte können also DVCPRO50, DVCPRO, DVCAM und DV verarbeiten. Für Mini-DV-Kassetten ist ein mechanischer Adapter notwendig, Midsize und Standard-Kassetten werden direkt verarbeitet.

DVCPROHD-Recorder
Am weitesten treibt die Abwärtskompatibilität innerhalb der DVCPRO-Familie ein HD-Recorder mit der Bezeichnung AJ-HD1600. Dieser DVCPROHD-Recorder bietet dank schmalerer Spurbreite von 9 µm und einer etwas größeren Kassette 124 Minuten Aufnahmedauer in HD. Der AJ-HD1600 kann aber nicht nur in dieser weiteren Variation des DVCPRO-Formats aufzeichnen, die Panasonic DVCPROHD-Extended nennt. Er spielt laut Hersteller zusätzlich auch alle existierenden DV-Formate ab: DV, DVCAM, DVCPRO, DVCPRO50 und DVCPROHD.

Camcorder
DVCPRO50-Camcorder lassen sich wie die Recorder dieses Formats auch auf 25 Mbps, also auf DVCPRO-Aufzeichnung umschalten und Bänder beider Formate wiedergeben.
Die normale Kassettengröße für Camcorder im DVCPRO- und DVCPRO50-Format ist die Midsize-Kassette. Nur ein DVCPRO-Camcorder-Modell, der AJ-D210 und sein Nachfolger AJ-D215 arbeiten mit der größeren Standard-Kassette.
Der Sony-Camcorder DSR-PD150 (bauähnlich zum Consumer-Modell DCR-VX2000) und der Schultercamcorder DSR-250 lassen sich für die Aufnahme zwischen DVCAM und DV umschalten und können auch beide Formate wiedergeben. Das gilt für alle seit dem Sommer 2001 aktuellen DVCAM-Camcorder.

Andere DV-basierte Formate
D9 von JVC, das früher als Digital-S bezeichnet wurde, arbeitet zwar mit DV-Kompression und einer Datenrate von 50 Mbps, ähnelt also vom Signal her DVCPRO50, allerdings passt die deutlich größere Halbzoll-Kassette dieses Formats nicht in DV-, DVCPRO- oder DVCAM-Geräte.
Im Consumer-Bereich bietet Sony das Digital-8-Format an, das im allgemeinen Sprachgebrauch auch D8 genannt wird, was aber im Widerspruch zu den Standardisierungsrichtlinien steht. Bei Digital-8 wird ein DV-Signal auf Hi8-Kassetten geschrieben. Für dieses Format existieren keine Studiogeräte, die Wiedergabe kann ausschließlich mit Consumer-Geräten erfolgen, also Digital-8-Camcordern oder kleinen D8-Video-Walkmen.

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T_0402_DV_Kompatibilitaet.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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