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DMC Production: Remote-Fahrzeug der nächsten Generation

DMC präsentierte bei der SportsInnovation einen neuen softwarebasierten Remote-Truck – und ermöglicht damit eine vollständige 16-Kamera-Produktion, von überall auf der Welt gesteuert, mit einer 100 Mbit/s Internetverbindung.

DMC Production zeigt mit seinem neuen Remote Ü-Wagen, dass es auch anders geht: Ein kompakter Truck, minimale Besetzung am Veranstaltungsort und eine Standard-Internetverbindung ermöglichen eine vollwertige Live-Produktion mit bis zu 16 Kameras.

Bei der Sports Innovation in Düsseldorf präsentierte das Unternehmen das neue Fahrzeug, das Broadcast Solutions derzeit noch fertigstellt. Holger Enßlin, Managing Director Dach bei DMC Production, erläutert: »Wir werden diesen Truck schon im April einsetzen für eine Produktion der dritten Fußballbundesliga, die wir für die Telekom durchführen. Die Idee ist natürlich, das Konzept dann auszuweiten und die gesamte dritte Liga, also alle Spiele der dritten Fußballbundesliga, in Remote zu produzieren.«

©Nonkonform

Das Fahrzeug auf dem Compound der SportsInnovation.

Das Konzept: Softwarebasiert von Grund auf
Der Wagen ist kein klassischer Ü-Wagen im herkömmlichen Sinne. Das Fahrzeug liefert lediglich die notwendige Infrastruktur vor Ort, während die eigentliche Produktion vollständig remote stattfindet.

Im Zentrum steht Grass Valley AMPP als zentraler Workflow-Backbone. Die Plattform übernimmt Audio- und Videomischung, Multiviewing, Routing, Signalmanagement sowie die Steuerung aller NMOS-Ressourcen – Kameras, Quellen, Multiviewer. Klassische Hardware-Signalrouter werden damit überflüssig. Ergänzt wird das System durch eine Calrec-Audioplattform, ebenfalls in AMPP integriert, die eine lokale, latenzfreie Audioproduktion sicherstellt.

©DMC

Die Software-Oberfläche …

Das Intercom-System basiert vollständig auf Telos und wurde nahtlos in AMPP eingebunden – klassische Intercom-Hardware entfällt damit weitgehend.

Für die Signalaufnahme kommen High-Bitrate-Receiver zum Einsatz, die NMOS-Streams aus der IP-Infrastruktur empfangen und über Grass Valley SDI/IP-Wandler direkt in die AMPP-Umgebung eingespeist werden. Die NMOS Ressourcen – egal ob Kameras, Quellen oder Multiviewer – werden nativ über AMPP administriert und gesteuert. Damit entfällt die Notwendigkeit klassischer, schwerfälliger Hardware Signalrouter.

»Wir senden die Signale mit niedriger Latenz vom Veranstaltungsort an den Kontrollraum – egal wo auf der Welt er sich befindet. 100 MBit/s – mehr braucht es nicht,« sagt Jens Envall, Head of Innovation, DMC Production.

©DMC

… der verwendeten Infrastruktur.

Das technische Kernversprechen ist ebenso klar wie bemerkenswert: Eine vollständige Live-Produktion – unabhängig davon, ob mit 4 oder 16 Kameras – lässt sich über lediglich 100 MBit/s Internetbandbreite in einen Remote-Kontrollraum übertragen. In einer Zeit, in der 100 MBit/s zunehmend zum Standard geworden sind, erschließt das Veranstaltungsorte und Events, die mit klassischen Remote-Konzepten schlicht unwirtschaftlich gewesen wären.

Jens Envall sagt: »In den nordischen Länder kann man 100 MBit/s fast überall bekommen, das ist inzwischen der niedrigste Konnektivitätsstandard – das ist es, was das hier möglich macht.«

©Nonkonform

Jens Envall, Head of Innovation, DMC Production.

Die übertragenen Signale umfassen Videostreams mit niedriger Latenz für den Multiviewer, SRT-Signale für den Programmausgang sowie Audio-Feeds. Das System ist darüber hinaus in der Lage, unabhängig und gleichzeitig mit mehreren Kontrollräumen verbunden zu sein – in Hilversum, Helsinki, München oder anderswo.

Vor Ort: Minimal besetzt, maximal kontrolliert

Am Produktionsort genügt in der Regel eine einzelne technische Fachkraft – zuständig für Monitoring, Systemüberwachung und Aufbau.

©Nonkonform

Zlatan Gavran, COO Broadcast Solutions.

Kameraleute und Audiotechniker sind wie gewohnt vor Ort. Die eigentliche Produktion – Bildmischer/Regie, Replay-Operator, Audioingenieur, Grafikoperator und Kamera-Shader – arbeitet komplett vom Remote-Kontrollraum aus.

»Die Person vor Ort ist im Grunde für das Monitoring da und dafür, dass alles läuft. Die vollständige Produktionskontrolle liegt beim Remote-Gallery-Team,« erklärt Zlatan Gavran, COO Broadcast Solutions. Was früher eine klassische Regie im Wagen gewesen wäre, ist heute ein moderner Produktionsraum – primär für Monitoring und Qualitätssicherung. Die Produktionskette läuft softwarebasiert, entweder im Fahrzeug oder remote.

Ein Fahrzeug – drei Funktionen

Der Rüstwagen erfüllt gleichzeitig drei Rollen, die sich flexibel kombinieren lassen:

  • Rüstwagen: Bereitstellung der Hardware-Infrastruktur – Kameras, Optiken, Monitore, Mikrofone, Stageboxen, Kabel und mehr.
  • Produktionsknoten: Über AMPP fungiert das Fahrzeug als vollständig digitaler Produktionsstandort – flexibel, skalierbar und ortsunabhängig.
  • Remote Hub: Der Wagen sammelt Signale lokal ein, bereitet sie auf und übergibt sie in softwarebasierte Produktionsworkflows während Monitorsignale, Kontrolldaten und bei Bedarf SRT Streams (TX) an das Remote Zentrum übergeben werden. Eine Übergabe des TX Signals als SDI erfolgt lokal am Fahrzeugstandort an die Kontribution.

Nach außen hin verhält sich der Wagen wie ein regulärer Ü-Wagen: drei Stage-Boxen, eine separate Audio-Stage-Box, BNC-Ein- und -Ausgänge und mehr stehen zur Verfügung. Die Überraschung liegt im Inneren – auch im Stromverbrauch, wie Zlatan Gavran betont: »Der gesamte Betrieb läuft lediglich über einen 32 CEE Anschluss, ausreichend für eine vollständige 16-Kamera-Produktion.«

©Nonkonform

Holger Enßlin, Managing Director DMC Production DACH, kündigt an, das Fahrzeug für Fußball in der 3. Bundesliga einzusetzen.

Einsatzgebiete: Sport, Show, Event – und alles dazwischen

Die geplanten Anwendungsfälle sind vielfältig. Im Sportbereich steht dezentrale oder schwer erreichbare Locations im Fokus, bei denen die Connectivity-Kosten klassische Remote-Konzepte bislang unwirtschaftlich gemacht haben. Daneben sind auch Entertainmentformate möglich.

»Das Interessanteste daran ist, dass es neue Möglichkeiten eröffnet, die vorher schlicht nicht existiert haben,«, so Envall.

Für den deutschen Markt ist die Integration in das bestehende Produktionszentrum in München bereits konkret geplant, so Holger Enßlin. Der Wagen soll dort direkt an eine der Regien angebunden werden – innerhalb weniger Wochen nach Lieferung. Ein zweites Fahrzeug befindet sich im Aufbau; eines davon ist für den deutschen Markt bestimmt, das andere für den paneuropäischen Einsatz.

Fazit

Der neue DMC Remote Ü-Wagen ist mehr als ein technisches Upgrade – er steht für einen grundlegenden Wandel in der Broadcast-Produktion. Durch die tiefe Integration von Grass Valley AMPP, Telos Intercom, Calrec Audio und NMOS-Infrastruktur entsteht eine hochmoderne, vollständig softwarebasierte Produktionsumgebung, die ohne die Einschränkungen klassischer Hardware-Regien auskommt. Flexibel einsetzbar, energieeffizient und mit einer Standard-Internetverbindung betreibbar.

Bildrechte: DMC Production (2), Nonkonform

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