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Kurz und knackig – KW 35/2026

Protest: USA schränken Medien-Visa ein. Mediendeal: Weiter umstritten. KI-Chats: Mit Werbung börsentüchtig. Filmförderung: 2026 ausgeschöpft. Kinobesuch: Wieder wie vor Corona.
Unternehmen
Die 12 klagenden US-Bundesstaaten sagten ein Einigungsgespräch ab: Paramount habe verfälschte Inhalte durchgestochen. Verhandelt werde, sobald Propagandatricks unterbleiben, Zugeständnisse gemacht und absolute Redlichkeit gezeigt werde. Eine Vertragsstrafe von täglich 1 Mio. $ verteuert den 110 Mrd. $-Deal um mindestens 1 Mrd. $ bis zum Gerichtstermin im März und dem späteren Urteil. Paramount stritt die Beschuldigung ab.
Wegen der beabsichtigten Übernahme des Handelskonzerns durch Chinas JD.com verbot China Organisationen und Personen, den Deal betreffende Anfragen aus der EU zu unterstützen. Die EU verlange unnötige und umfangreiche Infos zur Übernahme.
Mit neuen Aktien will Chinas Online-Riese umgerechnet rund 8,73 Mrd. € frisches Kapital einwerben, um KI-Investments zu finanzieren. Es handele sich um die größte Kapitalerhöhung einer in Hongkong gelisteten Firma und die weltweit drittgrößte derartige Börsenaktion in 2026.
Apple zahlte im Geschäftsjahr 2025 (bis 9/25) in Deutschland 153,5 Mio. $ Steuern bei einem Vorsteuergewinn von 209 Mio. $. Ein verlorenes Gerichtsverfahren gegen EU-Vorschriften zur Transparenz zwingt den Computerkonzern zur Offenlegung dieser Zahlen.
Broadcast & Produktion
Der MDR illustrierte die Auswirkungen der von der AfD im Fall ihres Sieges bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt geplanten Kündigung der Rundfunkstaatsverträge: Während des Magazins »MDR Sachsen-Anhalt heute« setzte das TV-Bild aus. Später war eine Sprecherin zunächst nicht zu hören und erklärte dann »Wie Sie hören, hören Sie nichts«. Online wurden Fotos durch schwarze Felder ersetzt. Der NDR machte mit einer Aktion »Funkstille« anlässlich der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern darauf aufmerksam.
Künstliche Intelligenz
Im Vorfeld eines Börsengangs und wegen der hohen Kosten von Rechenzeit führt der KI-Pionier auch in Deutschland Werbung ein. Seit Wochenbeginn gibt es neue »ChatGPT Free« und kostenpflichtige »Go«-Verträge. »Pro-«, »Plus-« oder Business-Kunden bleibe die Werbung erspart, ebenso bekannten Minderjährigen. Die Werbeelemente sind mit dem Chat-Thema verbunden.
In Vorbereitung des Börsenganges geht die KI-Schmiede von einem US-Gesamtmarkt von 30 Billionen $ aus, was etwa dem Bruttosozialprodukt der USA entspricht und 1,5 Bio. $ über dem von SpaceX genannten Wert liegt. Laut »Wall Street Journal« zielt das Unternehmen auf Einnahmen von 100 Mrd. $ und einen Börsenwert von 2 Bio. $.
Filme & Förderungen, Festivals & Kinos
Weil nun auch das restliche Volumen der Bundesförderungen DFFF und GMPF von 30 Mio. € für 2026 ausgeschöpft ist, werden Anträge für 2026 nicht mehr angenommen. Anträge für Produktionen mit Drehstart in 2027 werden voraussichtlich ab November von der FFA angenommen.
Kulturstaatsminister Weimer feiert die »Rekordnachfrage« nach Filmförderungen. Der Bund habe die wirtschaftliche Förderung auf 250 Mio. € verdoppelt und stelle insgesamt 530 Mio. € bereit. Laut Weimer plane der Bund 2027 »eine deutliche Steigerung der wirtschaftlichen Filmförderung gegenüber 2025«. Aufgrund des Sparhaushaltes wird erwartet, dass das Volumen von 2026 deutlich verfehlt wird.
Die deutschen Kinos verkauften im 1. Halbjahr 47,5 Mio. Tickets für 502,2 Mio. €. – das ist laut der Filmförderungsanstalt das beste Ergebnis seit vor Corona. Fünf der 14 Besuchermillionäre stammen aus deutscher Produktion.
Sandra Wollners Spielfilm »Everytime« mit Birgit Minichmayr geht für Deutschland ins Rennen um den Oscar der Kategorie »International Feature Film«. Das entschied eine Fachjury von German Films. Aufgrund neuer Regeln sind wegen ihrer Festivalpreise auch »Von Scham und Geld« (Sundance) und »Gelbe Briefe« (Berlinale) nominiert.
Streaming
US-Kunden machen das Drehen an der Preisschraube von Netflix, Disney+ und Prime Video nicht mehr mit. Steigerungen der Abopreise seien nach 24% in 2023/24 auf 14% in 2025/26 bzw. von 1,67 $ auf 1,54 $ gesunken. Laut Ampere Analysis haben die Anbieter die »Grenzen der Zahlungsbereitschaft der Verbraucher« erkannt.
Der Streamer setzte 2025 im UK erstmals mehr als 2 Mrd. £ um. Mit plus 11,3% auf 2,06 Mrd. £ (2,41 Mrd. €) wurde ITV als größter kommerzieller TV-Sender überholt. Trotz eines Zuwachses zahlender Nutzer um 7% ging der Umsatz pro Nutzer zurück. 55% der Neukunden vereinbarten werbefinanzierte Angebote.
Radio, Audio
Platz für den neuen Warnkanal »ASA DE« im nationalen DAB+-Multiplex (K 5C) schaffte die Reduzierung der Bitrate von Deutschlandfunk Kultur von 112 auf 104 kbit/s. Ab September (also rechtzeitig zum »Warntag« am 10.9. um 11 Uhr) kommen behördliche Warninfos so auf alle DAB+-Radios. Spezielle ASA-Funktionen (Wecken aus dem Standby, Umschalten von anderen Programmen zu »ASA DE«) sind nur mit geeigneten Radios möglich.
Auf dem Weg zur vollständigen Umstellung auf DAB+ nimmt die Anstalt am 12. September UKW-Sendeanlagen geringer Leistung an den Standorten Freiberg, Grimma, Hoyerswerda, Bad Lobenstein, Nordhausen und Schmölln außer Betrieb.
Die Medienbehörde wird die Konzessionen für den UKW-Wiedereinstieg im Herbst vergeben. Weil die Frequenzen für die 19 privaten Bewerber ausreichen, wird auf Auktionen verzichtet. Die SRG-Anträge für ihre bisherigen Frequenzen werden ebenfalls im Herbst erteilt.
Märkte, Studien, Statistiken
Die Werbewirtschaft setzt im Juli 19,2 Mrd. € (+1,5%) um. Radiowerbung war zwar mit 1,14 Mrd. € zum Vorjahr nur um 0,5% im Minus, blieb jedoch zum Juli 2025 um 13,5% zurück. Auch TV verliert zum Vergleichsmonat 2%, während der Online-Markt auf 3,1 Mrd. € (+16,1%) und das Kino auf 62,9 Mio. € (+17,9%) zulegten.
Verbraucher sind verunsichert und preisbewusster, so der Branchenverband. Technische Konsumgüter setzten im ersten Halbjahr 20,6 Mrd. € (minus 2,5%) um; die Consumer Electronics (12,7 Mrd. €, minus 3,2%) und Elektro-Großgeräte (4,4 Mrd. €, minus 5,1%) verloren, während Elektro-Kleingeräte (3,5 Mrd. €, plus 4,0%) positiv abschlossen. Der Umsatz für TV-Geräte fiel um 2,3%, während der Abverkauf wegen der FIFA-WM um 4,6% stieg.
Nur noch 61% (minus 10%) der von Verivox Befragten nutzen zuhause ein Festnetztelefon. Das Festnetz ist jedoch zu 89% bei den 70- bis 79-Jährigen verbreitet. Von den 18- bis 29-Jährigen setzen jedoch 58% aufs Handy, nur 42% auf Festnetz-Telefonie.
Medienrecht, Urteile
Auch Disneys Ausweichlösung in Sachen 4K-Streaming geht vor Gericht: In zwei weiteren Verfahren fordert InterDigital Lizenzgebühren für geschützte Technologien des Unternehmens im Codec VP9. Vom andauernden Wegfall der 4K- und HDR-Optionen sind Premiumkunden betroffen. Disney hatte zuvor Verfahren gegen Dolby verloren.
Mediengeschichte
Am 210 Meter hohen Sendemast 17 (Baujahr 1925) auf dem Funkerberg bei Königs Wusterhausen werden zunächst neue Fundamente für die Abspannseile gebaut. 2028 werden die Stahlseile und der Korrosionsschutz erneuert, um den Stahlgitterbau für 50 Jahre zu sichern. Die alten Fundamente bleiben wegen des Denkmalschutzes erhalten. Die Gesamtkosten liegen bei 3,3 Mio. €.
Internationales
Medienfirmen und Verbände fordern die Bundesregierung zum Handeln gegen neue US-Visaregeln auf. Ab 15.9. wollen die USA Journalisten-Visa für nur 240 Tage ausstellen statt für fünf Jahre. »Wir kennen ähnlich kurze Zeitspannen nur aus Staaten, die die Meinungsfreiheit begrenzen oder Berichterstattung erschweren wollen.« Unterzeichnet haben ARD, ZDF, D-Radio, DW, RTL, P7S1 und die Verbände BDZV und MVFP. Das Außenministerium habe gegenüber hochrangigen US-Partnern Besorgnis zum Ausdruck gebracht, heißt es von dort.
TikTok entgeht einem US-Verfahren und dem Vorwurf, Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne elterliche Zustimmung zu sammeln, durch Zahlung von 400 Mio. $. Das sei kein Schuldeingeständnis, betont das Justizministerium.
Die »Australian Recording Industry Association« (ARIA) will »den Ursprung des künstlerischen Schaffens« schützen. In die Charts kommen ab jetzt nur Songs, die »im Wesentlichen von Menschen geschaffen« wurden. Vollständig KI-generierte Musik wird dort nicht mehr aufgenommen. Auslöser war der Hitparadensturm eines Madonna-Covers, dessen Vocals und Drums per KI erzeugt wurden.
Brasiliens Datenschützer belegten TikTok mit einer Strafe von 25 Mio. €. Die Plattform verhindere nicht den Zugriff auf verarbeitete Daten, um Jugendlichen Werbung zu zeigen. Diese Botschaft sollten andere Online-Konzerne verstehen, so die Behörde.
Personalia
Sasha Bühler, seit 2019 beim Streamer und dort Content Director DACH, verlässt Netflix. Jan Bennemann übernimmt interimistisch. Katja Hofem verantwortet weiter die Strategie für die DACH-Märkte.
Jean-Michel Cina tritt nach fast zehn Jahren als Vorsitzender der Schweizer Rundfunkanstalt zurück. Nach dem Beginn der strategischen Transformation und entsprechender Neustrukturierung und -besetzung der Führung sei es dafür Zeit.
Beim Bielefelder Dienstleister für Radio und Audio tritt Lars Gerdau als Co-Geschäftsführer an die Seite von Uwe Wollgram. Dies sei der erste Schritt eines bis Ende 2027 dauernden Generationswechsels.

 

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