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Innovationsmotor im Fernsehen?

Stellen Sie sich ein großes Unternehmen mit einem etwas altbackenen Image vor, dem es nicht gelingt, jüngere Zielgruppen zu erschließen und das zudem auch noch hin und wieder in die öffentliche Kritik gerät. Was tun? Die gründliche und einzige langfristig erfolgversprechende Methode bestünde darin, sich zu ändern, aktiv zu werden, das eigene Angebot umzubauen — toll, wenn das aus eigener Kraft gelingt, ansonsten muss man eben Dritte hinzuziehen.

Was aber leider viel häufiger praktiziert wird, ist Methode 2: Man engagiert eine oder mehrere Agenturen, wirft die PR-Maschine an und versucht das Image umzufrisieren, ohne wirklich etwas zu ändern. So ist das eben: Die einen spielen selbst Fußball und bewegen sich, die anderen schauen lieber vom Sessel aus zu, trinken Bier und essen Chips. Die einen setzen Innovationen um, die anderen reden nur drüber.

So sagte ZDF-Intendant Markus Schächter kürzlich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung »… wir haben uns für jedes Jahr zwei, drei große Innovationen vorgenommen, die wir auch umgesetzt haben«. Was genau meint der Mann? Minimalkorrekturen im Programmschema? Die neue Kabarettsendung am späten Abend? Den x-ten Aufguss der immer gleich gestrickten Produktionen aus der Knoppschen Hitler-Maschine? Die zugekauften Serien aus Skandinavien? Die von den Privaten abgekupferten Unterhaltungsformate?

Oder versteht der Intendant etwas komplett anderes unter den großen umgesetzten Innovationen im ZDF-Programm?

Zweifellos: In einer TV-Welt, die vollgestopft ist mit unsäglichen Talk- und Gerichtshows, mit sinnfreien Doku-Soaps und Pseudo-News-Magazinen machen die öffentlich-rechtlichen Sender oft das bessere und vor allem das seriösere Fernsehen. Viele Formate, die einst von den Privaten entwickelt wurden, laufen als Kopie bei den öffentlich-rechtlichen länger und erfolgreicher als im Original bei den Privaten. Aber das ist nicht innovativ, sondern nur effektives Recycling.

Innovativ sind die öffentlich-rechtlichen TV-Anbieter derzeit bestenfalls darin, auf politischem Weg ihre Pfründe zu sichern. Ansonsten gewinnt man von außen oft den Eindruck, dass sich die Welt von ARD und ZDF nicht um die Zuschauer und um das Programm, sondern um die Programmanbieter selbst dreht. Da scheint es als Begleitmusik auszureichen, sich selbst als fortschrittlichen Trendsetter darzustellen und in Jubel-Pressetexten zu verbreiten, wie innovativ man sei. Fakt bleibt: Das ZDF ist bis dato bei all seinen Versuchen gescheitert, sich selbst, sein Programm und in der Folge die Zielgruppe zu verjüngen: Der durchschnittliche Zuschauer der Öffentlich-Rechtlichen ist weit über 50 Jahre alt.

Vielleicht muss ja ein Fernsehprogramm auch gar nicht um jeden Preis innovativ sein, um gut und erfolgreich zu sein. Vielleicht würde es reichen, wenn ARD und ZDF sich an ihren Programmauftrag hielten, Nachrichten und Informationen in guter Qualität lieferten und darauf verzichteten, etwas zu behaupten, was nicht verifizierbar ist? Die höchsten Quoten erzielt das ZDF schließlich regelmäßig — außer mit Fußball — mit einer Sendung, die seit Jahren gleich gestrickt ist, also das exakte Gegenteil von Innovation verkörpert: »Wetten dass?«

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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