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Verkauft Thomson den Grass-Valley-Part des Unternehmens?

Weil der französische Mutterkonzern offenbar finanzielle Probleme hat, will sich das Unternehmen eventuell von seiner Broadcast-Abteilung Thomson Grass Valley trennen.

Außer einer allgemeinen Info über diese Pläne, die Thomson für Investoren und Finanzmärkte veröffentlichte, gab das Unternehmen noch keine Details bekannt — aber es wird wild spekuliert. So stehen nach Informationen verschiedener amerikanischer Medien die Bereiche Kamera, Schnittsysteme, Mischer, Kreuzschienen und Server, sowie die weiteren Infrastrukturprodukte aus dem Videobereich zum Verkauf. Das sind unter anderem alle unter dem früheren Broadcast-Chef Marc Valentin ins Unternehmen geholten und unter dem Markendach Grass Valley versammelten Bereiche, wie die Kameraabteilung von BTS/Philips, aber auch der japanische Editing-Spezialist Canopus mit der Edius-NLE-Palette.

Den Filmbereich hatte Thomson schon im Herbst 2008 verkauft (Meldung). Im Unternehmen verbleiben soll der Dienstleistungsbereich mit Technicolor. Damit müssen die Pläne, Thomson zu einem integrierten End-to-End-Anbieter von Geräten und Services für die Herstellung und Verbreitung von digitalen Inhalten zu entwickeln, endgültig als gescheitert betrachtet werden.

Thomson hat laut vorläufiger Zahlen, die das Unternehmen für das letzte Quartal 2008 veröffentlichte, rund 2,7 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten, denen derzeit rund 1,9 Milliarden auf der Habenseite gegenüberstehen. Deshalb solle nun das Geschäft »refokussiert« werden: Technicolor und die Division, die sich mit Set-Top-Boxen befasst, sollen demnach im Unternehmen verbleiben, der Rest aus dem Broadcast- und Videobereich eventuell abgestoßen werden, auch die Digital Signage-Abteilung PRN. Unter den Marken Grass Valley und PRN wurde nach Firmenangaben im Jahr 2008 ein Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar erzielt.

Thomson will — so die offizielle Formulierung — gemeinsam mit seinen Kreditgebern und potenziellen Investoren nach Lösungen suchen, um die Bilanz wieder auszugleichen. Hierzu wurden Beratungsunternehmen und eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, so das Unternehmen. Es sollen auch Gespräche mit der französischen Regierung stattfinden.

Falls es zu einem Verkauf kommen sollte, scheint es recht unwahrscheinlich, dass sich ein Käufer für Grass Valley insgesamt finden lässt, der das Unternehmen mit all seinen Teilbereichen weiter betreibt. Viel wahrscheinlicher ist eine Zerschlagung von Grass Valley — direkt durch Thomson oder durch einen Zwischenhändler. Ein weiteres Aufbrechen dieses Unternehmensbereichs von Thomson, der ohnehin nie zu einer Einheit zusammengewachsen war, dürfte unvermeidlich sein.

Unbestätigten Gerüchten zufolge steht Harris schon in den Startlöchern, um interessante Teile von Grass Valley zu übernehmen. Welche nicht dazu gehören, hat Tim Thorsteinson, der Chef der Broadcast-Abteilung von Harris, bereits zur IBC2007 geäußert (siehe Meldung): Thorsteinson, der von Tektronix über Grass Valley, Thomson und Leitch zu Harris kam, sagte damals, dass Kameras gänzlich ungeeignet seien, um das Portfolio von Harris zu bereichern, denn dieser Bereich ist aus seiner Sicht so weit abgedeckt, dass eine Akquisition hier keinen Zusatznutzen brächte.

Hintergrund

Schon 2006 hatte es massive Verkaufsgerüchte gegeben, die damals den ganzen Konzern betrafen und wohl eine Zerschlagung von Thomson insgesamt bedeutet hätten. Die damaligen, grundlegenden Probleme von Thomson Grass Valley, die film-tv-video.de in einem früheren Bericht aufgezeigt hat, sind im Grunde bis heute nicht oder nur teilweise behoben.

Autor: red

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