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Hier ist das böse deutsche Fensehen

Kürzlich hat Sylvester »Rocky« Stallone nach eigenen Angaben die »schlimmste halbe Stunde« seines Lebens erlitten. War er in Lebensgefahr? Drohte sein Flugzeug abzustürzen? Musste er Vorher/Nachher-Vergleiche seiner jüngsten Schönheits-OPs in Großaufnahme ansehen? Oder die Kritiken zu seinem jüngsten Film »The Expendables 2« vorlesen?

Alles Fehlanzeige. Laut Hamburger Morgenpost hat »Rambo« Stallone sich so über seinen Auftritt in Reinhold Beckmanns Talkshow geäußert. Dort wollte der Schauspieler offenbar ausschließlich das Musical »Rocky« bewerben, das er gemeinsam mit den Klitschko-Brüdern Vitali und Wladimir produziert — ganz so, wie er es im Umfeld des jüngsten Klitschko-Boxkampfes bei RTL ausgiebig tun durfte. Doch statt als reiner Stichwortgeber aufzutreten, stellte ihm Moderator Beckmann tatsächlich ein paar echte, offenbar unabgesprochene Fragen: Darunter solche zu den Wahlen in den USA und zu Stallones Unterstützung des republikanischen Kandidaten Mitt Romney.

Was für eine unmenschliche Tortur und unfassbare Demütigung: Statt die üblichen Bauchpinseleien und Huldigungen zu empfangen, steht der bemitleidenswerte Stallone plötzlich nichtsahnend im Kreuzfeuer einer deutschen Talk-Sendung und kann sich gar nicht ausschließlich darauf konzentrieren, über sein tolles Musical zu jubeln, sondern soll über Politik reden. Dass er dabei ausgerechnet in die Hände des knallharten, unnachgiebigen, bohrend nachfragenden Investigativ-Journalisten Beckmann geriet, der in seiner Talkshow schon so manches politische Schwergewicht grillte — ach nein, da liegt wohl eine Verwechslung vor.

Egal: Es war eben die schlimmste halbe Stunde von Sylvester Stallone. Das lässt im Grunde nur einen Rückschluss zu: Herr Stallone muss außerhalb seiner Filme offenbar stets ein sehr behütetes, sanftes Leben geführt haben.

Aus Sicht der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung wiederum dürfte der durch Beckmanns Fragen verursachte Ärger Stallones »das angeschlagene Image des deutschen Fernsehens nur verschlechtern«, weil sich der Vorfall in Hollywood herumsprechen werde. Das ist auch schon ein schlechter Witz in sich: Eine Zeitung, die sich dem Qualitätsjournalismus zurechnet, redet den Control-Freaks in den PR-Agenturen das Wort …

Vielleicht könnte Sylvester Stallone ja eine Betroffenen-Gruppe mit anderen Hollywoodstars gründen, schließlich mussten ja Tom Hanks und Halle Berry kürzlich ähnlich traumatisierende Situationen durchleiden und eine ganze Sendung lang bei Markus Lanz durchstehen, obwohl sie doch eigentlich nur ihren aktuellen Film promoten wollten.

Man kann ja verstehen, dass es nicht jedermanns Sache ist, auf irgendwelchen Sofas oder Stühlchen zu sitzen, seltsame Spielchen mitzumachen oder Fragen beantworten zu sollen, auf die man keine Lust hat. Aber das ist eben der Preis für den Gratiszugang zu einem Millionenpublikum, bei dem die Promis in solchen Sendungen für ihre jeweils neuesten Produkte werben.

Wir aber haben großes Mitleid mit den geschundenen Hollywood-Stars, die sich in die Niederungen des deutschen Fernsehens begeben mussten und wir verstehen, wenn die sich das in Zukunft ersparen werden. Andererseits wird es auf Dauer schwer werden, seinen Promi-Status in Deutschland aufrecht zu erhalten, wenn man hier nicht in den Medien präsent ist. Vielleicht steigt also auch in Zukunft doch noch der eine oder andere Star aus dem amerikanischen Hollywood-Olymp zu uns herab, um unser Leben mit etwas Glanz zu füllen.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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