Preis: 09.07.2018

Deutscher Kamerapreis 2018: die Preisträger

Sieben Kamerafrauen und Kameramänner sowie drei Editorinnen und Editoren wurden am 7. Juli 2018 in den Studios des Westdeutschen Rundfunks in Köln mit dem Deutschen Kamerapreis 2018 ausgezeichnet. Leider gab es auch in diesem Jahr mal wieder Unsauberkeiten im Ablauf.

Deutscher Kamerapreis 2018

Unter dem Vorsitz des Filmwissenschaftlers und Publizisten Prof. Dr. Norbert Grob als Jury-Präsidenten, wurden die Preise in verschiedenen Kategorien vergeben. Das Kuratorium entschied zudem über einen Nachwuchspreis und einen Ehrenpreis. Christoph Augenstein, Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreises Köln e. V., sagt: »Die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2018 beweisen, wie wichtig es ist, in Zeiten einer Inflation der Bilder beeindruckende Geschichten zu erzählen, die die Zuschauer berühren, irritieren oder zum Nachdenken anregen.« Durch die Preisverleihung führte Thomas Hermanns.

Deutscher Kamerapreis 2018
Thomas Hermanns führte durch die Preisverleihung in Köln.
Ehrenpreis für Birgit Gudjonsdottir

Der Ehrenpreis geht in diesem Jahr an Birgit Gudjonsdottir. Die gebürtige Isländerin, die bei Produktionen wie »Die Hochzeit meiner Eltern«, »Zappelphilipp« oder »Schätze der Welt« die Kamera führte, sei mit ihrer »zuhörenden« und intuitiven Kameraarbeit nahezu in allen Genres zuhause, so das Kuratorium Deutscher Kamerapreis in der Begründung. Auch die Souveränität, mit der sie das Thema Gleichberechtigung im Filmgeschäft vorlebe, habe das Kuratorium nachhaltig beeindruckt.

Beste Kamera | Kinospielfilm

Florian Ballhaus wird für seine Arbeit in dem Schwarz-Weiß-Weltkriegsdrama »Der Hauptmann« (Filmgalerie 451/Alfama Films/Opus Film) von Robert Schwentke ausgezeichnet. Ballhaus »nutzt sehr souverän, ja nahezu perfekt die Vielfalt der Schwarz-Weiß-Fotografie. In großen Teilen arbeitet er mit harten Kon­trasten, um das Schwarz zu stärken, und einer virtuosen Lichtführung«, so die Begründung der Jury.

Beste Kamera | Fernsehfilm

Die Handkamera von Michael Kotschi in dem Drama »Fremde Tochter« (SWR) von Stephan Lacant ziehe den Zuschauer sofort emotional in die Geschichte um eine Schülerin, die sich in einen Muslim verliebt und zum Islam übertreten will, heißt es in der Jurybegründung. Die Bild- und Lichtgestaltung verleihe den Räumen und den Figuren eine »große Authentizität« und eine »eigene, unverwechselbare Handschrift«.

Deutscher Kamerapreis 2018
Die Preisträger mit Kamerapreis-Geschäftsführer Christoph Augenstein
Beste Kamera | Dokumentarfilm

Für die filmische Reise »Drei Engel für Russland – Glaube, Hoffnung, Liebe« (Tondowski Films/ZDF) habe der Moskauer Sergej Amirdzhanov eine »moderne, frische und intensive Bilderwelt entwickelt«, so die Jury. Entstanden sei ein Film (Regie: Katja Fedulova) mit einem authentischen und unkonventionellen Blick auf das heutige Russland.

Beste Kamera | Dokumentation
Deutscher Kamerapreis 2018
Prestigeträchtig: der Deutsche Kamerapreis.

Sorin Dragoi gewinnt den Deutschen Kamerapreis für seine Arbeit an dem Film »Todeszug in die Freiheit« (BR), der einen KZ-Transport in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs rekonstruiert. Dem gebürtigen Rumänen gelingt es laut Jury, »mit ausgezeichnet kadrierten Bildern minimalistisch eine Geschichte zu erzählen, die berührt und uns gefangen hält in einer unfassbar schrecklichen Zeit«.

Beste Kamera | Kurzfilm

Der Kurzfilm »Freibadsinfonie« (Filmakademie Baden-Württemberg) taucht an einem Sommertag ein in das bunte Soziotop eines Freibads. Für die Jury spielt der Schweizer Fabian Gamper elegant mit Perspektiven, Brennweiten und Bewegungen, ohne je ins Effekthascherische abzugleiten. Mit großer Leichtigkeit wechsle er zwischen den Ebenen des Dokumentarischen und Szenischen, liefere poetische Detailbeobachtungen und biete seinen Protagonisten eine Bühne.

Beste Kamera | Journalistische Kurzformate

Der gebürtige Düsseldorfer Patrick Waldmann hat die Jury mit einer außergewöhnlichen Bildästhetik in dem Film »Metropolis – Budapest, zwischen Mut und Hingabe« (ZDF) überzeugt. Seine Kameraarbeit gestalte den Film auf organische Weise, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Er jongliere mit nahezu beiläufiger Inszenierung und genauer Beobachtung und zeige dabei die enorme Bandbreite seiner Handschrift.

Bester Schnitt | Dokumentarfilm
Deutscher Kamerapreis 2018
WDR-Intendant Tom Buhrow und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker freuten sich mit den Preisträgern.

In dem Film »Drei Engel für Russland – Glaube, Hoffnung, Liebe« (Tondowski Films/ZDF) porträtiert der Editor Calle Overweg in szenischer Anmutung das Leben dreier junger Frauen in Russland. Laut Jury schaffe es die Montage, dem Zuschauer Raum zu geben, indem er sich ohne Wertung den Protagonistinnen und ihrer Kultur nähere.

Bester Schnitt | Dokumentation

Die Dokumentation »Der Preis der Anna-Lena Schnabel« (ZDF/3sat) begleitet eine junge Jazzsaxo­phonistin und verzichtet dabei komplett auf Kommentarton. Für seine editorische Leistung zeichnet die Jury Wolfgang Daut aus. Ihm gelinge es, einfühlsam sowohl die sensible Seite der Künstlerin als auch ihren starken, fast kompromisslosen Charakter darzustellen.

Nachwuchspreis

Der diesjährige Nachwuchspreis geht an die 1987 in Mexiko geborene und in Mainz aufgewachsene Andrea Muñoz. In dem Dokumentarfilm »Er Sie Ich« (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) über das Scheitern einer Beziehung überzeugt sie das Kuratorium mit einer »ungewöhnlichen und gefühlvollen Montage«. Der geschickte Einsatz einer Splitscreen-Montage im Wechsel mit einem klassischen Dialogschnitt und das Mischen von vier, zu unterschied­lichen Zeitpunkten aufgenommenen Einzelinterviews bringe alle Protagonisten, Eltern und die Tochter aus dem Off, in eine intensive Dreierbeziehung. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird von Panasonic gestiftet.

Kommentar

Wie schon mehrfach in früheren Jahren hat es der Deutsche Kamerapreis auch im Jahr 2018 wieder nicht geschafft, ganz hasenrein rüber zu kommen: Der Preisträger Wolfgang Daut saß auch in der Jury — zwar nicht in der Kategorie, in der er ausgezeichnet wurde, ein Beigeschmack bleibt aber eben trotzdem.

So soll hier die Frage wiederholt werden, die film-tv-video.de schon im Jahr 2009 stellte: Ist es denn so schwer zu begreifen, dass man nicht gleichzeitig Teilnehmer, Jury-Mitglied und Preisträger eines Wettbewerbs sein kann, ohne die Glaubwürdigkeit dieses Preises zu beschädigen? Eine Würdigung für die Menschen hinter der Kamera, wie sie der Deutsche Kamerapreis darstellt, ist eigentlich zu wichtig, um so unnötig in Richtung Klüngelwirtschaft und Farce gedrängt zu werden.

Ähnliches gab es auch schon 2006 und 2009: Lernfähigkeit ist also beim Deutschen Kamerapreis in solchen Angelegenheiten nicht erkennbar.

Bildrechte
WDR/Klaus Görgen
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