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Kurz und knackig – KW 43/2026

Kinderliteratur: Missbrauchs-Klagen gegen OpenAI. KI: »... wesentlich positiver erzählen«.. TF1+: Streaming-Boom. Netflix: Content-Chefs entlassen. Urteile: Snapchat. Kino: +4% Reichweite. Japan: 4K/8K zum Phobos.
Unternehmen
Laut Medienberichten will die Bundesregierung mit dem US-Chipgiganten Nvidia über die Unterstützung des KI-Einsatzes in der Industrie verhandeln. An einem Projekt sei laut Berichten auch Siemens beteiligt.
Die Freenet AG hat die letzten 25% der Anteile von Exaring, der Entwicklerfirma des IPTV-Anbieters, übernommen. Der Kaufpreis liege bei 76 Mio. €, der Unternehmenswert bei 300 Mio. €. Erfolgsabhängig sind weitere bis zu 50 Mio. € zu zahlen. WaipuTV habe mit rund 2 Mio. Kunden einen Marktanteil von 20 bis 25% im deutschen IPTV-Markt.
Der taiwanesische Auftragsfertiger von Chips profitiert weiter vom KI-Boom und meldet den 6. Quartals-Rekordgewinn in Folge. Das Nettoergebnis stieg im Q3 um 69% (!) auf 21,02 Mrd. €. Auch der Umsatz erreichte mit 41,66 Mrd. € (+50%) einen Höchststand.
Trotz Rekordgewinnen werden nicht nur, wie bisher bekannt 800, sondern 1.000 Angestellte (6% der Belegschaft) in Produktentwicklung, Technologie, Rechts- und Personalabteilungen entlassen – die größte Entlassungswelle der Konzerngeschichte. 2025 setzten 16.000 Mitarbeiter mit 325 Mio. Kunden 45,2 Mrd. $ (+16%) um und generierten einen Nettogewinn von 11 Mrd. $ (+26%). Ein Rechtevertrag über die Fifa-WM 2030 greift das frei empfangbare TV weltweit an.
Der KI-Entwickler (»Claude«) verhandelt mit Nscale, Betreiber von Rechenzentren, über den Ankauf von Rechenleistung für 45 Mrd. $. Laut Bloomberg geht es um eine zweite 460 Megawatt-Anlage in West Virginia mit neuesten »Vera Rubin« KI-Chips von Nvidia. Laut US-Berichten stieg das Defizit im 1. Halbjahr von 13 auf über 80 Mrd. $ – vornehmlich wegen Bilanzierungseffekten.
Broadcast & Produktion
Am 9. November beginnt der 4. Abgleich der Daten des Rundfunkbeitrages mit Meldedaten. 720.000 könnten zusätzlich erfasst werden. 2027 werden bis zu 206 Mio. € zusätzliche Einnahmen erwartet.
Der polnische ÖR-Sender ist der15. Partner des Kulturkanals Arte. Gemeinsame Projekte und Koproduktionen sollen ab 2027 als Teil der Erneuerung von TVP zur Programmqualität und dem Kampf gegen Desinformation beitragen.
Streaming
Frankreichs führendes Kommerz-TV TF1 meldet drei Monate nach Beginn der Netflix-Integration seines Streamers den Anstieg der Einschaltdauer um 30% gegenüber dem Vorjahresquartal. Nach Integration der Inhalte in die Empfehlungstools im Juli/August sei die Nutzung um 140% gestiegen.
Netze
Elon Musk gestand nach vorherigem Dementi die Drosselung von Starlink für das bisherige Partnerland Ukraine ein. Dies habe er vorab mit Präsident Trump besprochen, der das zunächst ebenfalls zurückgewiesen hatte.
Künstliche Intelligenz
Kinderliteratur wird auch mit Bildern erzählt und ist daher »besonders anfällig für KI-Fakes«. Als erster Verlag Europas klagt Penguin (Bertelsmann) gegen OpenAI wegen KI-generierter Bilder des »Kleinen Drachen Kokosnuss« von Ingo Siebner. Auch Carlsen klagt mit Autor Marc-Uwe Kling und Illustratorin Astrid Henn wegen der illegalen Nutzung von »Das Neinhorn«. OpenAI entgegnete, KI generiere neue Inhalte anhand erkannter Muster.
Die Jugendschutz-KI »Merm:ai:d« wurde nach einem Modellversuch mit den Freiwilligen Selbstkontrollen TV und Multimedia-Dienstleister, begleitet von der Medienanstalten-Kommission für Jugendmedienschutz, als erstes KI-basiertes Bewertungssystem zertifiziert.
Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) in der ARD: »Wir müssen die KI-Geschichte wesentlich positiver erzählen … Die Stummfilme haben auch mal gegen den Tonfilm demonstriert.«
Acht US-Bundesstaaten klagen gegen ChatGPT: Die Risiken der KI für Minderjährige würden heruntergespielt. Der irreführend als sicher dargestellte Chatbot habe Anleitung zu Selbstverletzung und Suizid gegeben und erwerbe das Vertrauen der Nutzer durch Vortäuschung von Mitgefühl. Persönliche Daten von Minderjährigen seien ohne Genehmigung verwendet worden. Auch Privatpersonen klagen.
Das US-Unternehmen will mindestens 5% seiner Aktien in einen »Anthropic Public Benefit Fund« einbringen, der u.a. gemeinnützige Organisationen unterstützen soll. Das wurde im Vorfeld des Börsengangs bekannt gegeben.
Ein längerfristiger Deal mit Google soll zeigen, wie generative KI Zuschauer und Journalisten verbinden und dabei den Sender für die Nutzung seines geistigen Eigentums entschädigen kann. Google nutzt bereits KI-generierte Zusammenfassungen von Online-Artikeln.
Die Video-Plattform will künftig von KI erstellte Songs kennzeichnen. Dies werde zunächst im Musikdienst, später für die Haupt-App eingeführt. Die Google-Tochter folgt damit den Wettbewerbern Spotify und Apple Music.
Filme, Festivals, Kino, Förderungen
Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die Ausgaben für Homevideo und Kino in Deutschland einen Höchstwert mit 2,3 Mrd. € (+4%). Kino hat einen Anteil von 522 Mio. €, SVoD überschritt 1,5 Mrd. €. Die Kinoreichweite stieg um 4% auf 25%, vor allem bei den 20- bis 29jährigen (+7%). Der Wert für Homevideo fiel um 1% auf 35%.
Radio, Audio
66% (2025: 64%) der Radiohörer nutzen DAB+ oder Webradio. DAB+ mit 39% (+3%) hat rund 14 Mio. Nutzer täglich. Die Verweildauer ist mit 156 Minuten stabil. 41% der Haushalte (in Schleswig-Holstein von 38 auf 44%) haben Empfänger, mit 47% bleibt Bayern Spitzenreiter. Webradio erreicht 27% (26%) der Hörer und wird im Tagesschnitt von 5,6 Mio. Menschen 113 Minuten gehört, so die »Audio Trends 2026« der Medienanstalten.
Die Kinderwelle Mausradio wird ab dem Jahreswechsel ausschließlich online (Internet, Maus-App, öffentlich-rechtliche Audio-Plattformen) verbreitet. Das beschloss der WDR-Rundfunkrat im Gefolge des »Reform-Staatsvertrages«.
Das hauptstädtische Privatradio verzichtet ab Ende 2026 auf die Verlängerung der Zuweisung von fünf UKW-Füllsendern in Brandenburg für die Region südlich und südöstlich von Berlin.
Der Radio-Sendenetzer nutzt Produkte von Audalaxy und Konsole Labs. Die Plattform Divicon Digital soll Radio, Streaming, Playout, Data, Analytics, AdTech, Apps und KI koppeln, die Migration von UKW über DAB+ zu Streaming und App-Playout zu unterstützen und »zerklüftete UKW-Netze ohne gravierende Reichweiten-Verluste kostensparend zu konsolidieren«.
In Zusammenarbeit mit Welle1 bekommt das Fernsehen der RedBull-Gruppe einen Radio-Ableger, der in der regionalen Multiplex-Struktur von DAB+ auf Sendung gehen soll.
Der Schweizer Betreiber von DAB+-Sendern mittels Software Defined Radio (SDR) übernahm laut der Plattform DAB Swiss den Kanal 8C von Swiss Mediacast. Dessen Versorgung im Tessin wird ausgebaut. Der bisherige Kanal 8A wird auf den Norden der Region konzentriert, um Frequenz-Konflikte mit Italien zu vermeiden.
Medienrecht, Gesetze, Urteile
Die Kommission der Medienanstalten lässt zwei Webangebote sperren. Ein Angebot zeigt drastische Gewalt- und Todesdarstellungen, das andere nationalsozialistische Propaganda und Antisemitismus. Mehrere Medienanstalten wiesen die in ihren Regionen ansässigen Provider an, die Weiterverbreitung der Angebote – einschließlich Ausweich- und Spiegelsites – zu verhindern.
Snapchat hat Nutzerdaten über den mit KI angefütterten Chatbot »My AI« rechtswidrig eingeholt und verarbeitet. So urteilte das Landgericht Köln auf eine Klage des Verbraucherzentrale-Bundesverbands. Der Messenger zielt auf Jugendliche ab 13 Jahren.
Gegen eine geplante Änderung der Geschäftsbedingungen fordern Presseverbände die EU-Kommission zum Handeln auf. Meta wolle ab 30.10. verlinkte Webseiten automatisch speichern und samt Artikeln, Archiven, Bildern und Videos auswerten. Dies sei ein Verstoß gegen den europäischen Digital Markets Act.
Nach Gerichtsniederlagen wegen illegaler Patentnutzung von Dolby Vision, 4K UHD und HDR und der folgenden Abschaltung dieser Premiumleistungen fordern die Verbraucherschützer Euroconsumers und Partnerverbände den Mausstreamer auf, seinen Kunden mindestens monatlich 5 € zu erstatten; von monatlich bis zu 63 Mio. € ist die Rede.
Forschung
Japans Marsmission MMX führt Super HiVision-Kameras von NHK mit sich. Eine 8K-Kamera ist frontal, eine 4K-Kamera seitlich ausgerichtet. Aufgezeichnet werden sollen die Landung und Bilder vom Marsmond Phobos, die Annäherung des Rückkehrmoduls an die Erde und der Abwurf des Probenmoduls.
Internationales

Das Kulturministerium prüft die Folgen der 1,9 Mrd. €-Übernahme des frei empfangbaren kommerziellen ITV durch das PayTV Sky. Verwiesen wird auf die Sicherung der freien Meinungsäußerung und Programmvielfalt auf regionaler wie nationaler Ebene. Parallel soll das auf Lineares beschränkte Mediengesetz für Streaming und Abruf-Angebote angepasst werden.

Bis 2028 muss die BBC 500 Mio £ (952,5 Mio. €) einsparen. Daher werden die TV-Kanäle BBC Three und BBC Scotland sowie BBC Radio 4 aus der linearen Verbreitung abgezogen und dann in Mediatheken etc. verbreitet.
Unter den geplanten Social Media-Einschränkungen für unter 16jährige sollen laut Meldungen auch Spieleplattformen und Chatdienste fallen, die »durch ihre Gestaltung, ihre Funktionen oder ihre Inhalte ein Risiko für die emotionale, kognitive Entwicklung oder die Gesundheit von Kindern oder für deren Sicherheit darstellen«.
Damit Autofahrer unterwegs unabhängig vom Funktionieren von Mobilfunk und Internet sind, sollen Neuwagen grundsätzlich mit Autoradios (DAB+ und UKW) ausgestattet werden. Damit soll der EU-Beschluss, der DAB+ zur Pflichtausstattung bei Autoradios macht, erweitert werden, sofern die Nationalversammlung den Entwurf beschließt.
In Vorbereitung der 2034 auslaufenden Verbreitungsverträge stellt die Medienbehörde ComReg die Zukunft des terrestrischen TV und der 700 -MHz-Frequenzen in Frage. Derzeit haben 71% der Zuschauer ein SmartTV-Gerät, je 5% nutzen Laptops oder Smartphones.
Personalia
Der CDU-Politiker Marco Wanderwitz, seit 2009 in FFA-Gremien tätig, wurde vom Präsidium zum Vorstand der FFA ab November 2027 gewählt. Peter Dinges, seit 2004 im Amt, verlängerte seinen am 31.10.2027 endenden Vertrag nicht.
Pascal Thuet avanciert ab dem 1.1.2027 vom Leiter IT- und Projektentwicklung zum HA-Leiter Technik des deutsch-französischen Kultursenders. Vorgänger Kemal Görgülü wechselt als Technikdirektor zum BR.
Nach Führungspositionen bei Disney und Fox wird Peter Rice Chief Content Officer bei Netflix. Er übernimmt am 26. Oktober von Bela Bajaria, die in der Funktion seit 2023 u.a. ungeskriptete Formate, Sport und Livesendungen ausbaute. Nach weniger als drei Jahren wurde auch Filmchef Dan Lin entlassen, berichtet die Fachzeitschrift »Variety«.

 

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