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Der WDR geht in eine unternehmensweite Transformation
Weniger Regien, geringere Studioflächen
Regie und Studioflächen sollen mittelfristig reduziert werden. Konkret reduziert der WDR Ende 2028 seine Büro- und Produktionsflächen gegenüber 2017 um rund 100.000 Quadratmeter, der Standort Bocklemünd soll verkauft werden.
Dort sitzen mobile Produktion, Werkstätten und Veranstaltungstechnik, die bis 2030 schlanker werden. Für sie werden Ersatzflächen im Bestand und im Umkreis von Köln gesucht. Auch die Ü-Wagen-Flotte schrumpft: Der WDR ersetzt sie nicht eins zu eins, geplant ist eine Erneuerung mit einem mittleren Ü-Wagen und eines Audio-Produktionsfahrzeugs.
Die neuen Fahrzeuge sollen generell »schlanker und smarter« werden. Auf IP verzichtet der Sender dabei vorerst. »Wir gehen erst einmal von bestehenden Konzepten aus«, sagt Hoffmann. Auf Bestehendes wird zurückgegriffen und hybride Lösungen darauf aufgebaut, um Kompatibilität in der ARD zu gewährleisten.
ARD: Gemeinsame Plattform, gemeinsame Technik
Parallel treibt der WDR die Kooperation innerhalb der ARD mit voran. Seit 2025 gibt es die ARD Tech Unit. Das größte gemeinsame Vorhaben ist die digitale Erneuerung: Mediathek, Tagesschau-App, Sportschau -App, etc. laufen künftig auf einem gemeinsamen Plattformsystem. Das Projekt umfasst 19 Module, der WDR trägt nach seinem Umlageschlüssel rund 21 Prozent davon und unterstützt u.a. in den Bereichen Streaming, Machine Learning und Empfehlungssysteme.
Bei den Apps setzt die ARD zukünftig auf White-Label-Entwicklung für alle Landesrundfunkanstalten und bündelt so noch stärker ihre Kompetenzen und Ressourcen.
Personal: »Ein Transformationsprozess«
Der Umbau betrifft auch die Belegschaft, denn bis 2030 bleibt jede dritte durch Verrentung freiwerdende Stelle unbesetzt. Auch Aufträge an Freie sinken. Hoffmann stellt aber klar: »Es gibt keine betriebsbedingte Kündigung.« Es änderten sich jedoch Aufgabenzuschnitte, denn »wir befinden uns inmitten eines Transformationsprozesses«. Der WDR will die Entscheidungen erklären, auch Mitarbeitenden, die sich fragen, ob ihre Arbeit nicht gut genug war. Das sei nicht der Fall, es gehe um strategische Entscheidungen. Die Beteiligung von Aufsichtsgremien und Personalrat findet statt.
Derzeit wird in den Hauptabteilungen der Direktion Produktion und Technik erarbeitet, wie der Fokus auf die neu definierten Schwerpunkte umgesetzt wird und welche Skills und Profile die Mitarbeitenden jetzt und künftig benötigen. In der Produktion sind verstärkt Multitechniker gefragt, also Mediengestalter, die Kamera, Postproduktion und Grafik gemeinsam abdecken und dazu Wissen über vernetzte Systeme haben. Die Trennung der Gewerke bleibe zwar erhalten, aber weniger streng als in der Vergangenheit.
»Wir werden eher einen Mix haben«, so Hoffmann. Produktion und Redaktion rücken stärker zusammen. Wo Skills im Haus fehlen, holt der WDR gezielt Personen mit neuer Expertise. Für Querqualifikation stellt er Mittel bereit, bei der Weiterbildung wird laut Hoffmann nicht gespart. »Ich habe bei uns in der Direktion im vergangenen Jahr ein Transformationsbüro eingerichtet, das bei mir angedockt ist und eng durch unsere interne Organisationsberatung begleitet wird. Von dort wird der komplexe Prozess organisiert, Kommunikationsformate konzeptioniert und die Vielzahl an Projekten gesteuert. «
Digitale Souveränität
Mit Blick auf Big Tech und die Abhängigkeit von US-KI- und Cloud-Infrastrukturen setzt Hoffmann auf Bündelung von Kompetenzen – im Sender ebenso wie innerhalb der ARD.
»Den Kopf in den Sand zu stecken ist für mich keine Option.« – Dominique Hoffmann
Der WDR arbeite gemeinsam mit Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer, aber auch mit Industriepartnern wie Schwarz Digits an souveränen Lösungen auf europäischer Ebene.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die EBU. Hier geht es unter anderem um Themen wie Content Protection und Authentizität per C2PA. »Wir brauchen und wollen nicht die tollste generative KI, die Bilder macht. Bei uns geht es darum: Sind es die echten Bilder? Wie stellen wir sicher, dass wir echte Informationen vermitteln?«
Vertrauen als Kapital
Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch künftig eine wichtige Rolle spielen muss, steht für Hoffmann fest. Er stehe für verlässliche, ehrliche Information. Angesichts eines Umfeldes, in dem generative KI eine immer größere Rolle spielt, dürfe der WDR diese Vertrauensbasis nicht zerstören, bei Information und Aktualität dürften kein Fehler passieren. Als eine der vielen Stärken nennt sie das weltweite Auslandsnetz: »Wir sind direkt vor Ort, wo die Dinge passieren, und können deshalb auch einschätzen, was wahr ist – und was nicht. Und darum können wir auch in der digitalen Welt Sicherheit vermitteln.«
Das Ziel: Digitale Heimat WDR
In NRW will der WDR zur digitalen Heimat und damit dem zentralen Ort für regionale Information im Netz werden. Hoffmann sagt: »Fragt man in drei Jahren die Menschen, wo in ihrem Alltag ihre zentralen digitalen Ankerpunkte sind, um für sie passende Angebote zu finden, dann soll die Antwort WDR lauten – über App, Web oder die Plattformen.
Sie weiß aber auch: »Die nächsten fünf Jahre sind entscheidend für uns.« Positiv geht sie – »begleitet von einem tollen Team« – in diesen Umbau. Das sei für den WDR der richtige Weg, um auch weiterhin ein zentraler Pfeiler für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Meinungsvielfalt zu sein.
Seite 1: Kipppunkt, Reduktion der Angebote, mehr Daten und Distribution
Seite 2: Weniger Regien und Studios, gemeinsame Technik, Transformation und Vertrauen
Autor: Christine Gebhard
Bildrechte: Nonkonform
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