Kamera, Test, Top-Story: 10.09.2014

Praxistest Canon XF205: Klassischer, kleiner Handheld

Der XF205 von Canon ist ein kompakter Einchip-Handheld, der mit 20-fach-Zoom und 4:2:2-Aufzeichnung mit 50 Mbps ausgestattet ist. Dank der Multi-Codec-Option, die der Camcorder mit an Bord hat, kann er auch MP4-Clips in 1080p50, also mit 50 Vollbildern pro Sekunde aufzeichnen. film-tv-video.de hat den XF205 ausprobiert.

Im Canon-Line-Up ordnet sich der XF205 zwischen seinem Vorgängermodell XF105 (Test) sowie dem größeren 3-Chip-Camcorder XF305 ein. Obwohl es mittlerweile auch bei Handheld-Camcordern einen Trend hin zu deutlich größeren Sensoren gibt (siehe etwa Meldung zum Sony PXW-X70), kommt der XF205 als ganz »klassischer« Handheld mit einem 1/3-Zoll-Bildwandler daher.

Seine kompakte Bauform und der Brennweitenbereich des relativ weitwinkligen 20fach-Zooms machen den Camcorder interessant für VJ-Einsätze, bei denen hohe Flexibilität und Mobilität gefordert ist. Zum Testzeitpunkt ist der Canon XF205 zu einem Netto-Preis von knapp 3.200 Euro erhältlich.

Technische Eckdaten

Canon nutzt beim XF205 einen CMOS-Sensor mit einer Diagonalen von 1/2,84 Zoll, der eine Auflösung von etwa 2,9 Millionen Bildpunkten besitzt. Vor dem Sensor ist ein 20fach-Zoom fest eingebaut, das einen auf Kleinbildformat umgerechneten Brennweitenbereich von rund 29 bis 576 mm abdeckt. Zur Bildkontrolle bringt der Camcorder ein seitlich ausklappbares OLED-Display mit 3,5 Zoll Bilddiagonale und 922.000 Bildpunkten mit, sowie einen hochauflösenden Farb-LCD-Sucher mit 1,2 Millionen Bildpunkten.

Wie andere Modelle aus dem Hause Canon, verwendet auch der XF205 den Canon-XF-Codec zum Komprimieren und Speichern der Aufnahmen. Im XF-Codec sind Aufnahmen in einem maximalen HD-Raster von 1080i50 mit bis zu 50 Mbps und einer Farbabtastung von 4:2:2 möglich. Neben dem XF-Codec beherrscht der Camcorder aber auch die Videoaufnahme im MP4-Format — und in diesem Modus kann der XF205 auch Bildmaterial in 1080p50 speichern, also mit 50 Vollbildern pro Sekunde. Die Aufnahme im Canon XF-Codec und im MP4-Format kann auch parallel erfolgen.

Weiter bietet der XF205 etliche Anschlussoptionen, beispielsweise HD-SDI– und HDMI-Out sowie Genlock- und Timecode-Buchsen. Ebenfalls vorhanden: Eine Ethernet-Schnittstelle, über die sich der XF205 fernsteuern lässt und über die auch die FTP-Übertragung von Footage möglich ist. WiFi-Funktionalität ist ab Werk ebenfalls integriert.

Zum Anschluss von externen Audioquellen stehen zwei XLR-Inputs sowie eine Stereoklinkenbuchse zur Verfügung, auch ein eingebautes Stereomikrofon gibt es. Für die Aufzeichnung der Audiosignale bietet der Camcorder vier Tonkanäle.

Canon offeriert den XF205 auch in einer kostengünstigeren Variante als XF200, bei dem auf den HD-SDI-Out sowie die Genlock- und Timecode-Schnittstellen verzichtet wird. Bis auf die abgespeckten Anschlussoptionen sind der XF200 und der XF205 aber baugleich.

Bedienung und Ergonomie

Der XF205 ist im Grunde ein ganz klassischer Handheld, der sich aufgrund seiner Kompaktheit und seines geringen Gewichts sehr gut für den mobilen Einsatz eignet und der als Einchip-Camcorder auch relativ günstig zu haben ist: als Einsteigergerät der Profi-Klasse.

Inklusive Akku BP-955 und Speicherkarten bringt der XF205 etwa 1,9 kg auf die Waage — was auch über längere Zeiträume recht entspanntes Drehen aus der Hand ermöglicht. Zwar ist der XF205 etwas größer daher als sein Vorgänger XF105 (Test), der Camcorder ist aber immer noch sehr handlich und eignet sich daher ideal für Einsätze, bei denen ein kleines und leichtes Setup gefordert ist.

Eines der auffälligsten Merkmale des XF205 in Sachen Ergonomie, ist der drehbare Handgriff, den Canon dem Camcorder spendiert hat: Über eine Taste kann der Handgriff entriegelt und dann in 15 Grad-Schritten über einen Bereich von rund 120 Grad gedreht werden. Ungewöhnliche Aufnahmepositionen lassen sich so recht gut und ergonomisch umsetzen. Allein schon, wenn statt mit dem Sucher mit ausgeklapptem Displays gedreht wird, bietet der Drehgriff Handling-Vorteile: Dreht man den Handgriff, lässt ich der Camcorder wesentlich bequemer auf Augenhöhe halten. Der Handgriff selbst hat eine angenehme Größe und der Griffriemen lässt sich ziemlich gut an große und kleine Hände anpassen.

Im Vergleich zum Vorgänger, der ebenfalls schon eine recht gute Ergonomie bei kompakter Bauform bot, wurde die Bedienung beim XF205 nochmals verbessert. So lässt sich mit dem XF205 vom ersten Moment an sehr intuitiv und komfortabel arbeiten — keineswegs nur dann, wenn man schon andere Canon-Camcorder kennt. Alle wichtigen Bedienelemente und Taster sind dort platziert, wo man sie erwartet. Was die Bedienung angeht, hinterließ der XF205 im Test einen sehr guten Eindruck.

Ein Detail, das im Test als besonders positive Veränderung gegenüber dem Vorgänger aufgefallen ist, sind die neuen Wippschalter für das Setzen der Verstärkung und des Weißabgleichs. Diese Schalter befinden sich im linken unteren Bereich des Gehäuses und lassen sich zwischen drei Positionen umschalten. Dadurch ist es möglich, das jeweilige Verstärkungs- oder Weißabgleichs-Preset sehr schnell aufzurufen und zu wechseln. Über das Menü lässt sich einstellen, welche Werte den jeweiligen Schalterpositionen zugeordnet sind. Der Verstärkungs-Schalter bietet beispielsweise die Positionen L, M und H, die sich per Menü mit Verstärkungswerten zwischen -6 dB bis +33 dB belegen lassen — ganz so, wie das üblicherweise erst bei teureren, größeren Geräten gelöst ist.

Ein weiteres Plus: Die Vielzahl an Assign-Buttons, die sich sehr flexibel mit etlichen Camcorder-Funktionen belegen lassen. Insgesamt stehen 13 Assign-Buttons zur Verfügung. Die hinterlegten Funktionen können dann direkt per Tastendruck aktiviert werden. Kleines Manko: Ein Großteil der Assign-Buttons ist nur bei geöffnetem Ausklappschirm zugänglich.

Das Menü des XF205 ist übersichtlich gestaltet. Auf allzu verschachtelte Strukturen hat Canon verzichtet, weshalb man die Menü-Settings in der Regel recht schnell einstellen kann. Die Navigation im Menü erfolgt über einen kleinen Joystick, der sich am Heck des Camcorders befindet. Diese Position des Bedienelements gefiel den Testern sehr gut. Beim Vorgänger XF105 etwa befand sich das Menü-Steuerkreuz am Ausklapp-Display, was zur Folge hat, dass man es bei diesem Gerät nur bei geöffnetem Display nutzen kann. Beim XF205 hingegen lässt sich der Joystick nun jederzeit verwenden.

Eine in Verbindung mit dem Joystick sehr praktische Funktion ist der »Direct Set Mode«. In diesem Modus kann man per Joystick direkt auf die Parameter für Verschlusszeit, Weißabgleich und Verstärkung zugreifen. Durch Drücken des Steuerkreuzes wird der »Direct Set Mode« aktiviert. Mit Links/Rechts kann dann durch die Parameter gewechselt werden. Drückt man das Steuerkreuz dann nach oben oder unten, lässt sich der entsprechende Wert justieren. Verschlusszeit, Weißabgleich und Verstärkung lassen sich so sehr schnell und ohne Umwege anpassen.

OLED-Display und LCD-Sucher

Dem XF205 hat Canon einen OLED-Ausklappschirm spendiert, der eine Diagonale von 3,5 Zoll und eine Auflösung von 922.000 Bildpunkten bietet. Alternativ zum Display kann der Sucher zur Bildkontrolle genutzt werden, der 0,45 Zoll Bilddiagonale und rund 1,2 Millionen Bildpunkte mitbringt.

Obwohl mit dem OLED-Display als auch mit dem Sucher konnte in den meisten Aufnahmefunktionen sehr gut gearbeitet werden. Das ausklappbare 3,5-Zoll-Display bietet eine vergleichsweise hohe Helligkeit und einen guten Kontrast. Bei sehr hellem Umgebungslicht oder in strahlender Sonne streckt natürlich auch dieser Ausklappschirm die Waffen, aber er bietet mehr, als bei den meisten Camcordern dieser Klasse bereitsteht. Nutzt man in solchen Fällen den Sucher, schirmt dessen bei Bedarf auch abnehmbare, große Suchermuschel helles Umgebungslicht zuverlässig ab.

Wie andere professionelle Camcorder, bietet auch der XF205 die gewohnten Scharfstellhilfen wie Peaking und Ausschnittvergrößerung (Magnify). Allerdings sind diese beim XF205 sehr ausgereift, speziell was die individuellen Anpassungsmöglichkeiten des Peakings betrifft: Neben der auch von anderen Herstellern bekannten Möglichkeit, zwischen mehreren Peaking-Farben zu wählen, besteht beim XF205 zudem die Option, die Stärke und Einsatzfrequenz des Peakings sehr differenziert einzustellen. So kann der Peaking-Verstärkungswert in 15 Schritten und die Einsatzfrequenz in 4 Stufen abgestimmt werden. Die vom Anwender für gut befundenen Settings lassen sich dann in zwei Peaking-Presets speichern und können so bei Bedarf sehr schnell abgerufen werden.

Die ausgereiften Peaking-Features des XF205 konnten die Tester voll überzeugen. Wurde mit dem Display gedreht, genügte in der Regel das Aktivieren der Peaking-Funktion, um die Schärfe zuverlässig zu setzen. Beim Arbeiten mit dem Sucher war für sicheres Scharfstellen aber meist die Kombination aus Peaking und Ausschnittvergrößerung nötig.

Von hohem praktischem Nutzen ist auch die Möglichkeit, mit aktiviertem Peaking oder Ausschnittvergrößerung, das Display und/oder den Sucher auf Schwarweiß-Bildwiedergabe einzustellen, bei dem aber das Peaking weiterhin farbig bleibt. Speziell das farbige Peaking wird dann sehr deutlich sichtbar.

Für das Peaking ist ab Werk eine Taste an der linken, vorderen Gehäuseseite programmiert, die immer gut erreichbar ist und durch eine Markierung zudem auch »blind« ertastet werden kann. Die Ausschnittvergrößerung kann über eine Taste am Handgriff sehr bequem ein- und ausgeschaltet werden. Je nach persönlichem Geschmack lassen sich die Peaking- und Magnify-Funktionen aber auch auf jeden anderen Assign-Knopt des XF205 legen.

Um die Belichtung zu kontrollieren, steht beim XF205 neben der Zebra-Funktion auch noch eine Belichtungsanzeige in Balkenform zur Verfügung. Die Belichtungsanzeige erscheint, sobald Verstärkung, Blende und Verschlusszeit auf »manuell« gesetzt wird. Des weiteren kann zur Belichtungskontrolle ein Waveform-Monitor eingeblendet werden, auf dem der momentane Videopegel grafisch dargestellt wird.

Mit den zur Verfügung stehenden Belichtungskontrollen kamen die Tester gut zurecht. Meist wurde die Kombination aus Zebra und Balkenanzeige genutzt. Allerdings bietet der XF205 keine Push-Auto-Iris-Funktion, mit der sich die Blende per Tastendruck auf den passenden Belichtungswert einstellen ließe. Ebenfalls schade: Die Waveform-Darstellung ist nur auf dem Ausklappschirm verfügbar, nicht im Sucher.

Objektiv

Als Objektiv hat Canon dem XF205 ein 20fach-Zoom verpasst. Umgerechnet auf Kleinbildverhältnisse bietet die Optik einen Brennweitenbereich von 28,8 mm bis 576 mm. In voller Weitwinkelstellung liegt die maximale Blendenöffnung bei F1.8, in voller Teleposition bei F2.8. Die Optik besitzt drei Bedienringe für Fokus, Blende und Zoom. Die Bedienringe sind allerdings nicht mechanisch mit der Optik verkoppelt und besitzen keinen festen Anschlag, sondern dienen als Impulsgeber für elektronische Stellmotoren. Ein Vorteil dieser Lösung: Die Empfindlichkeit und Drehrichtung aller drei Bedienringe kann über das Menü eingestellt werden.

Der große Brennweitenbereich des XF205 macht den Camcorder sehr flexibel einsetzbar. Drei Bedienringe für das Objektiv sind aus Sicht der Tester einfach die beste Lösung, um schnell und sicher arbeiten zu können. Im Besonderen der Fokusring des XF205 verdient Lob, da er eine äußerst angenehme Dämpfung besitzt und sehr genaues, manuelles Setzen der Schärfe unterstützt.

Anders als der XF205 bieten viele andere Camcorder seiner Klasse zur manuellen Blendensteuerung lediglich ein kleines Rändelrädchen. Für das Einstellen der manuellen Belichtung ist aber ein Blendenring, wie ihn der XF205 bietet, die bessere Lösung, um die Blende intuitiv und unkompliziert zu steuern.

Die Blende lässt sich beim XF205 aber wahlweise auch per Menü oder per »Direct Set Mode« mit dem Joystick einstellen. Wie zuvor bereits angeklungen, haben die Tester bei der Objektiv-Bedienung eine Push-Auto-Iris-Funktion vermisst, um die Blende schnell auf den korrekten Belichtungswert setzen zu können. Zwar geht das Steuern der Blende auch mit dem Bedienring oder per »Direct Set Mode« recht schnell, dennoch wäre eine Push-Auto-Iris-Funktion für bestimmte Aufnahmesituationen sicher sehr hilfreich.

Der Zoomring des XF205 reagierte den Testern hingegen eine Spur zu träge: Die leichte, aber durchaus spürbare Verzögerung und Behäbigkeit des Zusammenspiels aus Bedienring und Zoommechanismus, verhindert etwa punktgenaue, schnelle »Reißzooms«. Umso besser realisiert, ist aus Sicht der Tester hingegen die Zoomwippe am drehbaren Handgriff: Sie erlaubt eine sehr fein abgestufte Steuerung des Zooms. Auch Zoomfahrten mit konstanter Geschwindigkeit konnten mit der Zoomwippe sehr gut umgesetzt werden. Die Tester bevorzugten beim XF205 definitiv die Arbeit mit der Zoomwippe.

Als positiv empfanden die Tester zudem, dass Canon den XF205 mit einer Push-Autofokus-Funktion ausgestattet hat. Speziell in Situationen, in denen sich das zu fokussierende Objekt in einem festen Abstand vor der Kamera befindet, kann so sehr schnell und zuverlässig fokussiert werden. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, möchte man Push-AF nicht mehr missen. Die Taste für die Funktion befindet sich ganz vorne an der linken Gehäuseseite, in unmittelbarer Nähe zum Blendenring.

Eine gute Leistung zeigte der optische Bildstabilisator des Camcorders: So entstanden auch beim Drehen aus der Hand Aufnahmen mit ruhigem Charakter, bei denen Wackler nicht negativ aufgefallen sind. Durch diesen guten Bildstabilisator in Kombination mit der kompakten Bauform des Gesamtgeräts wird der XF205 tatsächlich zu einem Handheld, mit dem das Drehen aus der Hand gute Ergebnisse liefert.

Je nach Drehsituation kann die Bildstabilisierung zudem angepasst werden — es stehen hierzu drei unterschiedliche Stabilisierungs-Modi zur Auswahl: Während der Testaufnahmen wurde in der Regel mit der »Standard«-Einstellung gedreht. Ebenfalls zur Verfügung steht der Modus »Dynamic IS«, der eher für weitwinklige Aufnahmen gedacht ist, sowie der Modus »Powered IS«, der bei hohen Zoomwerten am effektivsten arbeitet.

Ein Ausstattungsdetail, das ebenfalls positiv hervortrat, ist die neue Sonnenblende mit integrierter Objektivabdeckung: So kann der Objektivdeckel nicht mehr verloren gehen und die Optik ist während des Transports immer gut geschützt.

Bildqualität

Der XF205 zeichnet Bilder auf, die sehr natürlich wirken. Farben sehen nicht übersättigt oder künstlich aus. Der Kontrast ist eher weich, der Dynamikumfang für einen Single-Sensor-Drittelzöller erstaunlich groß. Dies hat den Vorteil, dass viele Details in der ursprünglichen Aufnahme erhalten bleiben und nicht durch eine übermäßige Kontrastaufsteilung gleich bei der Aufnahme zunichte gemacht werden. Will man dem XF205 aber partout ein »knackigeres« Bild entlocken, ist auch das problemlos über die Picture-Profile-Einstellung möglich, bei der sich vile Bildparameter bereits im Camcorder beeinflussen lassen.

Die Bildqualität bei guten Lichtverhältnissen und ausreichender Helligkeit überzeugte die Tester. Der Camcorder macht hier Aufnahmen, die detailreich und scharf sind, ohne künstlich geschärft oder durch die Bildelektronik allzu stark bearbeitet zu wirken. Allerdings konnten die Tester in dunkleren Bildbereichen und bei Schwachlichtaufnahmen immer ein leichtes Rauschen wahrnehmen, im Besonderen bei statischen Motiven mit ruhender Kamera. In der Bewegung spielte dieses Rauschen kaum eine Rolle.

Bei schlechten Lichtverhältnissen oder Nachtaufnahmen bietet der XF205 also insgesamt eine Leistung, die in Ordnung geht. 3-Chip-Camcorder, SLS– und DSLR-Kameras mit großem Sensor haben bei wenig Licht aber mehr zu bieten. Wenn man beim XF205 die elektronische Verstärkung zuschaltet, rauscht es ab einem Wert von +9 dB doch schon mehr als merklich. Auch hier kommt es natürlich auf das Motiv an: Bei ruhigen, stehenden Bildern mit totalem Bildausschnitt fällt das Verstärkungsrauschen stärker ins Gewicht, als bei einer bewegten Nahaufnahme.

Die Abbildungsqualität der Optik konnte insgesamt überzeugen. Auch im Weitwinkelbereich gab es nur geringe Verzeichnungen. Chromatische Aberrationen fielen bei den Testaufnahmen nicht störend auf.

Alle im Video gezeigten Testaufnahmen wurden im Canon-XF-Codec bei 1080p25 und 50 Mbps mit 4:2:2 Farbabtastung gemacht.

Wide Dynamic Range

Der XF205 bietet auch die Möglichkeit, die Bildcharakteristik umfangreich anzupassen. Über die Picture Profiles können etwa der Schwarzwert, die Gamma-Kurve, die Farbwiedergabe und etliche andere Bildparameter an die eigenen Wünsche angepasst werden.

Canon liefert den XF205 mit einem eigens entwickelten Wide-Dynamic-Range-Profil aus, das sich bei Bedarf zuschalten lässt. Wide Dynamic Range wendet eine »flache« Gammakurve mit spezieller Farbmatrix auf das Videosignal an, wodurch laut Canon ein größerer Dynamikbereich aufgezeichnet werden kann.

Wird Wide Dynamic Range zugeschaltet, wirkt das vom XF205 aufgenommene Bild nochmal einen Tick weicher. Denn durch die flache Gammakurve werden die Schattenbereiche heller wiedergegeben und helle Bildbereiche etwas in ihrem Pegel reduziert.

Und wie erwartet, werden mit Wide Dynamic Range tatsächlich manche Details in hellen Bildbereichen sichtbar, die ohne das Profil in der Überbelichtung verschwinden. Auch in den Schattenbereichen sind Details einen kleinen Tick besser zu erkennen. Insgesamt betrachtet, sind die Unterschiede bei der Aufnahme mit oder ohne Wide Dynamic Range aber eher gering und fallen beim ersten Betrachten nicht immer sofort ins Auge. Das hat andererseits den Vorteil, dass sich Footage mit Wide Dynamic Range auch ohne weitere Nachbearbeitung gut mit »normalem« Footage zusammenschneiden lässt.

Aufnahmecodecs und Multi-Codec-Betrieb

Video und Audio kann der XF205 unter Anwendung zweier Codecs aufzeichnen: So steht neben dem Canon-XF-Codec auch die Aufnahme im MP4-Format zur Verfügung. Die beiden Formate können separat oder auch gleichzeitig genutzt werden. Für die Aufnahme des Canon XF-Materials sind zwei CF-Kartenslots vorhanden, während das MP4-Footage auf einer SD-Karte gespeichert wird. Die Flexibilität des Camcorders wird durch diese Multi-Codec-Option natürlich verbessert — denn der XF205 passt so in unterschiedliche Workflow-Umgebungen.

Beim Canon XF-Codec wird das Video mittels MPEG-2 kodiert und in einem MXF-Container abgelegt. Es stehen Datenraten von bis zu 50 Mbps bei einer Farbabtastung von 4:2:2 zur Verfügung. Der Codec besitzt somit die gleichen Eckdaten wie XDCAM HD 422 von Sony. Das maximal mögliche Aufnahmeraster im XF-Codec liegt bei 1080i50. Es können dabei bis zu vier PCM-Audiospuren mit 16 Bit / 48 kHz gespeichert werden.

Wird im MP4-Format gespeichert, kommt der AVC/H.264-Codec zum Einsatz. Die Farbabtastung beträgt hier 4:2:0, die maximale Datenrate liegt bei 35 Mbps. Interessant ist allerdings, dass der Camcorder die MP4-Clips auch im Raster 1080p50, also mit 50 Vollbildern pro Sekunde, speichern kann.

Wie zuvor erwähnt, kann der XF205 entweder nur XF-Footge, nur MP4-Footage oder auch beides gleichzeitig auf die jeweiligen Speicherkarten aufnehmen. Entscheidet man sich für die parallele Aufnahme in beiden Formaten, muss im Menü der Modus »MXF+MP4« ausgewählt werden. Beim Betätigen der Aufnahmetaste werden dann zwei exakt gleiche Clips in den beiden Formaten aufgenommen. Im Modus »MP4 Backup Recording« kann die Aufnahme der MP4-Clips hingegen unabhängig von der Aufnahme der MXF-Clips gestartet und gestoppt werden.

Um die Qualität und das Aufnahmeraster der MP4-Clips einzustellen, stehen zwei Optionen zur Verfügung: Im Modus »Linked to MXF« entstehen MP4-Dateien, die sich in ihrer Auflösung an der eingestellten MXF-Qualität orientieren. Die Bilddarstellung wird bei MP4 immer progressiv verarbeitet. Eine 1080i50-MXF-Aufnahme mit 50 Mbps wird beispielsweise als 1080p50-MP4-Clip mit 35 Mbps abgelegt. Neben der Option »Linked to MXF« kann noch ein reduzierter Qualitäts-Modus ausgewählt werden, bei dem die MP4-Aufzeichnung mit einer Auflösung von 640 x 360 Bildpunkten bei einer Datenrate von 3 Mbps erfolgt — für Proxy-Aufnahmen.

Audiofunktionen

Der XF205 besitzt einen fest mit dem Gehäuse verbundenen Audiohenkel mit zwei XLR-Inputs sowie einem Stereoklinken-Eingang. Insgesamt können somit bis zu vier externe Audioquellen angeschlossen werden, die sich mit dem Canon-XF-Codec als MXF-Clip auch gleichzeitig aufnehmen lassen.

Für die MP4-Videos, die sich auf SD-Karte abspeichern lassen, stehen zwei Audiokanäle zur Verfügung. Wird MXF und MP4 gleichzeitig aufgezeichnet, kann im Menü gewählt werden, welches Kanalpaar für die MP4-Aufnahme genutzt wird.

Für das Einstellen der Abhörlautstärke sind zwei separate Tasten reserviert, was den Testern sehr gut gefiel.

Anschlussoptionen

Der XF205 verfügt über etliche Anschlussoptionen. Digitale Videosignale können per HD-SDI und HDMI ausgegeben werden, beispielsweise um einen externen Recorder oder ein zusätzliches Display anzuschließen. Die Ausgabe von Video in 1080p50 wird dabei unterstützt. Über eine Remote-Buchse kann der XF205 zudem mit der RC-V100 Fernbedienung verbunden werden.

Außerdem verfügt der XF205 über einen Ethernet-Netzwerk-Anschluss sowie WiFi-Funktionalität. Dadurch ist es etwa möglich, den Camcorder via Ethernet oder WLAN über ein Webbrowser-Interface fernzusteuern.

Ist der Camcorder in ein Netzwerk eingebunden, lassen sich außerdem die aufgenommenen Videofiles vom Camcorder per FTP an ein anderes Gerät im Netz senden. Per WiFi besteht zudem die Option, eine Proxy-Videodatei in Echtzeit auf ein iOS- oder Android-Gerät zu schicken und diese dort zu speichern. Um die Echtzeit-Proxy-Funktion zu nutzen, muss zunächst die kostenlose App CameraAccess auf dem mobilen Device installiert werden.

Sonstiges

Der XF205 bietet diverse Aufnahmefunktionen, wie beispielsweise einen Intervallaufnahme-Modus zur Erstellung von Zeitraffer-Clips. Ebenfalls verfügbar ist eine Frame-Recording-Funktion, um eine zuvor eingestellte Anzahl an Bildern aufzunehmen – etwa für Stop-Motion-Aufnahmen. Mit an Bord ist auch ein Pre-Record-Modus, bei dem der Camcorder kontinuierlich drei Sekunden Material in einem Pufferspeicher aufnimmt. Wird die Record-Taste gedrückt, werden die zuletzt gespeicherten drei Sekunden aus dem Speicher vor die eigentliche Aufnahme gehängt.

Es gibt beim XF205 auch einen Slow & Fast Motion Modus, bei dem Aufnahmebildraten zwischen 12 und 50 Bilder pro Sekunde eingestellt werden können. Wird im Raster 720p25 mit einer Bildrate von 50 fps aufgenommen, können so Zeitlupenaufnahmen mit halber Geschwindigkeit realisiert werden.

Fazit

Was Bedienung und Ergonomie angeht, konnte der XF205 im Test voll überzeugen. Die Bedienelemente sind da, wo man sie erwartet und erlauben von Anfang an ein intuitives Handling des Camcoders. Auch die Vielzahl an Assign-Buttons, die mit den verschiedensten Funktion individuell belegt werden können, gefiel den Testern. Der schnelle Zugriff auf die wichtigsten Aufnahmeparameter per Joystick ist ebenfalls von Vorteil. Der drehbare Handgriff und die insgesamt wertige Ausführung komplettieren den positiven Eindruck. Gut gefallen haben auch der große Sucher und das gute OLED-Display.

Die Bildqualität bei Tageslicht und in gut ausgeleuchteten Aufnahmesituationen bewegt sich auf hohem Niveau. Muss bei weniger hellen Einstellungen allerdings die Verstärkung auf höhere Werte gesetzt werden, beginnt es recht kräftig zu rauschen. Insgesamt waren die Tester mit der Bildqualität des XF205 dennoch zufrieden: Wenn man die Kompaktheit und den Preis dieses Camcorders im Hinterkopf behält, kann sich die Bildqualität sehen lassen.

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Autor
Felix Holderer
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