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Moderner Lokalsender: münchen.tv strahlt in neuem Glanz
Netzwerk-Philosophie
Die Netzwerk-Philosophie beschränkt sich nicht auf die reine Signalverteilung im Studio, sondern prägt die gesamte IT-Infrastruktur des neuen Standorts. »Wir haben das große Glück, dass dieses Gebäude an einer der stärksten Glasfaserleitungen der Republik liegt – dank BMW«, so Horst Rettig. Das Haus ist mit zwei redundanten Leitungen angebunden, eine im Südwesten, eine im Nordosten. »Wir haben mit unserem Umzug unsere komplette IT neu gemacht. Wir können alles, was wir hier aufgebaut haben, auch als Service anbieten – mandantenfähig, mit der nötigen Separierung. Wir brauchen in den Häusern keinen eigenen IT-Leiter mehr.«
Produktion in UHD, Distribution in HD
Produziert wird bei münchen.tv in HD, die Technik ist jedoch UHD ready, gesendet wird in HD. Die Audioverteilung läuft über Dante. Für die steht eine Riedel Artist mit Smart Panels und Bolero Beltpacks bereit, zahlreiche Einheiten wurden bestellt, dazu zwei separate Antennen, unter anderem für die Dachterrasse, die künftig ebenfalls als Produktionsfläche dienen soll. Weiterhin investierte der Sender in Sennheiser-ME4-Ansteckmikrofone.
Ein Studio, viele Bühnen
Das neue Hauptstudio ist als Multifunktionsfläche angelegt und bietet mehrere fest definierte Positionen, zwischen denen die Produktion wechseln kann, ohne dass umgebaut werden muss.
Direkt am großen Panoramafenster liegt die Nachrichtenposition: Der Blick geht auf Olympiaturm und Olympiapark, eine bewusst gewählte, unverwechselbare Münchner Kulisse. Eine zweite Fensterposition zeigt eine urbane Straßenkreuzung und dient unter anderem dem Format »Stadtgespräch«, bei dem der Oberbürgermeister im Talk zu Gast ist.
Vor einer großen LED-Wand von Samsung mit 1,2 mm Pixelshift gibt es sowohl eine weitere Nachrichtenposition als auch eine Talk-Fläche, die durch die Videowand besonders raumfüllend und fast 3D-artig wirkt. Hinzu kommt ein Bereich für flexible Moderationen sowie ein Konferenztisch für bis zu fünf Gäste, an dem im Programm »Bayern Agenda« kontroverse Themen diskutiert werden. Der Tisch lässt sich bei Bedarf herausdrehen, sodass an gleicher Stelle eine Stehposition für den Moderator entsteht – ein Beispiel für die Mehrfachnutzung einzelner Studiobereiche. »Das heißt, wir sind sehr flexibel«, sagt Horst Rettig. »Wir können hier zum Beispiel einen Vorstand tagen lassen und die zugeschalteten Personen gleichzeitig auf die Bildschirme schalten, wir können aber auch Nachrichten machen und viele andere Formate umsetzen.«
Für die Beleuchtung sorgt Arri-Technik von der Decke. Die Lichtanlage ist bewusst nicht auf volle Leistung ausgelegt: »Wir haben den großen Vorteil, dass die Arri-Skypanels und die Fresnels so leistungsstark sind, dass wir es nicht auf 100 Prozent fahren müssen«, so Rettig – im Regelbetrieb liegt die Anlage bei rund 60 Prozent Auslastung, was Reserven für künftige Erweiterungen lässt und die Lebensdauer erhöht.
Die Steuerung dieser Positionen läuft weitgehend automatisiert aus der neuen großen Regie, in der Prozesse auf wenige Tastendrücke programmiert sind – eine Standard-Nachrichtensendung lässt sich dadurch ohne großen Personalaufwand fahren, denn auch die Kameras werden ferngesteuert.
In die neue Regie wurde der vorhandene Sony-Mischer eingebaut, der aber ein UHD-Upgrade erhielt. Per Skaarhoj–RCP können die Studiokameras gesteuert werden], zudem steht ein neues Panasonic AK-HRP1010GJ zur Verfügung – neben dem Ross-Panel für die Artimo-Steuerung.
Artimo: Kameraroboter im Lokalsender-Alltag
Im Hauptstudio steht der Ross Artimo – münchen.tv ist der erste Sender im deutschsprachigen Raum, der ihn produktiv einsetzt. Das frei bewegliche System navigiert per LiDAR, erreicht eine Hubhöhe von über zwei Metern und übernimmt die Funktion der Führungskamera.
Die Inbetriebnahme lief über MCI als Projektpartner. »Die Installation ist ein wichtiger Meilenstein für die Automatisierung der News- und Talkproduktion«, sagt Philipp Kern, Sales Manager bei MCI.
Für Horst Rettig ist die Entscheidung für den Kameraroboter auch ein Signal: »Mit dem Artimo setzen wir einen wichtigen Trend in der kreativen, aber automatisierten Newsproduktion in Deutschland.«
Ergänzt wird das System durch Panasonic-PTZ-Kameras im Hauptstudio, die während der Projektlaufzeit hinzukamen. Für den Studiobau zeichnete Plan B verantwortlich, die Sonja Langhans als besonders zuverlässige Partner hervorhebt: »Sie haben hervorragende Arbeit geleistet. Florian Bäter ist fürs Design des neuen Studios verantwortlich. »Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr angenehm und effizient«, betont Horst Rettig.
Die Greenbox: zweites Standbein für flexible Formate
Getrennt vom Hauptstudio betreibt münchen.tv eine eigene Greenbox mit angeschlossener vMix-Regie. Das ermöglicht es, die Greenbox unabhängig vom Hauptstudio zu bespielen, ohne dort laufende Produktionen zu unterbrechen. Fürs Keying sind zwei Ultimatte-UHD-Keyer im Einsatz.
Zur Kameraausstattung zählen neben Bestandstechnik zusätzliche Panasonic-PTZ-Kameras, die im Zuge des Umbauprojekts ergänzt werden.
Die Greenbox ist als vielseitig einsetzbare Fläche konzipiert, weniger auf feste redaktionelle Formate ausgelegt als das Hauptstudio, dafür offen für Sonderproduktionen und externe Nutzung – etwa für Bewegtbildproduktionen oder Corporate-Kunden, die Chroma-Key-Technik benötigen.
Wie konkret die Vermarktung bereits ist, zeigt ein anstehender Abschluss: »Voraussichtlich am 1. November wird ein neuer Kunde unsere Greenbox buchen – sieben Tage die Woche, vier Stunden am Tag«, erläutert Horst Rettig.
Auch das ist Teil des Konzepts, den Regionalsender profitabler zu machen. »Wir haben die Moderatoren und Moderatorinnen, die wissen, wie man so durch Gespräche führt, dass die Interviewten dabei gut aussehen. Deshalb glauben wir, dass es eine gute Kombination ist, wenn Kunden aus der Corporate-Welt unsere Technik, aber auch unser Know-how nutzen.«
Redundanz mit Regie 3
Die dritte, noch im Bau befindliche Regie ist mit zwei Simplylive-Servern und Gateway-Einheiten redundant ausgelegt. Sie sorgt für weitere Flexibilität. Möglich wird diese Flexibilität durch die Netzwerkarchitektur des Senders, die auf Riedel-Technik basiert: »Wir können zwei externe Standorte, egal wo sie sind, remote produzieren. Und wenn wir mehr wollen, müssen wir nur noch ein paar Gateways ergänzen. Auch bei Wahlen wird uns die Technik helfen«, so Rettig.
Agil statt Pflichtenheft
Für sommer+spohr war münchen.tv ein ungewöhnliches Mandat – das Beratungshaus arbeitet sonst vor allem für öffentlich-rechtliche Sender wie BR, SWR und Deutschlandradio, ist aber bereits seit 2022 für den Sender tätig und schuf letztlich auch die Voraussetzungen für die aktuelle Umsetzung des Projekts.
»Ein Vorteil des kleineren Umfelds sind kürzere Entscheidungswege«, sagt Oliver Haustedt-Sommer. »Man kann insgesamt viel agiler unterwegs sein als in einem größeren Sender, wo mehr Formalismen herrschen.«
Auch Horst Rettig hebt die enge Zusammenarbeit mit Sonja Langhans hervor, die während des gesamten Projekts eine wichtige Stütze war. Er ergänzt: »Wir haben auch sehr gute Beziehungen zu den Partnern aufgebaut – ob das Riedel ist, Samsung, Ross und MCI oder Teltec: Die Zusammenarbeit lief wirklich sehr gut.«
Lokaljournalismus als gesellschaftlicher Auftrag
Hinter der großen technischen Investition des Mehrheitsgesellschafters Max Schlereth steht eine klare inhaltliche Überzeugung.
Schlereth, der münchen.tv und tv.ingolstadt 2024 erwarb und 2025 L-TV Heilbronn in die Senderfamilie holte, formuliert es direkt: »Ich betrachte die derzeitigen gesellschaftlichen Strömungen als zutiefst besorgniserregend. Lokales, glaubwürdiges und qualitativ gut gemachtes Fernsehen kann ein Gegenpol sein. Das ist meine persönliche staatsbürgerliche Vision.«
Er lässt keinen Zweifel daran, dass die Gruppe weiterwachsen soll. Und dafür ist die Gruppe mit der neuen Technik gut gerüstet.
Seite 1: Hintergründe, technisches Konzept, Riedel Mediornet
Seite 2: Artimo Kameraroboter, LED-Wand und -Licht, Greenbox
Autor: Christine Gebhard
Bildrechte: Nonkonform
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