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Wer bezahlt?

Der NDR hat sich jetzt, wie schon drei andere ARD-Anstalten, für das MPEG-IMX-Format von Sony entschieden. Zeit, den Kampf um die Formatentscheidung(en) einmal von einer anderen Seite zu beleuchten, als die offiziellen Vertragspartner es bei solchen Deals mit mittlerweile fast schon zum Ritus gewordenen Floskeln und Formeln tun.

Der WDR hatte schon zur IBC1999 als erster deutscher TV-Sender seine Entscheidung für das IMX-Format von Sony getroffen, für das es zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen offiziellen Namen gab. Wie alle anderen Sender, die sich bislang in Deutschland, Österreich und der Schweiz für MPEG-IMX entschieden haben, hat auch der WDR schon im Herbst 1999 neben Studiomaschinen auch MPEG-Camcorder bestellt. Diese Camcorder hat Sony allerdings bis zum Erscheinungsdatum dieses Kommentars (31.01.2001) weder offiziell vorgestellt, noch sind sie lieferbar. Es wird allgemein vermutet, dass Sony Camcorder- und eventuell auch noch weitere Recorder-Modelle im MPEG-IMX-Format zur NAB2001 vorstellen wird, also im April diesen Jahres. Bis dann Lieferungen in größeren Stückzahlen erfolgen können, dauert es erfahrungsgemäß nochmals Monate bis Jahre, wobei das keineswegs nur Sony-typisch, sondern durchaus branchenüblich ist.

An diesen »Blindbestellungen« lässt sich ablesen, dass die ARD-Anstalten ihrem Lieferanten Sony einen enormen Vertrauensvorschuss entgegenbringen. Der speist sich zweifelsohne aus vielen verschiedenen Quellen. Eine davon: Viele Sender brauchen dringend Ersatz für ihre analogen Betacam-Geräte, besonders im News-Bereich und hier speziell bei den Camcordern. Würde Geld gar keine Rolle spielen, wäre Digital Betacam hierfür bei den meisten Sendern sicher erste Wahl – dieses Format ist bei praktisch allen ARD-Sendern im Einsatz. Aber für den News-Bereich und für den Einsatz auf breiter Basis ist Digi-Beta den Sendern zu teuer. Da trifft es sich gut, dass Sony seinen Vertragspartnern für die Übergangszeit, bis die MPEG-Camcorder verfügbar sind, Digital-Betacam-Camcorder bereitstellt. Entsprechende Klauseln sind dem Vernehmen nach in allen bisher abgeschlossenen Verträgen enthalten.

Für die Sender ist das natürlich eine bequeme und auch kostengünstige Regelung: Easy going, man muss die eingefahrenen Pfade nicht verlassen. Der Haken daran: Sony muss das Geld, das diese großzügige Regelung kostet, auch wieder verdienen. Irgendwer wird also dafür bezahlen müssen. Und das gleich doppelt, denn Sony-Konkurrent Panasonic kann und will der Großzügigkeit seines Mitbewerbers im Kampf um die öffentlich-rechtlichen Prestige-Kunden natürlich nicht mit leeren Händen gegenüberstehen. Auch Panasonic geht also zweifellos bis an die Schmerzgrenze, um DVCPRO in diesem Markt zu etablieren, was bei einigen Sendern auch gelungen ist. Und so müssen Sony wie Panasonic die fehlenden Gewinne aus solchen Deals anderweitig erwirtschaften.

Wie soll das gehen? Man kann sich bei der Suche nach einer Antwort hierauf zweifellos auf die bewährten Argumentationsketten aus fallenden Entwicklungskosten und wachsenden Stückzahlen einlassen, die letztlich irgenwann das Geld zurückbringen sollen, das man am Anfang eines Produktzyklus bei der Markteinführung verliert.

Andererseits: Bewährte Methode der Hersteller ist es, das Geld mit kurzer Verzögerung im Umfeld der Sender zu holen, bei Firmen, die keine so starke Verhandlungsposition gegenüber den Equipment-Anbietern haben. Die zahlen dann einen normal kalkulierten Preis für das neue Equipment, das sie haben müssen, weil die Sender als Auftraggeber dieser Firmen es fordern.

Aber wo holen diese Firmen das notwendige Geld für die Investitionen her? Durch Selbstausbeutung geht das nur beschränkt, also muss das Geld doch wieder von den Kunden der Firma, also von den Sendern kommen. Die bekommen dann entweder schlechtere Qualität, weil ihre Zulieferer schludern müssen, um ihr Equipment besser auszunutzen und den Gewinn zu maximieren. Oder die Sender müssen mehr für die zugekauften Leistungen bezahlen. Beides kann eigentlich nicht im Sinne der Sender sein und kostet diese eben einfach an anderer Stelle etwas.

Nun lässt sich ohne Zweifel ebenso lange wie fruchtlos darüber diskutieren, wer damit angefangen hat, diese ineinander verschränkten Spiralen zu drehen. Ziemlich sicher ist aber: Vielleicht hat es bislang ganz passabel funktioniert, aber auf dieser Basis wird dieses ganze Geschäft nicht mehr lange gut gehen. Irgendwann gibt es ein böses Erwachen. Die Frage ist letztlich nur: Für wen? Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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