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Live Sports Summit: Wo Sender, Ligen und Streamer zusammenfinden
Sarah Jakob eröffnete den Live Sports Summit von LiveU, dessen Ziel es ist, eine Austauschplattform zu schaffen, »um die oft im Hintergrund stehenden Technologien und Projekte mit Produktionsfirmen, Sendern, Ligen und Clubs sichtbar zu machen und ihnen eine Bühne zu geben«.
Auffallend: Die Grenze zwischen linearem Fernsehen und Social Media verschwimmt: Die DEL2 produziert in Eigenregie, der DFB startet einen eigenen TV-Kanal, und ein Berliner Amateurverein erreicht auf Twitch fast 100.000 Zuschauer gleichzeitig.
Das inhaltliche Spektrum des Events reichte von Sportproduktionen im Großformat für die Masse bis hin zum Streaming für Content-Creator und die Social-Media-Community. LiveU richtete die Veranstaltung gemeinsam mit Netorium und Etas aus.
Firmengründer Samuel Wasserman über LiveU
Vor 20 Jahren in Israel gegründet, beschäftigt das globale Unternehmen heute 450 Mitarbeiter, wovon der Großteil in der Forschung und Entwicklung (F&E) tätig ist. LiveU hat sich weltweit zu einem festen Bestandteil der Live-Berichterstattung etabliert. Bei den Winterspielen 2026 sowie der Fußballmeisterschaft in den USA kamen Tausende Geräte für Live-Übertragungen und Workflows zum Einsatz.
»Unsere Kunden nutzen unsere Systeme mittlerweile für unglaubliche Einsätze« Samuel Wasserman.
In den USA habe ein Kunde etwa ein LiveU-System auf eine Drohne montiert, die ganz nah an Footballspieler herangeflogen sei und so eine unfassbare Nähe zu den Athleten geschaffen habe. René Alles von den Bestboys berichtete, LiveU-Systeme beim Berlin-Marathon auf Motorrädern eingesetzt zu haben, um die Läuferinnen und Läufer ganz nah zu begleiten.
Fireside Chat: State of the Industry – Trends in Host Broadcasting
Mit Franck Choquard konnte LiveU den Geschäftsführer von Actua Sports, einem erfolgreichen Schweizer Broadcast-Unternehmen mit Sitz in Genf und Paris, für einen Fireside Chat gewinnen. Im Gespräch mit Ophir Zardok von LiveU beleuchtete er die Branche. »Die Branche muss Kosten senken, Technologie sollte aber nicht nur ›mehr für weniger‹ bedeuten, sondern mehr Optionen und Inhalte bei gleichem Budget bieten«, so Choquard.
»Die Branche ist heute risikobereiter als noch vor 20 Jahren« – Franck Choquard
Vor 20 Jahren sei die Branche noch nicht sehr risikobereit gewesen, aber das habe sich geändert, so Choquard. Heutzutage gebe es viele technisch mutige Ansätze, auch bei Top-Events. Actua Sports hat auf diese Weise bei der Leichtathletik-EM in Birmingham und bei den Commonwealth Games in Glasgow produziert und ist für »Resilient Multi-Venue Contribution & Cloud Distribution« bei den Commonwealth Games 2026 für einen Award nominiert.
Choquard sieht keinen strikten Gegensatz mehr zwischen linearem Fernsehen und Social Media. Er plädierte dafür, Zielgruppen über beide Kanäle entsprechend ihren Sehgewohnheiten abzuholen.
Deutsche Eishockey Liga 2 – Wenn eine Liga die Produktion selbst in die Hand nimmt
René Rudorisch von der DEL2 berichtete über die Entwicklung der Liga von ehrenamtlich organisierten Fan-Streams im Jahr 2007 hin zu einer ligaweiten, hochgradig professionalisierten Live-Streaming- und Verwertungsstrategie. »Die 14 Clubs der Liga erzielten in der vergangenen Saison einen Gesamtumsatz von rund 80 Millionen Euro bei über 3.700 Zuschauern pro Spiel über 364 Hauptrundenspiele hinweg, verglichen mit etwa 28 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2013«, so Rudorisch.
»Streaming hat unsere Medienpräsenz trotz anfänglicher Skepsis erhöht und die Stadionbesuche der Spiele angekurbelt.« – René Rudorisch
Durch Inhouse-Produktionen an allen 14 Standorten der Liga, Kooperationen u. a. mit Sport Europe TV sowie den Einsatz von LiveU-Bonding-Hardware sichert die Liga eine robuste Übertragung ab und generiert profitable Medienerlöse für die Clubs. Die Produktion liegt bei den Clubs vor Ort, überwiegend mit 4+1 Kameras, an einzelnen Standorten mit bis zu 9 bis 13 Kameras, so Robert Grafe. Alle Erlöse aus den Medienrechten fließen direkt an die Standorte zurück.
Zur Überbrückung instabiler Netze und zur Absicherung von Regieausfällen setzt die Liga flächendeckend LiveU-Bonding-Systeme (Solo und Solo Pro mit 4-Kanal-Audio) sowie SRT-Übertragung und gedoppelte Server-Ingests ein.
Rechtehalter vs. Broadcaster: Konkurrenz statt Kooperation?
Mit Kay Dammholz (DFB) und Gernot Bauer (ProSiebenSat.1) konnte LiveU für die Diskussion mit Wolfgang Jauer von LiveU zwei besonders interessante Gesprächspartner gewinnen.
Im Fokus standen der Launch und die Strategie des linearen Kanals DFB-TV, die Refinanzierung von Sportrechten, veränderte Nutzungsgewohnheiten und das Spannungsverhältnis zwischen Verbandsberichterstattung und unabhängigem Journalismus.
»Erschaffen wir ein Monster, das später keine Rechte mehr herausgibt?« – Gernot Bauer
Auf der einen Seite sind große Fußballrechte wie Champions League oder Weltmeisterschaften für Sender nur noch schwer refinanzierbar. Auf der anderen Seite tun sich Verbände schwer, unattraktivere Rechte zu vermarkten. Beide Seiten müssen auf diese Situation reagieren. Der DFB setzt auf eine internationale App, einen Fast Channel und jüngst einen eigenen linearen Free-TV-Kanal. Die Broadcaster verschieben ihre Angebote wiederum hin zu Multiplattform- und Streaming-Inhalten.
Gernot Bauer von ProSiebenSat.1 fordert verlässliche Zugänge zu Sportlern und warnte vor rein geglätteter Verbands-PR. Er sieht aber auch die Vorteile, die ein Kanal wie DFB-TV bietet, und kann sich eine pragmatische Arbeitsteilung vorstellen, bei der der DFB bestimmte Inhalte zuliefert, den Broadcastern aber weiterhin der emotionale Journalismus obliegt.
Schneller, schlanker, schlauer – Neue Lösungen für neue Anforderungen an die Sportproduktion
Impulsvortrag: The Power of Live
Lukas Klumpe hielt per Videoschaltung aus Köln einen Vortrag über KI, Sport und Live-Inhalte. Er argumentierte, Live-Sport sei der ultimative Gegenpol zu KI-generierten Inhalten, da echte Ereignisse und Emotionen sich nicht künstlich ersetzen ließen. Zudem beleuchtete er neue Verbreitungswege, darunter Athleten und Creator als Broadcaster, sowie Strategien zur Zweitverwertung von Live-Material. Er betonte auch den Wert von Begleitformaten (Side Quests), denn sie erzielen teilweise deutlich höhere Zugriffszahlen als die Spielhighlights selbst.
»Beim vergangenen Super Bowl gab es mehr Highlight-Clips zu Bad Bunnys Halbzeitshow als zum eigentlichen Spiel.« – Lukas Klumpe
Lukas Klumpe widersprach der These, junge Menschen könnten sich nur wenige Sekunden konzentrieren. »Stundenlange Interaktionen auf Plattformen wie Twitch zeigen, dass das Format und der Zugang entscheidend sind.«
Schneller, schlanker, schlauer – Neue Lösungen für neue Anforderungen an die Sport-Produktion
In der Podiumsdiskussion erörterten René Alles (Bestboys TV Factory) und Patrick Jung (ZDF, Team Sonderprojekte) im Gespräch mit Wolfgang Jauer den Wandel in der Sportproduktion. Sie konstatierten einen Übergang von großen Vor-Ort-Teams zu schlanken, zentralisierten Remote- und IP-Setups, die wachsende Bedeutung von LiveU-Verbindungen sowie Strategien zur besseren Verwertung von Rohmaterial für digitales Storytelling.
René Alles hob hervor, dass Produktionsdienstleister heute als inhaltliche Partner agieren müssen, die Sponsoren und Rechteinhabern durch Content-Kuration echten Mehrwert bieten, anstatt nur Technik abzurechnen. Die logistische Komplexität von Großevents veranschaulichte er am Beispiel des Berlin-Marathons.
»Man muss neue Wege gehen, viel fragen und viel ausprobieren.« – René Alles
Patrick Jung vom ZDF brachte einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein: Eine der großen Herausforderungen für Broadcaster sieht er in immer kürzeren Vorlaufzeiten und verspäteten Rechtevergaben bei gleichzeitig steigenden Anforderungen.
Delay Sports – Wie ein neuer Fußballverein seine Fan-Community mit Live-Content aufbaut
Gegründet von den Influencern Elias Nerlich und Sidney Friede, verbindet der Berliner Verein Delay Sports Berlin den sportlichen Aufstieg von der Kreisliga bis in die Landesliga mit enormer Reichweite auf Social Media und Twitch. Niklas Füting berichtete, wie dieser Aufstieg im Sport und in den Medien gelungen ist. Der Vereinsname und das Logo stammen aus der Community, und auch in allen anderen Bereichen spielen die Fans eine enorme Rolle.
»Wir haben mehr Follower als Hertha und Union und liegen bei YouTube-Followern direkt hinter dem FC Bayern.« – Niklas Füting
Der eigene YouTube-Kanal zählt 355.000 Abonnenten, Instagram knapp 600.000 und TikTok 550.000 Follower. Ein Live-Stream auf Twitch erreichte vor sechs Wochen in der Spitze 96.991 zeitgleiche Zuschauer; im Schnitt liegen die Live-Spiele bei knapp 44.000 Zuschauern. Diese Zahlen beeindrucken, erfordern aber auch jede Menge Engagement, berichtete Füting. Er realisiert alle Social-Media-Inhalte und Live-Streams mehr oder weniger allein, unterstützt von seinem jüngeren Bruder, seiner Freundin, die eigentlich Polizistin ist, an der Vlog-Kamera und einem befreundeten Fotografen.
Da die Spiele meist auf wechselnden Amateurplätzen stattfinden, fehlen feste TV-Infrastrukturen wie Strom, Netzwerke oder feste Anschlüsse. Produziert wird mit zwei Kameras, gelegentlich einer Drohne, einem mobilen Bildmischer sowie Einspielern für Replays, L-Frames und Live-Statistiken. Der Stream wird über OBS entweder direkt vor Ort oder über den Rechner des Vereinspräsidenten auf Twitch geleitet. Für weiteres Wachstum benötigt der Verein feste Strukturen und eigene Infrastruktur. Daran arbeitet das Team mit Hochdruck.
IRL-Streaming als Zukunftsmodell? Wie Content Creator die klassische Außenübertragung neu denken
In der Podiumsdiskussion sprachen Michael Petrescu von Beans Entertainment, Florian Treiber von Spontent und Dirk Ludewig von NerdStar über ihren Wandel von reinen Twitch-Kanälen zu etablierten Produktionsfirmen für Live- und Auftragsproduktionen.

Michael Petrescu von Beans Entertainment, Dirk Ludewig von NerdStar, Florian Treiber von Spontent und Sarah Jakob.
Im Fokus standen die Faszination und die Herausforderungen von In-Real-Life- (IRL-) und Live-Streaming sowie deren technische Voraussetzungen.
»Live-Inhalte generieren hohe Verweildauern und Interaktionen, da Zuschauer Authentizität schätzen«, sagt Michael Petrescu. Die klassischen Medien hätten diese Inhalte lange ignoriert und nicht ganz ernst genommen, was sich aber verändert habe. Mittlerweile habe sich die Zusammenarbeit mit Partnern wie ARD oder Game-Developern gewandelt, »da viele Entscheider inzwischen selbst Gamer sind und die Plattform Twitch verstehen«.
»Streamer und ›Mainstream‹-Medien können viel voneinander lernen.« – Michael Petrescu
Florian Treiber berichtete, Spontent sei letztlich als interaktiver Sportsender auf Twitch entstanden, weil Gründer Alexander Walkenhorst ein Beachvolleyball-Turnier über einen Monat hinweg übertragen wollte. Mittlerweile ist Spontent nicht nur auf Twitch aktiv, sondern auch als Produktionsfirma für Sport-Content, unter anderem für Dyn Media. Treiber schilderte die logistischen Herausforderungen während der WM, als Spontent Elias Nerlich auf seiner USA-Reise begleitete und dabei auch LiveU einsetzte.
Dirk Ludewig zeichnete den Werdegang von NerdStar nach und erläuterte den Wandel hin zu ambitionierten Live-Auftragsproduktionen für Dritte. Er sieht einen deutlichen Unterschied zwischen Twitch und rein algorithmusgetriebenen Plattformen wie TikTok. Wachstum erfordert laut Ludewig langfristigen Community-Aufbau.
Die Technik spielt bei den Twitch-Live-Formaten eine große Rolle, vielfach nutzen die Streamer LiveU-Equipment. Ein konkretes Beispiel lieferte Ludewig mit dem »Verstecken«-Event im Dortmunder Stadion, bei dem sich bekannte Streamer und Content Creator versteckten. Dafür wurde ein individueller Rucksack auf Basis eines Hunde-Rucksacks mit spezieller Belüftung zur Hitzeabfuhr gebaut, der LiveU-Units, Akkus und Tracking-Smartphones enthielt.
So lief das erwähnte »Verstecken«-Stream Event ab.
Resümee
Der Live Sports Summit machte deutlich: Die Sportproduktion wird breiter, schlanker und selbstbewusster. Ligen wie die DEL2 holen sich die Kontrolle über Produktion und Erlöse zurück, Verbände werden Produzenten, und Broadcaster müssen ihre Rolle zwischen Rechtekauf und unabhängigem Journalismus neu definieren. Gleichzeitig sind Creator und Streamer längst Produktionspartner auf Augenhöhe, ob mit einem Amateurverein, der auf Twitch gegen Bundesligaklubs antritt, oder mit einem Rucksack voller Bonding-Technik im Dortmunder Stadion. Gemeinsamer Nenner aller Beiträge: Mobile, IP-basierte Übertragungstechnik spielt dabei eine wichtige rolle, und wer Live-Inhalte glaubwürdig und plattformgerecht ausspielt, erreicht sein Publikum.
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