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IBC2005: Der Trend zum essbaren TV-Gerät

Wenn irgendwo eine neue Technologie vorgestellt wird, die bei näherer Betrachtung so gar nicht in die jeweilige Kultur- und Konsumlandschaft passt, dann wird gern argumentiert, dass diese in anderen Ländern schon der absolute Renner sei. Im Elektronikbereich blickt man dabei von Europa aus traditionell gern nach Japan, neuerdings auch nach Korea und China.

Der Produkt-Manager verweist also gegenüber einer deutschen Interessentengruppe auf den angeblich überwältigenden Erfolg eines Produkts oder einer Technologie in einem weit entfernten, asiatischen Land. Alle nicken andächtig, sind beeindruckt und gleichzeitig in Sorge, dass Deutschland im globalen Wettstreit weiter zurückfällt, wenn man nicht möglichst rasch zu den führenden Nationen aufschließt.

Zum Glück für den Produkt-Manager werden seine Aussagen in der Praxis von den Zuhörern höchst selten überprüft: Japan, Korea und China sind schließlich immer noch ziemlich weit weg und Internet-Seiten von dort lassen die meisten Europäer ratlos zurück. Weil aber die Zuhörer ihr neu erworbenes Insider-»Wissen« weiterverbreiten, kann daraus ein informationeller Selbstläufer werden. So entstehen Branchen-Mythen – ob auch die Produkte in einem größeren Umfang gekauft werden, ist jedoch eine andere Frage.

Vielleicht stimmen die Aussagen des Produkt-Managers ja – in diesem Beruf gibt es schließlich durchaus ehrliche Menschen, die gewissenhaft arbeiten und ihre Aussagen überprüfen. Müsste man dann diese Infos nicht doch auf den deutschen und europäischen Markt übertragen? Nicht notwendigerweise: Da Insektenrestaurants und der Verzehr von Hunden in Deutschland nicht besonders populär sind, stellt sich die Frage, ob medientechnische Trends und Gewohnheiten so einfach übertragbar sind – selbst wenn sie anderswo erfolgreich sind.

Als Technikfeind ist man in dieser Branche und besonders beim Besuch der IBC sicher falsch – aber man sollte auch nicht erst dann skeptisch werden, wenn man vom »Trend zum essbaren TV-Gerät« hört.

Sie werden sehen.

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Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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