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Ausschnitte der Wirklichkeit

Winston Churchill soll mal gesagt haben, er glaube nur an Statistiken, die er selbst gefälscht habe.

In ein ähnlich zweifelhaftes Licht ist auch so manche Studie getaucht: Einerseits erhofft man sich davon wichtige Erkenntnisse für die Zukunft, möchte etwa erfahren, wohin die Reise in der eigenen Branche geht und welche wichtigen Technologien sich morgen durchsetzen werden. Auf der Grundlage von Studien, so glaubt man, ließen sich die Weichen für die Zukunft richtig stellen. Man fühlt sich einfach sicherer, wenn ein Dritter mit schönen Diagrammen und Tabellen erläutert, warum sich eine Sache so oder so entwickeln werde — besonders wenn das in der Studie Zusammengefasste der eigenen Einschätzung entspricht.

Andererseits weiß man im Grunde auch, dass die Verfasser einer Studie keine Garantien bieten können. Und Beispiele dafür, dass die in Studien gemachten Vorhersagen öfter mal nicht mit der Wirklichkeit im Einklang stehen, kennt wohl jeder.

Zum Glück gibt es auch bei den Studien eine gewisse Auswahl: Ein Fachblatt berichtete kürzlich, »europäische Repräsentativ-Erhebungen« hätten ergeben, dass die Mehrzahl der Befragten für mobiles Fernsehen, also etwa für Handy-TV, bezahlen würden. Am selben Tag war in einem News-Portal etwas ganz anderes nachzulesen: Laut einer aktuellen englischen Studie habe die Mehrzahl der Briten angegeben, nicht mit dem Handy fernsehen und schon gar nicht dafür bezahlen zu wollen.

Nun könnte man feine Unterschiede in den Studien suchen und zweifellos auch finden: Gruppe der Befragten, Befragungsverfahren, Art der Fragestellung. Vielleicht könnte man sogar nachweisen, dass die Studien gar nicht im Widerspruch zueinander stehen und jeweils in sich schlüssig sind.

Aber — außer denen, die schon mit der Erstellung der Studien Geld verdient haben: Wem ist damit geholfen? Studien und Statistiken zeigen eben immer nur einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit — und dieser Ausschnitt kann selbst bei ein und der selben Sache ganz unterschiedlich ausfallen.

Sie werden sehen.

P.S: Nach Recherchen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg und anderer, hat Churchill die eingangs erwähnte, ihm zugeschriebene Aussage nie gemacht. Das Amt erläutert: »Nichts spricht für die Richtigkeit des »Zitats« und alles spricht dagegen.«

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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