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Hohe Qualität zum niedrigen Preis?

Als die Bandmaschinen noch nicht in Racks eingebaut wurden, sondern selbst Schrankgröße hatten, da gab es in der Broadcast-Videotechnik eine klare Entwicklungsrichtung: kompaktere Maschinen mit besserer Bildqualität. Das ging einige Jahre so weiter, aber dann kam DV.

Aus Sicht der Consumer, für die das Format ursprünglich gedacht war, ein Riesenschritt nach vorne. Aus Sicht sehr vieler Profis aber ein Schritt in Richtung Abgrund, denn trotz aller positiven Aspekte, die man diesem Format zweifellos auch als beruflicher Anwender abgewinnen kann: DV setzte eine Preisspirale nach unten in Gang, die bei den Geräten begann, aber schließlich auch die Dienstleister und letztlich die ganze Branche erfasste.

Das DV-Format war ganz sicher nicht der alleinige Auslöser, aber mindestens ein Indikator für den Beginn einer verhängnisvollen Entwicklung: Rund 10 Jahre nach der Vorstellung des DV-Formats klagen die Händler über immer weiter schwindende Margen, die Verleiher und Dienstleister über Preisdumping. Die Sender jammern darüber, so billig und effektiv wie nie zuvor produzieren zu müssen. Alle zusammen leiden unter raueren Sitten am Markt und überlegen, an welchen Ecken sie selbst noch mehr sparen und herauspressen können. Billig und immer noch billiger muss alles sein. Dass dabei die Qualität nicht gleich bleiben kann, sieht jeder, der mit offenen Augen auf die Branche blickt.

Nun also HDV — und die Bilder gleichen sich: Skeptisch abschätzige, aber ebenso viele staunende, auch anerkennende Blicke von Profis sind zu sehen, wenn bei Messen, Roadshows und Workshops HDV-Aufnahmen gezeigt werden. Und freudige Blicke von Controllern, wenn sie die Preise des Equipments lesen.

HDV ist da, es hat seine Berechtigung, wird im Markt seinen Platz erobern. Es ist aber in vielen Aspekten auch ein erneuter großer Rückschritt: Kompatibilität und Nachbearbeitung seien hier als Beispiele genannt. Und ob HDV aus Profisicht die von HD erhoffte und für den Erfolg von HDTV notwendige Bildqualitätsoffensive befördern wird, das darf mehr als bezweifelt werden.

Aber vielleicht gibt es Hoffnung. Bei besserer (möglicher) Bildqualität schärft sich vielleicht auch wieder das Bewusstsein für Bildqualität bei den Endkunden und auch bei den Profianwendern. Vielleicht setzt sich dann auch wieder eine simple Erkenntnis durch: Wer mit semiprofessionellem Equipment arbeitet und semiprofessionelle Preise zahlt, der muss auch semiprofessionelle Ergebnisse erwarten.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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