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Oscar für Deutschland?

Erst zum dritten Mal überhaupt wurde in der vergangenen Nacht ein deutschsprachiger Spielfilm mit einem Oscar ausgezeichnet: »Das Leben der Anderen«, der mit weiteren Filmpreisen schon vielfach prämierte Spielfilmerstling von Florian Henckel von Donnersmarck.

Der offene oder heimliche Traum praktisch aller Filmschaffenden, einen Oscar zu bekommen, war zuvor nur zweimal für deutsche Spielfilme wahr geworden: »Die Blechtrommel« und »Nirgendwo in Afrika« wurden von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in den USA in der Kategorie für den besten nicht-englischsprachigen Film ausgezeichnet.

Ganz zweifellos ein Grund zur Freude für alle, die an diesem Film mitgewirkt haben — aber in einer Egomanen-Branche wie dem Filmgeschäft gibt es kein Ereignis, das wirklich nur Freude auslösen würde: Es werden sich genügend Menschen finden, die den Gewinnern nun in die Suppe spucken wollen, Gerüchte streuen und den Preis klein reden werden. Es besteht also überhaupt keine Veranlassung, das an dieser Stelle zu tun.

Außerdem schlägt nun auch wieder mal die Stunde der Trittbrettfahrer, die schon in den Frühnachrichten des heutigen Tages mit Presseverlautbarungen erneut unter Beweis gestellt haben, dass der Erfolg viele Väter hat: Als öffentlicher Gratulant steht man eben auch mal für eine kurze Zeit im goldenen Glanz des Siegers.

Weit spannender als alle in den nächsten Stunden und Tagen zu erwartenden »Me-too«-Meldungen zusammen, wird es jedoch sein, zu beobachten wie viele der tatsächlich an diesem Film Beteiligten in der Folge ins gelobte Land der Filmproduktion abwandern. Ein Oscar gilt nun mal als Ritterschlag in der Filmwirtschaft.

Eine weitere, bei Filmpreisverleihungen gern zitierte Binsenweisheit lautet: Film ist Teamarbeit. Aber jedes Team hat Grenzen — auch wenn man bei manchen Filmabspännen einen anderen Eindruck gewinnen kann.

Die ganz euphorischen Medien sehen in dem nun vom Regisseur entgegen genommenen Preis aber dennoch gleich eine Auszeichnung für ganz Deutschland, oder zumindest für die ganze deutsche Filmwirtschaft. Das ist — mal ganz direkt gesagt — natürlich kompletter Käse. Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Weder sind »wir« Papst, noch haben »wir« einen Oscar bekommen. Und die allermeisten von uns können weder fürs eine noch fürs andere irgendeinen Anteil für sich reklamieren.

Das Leben kann bitter sein — so ganz ohne Papstwürde und Oscarglanz — aber wir bitten dennoch, von persönlichen Beileidsbekundungen bezüglich dieser Daseinslücken Abstand zu nehmen. Und es wäre schön, wenn auch nur diejenigen den Glücklichen zum Oscar gratulierten, die es nicht aus Eigennutz tun. Aber das bleibt mit absoluter Sicherheit nur ein frommer Wunsch.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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