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Kurz und knackig – KW 29/2026

P7S1: Neuer Kanal. KI: Souveränität erhalten, Gatekeeper verhindern, Musik-Labels etablieren. Plattformen: Kommt der »Mediazid«? EU: Apple bestraft, Meta im Visier.
Unternehmen
»Wir werden in den nächsten Jahren eine Pleite-Serie bei lokalen Rundfunkanstalten, Zeitungen, Magazinen, auch Fernsehanstalten erleben«, so Kulturstaatsminister Weimer im KNA-Mediendienst. »Die großen Plattformen haben unser gesamtes juristischen Fundament genommen und sind dabei, es zu zerstören.«
Auf die Übernahme von Arri durch Riedel im April folgt der Verkauf des globalen Verleihsektors an H2 Equity Partners und die bisherigen Manager Dana Harrison, Russell Allen und Tamim Assaji.
12 US-Bundesstaaten wollen die Megafusion vor Gericht verhindern. Sie bewirke u.a. höhere Preise und weniger Filme und TV-Sendungen im Angebot. Auch die US-Gewerkschaft der Drehbuchautoren klagt: Die Übernahme würde den Wettbewerb um Scripts beseitigen und die Honorare drücken. Trumps Regierung hatte die Warner-Übernahme durch Paramount der mit Trump befreundeten Familie Ellison ohne Auflagen genehmigt.
Die Fusion der Entertainment-Produzenten ist vollzogen. Sitz der Firma mit 4,3 Mrd. € Umsatz ist London. Wie sich die Fusion der 170 Firmen in 25 Ländern auf die deutschen Ableger auswirkt, ist unklar.
Broadcast
Anfang 2027 will die Berlusconi-Tochter den »klar weiblich« ausgerichteten neuen Kanal Sat.2 mit Wiederholungen deutscher Serien und bekannten Konzernmarken starten, so Content-Chef Henrik Pabst. Die Entwicklung verantwortet Ellen Koch.
Im ersten Monat nach der Übernahme von Sky Deutschland erreichte der Konzern mit allen TV- und Digitalangeboten eine Nettoreichweite von 68,92 Mio. (86,7%) Menschen. Beim Linearen sieht man sich als Spitzenreiter bei den 14- bis 49-Jährigen und stärksten Privatsender bei den 14- bis 59-Jährigen.
Streaming
Nach dem Erwerb der ProSiebenSat1-Gruppe will MFE den lokalen Charakter des Streamers erhalten. Für alle fünf Streamer des Konzerns wird jedoch 2027 auf die deutsche Technik und das italienische Frontend umgestellt.
Der Streamer meldet das »erfolgreichste erste Halbjahr seiner Geschichte«. Die Nutzung stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,6% auf 356,32 Mio. Stunden, die Nettoreichweite um 4,8% auf 10,69 Mio. Menschen. Bei den werberelevanten Gruppen der 14-49-Jährigen und 14-29-Jährigen sei RTL+ zweiter hinter Amazon.
Laut »Wall Street Journal« will der Streamer – wie Amazon und andere Wettbewerber – seine Marktposition durch Live-TV und die dadurch erhofften längeren Nutzungszeiten stärken. Medien berichten auch über Pläne, Neukunden in ausgewählten Regionen mit einem Gratiszeitraum zu werben.
Filme, Festivals, Kino, Förderungen
Vor kurzem bejubelte Kulturstaatsminister Weimer die Verdopplung der staatlichen Filmförderung auf 250 Mio. €. Nun bestätigt sein Amt, dass 2027 insgesamt nur »gut 200 Mio. €« im Etat sind. Die Kürzung sei »ein fatales Signal« für die Branche und ein Schlag gegen ihre internationale Reputation, so der Verband VTFF.
Künstliche Intelligenz
Laut der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) unterliegen die KI-Suche von Google und die KI-Chatbots für Nachrichten von Perplexity deutschem Medienrecht. Die ZAK verweist dazu u.a. auf ein Rechtsgutachten. Rechtsmittel sind möglich.
Internationale Musikverbände, darunter der deutsche BVMI, wollen mittels KI entstandene Musikstücke kennzeichnen. Die Labels »KI-generiert« und »KI-unterstützt« sollen der Forderung von 83% der Konsumenten nach Klarheit und Transparenz entgegenkommen.
Ein zentrales Regierungsbüro soll die Entwicklung von KI steuern. Verbindliche Standards für Rechenzentren werden eingeführt. KI sei ein Schlüssel für Produktivität, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und technologische Souveränität des Landes.
Der Dachverband der europäischen ÖR-Sender warnt vor KI-Firmen als Gatekeepern zwischen Sendern und Zuschauern. Die Politik soll den öffentlichen Medien eine zentrale Rolle bei der KI-Regulierung einräumen.
Nach Prüfung der neuesten KI-Version GPT 5.6 von OpenAI auf Verlangen der US-Regierung wurde deren Veröffentlichung genehmigt. Die Modelle »Sol« und »Luna« wurden freigeschaltet.
Der Konzern klagt gegen OpenAI und zwei hochrangige Ex-Mitarbeiter. Der Entwickler von ChatGPT hätte Firmengeheimnisse gestohlen.
Radio, Audio
Der WDR-Rundfunkrat hat am 9.7. keine Änderung seiner Position zum bisherigen Migrationsradio erkennen lassen. Dies trotz interner Kritik, öffentlicher Proteste, einer Resolution mit 110.000 Unterschriften, einer laufenden Prüfung durch die NRW-Staatskanzlei und eines Gutachtens, das den Beschluss über die Zukunft des Migrationsradios für rechtswidrig hält.
DAB+ expandiert: Seit 2018 legte Deutschlandradio 95 UKW-Sender still und baut – zusammen mit 13 Privatradios – das DAB+-Netz auf 192 Standorte aus. In Schleswig-Holstein verzichten drei landesweite Privatradios auf UKW, in MVP orientiert 80s80s auf DAB+ und Webradio statt UKW. In NRW sind 42 Sender auf sechs neuen regionalen DAB+-Multiplexen vertreten. In Hessen gab Radio Frankfurt drei seiner fünf UKW-Frequenzen zurück.
Der Bayerische Rundfunk schaltet seine fünf UKW-Radioprogramme am Sender Inntal (Ebbs, Österreich) aus wirtschaftlichen Gründen am 21.7. ab. Im Raum Oberaudorf und Kiefersfelden können die UKW-Programme vom Standort Wendelstein empfangen werden. Das komplette BR-Angebot mit allen Regionalvarianten steht über DAB+ zur Verfügung.
5G
Telekom und Ericsson richteten am Hamburger Containerterminal Altenwerder ein 5G-Campusnetz ein. Auf einem Quadratkilometer steht das Netz für Logistik und Echtzeit-Anwendungen bereit. Weitere 5G-Lösungen werden im Hafen unter realen Bedingungen erprobt.
Medienrecht, Urteile
Die EU-Kommission wirft dem Konzern süchtig machende Funktionen seiner sozialen Medien vor. Dieser Verstoß gegen den Digital Services Act (DSA) kann mit hohen Strafen belegt werden. U.a. geht es um das automatische Abspielen von Videos und das unendliche Weiterscrollen.
Das EU-Gericht wies eine Klage des US-Konzerns gegen die Einstufung als Gatekeeper zurück. Im Sinne des fairen Wettbewerbs müssen Dienste interoperabel sein – nicht nur innerhalb eines geschlossenen (eigenen) Systems funktionieren, so der Tenor.
Internationales
Nach Berichten über mangelhafte Sicherheit der neuen Airforce 1 drohen Journalisten der »New York Times« strafrechtliche Konsequenzen. Der Präsident des nationalen Presseclubs, Mark Schoeff, bewertete ihre Vorladungen als »Angriff auf die Pressefreiheit«.
Laut Jahresbericht 2025 kann die BBC ihren öffentlichen Auftrag mit der gegenwärtigen Finanzierung langfristig nicht erfüllen, obwohl in den letzten Jahren mehr als 1,5 Mrd. £ (1,76 Mrd. €) eingespart wurden: Man versorge 94% der Erwachsenen, aber nur 80% der Haushalte zahlen Gebühren.
Nicht nur für unter 16-Jährige soll der Zugang zu Social Media eingeschränkt werden. 16- und 17-Jährigen soll der Zugang zwischen Mitternacht und 6 Uhr gesperrt werden. Suchterzeugende Funktionen sollen deaktiviert werden, so die Regierung.
Ungarns Staatssender M1 machte den medienpolitischen Wandel nach der Abwahl MP Orban deutlich: Statt Nachrichten war zeitweise eine Texttafel zu sehen: »Öffentlich-rechtliche Medien dürfen nicht lügen. Es tut uns leid, dass wir es so lange getan haben.«
Personalia
Die Intendantin Katrin Vernau schlug dem Rundfunkrat vor, den Vertrag von Andrea Schafarczyk als Leiterin der Programmdirektion NRW, Wissen und Kultur zu verlängern. Als Nachfolger von Jörg Schönenborn soll dessen Interimsvertreter Ingmar Cario die Programmdirektion Information, Fiktion und Unterhaltung leiten.
Timo Conraths, bisher Geschäftsführer des Journalistenverbandes DJV, übernimmt ab dem 1. Oktober die Leitung der RBB-Intendanz von der kommissarischen Chefin Verena Keysers.
Vorstandschef der ARD Media bleibt Thomas Schelberg (SWR Media Services); die Gesellschafter wählten Anja Melagge (RBB Werbung) zur Stellvertreterin. Zum 1.8. übernimmt Tobias Lammert (WDR Mediagroup) den Vorsitz der ARD Werbung von Michael Loeb, der die WDR Mediagroup verlässt. Reinhard Hild (MDR Media) wird Stellvertreter.

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