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Vertical Drama: Zündet der Trend auch hier?

In China, Asien und Südamerika generiert Vertical Drama Milliarden – nun soll der Erfolg auch hierzulande kommen.
©Screenshot App Store MuVpix

Bei der Plattform MuVpix kann man Unmengen an Verticals konsumieren …

Vertical Drama ist kein Format, das irgendwo gleichzeitig entstanden ist. Es hat eine klare Herkunft, eine klare Ausbreitungsroute – und trifft je nach Region auf ganz unterschiedliche Startbedingungen.

Wurzeln in China

Die Wurzeln liegen in China, wo während der Corona-Pandemie zahlreiche kurze, vertikal gedrehte Serien entstanden sind. Auf Douyin, der chinesischen TikTok-Version, gehen laut Marktdaten monatlich rund 50.000 neue Microdrama-Serien online – ein Großteil davon mittlerweile KI-generiert. Laut Marktforscher Omdia entfällt der Großteil der weltweiten Microdrama-Erlöse auf China.

©Screenshot App Store Dramabox

… und auch bei Dramabox.

USA als großer Markt

Der Export in westliche Märkte gelang vor allem durch KI-gestützte Synchronisation und Untertitelung, die es chinesischen Plattformen erlaubte, ihre Inhalte binnen kurzer Zeit in zahlreichen Sprachen auszuspielen. Apps wie ReelShort und DramaBox – beide chinesischen Ursprungs – etablierten sich rasant in den USA: ReelShort wurde 2025 allein im US-App-Store häufiger als die Netflix-App heruntergeladen. Die USA sind laut Omdia demnach der mit Abstand größte Markt außerhalb Chinas. Entsprechend zog auch die etablierte US-Branche nach: Disney nahm DramaBox in sein Accelerator-Programm auf und testet mit »Verts« ein eigenes Vertical-Format in der Disney+-App, Fox Entertainment stieg beim Vertical-Anbieter Holywater ein, und auch Hollywood-Größen produzieren inzwischen eigene Microdramas.

Auch Indien, Brasilien und Mexiko sind starke Wachstumsmärkte. Europa dagegen steht noch am Anfang, mit Großbritannien an der Spitze.

Situation in  DACH
© Radio Bremen/SR/Markus Nass/Montage Leonard Martin

Der SR und Radio Bremen haben das Vertical Drama »Between the Beats« produziert.

Hierzulande steckt Vertical Drama noch in den Anfängen, aber die ersten Ansätze gibt es: Der Saarländische Rundfunk und Radio Bremen haben mit »Between the Beats« eine eigens für TikTok entwickelte Fiction-Serie realisiert. Constantin Entertainment positionierte sich als erstes deutsches Produktionshaus im internationalen Vertical-Drama-Markt und produzierte binnen acht Wochen zwei Staffeln für die Plattform Crisp Momentum. Auch Banijay Productions Germany entwickelt erste Kurzformate fürs Hochkant-Format, und die neue Münchner Firma Vertical Minds will mit der eigenen deutschen Plattform Eilin den Markt erobern.

Vertical Drama beim Future Media Breakfast

Bei vielen Fachveranstaltungen wird Vertical Drama diskutiert. so auch beim Future Media Breakfast, das Michael Praetorius kürzlich ausgerichtet hat. Dort erklärte Sonia Ben Salah von Constantin Entertainment, warum sich Storytelling gerade grundlegend verändert und weshalb Daten, Algorithmen und das Publikum heute bestimmen, wie Geschichten erzählt werden.

 

Veränderte Bedingungen für die Produktion

Wer für Vertical Drama produziert, dreht nativ in 9:16, und das verändert das Handwerk an jeder Stelle der Produktionskette.

© Radio Bremen/SR/Etritane Emini

Bei Vertical Drama gibt es mehr Naheinstellungen – wie hier bei »Between the Beats«.

Es muss im Hochformat gedacht und gedreht werden. Statt Figuren horizontal im Raum zu verteilen, arbeiten Regie und Kamera mit der Tiefe, es gibt mehr Naheinstellungen, und Kamerabewegungen folgen andere Regeln, zum Beispiel mit vertikalen Schwenks statt horizontalen Dolly-Fahrten.

©Screenshot Dramabox

So finanziert sich Vertical Drama.

Auch das Drehtempo ist ein anderes: Vertical-Drama-Staffeln entstehen oft mit wenigen Drehtagen, und im Schnitt gibt es eine andere Taktung. Es gibt Cliffhanger am Ende jeder der meist sehr kurzen Folgen, Dialoge werden so gemischt, dass sie gut zu verstehen sind, und Untertitel sind Pflicht. Hier kommt auch KI ins Spiel. Sie hilft, ganze Staffeln in kurzer Zeit mit Untertiteln in unzähligen Sprachen zu generieren, und auch KI-Synchronisation ist ein Thema – auch wenn das derzeit bei bestimmten Produktionen eher negativ diskutiert wird.

Klar ist jedenfalls: Die Sehgewohnheiten, auf die Vertical Drama in China und den USA trifft, verändern sich auch hier – und die Produktionsbranche beobachtet genau, wie schnell sich das in zahlungsbereite Reichweite übersetzen lässt.

Bildrechte: © Radio Bremen/SR/Etritane Emini; © Radio Bremen/SR/Markus Nass/Montage Leonard Martin, Dramabox, MuVpix

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