Recording, Test, Top-Story: 03.01.2001

Große Klappe, nichts dahinter?

Das Größte am kompakten DVCAM-Recorder DSR-11 ist der Kassettenfachdeckel. Was dahinter steckt, verrät dieser Test.

Eine große Klappe kann ganz schön nerven. Das ist auch beim DSR-11 so: Klappt man den Kassettenfachdeckel dieses Recorders auf, dann deckt er die Bedienelemente und die Status-LEDs ab. Klappe auf, Klappe zu, so heißt also der Ablauf, der bei jedem Kassettenwechsel brav befolgt werden muss.

Aber das ist dann auch fast schon das einzig Negative, was man über diesen Mini-Recorder von Sony im DVCAM-Format sagen kann — immer vorausgesetzt, man bedenkt, wofür er konstruiert wurde.
Was den Konstrukteuren als Haupteinsatzgebiet des DSR-11 vorschwebte, macht ein simples Zubehörteil deutlich: Mit einem einfachen, mitgelieferten Plastikfuß kann der DSR-11 auch hochkant, auf der Seite liegend sicher aufgestellt werden und braucht dadurch weniger Standfläche. Der DSR-11 präsentiert sich also wie ein PC-Zubehör, quasi als Ein- und Ausgabe-Laufwerk für DV-Videos, die im PC ihren Feinschliff erhalten. Aber auch als Präsentationsrecorder und für andere Desktop-Einsätze wie Logging von Originalmaterial oder Sichtung von Probeaufnahmen eignet sich der DSR-11.

Dass die Entwickler dabei ganz generell weniger den klassischen Studio-Einsatz vor Augen hatten, machen die Steuer- und auch die Signalanschlüsse des Geräts deutlich. Via i.Link, Lanc, Control-S und Infrarot-Fernbedienung lässt sich der DSR-11 steuern, eine RS-422– oder RS-232-Schnittstelle, im Profibereich immer noch das Maß der Dinge, sucht man vergeblich. Beides wird auch nicht als Option angeboten.

Auch die Signalanschlüsse kommen aus dem Consumer-Umfeld: Cinch-Buchsen für analoges Audio und Composite-Video, Hosiden-Buchsen für Y/C-Signale, als einziger Digitalanschluss ist ein DV-In/Out-Port vorhanden.

Die Rückseite des Geräts beherbergt neben den genannten Video- und Audiobuchsen einen NTSC/PAL-Umschalter, einen 12-V-Anschluss für die Betriebsspannung und einen Auto-Repeat-Schalter: das war‘s. Auf der Vorderseite des Geräts herrscht ebenfalls eine spartanische Konzentration aufs Wesentliche vor: Kein Display, nur ein paar Status-LEDs, zwei Schiebeschalter (Input Select und Remote Control) sowie die Laufwerktasten finden sich hier.

Es gibt beim DSR-11 allerdings ein Bildschirmmenü, mit dem sich der Recorder in vielen Parametern konfigurieren lässt. Hier lässt sich der Recorder unter anderem zwischen DV– und DVCAM-Aufnahmemodus umschalten. Beim Abspielen erfolgt diese Umschaltung automatisch, je nachdem, welches Format das eingelegte Band aufweist. Bei Longplay-Aufnahmen (LP) verweigert der DSR-11 allerdings den Dienst, weder zeichnet er in diesem Format auf, noch gibt er LP-Bänder wieder. Auch DVCPRO-Tapes kann der DSR-11 nicht verarbeiten. (Zum Thema Kompatibilität zwischen den DV-Formaten gibt es in der Info-Zone einen separaten, ausführlichen Artikel.)

Dass es das Laufwerk des DSR-11 auch bei den ganz banalen Grundwerten in sich hat, zeigt sich im praktischen Betrieb: Der Kompaktrecorder entpuppt sich hier als Rakete und spult Bänder so flott um, wie man sich das wünscht: Um ein 60-Minuten-Mini-DV-Band zurückzuspulen braucht der DSR-11 nur 47 Sekunden. Eine DV-Standard-Kassette mit 180 Minuten Laufzeit spult der kleine Recorder in 85 Sekunden um.

Im Tonbereich leistet sich der DSR-11 neben der großen Klappe eine zweite Schwäche: Er zeichnet immer nur zwei Kanäle auf und bietet keine Nachvertonungsfunktion. Zwar lässt sich der DSR-11 per Bildschirmmenü zwischen zwei Audio-Modi umstellen: Steht er auf Fs48k, dann zeichnet er zwei Kanäle mit 16 Bit und 48 kHz auf. Steht er dagegen auf Fs32k, dann wird der Ton mit 12 Bit und 32 kHz verarbeitet. Der DSR-11 legt im letzteren Fall zwar auf dem Band vier Spuren an, von denen er aber nur die Spur 1 und 2 nutzt. Einzige Aufnahme von dieser Regel: Wird der Ton digital via i.Link-Anschluss eingespielt, dann wird er auch stets so aufgenommen, wie er ankommt, zwei- oder vierkanalig.

Beschränkung aufs Wesentliche oder all zu schmale Kost? Bei der Konstruktion des DSR-11 ist mit Sicherheit das Feedback der Anwender auf den DSR-20 eingeflossen. Durch den Verzicht auf einige Funktionen und Features dieses etwas größeren Geräts wurde der niedrigere Preis und die noch kompaktere Bauweise mit 18 cm Breite, 7,3 cm Höhe und 26,5 cm Tiefe möglich. Die Umschaltmöglichkeit zwischen DV und DVCAM verbreitert die Anwendungsmöglichkeiten und die Zielgruppe für das Gerät. Der DSR-11 passt zum Camcorder DSR-PD150. Wenn man ihn zum Kopieren, Vorführen und als DV-Computer-Peripherie beim nonlinearen Schnitt einsetzt, dann erfüllt er absolut seinen Zweck und die Schwächen im Audiobereich sind tolerierbar.

Downloads zum Artikel:

T_1200_DSR-11.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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