Recording, Test, Top-Story: 15.11.2007

HDV-Recorder HVR-1500: Einer für alles?

Sony stellt mit dem HVR-1500 einen neuen HDV-Recorder vor. Ist das kompakte Gerät mit halber Rack-Breite der erhoffte Alleskönner für den HDV-Markt?

Auf den ersten Blick ähnelt der HVR-1500 von Sony sehr stark dem DSR-1500 (Infos), der sich in der DV-Welt als Allround-Maschine etabliert hatte: Er ist ebenfalls als kompakte Maschine mit halber Rackbreite konstruiert und verfügt wie der neue 1500er über ein kleines Video-Display, mit dem sich das Material direkt am Recorder kontrollieren lässt. Die Bedienfront des HDV-Recorders sieht insgesamt wertig aus und die Tasten sind ausreichend groß und sinnvoll angeordnet. Der wertige Look korreliert mit dem Preis: Der Recorder kostet 7.300 Euro (Netto-Listenpreis) und ist damit nicht gerade ein Schnäppchen. Wer noch eines der optional verfügbaren Boards benötigt, muss weitere 1.000 bis 2.000 Euro drauflegen.

Formate

Der HVR-1500 lässt sich wahlweise im 50- oder 60-Hz-Modus betreiben, ist also für die PAL– gleichermaßen wie für die NTSC-Welt geeignet. Rein mechanisch akzeptiert der Recorder Kassetten in den drei Größen Mini, Midsize und Standard, kann also Mini-DV-Bänder ebenso aufnehmen wie die großen DV-Kassetten — und sogar die ausschließlich von Panasonic bei DVCPRO genutzte mittlere Kassettengröße zieht der HVR-1500 klaglos in seinen Schacht.

Der erste Eindruck ist also, dass der HVR-1500 das Gerät ist, auf das viele Anwender schon lange warten: Eine Allzweckwaffe, mit der sich alle DV- und HDV-Aufnahmen wiedergeben lassen. Diese Vorstellung kann der HVR-1500 aber leider nicht erfüllen. Er ist nicht der Universal-Player für DV-Kassetten, der auf dem Markt noch fehlt.

Die Vielseitigkeit, die der Kassettenschacht verspricht, endet leider zu früh, wenn man in die Details geht: Wer auch beim Camcorder brav innerhalb der Sony-Familie geblieben ist, der kann alle seine DV- und HDV-Aufnahmen mit dem HVR-1500 abspielen. Zudem gehen auch noch DVCPRO-Aufnahmen mit 25 Mbps. Wer aber am Drehort Camcorder von JVC oder Canon eingesetzt hat, für den gilt das nur eingeschränkt oder gar nicht. Alles, was höhere Datenraten als 25 Mbps aufweist, bleibt ebenfalls außen vor: Mit DVCPRO50 und DVCPROHD kann der Recorder nichts anfangen.

Im Detail sieht es so aus: Der HVR-1500 kann wahlweise in den Formaten DV, DVCAM oder 1080i-HDV aufzeichnen. Mit dem Recorder selbst oder anderen Sony-Geräten bespielte Bänder kann er auch wiedergeben, gleichgültig ob es sich um 50i oder 60i-Aufnahmen handelt — mit einer Ausnahme: Bei DV-Bändern, die im LP-Modus bespielt wurden, verweigert der HVR-1500 den Dienst. Mit 25 Mbps bespielte DVCPRO-Bänder kann der Recorder abspielen, aber nicht für die Aufnahme verwenden.

Komplizierter wird es, wenn die anderen Varianten von HDV ins Spiel kommen. 720p-HDV kann der Recorder nur wiedergeben, wenn mit 30 Vollbildern gearbeitet wurde, was in Europa eher selten der Fall sein wird. Andere Frame-Raten wie 25p oder 50p beherrscht der HVR-1500 nicht und verweigert den Dienst, wenn solche Aufnahmen eingelegt werden. De facto ist die 720p-Wiedergabe-Fähigkeit des Recorders damit im europäischen Markt wertlos.

Weitere Stolperfallen tun sich im Audiobereich auf: Wer beispielsweise mit einem Canon-Camcorder im HDV-Modus vier Audiokanäle aufgezeichnet hat, kann sie mit dem HVR-1500 nicht wiedergeben, denn die HDV-Audioaufnahme und -wiedergabe ist beim 1500er generell nur im Zweikanal-Betrieb möglich.

Eine nicht dokumentierte Funktion des HVR-1500 fanden die Tester im Zusammenspiel mit Canon-Bändern: Legt man Aufnahmen ein, die in Canons 25f-Modus gemacht wurden, dann meldet der HVR-1500 auf dem Display, er könne diese Aufnahmen nicht abspielen, über die HD-SDI-Buchse gibt er aber ein Signal ab, das zumindest im Test auf dem angeschlossenen Monitor störungsfrei dargestellt wurde.

Generell gilt beim HVR-1500 in der Grundausstattung, dass das ausgegebene Signal dem auf der Kassette gespeicherten entspricht: Legt man eine SD-Kassette ein, ist dem Gerät auch kein hochkonvertiertes HD-Signal zu entlocken. Ein Konverter-Board, das die Funktionalität in diesem Bereich erweitert, bietet Sony als Option an.

Ausstattung und Bedienung

Die Front des HVR-1500 ist so aufgebaut und gegliedert, dass sich Profis schnell zurechtfinden: In der Mitte hat Sony das Farb-Display untergebracht. Der 16:9-Schirm verfügt über eine Diagonale von 2,7 Zoll (knapp 7 cm). Die Bildqualität erreicht bei weitem kein HD-Niveau, aber den Minimonitor am Recorder braucht man ja nicht zum Scharfstellen — und zur Qualitätskontrolle ist er ohnehin zu klein. Aber immerhin informiert er den Nutzer über den Gerätestatus und man kann ohne weiteres Equipment auf einen Blick direkt am Gerät sehen, wo das Band steht, sowie ob und welches Bild gerade ausgegeben wird. Das Display punktet aber noch mit weiteren positiven Aspekten: So lassen sich zusätzlich zum Bild auch die Audiopegel der beiden Tonkanäle sowie der aktuelle Timecode einblenden. In einer weiteren Ansicht sind Audiopegel, Timecode und Anschlussschema zu sehen. Dank dieser flexiblen Möglichkeiten wird das Display zu einem nützlichen Werkzeug. Gerade da, wo es beengt zugeht, oder im mobilen Einsatz unter wechselnden Bedingungen ist der integrierte Bildschirm ein klarer Vorteil.

Um das Display herum sind die Tasten untergebracht, thematisch sortiert. Direkt unter dem Farbschirm sind beispielweise die Laufwerktasten angeordnet, rechterhand befinden sich die Menü- und Cursor-Tasten, mit denen sich die Einstellungen im Menü vornehmen lassen.

LEDs signalisieren, ob gerade HDV-, DV- oder DVCAM-Material wiedergegeben wird und geben in Kombination mit dem Kontroll-Display einen schnellen Statusüberblick. Links vom Display lässt sich auswählen, welcher Signaleingang aktiv ist, zudem ist es an dieser Stelle auch möglich, die Audiokanäle mit den allerdings etwas wackeligen Pegelstellern zu regeln.

Die Umspulzeiten des Recorders fielen im Gegensatz zu anderen Aspekten des Geräts sehr positiv auf: Der Recorder braucht nur etwas über eine halbe Minute, um ein 63-Minuten-HDV-Band von Anfang bis zum Ende zu spulen. Zum Vergleich: Der Sony-HDV-Recorder M10 (Test hier) mühte sich mit dieser Aufgabe knapp drei Minuten ab und der HDV-Recorder M25 (Test hier) brauchte immerhin noch rund eine Minute.

Ebenfalls gut: Der Recorder ist mit I/Os für Timecode ausgerüstet und kann auch über Referenz-Buchsen extern getaktet werden. Wie bei Profirecordern üblich, lässt sich auch der Startwert des Timecodes eingeben und bei interner TC-Generierung auswählen, ob der Timecode nur während der Aufzeichnung oder permanent weiterzählen soll (Record Run, Free Run).

Schnittstellen

In der Grundausstattung bietet der HVR-1500 Ein- und Ausgänge für Firewire– und SD-SDI sowie Ausgänge für Y/C-, FBAS– und SD/HD-Komponentensignale. Außerdem verfügt der Recorder über einen HD-SDI-Ausgang, der allerdings nur ein Signal ausgibt, wenn ein HDV-Band wiedergegeben wird. Ein HD-SDI-Eingang ist nicht vorhanden und er lässt sich auch nicht optional nachrüsten. Über die eingebaute RS-422-Schnittstelle ist es möglich, den Recorder auch in lineare Schnittumgebungen oder Fernsteuersysteme zu integrieren.

Sony bietet für den HVR-1500 weitere Optionen an: Das Board HVBK-1505 bringt beim Bild Eingänge für analoge SD-Komponenten-, FBAS- und Y/C-Signale mit, für den Ton stehen zwei symmetrische Audio-Eingänge (XLR) zur Verfügung. Das Board HVBK-1520 hingegen ermöglicht die Up-Konvertierung von SD-Signalen in 1.080i oder 720p-Signale.

Einen DVI– oder HDMI-Anschluss hat der HVR-1500 leider nicht zu bieten – auch nicht optional.

Besonderheiten

Der HVR-1500 verfügt wie auch viele aktuelle Profi-Camcorder über eine Assign-Taste, der sich je nach Wunsch des Anwenders eine bestimmte Menüseite zuweisen lässt, die man besonders häufig braucht. Drückt man die Taste, springt das Display direkt auf die vorgewählte Menüseite und man spart sich das teilweise umständliche und mühsame Durchhangeln, bis man im Menübaum die passende Seite gefunden hat. Das ist eine nützliche Sache und spart viel Zeit beim Bedienen des Geräts.

Eine schöne Möglichkeit des HVR-1500 besteht darin, dass man ankommende Audiosignale auf verschiedenste Art auf die Aufzeichnungskanäle verteilen kann. Der Recorder zeigt das im Display dann auch entsprechend an.

Dank der Repeat-Funktion lässt sich Recorder auch als Präsentationsgerät nutzen. Den HVR-1500 dafür zu verwenden, ist zwar letzlich eine teure, weil verschleißbehaftete Sache, aber es kann auch heute noch immer mal der Fall auftreten, dass man den Recorder für Präsentationen nutzt. Dann ist die automatische Wiedergabe, die sich übrigens auch auf eine bestimmte Bandpassage einstellen lässt, ganz hilfreich.

Für einfaches 1:1-Kopieren bietet der HVR-1500 eine Dub-Funktion, wie man sie von anderen Recordern seiner Bauart kennt

Der Lüfter des HVR-1500 ist unverhältnismäßig laut, er lärmt und dröhnt so, dass man erst gar nicht glauben will, dass dieser Krach aus einem so kleinen Recorder kommen kann. Der Recorder gehört also eher in einen Maschinenraum oder hinter die Kulissen, als auf den Schreibtisch.

HDV-Bänder linear schneiden, das geht mit dem HVR-1500 nicht. Versucht man es, quittiert der Recorder das mit der Auskunft »No Edit«. Im HDV-Bereich kann der HVR-1500 also lediglich als Player oder Dub-Recorder verwendet werden, zum Editing-Recorder taugt er nicht. Im DVCAM-Format dagegen erlaubt der Recorder den linearen Videoschnitt nach alter Väter Sitte — nicht nur auf der Player-, sondern auch auf der Recorder-Seite.

Fazit

Der HVR-1500 ist ein kompakter Recorder, der sich leicht bedienen lässt und mit seinem Display punkten kann. Doch leider gibt es bei dem Gerät zu viele Einschränkungen hinsichtlich der Formate, die sich aufzeichnen und wiedergeben lassen. Ein echter Problemlöser ist der Recorder leider nicht, denn für die Anwender wäre ein Gerät sehr viel wertvoller, das alles, was an Videosignalen auf DV-Kassetten gespeichert werden kann, auch wiedergibt. Natürlich ist das eine technische Herausforderung für die Konstrukteure, aber ein solches Gerät wäre auch gleichzeitig eine kleine Wiedergutmachung dafür, was die Hersteller den Kunden durch das heutige Formatchaos angetan haben. In seiner momentanen Funktionalität spiegelt der HVR-1500 dagegen die verworrene Formatsituation wieder. Außerdem hat der Recorder mit 7.300 Euro aus Sicht der Tester einen stattlichen Netto-Listenpreis, für den man sich ganz sicher mehr Funktionalität wünschen würde.

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Autor
red
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