Kamera: 16.01.2009

Neue Infos und Bilder zum GY-HM100 und GY-HM700 von JVC

Zur IBC2008 angekündigt, meldet sich JVC nun gleich mit zwei neuen Bandlos-Camcordern für den Profimarkt zurück: Der kompakte Handheld-Camcorder GY-HM100 wie auch der Schultercamcorder GY-HM700 zeichnen auf SDHC-Speicherkarten auf und sollen innerhalb der kommenden Monate verfügbar werden.

Den Trend zum Speicherchip-Camcorder will auch JVC nicht länger ignorieren, das gab der Hersteller schon zu IBC2008 bekannt und zeigte dort in Vitrinen erste Designmuster eines Dockrecorders für SxS-Speicherkarten, der in XDCAM EX aufzeichnet, und eines kleineren HD-Handhelds (IBC-Videoreport), der mit SD-Speicherkarten arbeiten sollte (News). Dieser Tage verkündete das Unternehmen zunächst in den USA und nun auch in Europa Infos zu gleich zwei neuen Camcordern, die mit SD-Speicherkarten arbeiten: zum kompakten, während der IBC angekündigten Handheld GY-HM100 und zum Schultercamcorder GY-HM700.

JVC GY-HM100

Schon während der IBC2008 hatte der Hersteller ja eine erste Produktstudie in einer Vitrine gezeigt, aber noch keine Detailinfos gegeben. Nun ist der GY-HM100 schon als Prototyp zu sehen. Die Besonderheit des HM100: Er zeichnet ausschließlich in HD auf zwei SDHC-Speicherkarten auf — besitzt also kein Bandlaufwerk mehr. Außerdem steht hierfür — und das ist ein besonderer Knaller — ein Format zur Verfügung, das mit dem populären Apple-Programm Final Cut Pro (FCP) direkt verarbeitet werden kann: ohne Import, ohne Formatwandlung. Damit löst JVC ein branchenweites Problem, unter dem der Hersteller selbst in der Vergangenheit besonders gelitten hatte: Mit dem neuen bandlosen JVC-Camcorder gibt es einen einfachen, schnellen und reibungslosen Weg von der Aufnahme in die Nachbearbeitung.

»Wir haben bei JVC ganz bewusst auf ein weit verbreitetes Standard-Medium gesetzt und schlagen die direkte Brücke zum überaus erfolgreichen Schnittprogramm von Apple«, erklärt Semir Nouri von JVC. Demnach soll es möglich sein, von Final Cut Pro aus direkt auf die im Quicktime-Format als Mov-Files gespeicherten Aufnahmen auf den SD-Karten zuzugreifen. Als zweites Aufnahmeformat soll MXF als Wrapper zur Verfügung stehen, in dem sich MPEG-2-Daten in Long-GoP-Kodierung befinden: Das bedeutet — je nach gewählter Auflösung — HDV– und XDCAM-EX-Kompatibilität. Damit ist ganz nebenbei ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit zwischen Format, Codec und Aufzeichnungsmedium getan.

Es ist mit dem neuen Camcorder laut Hersteller aber nicht mehr möglich, in einem SD-Format etwa mittels DV-Codec aufzuzeichnen, vorgesehen ist beim HM100 ausschließlich die Aufzeichnung in HD. In der Entscheidung für die SDHC-Karten sieht JVC auch in puncto Betriebskosten einen zentralen Punkt: Man habe sich bewusst für ein Speichermedium entschieden, das auf breiter Basis etabliert und zu sehr günstigen Preisen verfügbar sei, erklärt Semir Nouri, Product Manager Europe bei JVC.

Die Aufzeichnung in HD bietet der GY-HM100 in ganz unterschiedlichen Rastern und Frame-Raten an:
– 1.920 x 1.080 (1080p24/25/30, 1080i) mit Datenraten von 19 und 35 Mbps
– 1.280 x 720 (720p60/50/30/25/24) mit Datenraten von 19 und 35 Mbps
– 1.440 x 1.080 (1080i50,60) mit Datenraten von 25 Mbps (entspricht den HDV-Eckdaten)

Die Daten in diesen Rastern können laut JVC, wie schon erwähnt, entweder nativ im Quicktime-Format oder als Long-GoP-MPEG-Bildfolgen gespeichert werden. Ist letzteres der Fall, entspricht das letztlich dem, was auch Sonys XDCAM EX-Camcorder EX1 und EX3 aufzeichnen. Die zuletzt genannte Auflösungsstufe entspricht dagegen den Eckdaten von HDV.

Der Anwender muss laut JVC vor dem Aufzeichnen lediglich das gewünschte Format im Menü auswählen (MOV oder MXF), dann lassen sich im Fall von Quicktime die Files direkt und ohne zusätzlich Umkodierung in Final Cut Pro bearbeiten. Im Fall von MXF lassen sich die Daten in ein andere Schnittsysteme importieren, ganz so, wie es derzeit mit Material von Sonys EX1/EX3-Camcorder praktiziert wird.

Sensor und Objektiv

Viele der neuen Camcorder im Einsteiger-Profisegment sind mit CMOS-Sensoren ausgerüstet. JVC vertritt allerdings die Meinung, dass die CMOS-Technologie bei 3-Chip-Camcordern — anders als bei Single-Sensor-Geräten — noch nicht genügend Vorteile bietet, um CCD-Sensoren abzulösen. Aus diesem Grund habe man sich auch bei den neuen Camcorder für CCD-Sensoren entschieden, so Semir Nouri. So ist der GY-HM100 mit drei 1/4-Zoll-CCDs in Pixelshift-Technologie ausgerüstet. Weitere Angaben zu den Sensoren macht JVC derzeit noch nicht.

Beim Objektiv hat sich JVC erneut für Fujinon entschieden und eine 10fach-HD-Zoom dieses Herstellers eingebaut. Das Objektiv zeichnet sich durch seine kompakten Baumaße aus, drei asphärische Elemente wurden laut Hersteller so kombiniert, dass das Objektiv möglichst leicht und kompakt ist. Weiter sei die Oberfläche mit einem speziellen Beschichtung behandelt, die Lens-Flare-Effekte und Ghosting reduzieren soll.

Der Fokus lässt sich am Objektiv manuell oder auch automatisch regeln — aber immer über Stellmotoren. Per Switch-Schalter kann über den Objektivring auch die Brennweite geregelt werden.

Audio

Den Ton zeichnet der Camcorder laut Hersteller unkomprimiert in zwei Kanälen auf (LPCM), und zwar mit 16 Bit Quantisierung und 48 kHz Samplingrate. Wahlweise kann mit dem eingebauten Stereomikrofon gearbeitet werden oder mit einem externen Mikro, das sich bei aufgesetztem Handgriff an die dort integrierten XLR-Buchsen anschließen lässt (inklusive Phantomspeisung). Der Audiopart des Camcorders lässt sich mit dem Handgriff komplett abnehmen — etwa dann, wenn unauffällig gedreht werden soll, erläutert Semir Nouri und ergänzt, dass der abnehmbare Audiopart per Multicore-Kabel angeschlossen wird und bis in die Kamera symmetrisch ausgeführt sei. Weiter ist es möglich, den Ton individuell zu pegeln und dem gewünschten Kanal zuzuordnen, auch eine automatische Pegelung per AGC ist vorgesehen.

Ausstattung, Bedienung

Mit rund 1,4 kg Gesamtgewicht inklusive Handgriff, ist der GY-HM100 derzeit wahrscheinlich der leichteste Camcorder mit XLR-Anschlüssen.

Ein erster Blick auf den Camcorder zeigt, dass sich JVC bemüht hat, den GY-HM100 so zu gestalten, dass sich Profis damit schnell zurechtfinden: Vorne am Objektiv finden sich Regler für Gain und Weißabgleich, und auch ein einstufiger ND-Filter ist eingebaut.

Mit einer speziellen Focus-Assist-Funktion will JVC den Kameraleuten helfen, auch in der HD-Welt mit Kompakt-Camcordern und kleinen Displays die Schärfe optimal zu treffen. Ist Focus Assist aktiviert, stellt der Camcorder das Bild im Display oder Sucher monochrom dar und hebt die Kanten der Bildteile farbig hervor, auf denen die Schärfe liegt. Diese nützliche Funktion kann man auch auf einen von drei User-Buttons legen.

Der HM100 verfügt neben Zebra über eine Knie-Funktion, die sich ebenso anpassen lässt, wie Detail, Farbmatrix und Gain. Eine interessante Möglichkeit hat JVC auch für die Gamma-Einstellung vorgesehen: Passt man die Gradation an, ist das Ergebnis direkt im Display sichtbar: immerhin ein erster Indikator für die Auswirkungen der jeweiligen Einstellung.

Zwei Slots stehen für die Speichermedien zur Verfügung, man kann also zwei SDHC-Speicherkarten einlegen, die der Klasse 6 dieses Speichermediums entsprechen müssen. Auf eine 16-GB-Speicherkarte passen in der höchsten Qualitätsstufe des Camcorders rund 53 Minuten Bild und Ton. Über die USB-2.0-Schnittstelle werden die beiden Karten im Camcorder als separate Laufwerke angezeigt. Bei der Aufzeichnung auf die beiden Speicherkarten gibt es beim HD100 aber eine Einschränkung: Ist eine der Karten voll und soll durch eine leere Karte ersetzt werden, muss zum Wechseln die Pause-Taste gedrückt werden. Damit ist keine kontinuierliche Aufzeichnung über das Speichervolumen einer Karte hinaus möglich. Was aber laut Hersteller geht, ist Continuous-Clip-Recording: darunter versteht JVC, das auf Wusnch nicht bei jedem Aufnahme-Start/Stopp ein neuer Clip generiert wird, sondern dass aus den einzelnen Takes ein gemeinsamer Clip mit der maximalen Größe von 4 GB generiert wird.

Anschlüsse, Akku

Der GY-HM100 kann Bild und Ton wahlweise über HDMI-, einen analogen Komponentenanschluss oder eine anloge AV-Buchse ausgeben. Für den Komponentenausgang steht eine Konvertierungsmöglichkeit bereit, als Ausgangssignal des Camcorders kann also an dieser Buchse etwas anderes eingestellt werden, als das zuvor eingestellte Aufzeichnungsformat. Einen IEEE-1394-Ausgang gibt es nicht.

JVC liefert dem GY-HM100 mit einem neuen, eigenentwickelten Akkusystem aus, ein Akku soll für bis zu zwei Stunden Aufzeichnung ausreichen. Ein separates Ladegerät für den Akku liege dem Camcorder bei der Auslieferung bei, so JVC. Der Hersteller will den Camcorder ab April/Mai 2009 ausliefern, derzeit nennt JVC einen ungefähren Netto-Verkaufspreis von rund 3.200 Euro.

GY-HM700

Mit dem GY-HM700 stellt JVC auch gleich noch einen passenden neuen Schultercamcorder vor, der erstmals zur ISE in Amsterdam in der Öffentlichkeit gezeigt werden soll. Er werde unter vier Kilogramm schwer sein, mit 1/3-Zoll-CCD-Sensoren und einem Canon-14fach-Wechselobjektiv bestückt sein, gibt JVC bekannt. Weiter hebt der Hersteller an diesem Gerät einen neuen LCOS-Viewfinder sowie ein großes Ausklapp-LC-Display hervor. Außerdem soll dieser Camcorder im Unterschied zum HM100 einen HD-SDI-Ausgang bieten und die Möglichkeit zur SD-Down-Konvertierung über ein IEEE-1394-Interface mitbringen.

Weiter sei es möglich, an den 700er auch den zur IBC2008 angekündigten SxS-Recorder KA-MR100G anzudocken. Der HM700 kann damit wahlweise oder parallel auf SD-Speicherkarten und SxS-Speichersticks aufnehmen. Ebenso wird es laut JVC auch möglich sein, den Diskrecorder MR-HD200 anzudocken. Ist er angebracht, kann der Camcorder damit nicht nur in HD, sondern auch in SD aufzeichnen. Dem Anwender eröffnen sich damit innerhalb der JVC-Produktfamilie viele Möglichkeiten, sich für das Speichermedium und die Auflösung seiner Wahl zu auszurüsten.

Der größere Schultercamcorder GY-HM700 soll im Unterschied zum kleineren HM100 auch die Funktionalität mitbringen, bei weiterhin laufender Aufzeichnung eine der beiden SDHC-Speicherkarten zu wechseln: Dadurch werden unterbrechungsfreie Mitschnitte von Ereignissen möglich, die länger laufen, als die Kapazität zweier Speicherkarten fassen könnte.

JVC will den Schulter-Camcorder GY-HM700 schon vor dem HM100 in den Handel bringen und ab März 2009 ausliefern. Einen Preis nennt der Hersteller aber noch nicht.

Postproduction-Workflow als Erfolgsfaktor

Sehr viel Wert legte man bei den neuen Camcordern von JVC darauf, einen vollständigen, einfachen, bandlosen Workflow bieten zu können, so Semir Nouri. Aus diesem Grund habe man von Anfang an eng mit NLE-Herstellern zusammengearbeitet, allen voran mit Apple, aber auch mit anderen. Offenbar hat JVC aus den Problemen gelernt, die man mit dem HDV-Camcorder GY-HD100 hatte: dieser Camcorder zeichnete für damalige Verhältnisse in beeindruckender Qualität mit 720p-Auflösung und 25 Vollbildern auf, aber es gab seinerzeit kein Schnittsystem, das diese Aufnahmen hätte direkt verarbeiten können. Beim neuen Handheld- wie auch beim Schulter-Camcorder ist das nun anders: Die Postproduktionswege sind klar vorgezeichnet und auch verfügbar.

Wie funktioniert der File-Transfer von den neuen JVC-Camcordern ins Schnittsystem? Wahlweise lassen sich die Files von den SDHC-Karten über USB-Kabel vom angeschlossenen Kartenleser oder Camcorder ins Schnittsystem transferieren. Bei Rechnern mit integrierten SDHC-Slot funktioniert der Transfer natürlich auch direkt nach dem Einschieben der Karte in den Slot.

Autor
red

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