Kamera, Test, Top-Story: 17.05.2011

Praxistest: Panasonic-Fotoapparat GH2 als HD-Camcorder?

Panasonics Fotoapparat Lumix GH2 ist mit dem gleichen Sensor bestückt, wie der Panasonic-Camcorder AG-AF101. Die GH2 erlaubt also das Filmen mit geringer Schärfentiefe und ermöglicht so »Filmlook«. Ist die Fotokamera damit tatsächlich eine kostengünstige Alternative zum AF101? Ein Erfahrungsbericht.

Der Fotoapparat GH2 von Panasonic gilt in Fotokreisen als »Systemkamera«: Ein Gerät mit etwas höherem Anspruch, aber ohne den Klappspiegel einer digitalen DSLR. Als Sensor hat Panasonic der GH2 den gleichen 4/3-Zoll-CMOS-Bildwandler eingebaut, der auch im Camcorder AG-AF101 seinen Dienst verrichtet. Somit kann der Fotoapparat auch HD-Videos mit geringer Schärfentiefe und »filmischem« Look aufzeichnen. Außerdem ist ein Micro-4/3-Wechselanschluss integriert, der — direkt oder via Adapter — den Einsatz zahlreicher Foto- und Filmobjektive ermöglicht und somit weitere Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Über die grundlegenden Vor- und Nachteile beim Einsatz von Fotokameras für die Videoaufzeichnung wurde schon viel diskutiert und geschrieben. In der Praxis geht es am Ende des Tages immer um die Frage, ob das Equipment für den jeweiligen Einsatz passt, welche Eigenschaften für den Dreh erwünscht und erforderlich sind, sowie welches Budget dafür zur Verfügung steht. Daraus folgt, ob das Drehen mit einer Fotokamera Sinn ergibt — oder eben nicht.

Dieser Beitrag will nicht erneut die Grundsatzdiskussion führen, sondern aus praktischer Sicht klären, welche Vor- und Nachteile die GH2 bietet: Ist der Fotoapparat eine Alternative zum AG-AF101? Für welche Zwecke eignet er sich?

Die Handhabung

Bauform und -größe einer Fotokamera gehören zu den großen Kritikpunkten an DSLR- und Systemkameras im Videoeinsatz.

Wer allerdings die GH2 mit den kompakteren Optiken von Panasonic, Olympus oder Voigtländer einsetzt, empfindet die Form und Größe gar nicht unbedingt als Nachteil, denn mit diesen Optiken ist die GH2 ein echtes Leichtgewicht und kann dadurch mit sehr viel weniger Problemen auch längere Zeit in der Hand geführt werden, als etwa ein HVX171 von Panasonic oder eine EX1 von Sony, die beide für längere Drehs aus der Hand im Grunde zu schwer und falsch ausbalanciert sind. Im Vergleich zu Canons 5D oder 7D liegt Panasonics GH2 aber nicht ganz so gut in der Hand und ist vielleicht auch doch einen Tick zu klein und zu leicht.

Beim Einsatz schwererer Objektive, etwa im Verbund aus GH2 und Zeiss Compact Primes, ist das Gewicht der Objektive für die GH2 eigentlich zu schwer: Es ist dann eher so, dass die Kamera am Objektiv montiert wird, als umgekehrt. In diesen Fällen muss man sich Gedanken über ein Rig oder ein Stützsystem machen, um das Ganze wieder ergonomischer und praktischer zu gestalten. Der Zubehörmarkt bietet hier reichlich Auswahl und eröffnet unterschiedliche Optionen. Irgendwann kann das Ganze aber auch ins Absurde kippen: Wenn Preis- und Größenvorteil der Fotokamera durch das Zusatz-Equipment überkompensiert und obsolet werden.

Mit Ergonomieaspekten kämpft man allerdings auch beim Dreh mit einem AG-AF101: Dieser Camcorder lässt sich ebenfalls nicht besonders gut aus der Hand führen und ganz ohne Rig eignet er sich auch nicht für den Schultereinsatz.

Die GH2 ist schon besser auf den Einsatz als Videokamera getrimmt, als viele andere DSLR-Kameras: Ein zusätzlicher, separater Videomodus und eine entsprechende Aufnahmetaste, bieten jederzeit schnellen Zugriff auf die Bewegtbildfunktionen. Außerdem gibt es drei belegbare Tasten.

Eine Fingerübung bleibt die Bedienung aber dennoch: Das sehr kleine Gehäuse ist vollgepackt mit Schaltelementen und durch die Vielzahl der Elemente muss man sehr gut mit der Bedienung vertraut sein, wenn man schnell und effektiv mit der GH2 drehen will. Auch das Menü will sorgfältig studiert sein, bevor man loslegen kann. Aus der Sicht eines professionellen Camcorder-Anwenders glt: Nichts ist da, wo man es gewohnt ist, das Einstellmenü bietet noch mehr Optionen als man sie aus dem Camcorder-Bereich kennt, diese werden auf einer schier endlos scheinenden Zahl von Seiten dargestellt. Die Bedienung über das Touchpanel ist dabei oft schneller, als über die Menütasten, bringt aber Fingerabdrücke auf dem Display mit sich.

Ungewohnt ist auch die kryptische Nomenklatur im Hauptmenü: Klarheit geht anders, vieles muss auch der geübte Videoanwender im Handbuch nachschlagen. Wenigstens finden sich die wichtigsten Funktionen wie etwa Farbtemperatur, Iso-Farbdarstellung oder Bilddynamik in einem Quick-Menü, das etwas übersichtlicher und schneller bedienbar ist, als der Rest der Einstellmenüs. In der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen,  dieses Menü zum Einstellen in den Bereichen Lichtempfindlichkeit und Weißabgleich zu verwenden. Blende und Verschlusszeit hingegen können angenehmer über ein Drehrad eingestellt werden, wobei man per Tastendruck zwischen diesen beiden Funktionen wechseln kann. Im laufenden Aufnahmebetrieb können so Blende und Verschlusszeit noch ganz passabel eingestellt und korrigiert werden, Isowert und Weißabgleich sind dann hingegen nur noch schlecht zu verändern — aber das ist ja normalerweise während der Aufanhme auch nicht notwendig.

Weitere wichtige Einstelllungen werden am besten über das Schnellmenü via Touchscreen eingestellt. Funktionen wie die Display-Helligkeit und Digitalzoom können auf die drei Funktionstasten gelegt werden. Die Ausschnittsvergrößerung zur Beurteilung der Schärfe legt man am besten ebenfalls auf eine Funktionstaste. Bei Objektiven, die auch elektronisch Kontakt mit der Kamera aufnehmen, kann als Scharfstellhilfe der Bildausschnitt automatisch vergrößert dargestellt werden, sobald man am Schärferad dreht. Diese automatische Vergrößerung ist recht gut gelöst, denn man kann zusätzlich auf dem Touchscreen den Bereich auswählen, der vergrößert dargestellt werden soll und diesen merkt sich die Kamera dann bis zum nächsten Verstellen. Tippt man die Fototaste kurz an, verschwindet die Ausschnittsvergrößerung sofort. Während der laufenden Aufzeichnung funktioniert diese Scharfstellhilfe allerdings nicht.

Beim Einsatz manueller Objektive ist es dagegen hilfreich, die Bildausschnittsvergößerung auf eine der besagten Funktionstasten zu legen.

Das Einstellen der Schärfe bleibt auch bei der GH2 einer der kritischen Punkte, gerade wenn man die Kamera als Reportagekamera einsetzt. Hier ist ein zweiter Monitor mit Peaking und Pixel-to-Pixel Mapping eine sinnvolle, fast unabdingbare Ergänzung, um parallel den Bildausschnitt mit dem Display und die Schärfe mit dem externen Monitor beurteilen zu können.

Der Autofokus pumpt in viele Fällen, ist aber ohnehin kein ernsthaftes Feature bei einer solchen Kamera, die ihre Stärken eher beim szenischen Arbeiten ausspielen kann. Wer eine Kamera mit gutem Autofokus und größerer Scharfentiefe benötigt, weil er unvorhersehbare Szenen aufnehmen will, der sollte auf den Einsatz einer Fotokamera mit großem Sensor ohnehin verzichten. Auch der Touch-Autofokus pumpt bei geringem Licht ziemlich stark, bei guten Lichtverhältnissen und nicht all zu langen Brennweiten kann man damit aber einigermaßen brauchbare Schärfeverlagerungen hinbekommen. Sinnvoll einsetzen kann man den Touch-Autofokus allerdings nur beim Dreh mit Stativ — ansonsten wird die Kameraführung zu instabil.

Ein richtiges Manko beim Drehen mit der GH2 ist die Position des Akkus: bei montierter Stativplatte kommt man ans Akkufach nicht ran, was den Akkuwechsel erschwert und die dafür erforderliche Zeitspanne verlängert.

Ausgang und Display

Der Sucher ist wie bei jeder Fotokamera fest eingebaut, lässt sich also nicht bewegen oder verstellen. Die GH2 kompensiert das zumindest teilweise durch ihr drehbares Display, das um einiges besser ist, als bei den Panasonic-Camcordern HVX200, HPX171 oder HPX500. Im Allgemeinen kann man damit die Schärfe ganz gut beurteilen. Die Farbdarstellung ist etwas beschönigend, aber immer noch besser als bei den meisten Camcordern, die es in dieser Preisklasse auf dem Markt gibt.

Ein großer Vorteil der GH2 gegenüber den Canon-DSLRs 7D und 5D besteht darin, dass sich das Display vollständig von allen Anzeigen befreien lässt, sodass das Signal, das über den HDMI-Ausgang ausgegeben wird, auch tatsächlich aufgenommen werden kann. Selbst wenn man gerade aufzeichnet und bei der GH2 das Aufnahmesymbol im Display zu sehen ist, gibt die Kamera dieses Symbol nicht über HDMI aus – also ist eine parallele Aufzeichnung möglich. Die Ausgabe erfolgt tatsächlich in voller Auflösung mit 1080i50. Mit einem angeschlossenem HDMI-Kabel gibt es allerdings Einschränkungen: Bei Fotos wird das Bild beispielsweise immer nur 16:9 aufgenommen, und der erweiterte Telebereich kann dann nicht verwendet werden.

Ton

Große Nachteile gegenüber Camcordern weisen Fotokameras in der Regel bei der Tonaufzeichnung auf. Das interne Mikrofon ist häufig nicht einmal für Atmos zu gebrauchen — auch die GH2 bildet hier keine Ausnahme. Bei der GH2 lässt sich der Ton nur in vier Pegelstufen regeln und man hat beim Dreh keine verlässliche Aussage über die tatsächliche Lautstärke, weil man den Ton während der Aufnahme nicht abhören kann. Phantomspeisung ist nicht vorgesehen, obendrein verwendet Panasonic einen 2,5- und keinen 3,5-mm-Klinkeneingang für externe Mikros. Das erschwert den Einsatz externer Hardware zusätzlich.

Ein externer Rekorder ist für vernünftige Tonaufnahmen Pflicht — der Ton wird also separat aufgezeichnet und im Schnitt angelegt. Die Aufzeichnung mit externem Recorder kann im Einmann-Betrieb etwas mühsam sein, also muss man sich, um das Ganze einigermaßen bedienbar zu machen, mit weiterem Zubehör behelfen: Eine Foto-Winkelschiene mit einem zusätzlichen Blitzschuh bietet eine Möglichkeit, den Audiorecorder etwas vom Kameragehäuse zu entkoppeln — zudem sorgt sie dafür, dass man die GH2 auch nach wie vor ganz gut bedienen kann. Weiterer Vorteil dieser Lösung: der zweite Blitzschuh bleibt für einen Monitor oder eine Kameraleuchte frei.

Ein anderes Problem besteht darin, dass für den Eingang der GH2 nur Mic-Pegel vorgesehen ist, sodass bei Einsatz eines externen Recorders wie dem Tascam DR-100 oder dem Zoom 4R der Pegel erst von Line- auf Mic-Level reduziert  werden muss. Externe Audiorecorder geben aber in der Regel nur Line-Pegel aus. Wer also den Ton aus einem externen Recorder in die Kamera weiterleiten will, weil er sich das Anlegen des Tons beim Schnitt ersparen oder vereinfachen will, der muss sich ein entsprechendes Kabel löten (lassen), bei dem die Dämpfung über einen Widerstand in den Steckern erzielt wird. Alternative: Die US-Firma Sescom bietet mehrere Kabel für DSLRs an, für die GH2 gibt es eines, das sich fürs Zusammenspiel mit dem Zoom H4N eignen soll.

Eine andere Lösung für den Einmann-Betrieb ist ein zusätzlicher Audioadapter – beispielsweise der BeachTek DXA-5D. Er wird unter der Kamera befestigt und bietet zwei XLR-Eingänge, einen regelbaren Kopfhörerausgang und die Möglichkeit, sowohl mit Line-, wie mit Mikrofon-Pegel in die Kamera zu gehen. Bei diesem Setup gibt es allerdings das Problem, dass man das BeachTek-Zusatzgehäuse jedes mal entfernen muss, wenn man den Akku wechseln will, zudem ist es relativ groß und erschwert das Halten der Kamera.

Aus dem Audioaspekt betrachtet, ist der Dreh mit dem AG-AF101 natürlich deutlich einfacher, weil der Camcorder alle professionellen Tonfunktionen wie XLR-Eingänge und Phantomspeisung bietet — allerdings zeichnet auch der AF101 nur zwei Kanäle auf.

Auswahl an Optiken für die GH2

Der große Vorteil des Micro-4/3-Wechselobjektivanschluss (MFT) besteht darin, dass es direkt und via Adapter den Einsatz zahlreicher Objektive ermöglicht. Panasonic selbst bietet zwar nur eine überschaubare Menge an Objektiven an: Die flachen Pancake-Objektive eignen sich für den szenischen Einsatz nur wenig, da es aufgrund ihrer Bauart kaum möglich ist, eine Schärfebedienung anzubringen. Für Reportage-Einsätze hat Panasonic jedoch zwei recht gute Objektive im Programm: Das 20-mm-Pancake-Objektiv H-H020E mit einer Blende von 1,7 und die Weitwinkeloptik H-F007014E. Letztere bietet einen Brennweitenbereich von 7 bis 14 mm bei Blende 4,0. Das Objektiv ist für seinen Preis und den Brennweitenbereich, den es abdeckt, aus Testersicht sensationell gut.

Beim Dreh mit der Lumix-Zoomoptik H-FS100300 (Brennweite 100 – 300 mm) überzeugt der gut funktionierende Bildstabilisator: selbst bei voller Telebrennweite kann man noch gut aus der Hand arbeiten. Zudem bietet der »erweiterte Telebereich« (sprich: Digitalzoom mit Bildausschnittsvergrößerung) den die GH2 bietet, nochmals eine Verlängerung der Brennweite um den Faktor 2,6. Dieser Modus bietet allerdings nicht die maximale Auflösung und auch nicht die gleiche, geringe Schärfentiefe, da es sich um einen Pixel-Crop auf dem Chip handelt.

Beim Einstellen der Schärfe mittels Schärferad waren die Panasonic-Optiken problemlos, allerdings gibt es keine Skalen, an denen man die Entfernung ablesen könnte und der Balken im Display kann lediglich als visuelle Hilfe, nicht aber als exakte Entfernungsangabe dienen. In der Praxis lässt sich damit trotz der Einschränkungen recht gut arbeiten.

Weitere Festbrennweiten für den MFT-Anschluss bieten Panasonic mit dem Leica H-ES045E an (Blende 2,8) und Voigtländer mit dem 25 mm Nokton-Objektiv (Blende 0,95). Letzteres ist das erste Voigtländer-Objektiv, das für den MFT-Standard entwickelt wurde

Der Four-Third-Standard, der im Grunde bis auf die Baugröße des Mounts identisch mit MFT ist und auf den man mit einem Zwischenring problemlos adaptieren kann, bietet eine noch größere Auswahl an Automatik-Objektiven von Olympus. Dieser Hersteller fertigt seit Jahren sehr hochwertige Foto-Objektive für diesen Mount. Bei den Optiken von Olympus muss man aber darauf achten, ob sie mit Ultraschall-Motor arbeiten oder nicht. Bei Optiken ohne Ultraschallmotor ist das Einstellen der Schärfe auch im manuellen Betrieb schon zu hören. Die Geräusche sind zwar leiser als so mancher Laptop, aber gerade bei leisen Passagen können die Geräusche beim Einstellen der Schärfe durchaus störend sein.

Das ist auch beim Olympus-Objektiv Zuiko Digital 35-100 mm so. Es bietet eine Lichtstärke von 2.0 und könnte mit seinem Preis von 2.500 Euro fast als Ersatz für Zeiss Compact Primes durchgehen, wenn da nicht die störenden Geräusche wären. Dank der Rippen kann es auch ohne Ring mit einer Schärfebedienung eingesetzt werden. Allerdings ist es so groß und schwer, dass es kaum noch ohne zusätzliche Stützmöglichkeiten eingesetzt werden kann.

Das Olympus 14-54 mm mit Ultraschall-Motor hingegen ist sehr viel leiser. Arbeitet man mit manuellem Zoom, ist es von der Geräuschentwicklung beim Zoomen und Scharfstellen mit der des Panasonic-Camcorders HVX171 vergleichbar: Leise aber hörbar.

Wer es bevorzugt, mit Festbrennweiten zu arbeiten, kann beispielweise den Leica-M-Adapter einsetzen, der es erlaubt, Leica M-Objektive am MFT-Mount der GH2 zu nutzen. Dann kann man etwa neben dem erwähnten Voigtländer 25-mm-Nokton-Objektiv, das ja ohne Adapter auf den GH2 passt, auch ein Nokton-35 mm-Objektiv mit Blende 1.2 und ein Nokton 50 mm mit Blende 1.1 einsetzen – und hat somit ein schönes Festbrennweiten-Set. Damit lässt sich sehr gut szenisch arbeiten, zudem liefern diese Optiken eine beeindruckende Bildqualität und kosten jeweils unter 1.000 Euro. Im Vergleich zu den Zeiss Compact Primes ist das sehr günstig

Bis zur Blende 2.8 zeigt das Voigtländer 25 mm zwar eine leichten Helligkeitsabfall zum Rand hin, aber der ist in den meisten Fällen hinnehmbar. Zudem kennt man das auch von den Objektiven etlicher Camcorder der Handheld-Klasse.

Verwendete Optiken im Überblick:

Film oder Foto-Objektiv?

Ein wichtiges Argument für den Einsatz echter Filmobjektive ist die mechanische Qualität der Bedienung und die höhere Anzahl an Blendenlamellen. Letztere erlauben ein schönes Bokeh, also einen gleichmäßigeren, schöneren Unschärfeverlauf — aber das hat auch seinen Preis: Filmobjektive, etwa Zeiss DigiPrimes, wird man als GH2-Anwender daher — wenn überhaupt — eher leihen als kaufen.

Wer überschaubare Beträge investieren will, wird eher bei Foto-Objektiven fündig, die sich in Bezug auf Schärfe und Bildqualität oft gar nicht hinter den Filmoptiken verstecken müssen, zumal Format und Auflösung der verwendeten Aufzeichnungsformate bei den DSLRs ohnehin Grenzen setzen.

Foto-Optiken können bei der Videoaufzeichnung allerdings aus zwei Gründen Probleme bereiten: Sie sind meist sehr laut, und der Verstellweg für die Schärfe ist zu kurz, um sie bei Schärfeverlagerungen punktgenau einstellen zu können. Außerdem sind keine Zoomfahrten möglich, was bei der szenischen Arbeit aber auch kaum gefragt ist. Mehr als ein Reißzoom ist aus der Hand nicht möglich — hier kann eventuell ein Zoomhebel mit Untersetzung aus dem Filmbereich weiterhelfen.

Meist kann man bei den Foto-Optiken auch einen Schärfe- und Kontrastverlust bei geöffneter Blende feststellen. Er hält sich aber üblicherweise in engen Grenzen — so wie etwa beim Voigtländer Nokton 25 mm. Aus Sicht des Testers bietet es eine hervorragende Differenzierung der Schärfenebenen — auch wenn es in anderen Bereich sicher nicht als Optimum gelten kann. Am Ende geht es — wie so oft — ums Budget, das zur Verfügung steht.

Wer bei den Foto-Optiken echte Spitzenqualität möchte, sollte auf Leica-M-Objektive zurückgreifen: Sie kosten nur unwesentlich mehr als CompactPrimes und sind sehr viel lichtstärker. Auch Zeiss Distagon Planar-Foto-Optiken sind dazu eine lichtstarke Alternative bei geringerem Preis.

Objektivhalterung

Ein etwas kritischer Punkt bei der GH2, wie auch beim Camcorder AG-AF101, ist die Halterung für das Objektiv. Sie hat immer etwas Spiel, was gerade beim Einsatz schwerer Objektive nachteilig ist. Canons 5D Mark II oder 7D kämpfen allerdings mit demselben Problem: Die Mounts der Fotokameras sind nun mal nicht für den Einsatz eines PL-Objektivs gemacht, und wenn GH2 oder auch AF101 mit einem zusätzlichen Mount weiter adaptiert werden, muss man ganz genau prüfen, ob das Setup dadurch nicht noch instabiler wird.

Zubehör

Panasonic bietet für die GH2 auf seiner deutschen Zubehör-Homepage etliche Objekive, Objektivadapter und Kabel an — das externe Ladegerät fehlt allerdings als Einzelangebot. Ein Akku für die Kamera hält rund zwei Stunden, wer also einen Drehtag durchstehen will, braucht in der Regel drei bis vier Akkus (Typ DMW-BLC12E), und bei mehrtägigen Einsätzen ist da ein zusätzliches separates Ladegerät durchaus nützlich: Fündig wird man hier mittlerweile bei etlichen Anbietern im Internet.

Bildqualität

Die Bildqualität der GH2 ist hervorragend — vor allem, wenn man den Preis der Kamera berücksichtigt. Die Möglichkeiten der Kamera, mit der Schärfentiefe zu arbeiten, sind gerade für das szenische Arbeiten sehr überzeugend. Panasonic hat auch CMOS-typische Bewegungsartefakte wie das Kippen vertikaler Linien und den Rolling-Shutter-Effekt nahezu beseitigt: Bei Stresstests, etwa  Fahraufnahmen aus dem Auto parallel zur Straße, zeigte sich dieser ungewollte Effekt nur geringfügig. Für den Einsatz der GH2 als Videokamera ist das ein großer Vorteil.

Dennoch schränkt Panasonic die Bildqualität der GH2 nach wie vor ein: So ist zwar eine Datenrate von 24 Mbps vorgesehen, aber nur bei der Aufzeichnung mit 24 Bildern in der Sekunde. Wer — wie in Europa üblich — mit 25 Bildern aufnehmen will, kann maximal eine Datenrate von 17 Mbps verwenden. Das ist schade, gerade bei Motiven mit schneller Bewegung wäre die höhere Datenrate besser.

Eine andere Einschränkung: Der Chip der GH2 produziert zwar ein 50p-Bild, gibt aber nur ein 50i-Bild aus. Auch das ist schade, zumal Panasonic mittlerweile sogar Consumer-Camcorder wie den HDC-SD707 mit 1080p50-Aufzeichnung anbietet.

Herstellervideo, das die Besonderheiten der GH2 erläutert.
Fazit

Momentan bietet die GH2 den besten Kompromiss aus Filmlook und Mobilität, den es unter den Fotokameras gibt. Auch im Dauerbetrieb machte die GH2 bei diversen Produktionen des Autors keine Probleme — auch nicht bezüglich Überhitzung. Das Display der Kamera ist scharf und die Belichtung dank Histogramm kein größeres Problem — auch wenn etwa eine Zebra-Anzeige fehlt. Für den Live-Betrieb ist das Display durch die fehlende Peaking-Funktion allerdings schlecht gerüstet. Eingeschränkt sind auch die Möglichkeiten, während der laufenden Aufnahme die Schärfe zu ziehen: Wegen des Spiels beim Mount und wegen der Geräusche der üblichen Fotoobjektive. Für alles bietet der Zubehörbereich Abhilfe, aber es kann dann eben schnell unverhältnismäßig werden und man gibt mehr als das bei der Kamera eingesparte Geld wieder für die Aufrüstung aus: Wer aus einem Kart ein Formel-1-Auto machen will, kann sich leicht lächerlich machen.

Bei der Tonaufzeichnung muss der Filmer ebenfalls größere Abstriche machen: Für O-Ton-Aufnahmen muss man die GH2 gehörig nachrüsten, und die sicherste Lösung besteht darin, Audio getrennt aufzunehmen und im Schnitt zu synchronisieren.

Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Für die meisten Aufgaben muss man die GH2 gehörig aufrüsten, aber es ist möglich, mit einem praktikablem Setup zu arbeiten.

Dass der Camcorder AG-AF101 mit dem gleichen Sensor fast 3.500 Euro mehr kostet als die GH2 (Listenpreis), ist für den kritischen Kunden vielleicht nicht ganz logisch nachvollziehbar – aber für sich betrachtet ist auch der Preis des Camcorders letztlich schon vergleichsweise niedrig. Die GH2 ist eben die noch günstigere Alternative zur günstigen Alternative AG-AF101.

Je nach überwiegendem Einsatz des Geräts, ist der Mehrpreis des AG-AF101 den höheren Preis in jedem Fall wert: Wenn nicht wegen der erweiterten Möglichkeiten, etwa mit einer Datenrate von 24 Mbps oder mit guter Zeitlupe aufzeichnen zu können und den videotypischen Funktionen, dann schlichtweg schon deshalb, weil die zahlreichen Fehlerquellen beim Drehen durch das größere Gehäuse, die Schaltelemente am Camcorder und die XLR-Schnittstellen erheblich reduziert werden. Thema ist natürlich auch die Verbindung zur Peripherie: Der AG-AF101 hat hier etwa auch HD-SDI zu bieten, was man am GH2 vergeblich sucht. Außerdem weiß derzeit niemand so ganz genau, was denn die GH2 am HDMI-Ausgang an Signalqualität abgibt, aus dem AG-AF101 kann man aber via HD-SDI mit Sicherheit ein 4:2:2-Signal in voller Qualität für die externe Aufzeichnung abzapfen.

Um ernsthaft und sicher im Bewegtbildbereich mit geringer Schärfentiefe arbeiten zu können, bietet der AG-AF101 mehr Funktionalität und Unterstützungsfunktion als die GH2. Ein externer Monitor ist aber in beiden Fällen zu empfehlen und beim AG-AF101 hat man hier mehr Optionen, weil er eben HD-SDI in voller Qualität abgibt.

Für unauffällige Aufnahmen ist die GH2 aber sehr gut geeignet und alleine als Zweitgerät zum AG-AF101 etwa für eine zusätzliche Totale oder als Backup-Kamera ist sie auf jeden Fall zu empfehlen. Vielleicht ist auch das eine gute Sichtweise: Die GH2 ist eine sehr gute Zweitkamera, mit der man notfalls auch den ganzen Tag arbeiten kann.

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Autor
Christoph Harrer, red
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