Messe: 25.09.2015

IBC2015: Ganz ohne Hardware geht’s doch nicht

Auch wenn heutzutage so gut wie alles in Software stattfinden soll: Ganz ohne Zusatz-Hardware geht’s offenbar doch nicht: Schnellere Rechner allein reichen ganz offenbar nicht aus. So heißt es »Pimp your System«, etwa mit Grafikkarten und Zusatz-Boards, die dann eine ausreichend leistungsfähige Basis schaffen, um die Softwares sinnvoll nutzen zu können, wenn es etwa um Raw-Daten, 4- oder mehr K geht. Außerdem erwies sich so gut wie jede Neuerung der vergangenen Jahre nicht nur als leistungs- sondern auch als speicherhungrig.

Die Halle 7 des Amsterdamer Messezentrums RAI war über viele Jahre diejenige unter den IBC-Messehallen, in der Software die Hauptrolle spielte, flankiert von ein ein paar Computer-Hardware-Firmen. Hier waren die modernen und hippen Firmen versammelt, die in der Postproduction am Cutting Edge operierten: In Halle 7 konnte man die ersten NLE-Systeme, VFX-Softwares oder computerbasierten Mischer finden. Auch in puncto Geräuschpegel und Temperaturlevel rangierte die Halle 7 immer ganz oben: »Innovation at Work«.

Nun muss man als langjähriger Besucher feststellen: Über die Jahre hat sich das Aussteller-Spektrum der Halle doch ziemlich gewandelt. Hier sind schon lange nicht mehr die wilden Newcomer zu finden, die Spektakel veranstalten und alles aufmischen, alles ist über die Jahre etwas gesetzter geworden. Außerdem sind nun wieder viel mehr Hardware-Anbieter in diese Halle eingezogen, als das phasenweise mal der Fall war.

Andere Software-Schwerpunkte

Ein Beispiel dafür: Früher belegte Autodesk eine der größten Flächen in Halle 7 und und erregte nicht nur durch die schiere Fläche, sondern oft auch durch auffälliges Standdesign die Aufmerksamkeit der Besucher. In diesem Jahr hingegen suchte man den Autodesk-Stand vergeblich: Das Unternehmen war mit seinem VFX-System Flame lediglich noch an einigen Partnerständen vertreten. Andere Aussteller sind stattdessen in der Halle 7 nachgerückt, darunter viele, die keine spektakulären Kreativprodukte anbieten, sondern Transcoding-, Workflow- und Transport-Lösungen — Aspera oder Telestream etwa. Größer, wichtiger und präsenter ist hier nun auch die Broadcast-Grafik, was man an den Ständen von Vizrt, Maxon, Ventuz oder ChyronHego ablesen kann. Orad, ein Unternehmen, das auch in diese Riege passt, ist nun Teil von Avid.

Mehr Hardware-Anbieter

Ebenfalls interessant: In Zeiten, in denen nach allgemeiner Wahrnehmung Software immer wichtiger wird, bevölkerten währen der IBC2015 auch wieder mehr Hardware-Firmen die Halle 7. Sie zeigten etwa Speicherlösungen in unterschiedlichsten Ausführungen: von portablen Festplatten für Allrounder über einfache Server bis hin zu großen Central-Storage-Lösungen. Storage-Produkte erlangen eben in Zeiten von 4K, Raw, unkomprimierten Datenströmen und neuen Aufnahme- sowie immer mehr parallel vorzuhaltenden Playout-Formaten noch mehr an Bedeutung. 

Auch wenn man über Grading, 3D-Animation oder NLE spricht, scheint’s ganz ohne Zusatz-Hardware nicht zu gehen: Chiphersteller wie AMD bieten etwa Grafik-Beschleuniger an, deren Prozessor-Power die Softwares deutlich leistungsfähiger macht — und die in der Praxis oft unumgänglich sind. AMDs FirePro GPU-Beschleunigerlösung etwa wurde mittlerweile von vielen Postproduction-Lösungen integriert, so etwa von Adobe, Avid, Blackmagic und The Foundry.

Empfehlungen der Redaktion:

11.09.2015 – IBC2015: How we do it
25.09.2015 – IBC2015: Großes Messethema IP
19.09.2015 – IBC2015-Video: Bill Roberts über aktuelle Trends im Editing
16.09.2015 – IBC2015: Neuer Besucherrekord
14.09.2015 – IBC2015: Avids neue Offenheit gegenüber Premiere und FCP
13.09.2015 – IBC2015: Interessante Moves bei Panasonic, Blackmagic, Avid
12.09.2015 – IBC2015: Keine Messe ohne Übernahme — Ericsson will Envivio
12.09.2015 – IBC2015: Kernaussagen der ersten Pressekonferenzen