Festival, Top-Story: 05.05.2021

Filmtipps fürs 36. Dokfest München 2021

Das Dokfest München 2021 startete am 5. Mai sein 18 Tage langes Online-Festivalprogramm. Die Filme stehen bis zum 23. Mai online zur Verfügung, es gibt Einzeltickets und einen Festivalpass.





SOLDATEN
[Bundeswehr]
Deutschland 2021 / 102 Minuten

Es ist ein typischer »Nimm 3«-Film: Eine Gruppe junger Rekruten rückt bei der Bundeswehr zur Grundausbildung ein, und der Film begleitet drei von ihnen auf ihrem Ausbildungsweg bis zum Gelöbnis. Einer hat sich freiwillig für einen Afghanistaneinsatz gemeldet.

Soldaten

Alle drei stammen aus der sozialen Unterschicht und haben wenig Alternativen — und sie machen ihren Weg; darüber ist der Zuschauer froh, und nebenbei verschafft er einen Einblick in die Bundeswehr, der nicht alltäglich ist.
Sehenswert: ****

Eva-Maria.

EVA-MARIA
[Kinderwunsch, Samenspende, Behinderung]
Österreich 2020 / 97 Minuten

Eva Maria ist seit Geburt körperbehindert und auf einen E-Rollstuhl angewiesen. Sie hat sich von der Familie gelöst, sie wohnt und arbeitet weitgehend selbstbestimmt, unterstützt durch eine Assistenz in Innsbruck. Mit Hilfe einer Samenspende möchte sie ein eigenes Kind bekommen. Der Film begleitet sie bei ihrem Vorhaben über einen Zeitraum von drei Jahren, und der Filmemacher tritt als zeitweiliger Assistent von Eva Maria im eigenen Film auf.
Sehenswert: ***

Heimatkunde

HEIMATKUNDE
[Schule in der DDR]
D 2021 / 88 Minuten

Nicht weit von Guben an der polnischen Grenze steht in der Gemeinde Bärenklau ein großes, inzwischen verlassenes Gebäude an der Straße. Die ehemalige Schule. Der Filmemacher ist hier vor 25 Jahren Schüler gewesen. Hier versammelt er ehemalige Lehrer und Mitschüler, um ein Bild des DDR-Schulsystems in Erinnerung zu rufen. Die Erzählungen werden von Unterrichtsmaterialien in Form von Tondokumenten, Lichtbildersammlungen und Unterrichtsfilmen ergänzt und werfen ein Blick zurück auf die DDR-Gesellschaft. Alles spielt sich vor und im Schulgebäude ab, und durch die Geschlossenheit des Raumes wird eine hohe Intensität erreicht.
Sehenswert: ****

La Conquista De Las Ruinas

LA CONQUISTA DE LAS RUINAS
[Argentinien, Beton]
ARG, BO 2020 / 88 Minuten

In Schwarzweiß-Bildern bringt dieser Film die Lebensgeschichten von vier Menschen in Argentinien zusammen. Bindeglied ist der Zement. Der 35jährige Juan arbeitet in einem Steinbruch und löst mit der Brechstange Felsbrocken aus der Wand, die für die Zementherstellung gebraucht werden. Auf einer Baustelle in der City verarbeitet ein Gastarbeiter aus Bolivien den Zement für neue Hochhäuser, und an einer Flusslandschaft haben indigene Bewohner ein Museum für ihre Kultur errichtet. Gegenüber befindet sich eine »Gated Community«, die auf den Gräbern ihrer Vorfahren errichtet wurde. Man belauert sich gegenseitig. Dazwischen gibt es einen Paläontologen, der nach Dinosauriern und anderen Tierversteinerungen sucht und zum Abschluss einen sinnigen Satz im Off beisteuert: Wenn irgendwann außerirdische Paläontologen auf die Erde kommen, dann werden sie vielleicht keine menschlichen Knochen mehr finden, aber eine Zementschicht, die die Erde bedeckt, obwohl das Zementzeitalter gerade mal die letzten 150 Jahre unseres Daseins geprägt hat.
Sehenswert: ***

Between Fire and Water

BETWEEN FIRE AND WATER
[Kolumbien, Indigene Bevölkerung, Herkunft]
Kolumbien 2020 / 92 Minuten

Unter der indigenen Bevölkerung der Quillacinga im Südwesten Kolumbiens an der Laguna de la Cocha fällt der afrikanischstämmige Camilo besonders auf. Er wurde als Kind von einer Familie adoptiert und möchte jetzt mehr über seine Wurzeln wissen. Mehrmals fährt er mit seinen Adoptiveltern in die Provinzstadt, um Genaueres über seine Herkunft zu erfahren. Seine Mutter war im Rotlicht- und Drogenmilieu unterwegs, und schließlich gelingt es dem Jugendamt, eine Frau aufzutreiben, die die Mutter persönlich kannte und Camilo Näheres über den Hintergrund seiner Adoption berichten kann.
Sehenswert: ***

Zinder

ZINDER
[Niger, Alltag in der Vorstadt]
FR, DE, NE 2021 / 90 Minuten

Zinder ist eine Stadt in Niger in der Sahel-Zone. Im Stadtteil Kara Kara wohnen die Ärmsten der Armen ohne große Perspektive. Zu Beginn des Films fahren junge Männer auf einem Motorrad durch die Stadt, eine Fahne schwenkend, darauf an den Ecken zwei Hakenkreuze. Die Hakenkreuze finden sie gut, die seien von Hitler, einem Typen, der aus Amerika kam. Die jungen Männer finden sich in Gruppen oder Gangs zusammen und üben im improvisierten Bodybuilding-Club. Repressalien, Brutalität, Gewalt, Vergewaltigung und Körperverletzung gehören zum Alltag; oft enden die Männer im Gefängnis. Um dem Kreislauf von Gewalt und Gefängnis zu entkommen, gründet einer ein Sicherheitsunternehmen, an dem sich alle beteiligen sollen.
Zinder ist der Dokumentarfilm eines Einheimischen – und ein Stück auf dem Weg, dass Afrikaner ihre Geschichten selbst mit der Kamera erzählen.
Sehenswert: ***

 

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Hinter den Schlagzeilen, Dark Rider, The Last Hillbilly, The Ark, Holgut, No Hay Camino, Komúna
Seite 3: Land, He’s my Brother, Menschenskind!, Zuhurs Töcher, Bilder (M)einer Mutter, Die Kunst der Folgenlosigkeit
Seite 4: Soldaten, Eva-Maria, Heimatkunde, La Conquista de las Ruinas, Between Fire and Water, Zinder
Seite 5: Cosas Que no Hecemos, Der geraubte Wald, Silence of the Tides, Erwin Olaf, Shadow Game, Los Boys, Monobloc


Keine Story mehr verpassen und einfach den Newsletter abonnieren:

Autor
Hans Albrecht Lusznat

Bildrechte
Dokfest München

Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Festival, Top-Story