Anzeige
Home » WM 2026: ARD und ZDF im Remote-Modus
WM 2026: ARD und ZDF im Remote-Modus
ZDF: NBC Mainz als Rückgrat
Bei der ZDF-Produktion ist das NBC in Mainz das technische Herzstück. Es hat sich in den vergangenen Jahren für den Sender zur zentralen Produktionsstätte bei Groß-Events entwickelt.
Im NBC laufen zwei Regien parallel: Der zentrale Production Control Room (PCR) übernimmt die Hauptspiele; eine zweite, kleinere Regie – intern VDN (Venue, Deutsch, Nacht) genannt – fungiert als Subregie für Nachtspiele und alle deutschen Spiele und entlastet den PCR. Zusätzlich gibt es eine abgesetzte LED-Regie mit dedizierter Verbindung nach Berlin. »Darüber bespielen wir die LED-Wände in Berlin«, erklärt Horst Dünchem, Technischer Leiter ZDF.
Produktion im NBC
»Wir arbeiten im NBC mit einem Avid- und einem EVS-Produktionsnetzwerk«, beschreibt Horst Dünchem. Teil des Netzwerks sind elf Avid-Schnittplätze und EVS-Via-Server, die per XAVC-Codec ihr Material austauschen. Weiter gibt es im NBC in Mainz auch noch zwei Audio-Mischplätze und einen Sonderformate-Raum.
»Um die unterschiedlichen Anstoßzeiten bestmöglich abzudecken, haben wir den Aufwand für die Spiele zu den unattraktiven Zeiten mitten in der Nacht deutlich reduziert«, erläutert Florian Rathgeber. So richtete das ZDF für die Nachtspiele einen Kommentatoren-Platz im NBC ein; in der Halbzeit solcher Partien laufen Zusammenfassungen vorangegangener WM-Spiele des Tages, es sind dann also auch nicht die Moderatoren und Experten im ZDF-WM-Studio im Einsatz, die Übertragungen werden von der Reporterin bzw. dem Reporter im jeweiligen WM-Stadion anmoderiert.
WM-Studio ZDF in Berlin
Wie schon bei der Euro 2024 betreibt das ZDF wieder ein Studio mit Publikumsbetrieb im Berliner Zollernhof. Es kommt ohne eigene Regie vor Ort aus – die gesamte Steuerung erfolgt aus Mainz. Man hat das technische Konzept der Euro 2024 auch bei der WM übernommen, um den Planungsaufwand zu reduzieren. Im Studio stehen daher wieder fünf LED-Wände, drei davon freistehend, zwei im Zuschauerbereich.
Ein weiteres Effizienzprinzip der ZDF-Planung: Operator werden dort eingesetzt, wo sie ansässig sind. So sitzt etwa eine EVS-Operatorin in Berlin und steuert das System von dort, obwohl alle EVSen im Mainzer NBC gehostet werden.
Für die Sendungen aus dem Zollernhof sind acht Grass Valley-Kameras im Einsatz, und zwar LDX135 und LDX150.
Bis zu 180 Personen können die Übertragungen live im Innenhof des ZDF-Hauptstadtstudios verfolgen, bei Nachtspielen wird das Studio aber nicht genutzt.
Die Leitungsanbindung zwischen Berlin und Mainz läuft über das ZDF-eigene INL-Netz via Nimbra, was die Leitungskosten senkt. Audio wird per Lawo Powercore eingebunden, der als Pult-Extension fungiert.
Kulturwandel und physikalische Grenzen
Was technisch als Effizienzgewinn verbucht wird, ist für viele Mitarbeitende eine grundlegende Umstellung. »Wir kommen aus einem Bereich, der weltreisend gewesen ist«, sagt Florian Rathgeber. Das Zentralisieren auf Bestandsinfrastruktur ist für technisches Personal wie für Redakteure und Redakteurinnen ein echter Kulturwandel.
Die physikalischen Grenzen der Remote-Produktion bleiben dabei unüberwindbar. Latenzmanagement und lokales Monitoring bleiben deshalb unverzichtbar. Gegenmaßnahme ist unter anderem lokales In-Ear-Monitoring direkt am Venue, das die Signallaufzeiten für die Beteiligten vor Ort reduziert, sodass sich Moderatoren, Experten und Gäste nicht selbst verzögert auf dem Ohr zurück hören. »Dennoch bleibt es eine Herausforderung, remote zu arbeiten, denn die Laufzeiten der Signale lassen sich nicht vermeiden und müssen nach Möglichkeit reduziert und ggf. aneinander angeglichen werden. Das ist Physik, und die lässt sich auch leider nicht ändern«, so Steffen Kretz.
Eine weitere Herausforderung ist für die Sender die späte Rechtevergabe, weil die Planungszeiten dadurch immer kürzer werden. Der Trend zur Zentralisierung wird sich also fortsetzen – getrieben von Kostendruck, späten Rechtevergaben und zunehmend dezentral verfügbaren Signalen.
»Je mehr Signale dezentral verfügbar werden, desto besser ist das für uns. Wir müssen einfach immer modularer und flexibler werden – eine Cloudifizierung der Host-Signale ist für uns deshalb extrem wichtig«, betont Florian Rathgeber. Die WM 2026 ist ein weiterer Schritt in diese Richtung – aber sicher nicht der letzte.
Seite 1: Eckdaten, Venue-Berichterstattung
Seite 2: EB-Teams, SportHub und ARD-Studio, Hörfunk
Seite 3: NBC, ZDF-Studio, Resümee
Autor: Christine Gebhard
Bildrechte: ARD, ZDF, Nonkonform
Anzeige
Most Popular
Anzeige
Newsletter
Anzeige
Anzeige
Anzeige












