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Wenn Softwares uns loben

Wenn Sie viel am Rechner und online erledigen, dann haben Sie vielleicht auch bemerkt, dass in den vergangenen Jahren in immer mehr Softwares kleine verbale Streicheleinheiten eingebaut wurden: Wir werden immer wieder gelobt und motiviert, weiter zu machen.

Das kommt möglicherweise aus der Games-Welt, wo man die Spieler bei der Stange hält, indem man ihnen immer wieder kleine Erfolge gönnt, weil sie sonst frustriert aussteigen. Die ausgefuchstesten Spiele passen das sogar dynamisch an den Spieler an: Der Komplexitäts-Level wir immer so gelegt, dass einerseits genug Erfolgserlebnis da ist, aber andererseits auch genug Herausforderung bleibt.

So raffiniert funktioniert das in den Bereichen, über die wir hier reden wollen, bei weitem nicht.

So sieht es aus, wenn Software uns lobt.

Stattdessen sieht das meist viel primitiver aus. Da füllt man eine Online-Bestellung oder -Umfrage aus und mit jeder weiteren Seite wird einem ein Motivationsspruch angezeigt: »Toll gemacht!«, »Fast fertig!«, »Nur noch eine Seite!« und so weiter. Wenn wir Software installieren oder einen Newsletter verschicken: »Perfekt gemacht!«

Unser Content-Management-System etwa will, dass unsere Texte mindestens 300 Worte umfassen, weil sie dann angeblich von Suchmaschinen besser gefunden, höher bewertet und öfter angezeigt werden. Also gibt es auch hier kleine verbale Bonbons, wenn man solche Anforderungen erfüllt.

Genug Worte: »Toll gemacht!« Ein gutes Fokus-Keyword ausgesucht: »Super!« Die Keyword-Dichte beträgt 1,6 %: »Das ist toll!« Die Meta-Beschreibung hat eine gute Länge: »Grüne Ampel.« Die Bilder enthalten Alt-Attribute mit dem Fokus-Keyword: »Daumen-hoch-Emoji.«

Software

Toll gemacht ….

Das ist genauso gaga, wie es klingt und man fragt sich: Funktionieren wir Menschen wirklich so simpel? Reicht uns ein simuliertes, virtuelles Schulterklopfen, um uns brav an die Vorgaben anzupassen und immer schön ordentlich weiter zu machen? Brauchen wir Bestätigung und Lob durch Maschinen? Und welches Ausmaß wird diese Infantilisierung im Zeitalter von KI noch annehmen?

Warum bewirtschaften erwachsene Menschen auf ihrem Handy einen virtuellen Ponyhof, jagen virtuellen Keksen und Kuchenstücken nach und freuen sich über einen Herzchenregen auf dem Display? Weil es ihnen auf ganz einfache Weise Bestätigung und Belohnung bringt. Eigentlich wäre es also wohl an der Zeit, dass wir als Menschen unsere eingebauten Belohnungssysteme updaten und nachrüsten — aber das wird schwierig.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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