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High Priority! Media Alert! Urgent!

Es beginnt beim Blick in die Mailbox: Sind etwa die E-Mails, die als »dringend« oder eben »urgent« markiert sind, wirklich am wichtigsten? Und bei Zeitung, Radio, Fernsehen: Sagt der Grad der Aufgeregtheit in der Berichterstattung tatsächlich etwas über die wahre Bedeutung des Inhalts aus?

Der immer schärfere Kampf um Aufmerksamkeit, er hat unübersehbare Folgen: Er bestimmt die Inhalte und deren Aufbereitung ebenso, wie die Tiefe der Information. Dabei mischt sich immer öfter das vollkommen Banale mit dem wirklich Bedeutenden: Heutzutage schaffen es Meldungen in die Hauptnachrichten, die früher vollkommen chancenlos waren, dort irgend einen Niederschlag zu finden. Alles muss bunter, lockerer, flockiger und leichter daherkommen. Ernsthaftigkeit gilt zunehmend als dröge, als Quotenkiller, als Kassengift. Nachrichten und Unterhaltung sind etwa bei einigen TV-Sendern kaum noch zu unterscheiden. Alles ist bunt, laut und blinkt — so bringt es eine Textzeile aus »Stadtaffe« von Peter Fox auf den Punkt.

Dieses kakophonische Konzert kostet ganz offenbar so viel Konzentration und schluckt so viel Aufmerksamkeit, dass es kaum noch eine Dynamik in der Wahrnehmung gibt: Alles ist gleich wichtig oder unwichtig. Neben entscheidenden wirtschaftlichen oder politischen Meldungen steht gleichrangig, dass die Turmfrisur von Amy Winehouse in Brand geraten sei — was sich zudem später als gezielte Falschmeldung entpuppte.

Im Wahn, möglichst schnell, stets präsent und up-to-date zu sein, bleibt keine Zeit mehr für Zweifel und Reflektion. So konnte es kommen, dass selbst renommierte Presseagenturen in Deutschland vor ein paar Wochen der PR-Aktion für einen Spielfilm aufsaßen, dass halb Amerika vor einigen Tagen der Lügengeschichte folgte, ein Sechsjähriger treibe in einem führerlosen Heißluftballon durch die Lüfte.

Der Wahnsinn hat Methode: Wenn keine Zeit bleibt, die Faktenlage zu prüfen, oder wenn etwa Newsletter automatisiert und 1:1 aus vollkommen unreflektierten, unbearbeiteten PR-Meldungen generiert werden, wenn es keine Gewichtung und Filterung mehr gibt, dann muss man sich nicht wundern, wenn am Ende bloß noch ein einziges, enorm lautes Grundrauschen entsteht.

Es ist mitunter schwer, sich dem Rummel, dem Hype, der Anspannung und dem Geschwindigkeitsrausch zu entziehen, sich mal kurz zurück zu lehnen, Dinge zu gewichten und zu bewerten — aber man sollte es zumindest versuchen.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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