Kamera, Test, Top-Story: 18.03.2005

XDCAM: Scheibe für die Profis

Mit kompetenter Unterstützung durch den Kameramann Hans-Albrecht Lusznat probierte www.film-tv-video.de das derzeit verfügbare XDCAM-Equipment aus. (PDF-Download mit mehr Bildern und Zusatzinfos am Seitenende).

XDCAM löst beim WDR Betacam SP ab – und ganz sicher nicht nur dort. Außerdem kündigte Sony vor kurzem an, dass die Produktion neuer Betacam-SP-Geräte Ende März 2005 eingestellt werde. Digital Betacam könnte in nicht all zu ferner Zukunft das gleiche Schicksal ereilen. Höchste Zeit also, sich mit dem Nachfolgesystem dieser SD-Formate zu befassen und das heißt aus Sony-Sicht eindeutig XDCAM.

Camcorder PDW-530P
Auf den ersten Blick sieht der XDCAM-Camcorder PDW-530P aus wie die jüngsten Sony-Camcorder der IMX- und der Digital-Betacam-Reihe – nur dass statt eines Bandlaufwerks eben ein Optical-Disc-Laufwerk integriert ist.
Beim Kamerateil begegnet man bekannter Technologie: Hier sind die Parallelen zum bandbasierten IMX-Camcorder MSW-900 unübersehbar, mit dessen Eckdaten der XDCAM-Camcorder weitgehend übereinstimmt. Der PDW-530P ist also mit den gleichen drei 2/3-Zoll-IT-CCDs ausgerüstet und kann in 16:9 und 4:3 aufzeichnen (Bildsensor: 3 x 1038 x 1188 Pixel brutto). Die Lichtempfindlichkeit des Camcorders gibt Sony mit F11 bei 2000 Lux an, das sind zwei bis drei Blendenstufen mehr, als die meisten Digital-Betacam-Camcorder bieten.
Bei der Bedienung der grundlegenden Kamerafunktionen haben sich die Ingenieure an bekannten Sony-Profi-Camcordern orientiert: Wer schon einmal mit einem Betacam-SP- oder Digital-Betacam-Camcorder gearbeitet hat, wird sich daher zügig mit dem 530er zurechtfinden. Kameraprofi Hans-Albrecht Lusznat, der das Optical-Disc-Eqipment bei www.film-tv-video.de ausprobierte, merkte etwa an, dass nicht nur die Einstellmenüs denen der Digital-Betacam-Reihe gleichen, sondern auch die Platzierungen der Schalter: »Alle wesentlichen Schalter sind an der richtigen Stelle, das Bewährte ist geblieben, einiges Neue ist dazu gekommen.« Aus Lusznats Sicht ein Riesenvorteil, der es den Kameraleuten erspare, sich immer wieder an neue Camcorder-Layouts gewöhnen zu müssen.

Neben einem optischen Sucher bietet der PDW-530P ein 63-mm-Farbdisplay mit rund 211.000 Bildpunkten, auf dem sowohl das Kamerabild, auf Wunsch aber auch verschiedene Status-Infos und ein Tonpegel-Balkeninstrument dargestellt werden können. Zur Schärfebeurteilung taugt dieses Display im Profibereich nicht, hierfür muss man auf den 2-Zoll-Schwarzweiß-Sucher des Camcorders zurückgreifen, der im 16:9-Modus eine Auflösung von 450 Linien bietet. Ein separates, kleines Display am Camcorder zeigt Timecode, Disc- und Kapazität und Ladezustand des Akkus an.
Manche Ausstattungsmerkmale des PDW-530 mögen in der Praxis vielleicht nicht so großen Nutzen entfalten, wie sich die Entwickler das erhofften. Einige Features, die es bei älteren Camcordern noch nicht gab, vereinfachen und verbessern beim PDW-530 aber zweifellos die Arbeit der Kameraleute. Aus Sicht von Hans-Albrecht Lusznat gehört etwa das Ausklapp-Display des PDW-530 dazu: »Damit kann man auf die Schnelle die Farbe checken, sehen ob der Weißabgleich stimmt. Außerdem ist man beim Handling der Kamera flexibler, sieht auch dann den Bildausschnitt, wenn man das Auge nicht am Sucher hat.«

Generell gleiche sich die Bedienung von Camcordern immer mehr der von PC und Handy an, findet Lusznat und spielt dabei auf die immer weiter ausufernde Menüsteuerung der Geräte an. Um so mehr freut sich der Profi-Anwender, wenn er auch Details an einem Camcorder entdeckt, die ihm die Arbeit leichter machen: »Der Display-Select-Schalter etwa, eigentlich eine Kleinigkeit, erlaubt es ohne große Umstände, die Einblendungen auf dem Ausklappschirm um und ab zu schalten. Das ist praxisnah und viel sinnvoller gelöst als bei einigen anderen Camcordern, wo man für diese Umschaltung übers Menü gehen muss.«

Auch mit Automatikfunktionen wie etwa dem Auto White Tracking ist Kameramann Lusznat beim PDW-530 zufrieden, merkt allerdings an, diese Funktion offenbar eher für Innenaufnahmen optimiert sei.
Größere Unterschiede zwischen den weiter verbreiteten Camcordern von Sony und dem XDCAM-Modell werden naturgemäß beim Aufzeichnungsteil offenbar. Zunächst gravierendster Unterschied der Disc zum Band: Der gleiche Camcorder beherrscht nun verschiedene Formate, die nicht gerade eng miteinander verwandt sind: DVCAM und IMX können ausgewählt werden. Bei IMX lässt sich dann auch noch die Bilddatenrate einstellen: 30, 40 oder 50 Mbps sind möglich. Den Normalfall wird bei diesem Camcorder wahrscheinlich IMX mit 50 Mbps darstellen, denn das ist einfach die beste Bildqualität – und wer macht schon Kompromisse, wenn er nicht muss. Immerhin: wenn man aus irgendeinem Grund mehr auf die Scheibe aufzeichnen möchte, dann geht das und wenn mal DVCAM gefordert wird, lässt sich der Camcorder umstellen. Die Spielzeiten pro Scheibe variieren je nach gewähltem Format: 85 Minuten DVCAM, 68 Minuten 30-Mbps-IMX, 55 Minuten 40-Mbps-IMX, 45 Minuten 50-Mbps-IMX passen auf die Disc mit einer Speicherkapazität von 23,3 GB. Zum Vergleich: der bandbasierte MSW-900P schafft 72 Minuten IMX-50 pro Kassette. Neben der Aufzeichnung in 50i ist es beim PDW-530 auch möglich, in 25P auf zu zeichnen. Das macht den Camcorder noch vielseitiger.
Eine wichtige Frage beim Laufwerk ist natürlich, ob die Disc nicht Probleme mit sich bringt, die man bei einem Band-Camcorder nicht kennt. Klare Antwort: Beim Test ist nichts aufgefallen: Bewegungen, die man auch einem Band-Camcorder zumuten würde, ließen sich mit dem XDCAM-Camcorder ebenfalls ohne Probleme durchführen. Irgendwelche Kreiselprobleme konnten nicht festgestellt werden, das Laufgeräusch der Scheibe ist sehr moderat und deutlich leiser, als es Bandlaufwerke üblicherweise sind. Das bestätigt auch Hans-Albrecht Lusznat: »Der Camcorder ist schön leise, das ist gut.«

Zwei Funktionen, die der Disc-Camcorder bietet, werden alle dokumentarisch arbeitenden und im News-Geschäft tätigen Kameraleute freuen: Der Disc-Camcorder ist sehr viel schneller aufnahmebereit, als ein bandbasierter Camcorder, zwischen dem Drücken des Record-Knopfes und dem tatsächlichen Aufnahmestart vergehen nur Augenblicke: Der Camcorder ist nach ungefähr 15 Sekunden schussbereit, wenn man aus Off/Unloaded startet, als mit ausgeschaltetem Gerät ohne Scheibe. Steckt die Disc schon im Laufwerk, reichen dem PDW-530 runde zehn Sekunden Startzeit. Auch der Disc-Wechsel geht flott: rund fünf Sekunden nachdem man auf »Eject« gedrückt hat, hält man die Disc in den Händen – kein Vergleich zum Kassettenwechseln bei Band-Camcordern.
»Schnelle Startzeiten können in der Praxis absolut entscheidend sein«, urteilt Lusznat: »Sie können darüber entscheiden, ob man die entscheidende Szene im Kasten hat oder nicht.«
Die auch bei einigen Band-Camcordern schon verfügbare Loop-Recording-Funktionalität bietet der PDW-530 überdies: Ein vorgewählter Zeitbereich, beispielsweise 10 Sekunden in einer Endlosschleife aufgezeichnet. Drückt der Kameramann auf den Start/Stopp-Knopf des Camcorders, dann hat er auch die 10 Sekunden vor dem ersten Knopfdruck »im Kasten« und es wird sofort weiter aufgezeichnet, bis die Aufnahme mit einem zweiten Knopfdruck gestoppt wird.

Weil das diskbasierte XDCAM-System es ermöglicht, können auf dem Ausklapp-Display auch Indexbilder der aufgenommenen Szenen dargestellt werden. Das macht die Kontrolle der Aufnahmen und die Suche nach einzelnen Szenen sehr komfortabel. »Ob man das in der Praxis häufig nutzen wird, kann ich noch nicht beurteilen. Ich fürchte, dass während des Drehs meistens die Zeit dafür fehlen wird. Aber im Anschluss daran, auf Fahrten und in Hotels, ist diese Funktionalität unter Umständen vorteilhaft. Die kleinen Thumbnails und auch dass man Clips damit einfach sichten und markieren kann, finde ich aber aus einem anderen Grund gut: In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass man am Set ‚schnell mal was zeigen’ muss. Das geht mit dem Disc-Camcorder natürlich schnell und problemlos.«
Apropos schnell mal was zeigen: Bei den Schnittstellen ist der Camcorder recht vielseitig: analoge FBAS– und i.Link-Ausgänge stehen standardmäßig zur Verfügung, SDI-Ausgänge und analoge FBAS-Eingänge lassen sich optional nachrüsten.
Positiv findet Lusznat beim Thema Handling auch, dass der Kameramann auf bestimmte Tasten im Griff des Camcorders verschiedene Funktionen legen kann. Ein weiterer Record-Knopf im Griff lässt sich damit realisieren, es lassen sich damit aber auch andere Funktionen, die man etwa besonders häufig nutzt, direkt per Tastendruck aufrufen. Diese »Custom«- oder »Assign«-Tasten gibt es mittlerweile bei etlichen Camcordern, Lusznat nutzt sie, um flexibler und zeitsparend arbeiten zu können.
Zur generellen Bauweise des Camcorders gibt Hans-Albrecht Lusznat ebenfalls positive Kommentare ab: »Bei vielen Camcordern werden die Objektive immer größer und die eigentliche Kamera immer kleiner und leichter. Die Camcorder sind dann insgesamt schlecht ausbalanciert und liegen nicht gut auf der Schulter. Der XDCAM-Camcorder macht da eine positive Ausnahme.« Den PDW-530 findet Lusznat vergleichsweise leicht und handlich, er sitze aber dennoch gut ausbalanciert auf der Schulter.

Das Gewicht von rund 7,2 kg inklusive Objektiv, Akku und Disc macht den Camcorder ganz sicher für viele Kameraleute attraktiv, die viele mobile Außeneinsätzen realisieren. Das sind satte zwei Kilogramm weniger als die meisten Digi-Beta-Camcorder auf die Waage bringen. Dafür sollte man im Zweifel einen Akku mehr mitnehmen: die Leistungsaufnahme des ersten diskbasierten Profi-Camcorders von Sony beträgt laut Hersteller 36 W. Andere Profi-Camcorder von Sony geben sich dagegen schon mit niedrigeren 28 Watt zufrieden.
Besonders positiv hebt Hans-Albrecht Lusznat den Sucher hervor: »Der Sucher ist das, was mich als Kameramann etwa an den meisten Camcordern aus der DV-Klasse nervt. Gut dass Sony dem allgemeinen Kostendruck und Sparzwang beim Sucher des Disc-Camcorders nicht nachgegeben hat: Der Sucher macht mechanisch und von der Bildqualität einen sehr guten Eindruck.« In der Tat hat Sony eine wertige, stabile Konstruktion umgesetzt, die auch schnelles Verstellen des Suchers erlaubt – ganz im Gegensatz etwa zu einem der Digi-Beta-Camcorder-Modelle, bei dem die Feststellschraube für den Sucher zu versteckt platziert ist und die Sucherhalterung insgesamt nicht überzeugen kann.

»Funktionen wie Skin Detailnutzen viele meiner Kollegen generell nicht. Ich verwende Skin Detail durchaus in Interviews, wenn die Zeit das erlaubt, was aber leider sehr selten der Fall ist.« Darin liegt aus Sicht von Lusznat auch ein Grundproblem beim Einsatz moderner Camcorder: »Die Geräte können immer mehr und in etlichen Fällen könnte man das auch sinnvoll einsetzen. In der Praxis fehlt dafür aber meistens die Zeit. Heute sind zwei Drehtage für einen 30-Minüter nicht unüblich und es wird dabei auch noch sehr viel mehr Material gedreht als früher. Manchmal sind drei Drehtage drin, aber das ist eigentlich auch schon knapp. Am Set bleibt eigentlich immer weniger Zeit und man ist als Kameramann schon vollauf damit beschäftigt, stimmige, farbrichtige Bilder auf zu nehmen. Den Rest müssen dann Postproduction und Farbkorrektur regeln.« Hektik und Zeitdruck sind in den meisten Fällen Feinde der Kreativität, dem stimmt auch Lusznat zu, merkt aber an, dass man aber die Bilder ganz generell auch nicht totkorrigieren solle: »Ich arbeite oft absichtlich nur mit Presets, um ein lebendigeres Bild zu bekommen. Ich korrigiere nicht jeden vermeintlichen Fehler in der Farbgebung oder im Kontrastverhalten, denn diese ‚Fehler’ machen oft die Stimmung aus. Ich denke, man sollte als Kameramann gar nicht alles ‚auf Normmaß ziehen’«.

Das IMX-Bild, das der PDW-530P auf die XDCAM-Scheibe schreibt, ist überzeugend und gehört ohne Zweifel in die Topklasse aller derzeit verfügbaren SD-Camcorder. Mit Funktionen, wie sie bisher vor allem von Studiokameras her bekannt sind, lässt sich beim 530er das Bild noch weiter tunen: So stehen zur Verfügung: Multi-Matrix-Funktion, elektronischer Soft-Focus, TruEye-Steuerung für den Umgang mit stark gesättigten Farben im Bild, wählbare Gammatabellen, dreifache Skin-Tone-Detail-Korrektur und detaillierte Farbtemperatur-Einstellung auch der Preset-Werte. Mit dieser Fülle an Möglichkeiten dürften die meisten Kameraleute erst mal bedient sein.
Und noch eine schöne Funktion: Mit dem TurboGain von +48 dB zaubert der Camcorder selbst bei großer Dunkelheit noch ein Bild mit dokumentarischen Charakter auf die Scheibe.
Ob in der Praxis alle Möglichkeiten und Funktionen, die sich Sony für XDCAM ausgedacht hat, auch intensiv genutzt werden, darüber muss man nicht spekulieren: Es ist ganz sicher nicht so. Schon bei den jüngsten bandbasierten Camcorder nutzen die weitaus meisten Anwender nur einen Bruchteil der vorhandenen Features wirklich aus. Dennoch kann man ziemlich sicher sein: Einige der disc-spezifischen Funktionen werden den Sprung in den Alltagsgebrauch schaffen.
Insgesamt fällt Lusznats Bilanz nach seinem ersten Kontakt mit dem PDW-530 positiv aus: »Wenn man sich auf das Laufwerk verlassen kann, was natürlich nur ein längerer Praxistest zeigen kann, dann ist das ein gelungener Camcorder.«

Mobil-Player PDW-V1
Der PDW-V1 ist ein kompakter, mobiler Player (32 x 21 x 9 cm), dessen Bedienfeld in Transportposition von einer stabilen Klappe abgedeckt wird. In die Klappe sind ein Info- und ein Bild-Display integriert. Der Player lässt sich mit Sony-Lithium-Akkus oder am Netz betreiben. Während die Bedienfeldklappe stabil und wertig ausgeführt ist, hat Sony bei der Akku-Abdeckung gespart: der Plastikschieber hat zwar nur Designfunktion, aber auch die wird er im rauen Alltagsbetrieb wohl nicht lange erfüllen können.
Der V1 kann das auf einer XDCAM-Disc aufgezeichnete DVCAM– oder IMX-Material abspielen. Der Player ist für den mobilen Außeneinsatz gedacht, aber auch als Desktop-Gerät für Journalisten, die damit Material sichten und sogar einen Rohschnitt erstellen können – solange sich das gesamte benötigte Material auf einer Disc befindet. Das Ganze ist zwar etwas fummelig in Funktionalität und Bedienung, funktionierte im Test aber insgesamt gut und zuverlässig. Mehr Komfort bietet hier ganz zweifellos das Zusammenspiel zwischen PDW-V1 und einem Laptop mit passender Software.
So funktioniert der Standalone-Betrieb: Wie der Camcorder kann der V1 eine Übersicht der Clips, die auf der Scheibe aufgezeichnet sind, als Thumbnails darstellen. Via Menü und Tasten lassen sich Wiedergabelisten erstellen, Szenen trimmen und zu einem recht genauen Rohschnitt arrangieren. Positiv: Die Wiedergabe funktionierte im Test sogar dann reibungslos, wenn die Clips intensiv getrimmt wurden und die Reihenfolge durcheinander gewürfelt wurde. EDLs, die auf diese Weise mit dem V1 erstellt werden, lassen sich auf die Disc schreiben.
Die Editing/Clip-Funktionalität ist ein wenig umständlich zu bedienen, insgesamt aber doch recht gut durchdacht, so wird eine Warnung angezeigt, wenn man einen Clip auf der Disc löschen will, der aber in der Clip-Liste vorkommt.
Das Bild-Display des PDW-V1 bietet einen relativ breiten Betrachtungswinkel und macht insgesamt eine gute Figur. Es kann fest auf 4:3 oder 16:9 eingestellt werden, im Auto-Modus passt es sich selbstständig an das jeweils wiedergegebene Material an. Unabhängig vom Display werden die wiedergegebenen Bilder, wenn man im Shuttle-Modus vor- oder rückwarts durch das Material fährt, was mit bis zu +/- 20facher Wiedergabegeschwindigkeit möglich ist (mit oder ohne Ton). Um an die jeweils gewünschte Bildstelle zu rangieren gibt es verschiedene Methoden: per Cursor können einzelne Szenen in der Thumbnail-Darstellung ausgewählt werden, per Taste kann man wie bei einem DVD-Player zur nächsten Szene springen, zusätzlich steht ein Jog/Shuttle-Rad zur Verfügung.

Acht Audiospuren bietet XDCAM und alle acht hat man beim PDW-V1 im direkten Zugriff, bis zu vier Kanäle können gleichzeitig abgehört und in der Audio-Balkenanzeige angezeigt werden (Originalaufnah-men haben vier vollwertige Audiokanäle mit 16- oder 24-Bit-Quantisierung, Proxy-Audio mit reduzierter Tonqualität bietet bis zu acht Kanäle). Sehr gut haben die Entwickler es geschafft, beim Audio-Scrub mit dem Jog/Shuttle-Rad eine Tonqualität zu erreichen, die dem ähnelt, was man vom linearen Videoschnitt kennt. Beim Zusammenstellen einer Clipliste kann man für den Audiobereich anwählen, was am Schnittpunkt mit dem Ton passieren soll: Hartschnitt oder Blende. Das Blenden macht schnell zusammengestellte Szenenfolgen auch akustisch angenehmer.
In der klassischen Video- und Audiosektion bietet der PDW-V1 ausschließlich Ausgänge, er ist im engeren Sinn auch ein reiner Player. Dennoch kann er auch Daten auf die Scheibe schreiben: Proxy-Video als MPEG-4-Datei, Proxy-Audio als A-Law und auch Cliplisten.
Interessant: Der PDW-V1 arbeitet auch als Signalwandler. Er kann etwa IMX50-Aufnahmen als DVCAM-Signale ausgeben. Durch die Wandlung ergibt sich zwar eine Laufzeitverzögerung, aber es funktioniert.
Der PDW-V1 kommt schnell zur Sache: Vom Einschalten und Disc einlegen bis zur Anzeige des Bilds auf dem Display vergehen gerade mal zehn Sekunden. Das schafft kein bandbasierter Videorecorder so schnell.
»Schön, wenn man so ein Teil am Set oder im Hotel hat,« urteilte Hans-Albrecht Lusznat während des Praxistests bei www.film-tv-video.de.

Recorder PDW-1500
Der PDW-1500 ist der Recorder im Team der XDCAM-Geräte. Er kann wie der Camcorder PDW-530 IMX- und DVCAM-Material aufzeichnen. Die Maschine mit halber Rackbreite ist, so Sony, für den Einsatz mit NLE-Systemen optimiert, bietet also beispielsweise hohe Datentransferraten und schnelle Daten-Schnittstellen: Gigabit-Ethernet und IEEE 1394. Aber auch mit klassischen Videoschnittstellen ist der Recorder gut bestückt.
Was beim PDW-1500 unangenehm auffällt, ist der hohe Geräuschpegel, den dieser Recorder mit seiner Lüftung verursacht. Sehr positiv fällt dagegen auch bei diesem Gerät der Audio Scrub auf, der wirklich sehr realistisch nach Analog-Audio klingt.
Ganz generell lässt sich der PDW-1500 so bedienen, wie man das von professionellen Bandmaschinen her kennt, so dass hier für die meisten Anwender gilt: Der PDW-1500 lässt sich ganz klassisch bedienen, bietet aber dank Optical-Disk-Funktionalität noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, die dann sinnvoll sind, wenn sie innerhalb eines kompletten XDCAM-Workflows eingesetzt werden.
Natürlich offenbaren sich im Detail viele Funktionen aber auch einige Einschränkungen: EE-Betrieb beherrscht der Recorder etwa nur dann, wenn als Aufnahmeformat DVCAM eingestellt ist. Außerdem überraschte, dass dem Gerät über die IEEE-1394-Schnittstelle im Testbetrieb nur 25-Mbps-DVCAM-Datenströme zu entlocken waren.

Fazit
Nach etlichen Verzögerungen bei der tatsächlichen Markteinführung machen die XDCAM-Geräte jetzt eine recht gute Figur: Das Konzept setzt auf bewährten Abläufen auf und bietet die Möglichkeit, Stück für Stück in die eher IT-orientierte, durchgängig bandlose Produktion ein zu steigen. Sony nutzt die Vorteile der Scheibe in vielen Aspekten sehr geschickt aus, verbindet Bewährtes mit Neuem. Ein Beispiel: Es gibt am Gehäuse der Scheibe einen Rec-Inhibit-Schieber, der versehentliches Löschen/Überspielen ganz klassisch verhindert. Gleichzeitig wird auf der Disc auch mitprotokolliert, wie oft die Disc schon mit Rewrite gelöscht und neue bespielt wurde.
Die Vorteile des Systems lassen sich aber nur dann ganz ausschöpfen, wenn man sich vollständig auf den neuen Workflow ein- und die Infrastruktur umgestellt hat. Sonst bleibt die XDCAM-Scheibe lediglich ein Bandersatz. Aber selbst als solcher kann XDCAM alles, was im »traditionellen« Umfeld verlangt wird – und das ziemlich gut.

Ergänzende Infos zum Thema XDCAM bietet ein Report von www.film-tv-video.de zur XDCAM-Einführung beim WDR.

Downloads zum Artikel:

T_0305_XDCAM_Test.pdf

Anzeige:

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Kamera, Test, Top-Story