Recording, Test, Top-Story: 10.07.2006

Teamwork

Mit dem HVR-M25E und dem HVR-M15E präsentiert Sony zwei neue Videorecorder für die Aufnahme und Wiedergabe in 1080i auf Standard- und Mini-DV-Kassetten. (Eine druckoptimierte PDF-Version dieses Artikels mit einer Vergleichstabelle und weiteren Infos steht am Artikelende zum Download bereit, Größe: 5 Din-A4-Seiten, 1 MB.)

Sony hatte im vergangenen Jahr mit dem HVR-M10 seinen ersten HDV-Recorder vorgestellt (Testbericht hier). Die kompakte Maschine stieß allerdings auf verhaltene Resonanz, weil sie kaum mehr Funktionen bot als ein gut ausgestatteter HDV-Camcorder. Jetzt legt Sony mit zwei neuen HDV-Recordern nach, die deutlich mehr Funktionen und verbesserte Laufwerke aufweisen.

Ausstattung

Wie der vor einem Jahr eingeführte HVR-M10E ist auch der HVR-M25E mit einem kontrastreichen 16:9-Farbdisplay ausgerüstet. Die Tasten haben die Entwickler beim M25E jedoch ganz anders platziert als beim Vorgänger, und auch das aufklappbare Bedienpanel auf der Frontseite fehlt beim M25E. Somit wird schnell klar: der M25E ist von Grund auf neu entwickelt.

Das gilt auch für seinen kleinen Bruder, den M15E: Mit seiner aufgeräumten Frontseite erinnert der M15E zwar an Sonys DVCAM-Dauerbrenner DSR-11 (Testbericht hier), aber sowohl in puncto Optik wie auch bei den Anschlüssen ist er wertiger ausgeführt.

Beide neuen Decks können wahlweise mit 50 oder 60 Hz (PAL/NTSC) betrieben werden und unterstützen die Formate HDV (1080i), DVCAM und DV. In die Recorder passen DV-Bänder nicht nur in der Größe Mini, sondern auch in Standard-Kassettengröße.

Eine kompakte Bauform in halber Rackbreite weisen beide Recorder auf, allerdings ist der M25E etwas höher und mit einem Gewicht von 4,3 kg auch deutlich schwerer als der M15E mit seinen 2,3 kg (weitere Eckwerte finden Sie in einer Tabelle, die aber nur in der PDF-version des Artikels enthalten ist). Beide Recorder bringen jedoch aufgrund ihrer Bauweise die richtigen Voraussetzungen für den Einbau und Betrieb unter beengten Raumverhältnissen mit: Im engen Schnittmobil finden die Recorder genauso gut Platz, wie in der kleinen Editing-Suite. Die Geräte lassen sich wegen der geringen Baugröße auch recht komfortabel transportieren, um etwa zum Sichten oder als Zuspieler eines Laptops beim mobilen Schnitt zu dienen. Der M15E lässt sich sogar hochkant aufstellen und betreiben, Sony liefert hierfür einen kleinen Standfuß mit.

Anschluss ans Stromnetz findet der kleinere M15E über ein separates Netzgerät der gleichen Bauart, wie es Sony auch den HDV-Camcordern beilegt. Der M25E ist im Unterschied dazu etwas komfortabler bestückt: Er verfügt über ein integriertes Netzgerät und lässt sich direkt mit dem Stromnetz verbinden.

Was beide Geräte bieten, sind umfangreiche Timecode-Funktionen. So lässt sich wahlweise ein interner aber auch ein externer Timecode aufzeichnen – letzterer über die digitale HDV-/DV-Buchse. Wie bei Profirecordern üblich, lässt sich auch der Startwert des Timecodes eingeben und bei interner TC-Generierung auswählen, ob der Timecode nur während der Aufzeichnung oder generell weiterzählen soll (Record Run, Free Run).

Wer die Recorder für Jobs einsetzt, bei denen man viel spulen muss, sieht sich positiv überrrascht: Anders als beim ersten Sony-HDV-Recorder M10E geht das Spulen mit den neuen Recordern einigermaßen flott vonstatten. Eine 60-Minuten-Kassette wickeln beide Recorder in rund einer Minute von Anfang bis Ende — beim M10E dauerte das noch annähernd drei Minuten.

Anschlüsse

Beide Recorder sind auf digitaler Seite mit einer IEEE-1394-Buchse ausgestattet, über die sich wahlweise DV- oder HDV-Signale ein- und ausspielen lassen. Auf analoger Seite stehen je zwei Cinch-Buchsen für den Ton und Hosidenbuchsen (Mini-Din, Y/C) fürs Bild zur Verfügung. Die ebenfalls vorhandenen Composite-I/Os und der Komponentenausgang sind beim M15E als Cinchbuchsen, beim M25E hingegen als professionelle BNC-Buchsen ausgeführt.

Ein weiterer wichtiger Unterschied der beiden Recorder: Nur der M25E verfügt über eine HDMI-Buchse. Über diese volldigitale Schnittstelle lassen sich digitale Video- und Audiodaten übertragen, etwa für die Wiedergabe mit einem Projektor oder die Darstellung auf einem Plasmaschirm. Vorteil: Die Qualität der Wiedergabe ist über HDMI ausgezeichnet, wenn auch das Quellmaterial gut ist – und deutlich besser als über die analogen I/Os.

Beide Recorder können auch HDV-Bänder abspielen, die im 720p/30-Format bespielt wurden — das sind derzeit HDV-Aufnahmen die mit JVC-Camcordern erzeugt wurden. Allerdings werden die 720p-Signale nicht über die HDV/DV-Buchse ausgegeben.

1080-Zeilen-Aufnahmen können von beiden Recordern ausschließlich mit Bildraten von 50i oder 60i verarbeitet werden, andere Bildraten wie etwa 30F, 25F, 24F, 25p oder 24p können nicht abgespielt werden.

Besonderheiten: HVR-M25E

Eine der Topfunktionen des M25E ist die Möglichkeit, 1080i-Material in verschiedene HD- und SD-Formate zu konvertieren – etwa in 720p, 576i und 576p. Diese Signale gibt der Recorder dann über die Komponentenausgänge und auch über HDMI aus.

Zudem lässt sich einstellen, wie bei der SD-Wiedergabe in 4:3 verfahren werden soll. Zur Auswahl stehen Letterbox, Squeeze (Stauchen) und Edge Crop. Das Schöne am Edge Crop: Der Editor kann das Bild für 4:3 rechts und links beschneiden und den 4:3-Bildausschnitt sogar variabel hin und her schieben. Diese Lösung ist oftmals deutlich schöner, als oben und unten schwarze Balken einzublenden oder das Bild zu stauchen, ohne zu wissen, auf welchen Displays die Wiedergabe erfolgen wird. Die Live-Konvertierung von zugespieltem, analogem DV- oder DVCAM-Material in HDV ist allerdings nicht möglich.

Dass Sony daran gedacht hat, den M25E auch zum interessanten Präsentations-Gerät zu machen, zeigt sich nicht nur an der integrierten HDMI-Buchse, sondern auch an anderen Funktionen. So ist es etwa möglich, den Recorder mittels »Auto Repeat« im Endlosbetrieb laufen zu lassen. Man kann aber auch einstellen, wie oft die Wiedergabe erfolgen soll – selbst einzelne Bandbereiche lassen sich für die Wiedergabe festlegen. Das ist gerade im Präsentationsbereich sehr nützlich — wenn es heutzutage hierfür auch verschleißärmere Lösungen als einen Bandrecorder gibt.

Eine weitere sinnvolle Funktion, die der M25E bietet, ist »Duplicate Plus«. Damit lässt sich via i.Link beispielsweise von einem HDV-Band eine DV-Arbeitskopie ziehen, die exakt denselben Timecode trägt wie das HDV-Original. Das ist dann hilfreich, wenn zunächst mit DV geloggt und/oder roh geschnitten und das Master erst am Ende aus dem HDV-Material generiert werden soll.

Selbst an die klassische Nachvertonung mittels Recorder hat Sony gedacht: DVCAM-Bänder lassen sich mit dem Recorder nachvertonen, wenn sie im 32-kHz-Modus aufgezeichnet wurden, also über vier Tonspuren verfügen, von denen sich dann die Kanäle 3 und 4 nachvertonen lassen.

Der Ton lässt sich beim M25E übrigens mit zwei komfortablen Regeln auch manuell pegeln. Abhängig davon, ob der Zuspieler via Cinch oder XLR angeschlossen ist, lässt sich auf der Rückseite des Recorders der Audio-Level anpassen (-10, -4 und +2 dB).

Eine weitere schöne Funktion des M25E: Der Editor kann diversen Tasten per Menü eine Funktion zuordnen (User-Tasten oder Softkeys), die er besonders häufig braucht und die sich sonst nur übers Menü aufrufen ließen. Das ist komfortabel und im Alltagsbetrieb sehr nützlich: Statt langer Sucherei im Menü kann man so die gewünschte Funktion ohne Umwege direkt aufrufen.

Besonderheiten HVR-M15E

Sony hebt beim M15E seine kompakten Baumaße, das geringe Gewicht und seine Standfestigkeit hervor – denn der Recorder kann sowohl hochkant wie in normaler horizontaler Aufstellung betrieben werden.

Bei der Bedienung konzentriert sich der M15 aufs Wesentliche: Die Front des Recorders ist mit allen wichtigen Laufwerkstasten ausgerüstet, das Menü ist direkt mit Cursor-Tasten zu bedienen. Mit zwei weiteren Reglern lässt sich einstellen, welche Input-Signale der Recorder akzeptieren soll und ob er mit dem Bild auch Text-/Menü-Infos ausgeben soll. Das ist einfach, leicht zu überschauen und gut zu bedienen. Wie beim M25E zeigen zudem kleine LEDs, in welchem Modus der Recorder gerade läuft.

Fazit

Die neuen Recorder bieten deutlich mehr Funktionalität als der Recorderpart der verfügbaren HDV-Camcorder – und somit auch deutlich mehr, als der Vorgänger M10E. Dass es nun statt nur eines 1080i-HDV-Recorders zwei mit unterschiedlichem Funktionsumfang gibt, ist ebenfalls sinnvoll: Wer einen einfachen Feeder benötigt, liegt beim billigeren M15E richtig. Wer mehr Funktionalität braucht und seine Maschine vielseitiger einsetzen möchte – etwa auch für Präsentationen – fährt mit dem M25E besser.

Downloads zum Artikel:

T_0706_HDV_Recorder.pdf

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Autor
red
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