Kamera, Test, Top-Story: 28.04.2020

Test: UHD-Mini-Handheld AG-CX10

Totgesagte leben länger — das hat sich möglicherweise auch Panasonic zu Herzen genommen. Denn mit dem AG-CX10 hat der Hersteller einen kompakten, neuen UHD-Handheld mit kleinem Sensor vorgestellt: Obwohl das eine Gerätekategorie ist, die viele schon tot wähnten.






Camcorder, Panasonic, AG-CX10, Menü, © Nonkonform
Einige der möglichen Formate des CX10.
Eckdaten: Aufzeichnung

Für die Aufzeichnung stehen HD und UHD (unter anderem) in 25p/50p mit einer ganzen Reihe verschiedener Formate und Container-Varianten zur Verfügung.

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Codecs und Container.

Wer allerdings 10 Bit in 4:2:2 will, der ist auf HD mit maximal 50p im P2-Format beschränkt. In Quicktime gibt es auch bei UHD 10 Bit im HEVC-Codec (H265), allerdings mit einer Farbabtastung von 4:2:0. Die maximale Datenrate ist hier 200 Mbps in Long-GOP.

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Weitere Formate des CX10.

Die 1080p/10 Bit/4:2:2 mit AVC-G25 Long-GOP steht eine Datenrate von 50 Mbps bereit. Wer in 720 aufzeichnen will, der kann das lediglich im AVCHD-Format.

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Frequenzwechsel erfordern einen Neustart.

Da auch Zeitlupenaufnahmen mittlerweile schon zum Standard gehören, ist auch der CX10 dafür vorbereitet. Frameraten bis 100 Bilder in HD und 8 Bit sind möglich, wenn eine Frequenz von 50 Hz eingestellt ist. In 60 Hz sind 120 Bilder möglich.

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Will man Zeitlupe einstellen, ist ein Neustart nötig.

Der Wechsel in den Zeitlupenmodus erfordert einen Neustart, der dauert aber nicht mal zwei Sekunden. Dennoch ist das ein nerviger, zusätzlicher Menüschritt, der heute eigentlich nicht mehr notwendig sein sollte.

Allerdings war in dem getesteten Modell noch die Software-Version 0.3 installiert, ein finales Release könnte weitere Verbesserungen mit sich bringen. Dass es sich derzeit noch nicht um eine endgültige Firmware handelte, das war an mehreren Stellen zu bemerken, so wurde etwa während der Aufnahme nicht immer ein Record-Symbol im Display angezeigt. Weiter konnte das Wiedergabemenü noch keine P2-Daten wiedergeben, die man aber aufzeichnen kann. Es wird also sicherlich noch einige Bug-Fixes und Verbesserungen geben.

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Der Camcorder bietet zwei XLR-Eingänge am optionalen Henkel.
Eckdaten: Audio

Der Camcorder bietet zwei XLR-Eingänge am optionalen Henkel. Hier kann auch ein Mikrofonhalter angeschraubt werden. In den Camcorder-Body direkt eingebaut, gibt es ein Stereomikrofon.

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Für die XLR-Anschlüsse stehen alle wichtigen Schaltelemente am Henkel bereit.

Je nach Aufnahmeformat kann in 16 Bit AAC oder bei P2 in 24 Bit ein unkomprimierter Ton aufgenommen werden. In P2 kann man auch vier Kanäle aufnehmen, wobei — zumindest beim Testgerät — zwei immer stumm blieben. Kann sein, dass sich das mit neuerer Firmware noch ändert.

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In einigen Bereichen muss man das Audiomenü konsultieren.

Für die XLR-Anschlüsse stehen alle wichtigen Schaltelemente am Henkel bereit: Manuelle Pegelräder und die Option, die Eingänge zwischen Line, Mic und Phantomspeisung umzuschalten. Ansonsten muss man das Audiomenü konsultieren.

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Der HDMI-Ausgang kann ein UHD-Bild ausgeben.
Eckdaten: Anschlüsse

Der HDMI-Ausgang kann ein UHD-Bild mit bis zu 59,94 Hz in 10 Bit und 4:2:2 ausgeben.

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Weitere Anschlüsse

Es gibt also die Möglichkeit, hier einen externen Recorder anzuschließen und hier mehr Bildqualität aufzuzeichnen, als das onboard möglich ist.

Der 3G-SDI-Anschluss, gibt nur ein HD-Signal aus.

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Eckdaten: Ausstattung

Die grundlegende Ausstattung jedes üblichen Handhelds, wie ND-Filter, eine Zoomwippe am Gehäuse und eine zweite am Griff, bietet natürlich auch der CX10.

Ein WLAN-Modul für die Fernsteuerung mit dem Tablet oder Handy ist auch integriert. Die entsprechende Software HC ROB gibt es im Apple-App-Store und im Google-Playstore. Zusätzlich erlaubt der Camcorder das Streaming über RTSP/RTMP und RTMPS-Protokoll, um HD-Videos live in Youtube, Facebook oder Twitch streamen zu können. Dabei ist es möglich, die Videos gleichzeitig auf SD-Karte aufzuzeichnen. Das sind Funktionen, die aktuell natürlich besonders attraktiv sind.

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Der kompakte Camcorder wiegt betriebsbereit 1,5 kg.

Der kompakte Camcorder wiegt betriebsbereit 1,5 kg (inklusive Akku und mit aufgeschraubten Handgriff). Insgesamt ist er leicht frontlastig.

Bedienung und Handling

Insgesamt macht das Plastikgehäuse des CX10 einen recht soliden Eindruck. Der Display-Mechanismus wackelt nicht, lässt sich mit mäßigem Druck verstellen und bleibt in der gewünschten Position.

Die Frontlastigkeit des CX10 macht ein bequemes, freihändiges Führen eigentlich nur dann möglich, wenn man ihn mit der rechten Hand am Henkel oder in der Trageschlaufe trägt und mit der linken Hand am Objektiv abstützt. Will man einhändig Drehen, muss man mit der rechten Hand spürbar dagegen arbeiten.

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Die Zoomwippe ist wie bei den allermeisten kompakten Handhelds etwas zu leichtgängig.

Die Zoomwippe ist wie bei den allermeisten kompakten Handhelds etwas zu leichtgängig und lässt nur drei differenzierte Zoomgeschwindigkeiten zu. Einen wirklich differenziert durchfahrbaren Motor wie bei einem 2/3-Zoll-Broadcast-Zoom darf man sicher nicht erwarten, aber für die Baugröße und Preisgruppe des CX10 kann man ganz gut damit arbeiten. Vor allem beim Abstoppen des Zooms ruckt die Bewegung aber immer ein bisschen zu abrupt. Besonders flott ist der Zoom aber auch im schnellsten Modus leider nicht: Um den gesamten Brennweitenbereich zu durchfahren, braucht man rund 3,5 sec.

Im Test ist kein Abweichen von der Parfokalität aufgefallen: Der Camcorder kann also problemlos die Schärfe halten, ohne dass ein Nachjustieren während der Zoomfahrt sichtbar wäre.

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Am Objektiv gibt es zwei Bedienringe.

Am Objektiv gibt es zwei Bedienringe, die aber keinen Anschlag bieten und nicht mechanisch verkoppelt, sondern endlos drehbar sind. Der Schärfe- und der Blenden/Zoom-Ring haben leider viel Spiel, und sie rutschen beim Bedienen immer etwas in ihrer Fassung hin und her. Vor allem der Schärfering macht dabei auch deutliche Geräusche, die unter Umständen auch auf dem internen Mikrofon zu hören sein könnten.

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Zwischen SDI-Buchse und HDMI findet sich das Gitter, hinter dem der Ventilator sitzt.

Der Blendenring kann auch mit der Zoomfunktion belegt werden — allerdings erfordert das Umschalten immer den Weg ins Menü, es gibt keine mechanische Umschaltung. Der Motorzoom ist auch beim Arbeiten mit dem internen Mikrofon in den Aufnahmen nicht zu hören. Das leise Surren des Camcorder-Lüfters hingegen schon, wenn man über das eingebaute Mikrofon in ruhigen Räumen aufnimmt.

Wie bei allen kompakten Camcordern empfiehlt es sich daher, ein externes, entkoppeltes Mikrofon zu verwenden. Das funktionierte im Test auch mit der mitgelieferten Mikrofonhalterung, die man an den Henkel montieren kann.

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Die Ringe für Schärfe und Blende dienen nur als Geber für die Motoren im Objektiv.

Die Ringe für Schärfe und Blende dienen, wie schon erwähnt, nur als Geber für die Motoren im Objektiv. Es lassen sich also keine Punkte für das Ziehen der Schärfe einstellen. Immerhin gibt es aber eine Entfernungsanzeige im Display, und man kann damit die Schärfe auf einen bestimmten Punkt ziehen.

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Schärfentfernung und Zoommaß können rechts unten im Display angezeigt werden.

Die Entfernungsanzeige kann man zwischen einer Prozent- und einer Meter-Anzeige umstellen, den Zoomfaktor kann man entsprechend als Faktor oder Prozentzahl anzeigen.

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Die Autofokusgeschwindigkeit kann im Menü eingestellt werden.

Wie bei einem Objektivmotor üblich, hängt die Stärke der Schärfeverstellung von der Geschwindigkeit ab. Dabei geht der CX10 sehr rapide von feiner zu schneller Einstellung über. Das ermöglicht es, schnell auf den richtigen Punkt scharfzustellen, und das Ganze ist daher auch recht praxistauglich umgesetzt. Benutzt man den Autofokus, kann man diesen mit einer manuellen Einstellung kurzfristig korrigieren — oder auf den richtigen Weg bringen.

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Eine spezielle AF-Push-Taste gibt es beim CX10 nicht.

Eine spezielle AF-Push-Taste gibt es beim CX10 nicht, lediglich den Wechsel zwischen manuellem und automatischem Betrieb. Man kann aber einen Push-Autofokus oder die Push-Automatikblende jeweils auf eine der Funktionstasten legen.

Auch die Zeitlupenfunktion, die im Systemmenü versteckt ist, kann man auf eine der Funktionstasten legen.

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Insgesamt gibt es fünf frei belegbare Tasten am Gehäuse.

Allerdings gibt es nur fünf frei belegbare Tasten am Gehäuse, andere Funktionen kann man im Icon-Menü auf dem Funktionsrad unterbringen.

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Das Icon-Menü bietet weitere Bedienmöglichkeiten. Das Display ist als Touchscreen ausgelegt.

Will man ausschließlich mit manuellen Einstellungen drehen und auch Push-Autofokus und Push-Autoblende verwenden, hat man nicht genügend Tasten zur Verfügung.

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Das Funktionsrad eröffnet weitere Bedienabläufe.

Man muss sich also erst einen Workflow einrichten und die Funktionen auf dem Funktionsrad vielfach nutzen. Hierbei handelt es sich um ein Schnellmenü, um Weißabgleich, Gain, den Shutter und die Kopfhörerlautstärke einstellen zu können, das mit dem Icons-Option ein weiteres kleines Menü mit den Funktionstasten und den Scene Files bietet.

Auch wenn sich der Camcorder prinzipiell an der Bedienung eines großen Handhelds orientiert, gibt es aufgrund der recht geringen Baugröße weniger Tasten und einige Einschränkungen. Die Bedientasten sitzen fast alle auf der linken Geräteseite. Die Tasten geben leider so gut wie keine taktile Rückmeldung, es ist schwer, einzelne Funktionen blind zu bedienen.

Mit dem Rad ist das etwas besser, aber der Druckpunkt ist auch dort kaum zu spüren. Zudem ist das Rad ziemlich klein und selbst mit mittelgroßen Händen und Fingern teilweise schwer zu bedienen.

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Unverständlich: Wieso platzierten die Panasonic-Ingenieure die Weißabgleichstaste hinter dem Ausklapp-Display?

Unverständlich: Wieso platzierten die Panasonic-Ingenieure die Weißabgleichstaste hinter dem Ausklapp-Display? Insgesamt gehört das Weißabgleich-Handling ganz sicher nicht zu den Highlights des CX10: Will man mit der Weißabgleichstaste zwischen Presets und den zwei Speicherplätzen wechseln oder einen Weißabgleich ausführen, muss man in das Schnellmenü gehen, das über das Drehrad aktiviert wird.

Wenn die grundlegenden Funktionen, wie Auflösung, Datenrate, Einstellungen für Scene Files und Nutzertasten einmal im Menü definiert sind, muss man nur noch selten in das normale Menü eintauchen. Wer allerdings in UHD dreht und eine Zeitlupe nutzen will, muss erst das Format in 8 Bit HD wechseln, dann »Superlangsam« einstellen und, wenn man die vollen 120 fps nutzen will, auch noch auf NTSC wechseln. Das würde man sich einfacher wünschen.

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Für Zeitrafferaufnahmen gibt es eine Timelapse-Funktion.

Die bei vielen Panasonic-Camcordern übliche VFR-Funktion, bei der man individuell Frameraten zwischen 1 bis 50 einstellen kann, gibt es — zumindest in der getesteten Version des Menüs —nicht.

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So wird die Intervall-Aufnahme im Display angezeigt.

Für Zeitrafferaufnahmen gibt es eine Timelapse-Funktion: Man kann im Aufnahmemodus  »Intervallzeit« einstellen, dann kann man eine Zeit von bis zu fünf Minuten pro Aufnahme einstellen.

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Der Akku ist beim CX10 liegend und bündig in keinem geschlossenen Fach positioniert. Mit dem AG-VBR59 Akku mit 5.900 mAh kann der CX10 über sechs Stunden laufen, wenn die LED nicht eingesetzt wird.

Wie schon angemerkt, befand sich das Menü im Testgerät noch in Version 0.3 und erlaubt daher möglicherweise noch keine abschließende Bewertung. Dennoch soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Menü sehr träge und langsam reagierte. Oft dachte man, eine Taste sei vielleicht nicht richtig gedrückt, bis das Statusmenü sich dann doch bequemte, den neuen Zustand auch noch anzuzeigen …

Vor allem beim Einstellen braucht man viel Geduld, bis die einzelnen Menüpunkte auf die Kommandos reagieren.

Die Oberfläche der App HC ROP, ist hingegen eine Verbesserung gegenüber älteren Versionen von Panasonic und erlaubt die Fernsteuerung der Kamera, auch beim Zoom und der Schärfe. Allerdings sind die zahlreichen Bedienelemente sehr klein und auf einem Handy wiederum schwer zu bedienen.

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Eckdaten — Sensor, Objektiv
Seite 3: Eckdaten — Aufzeichnung, Audio, Ausstattung
Seite 4: Bedienung, Handling
Seite 5: Display/Sucher/Monitoring, Funktionen/Menüs

Seite 6: Aufnahmemodi/ Lowlight
Seite 7: Fazit

 

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Autor
Christoph Harrer, Nonkonform

Bildrechte
Harrer (24), Nonkonform (28)

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