Messe: 17.12.2009

Sony gibt weitere Details zu NXCAM bekannt

Mit NXCAM erweitert Sony seine Produktpalette um eine neue Baureihe, die auf dem AVCHD-Codec und bandloser Speicherung auf Memory Sticks basiert. Anfang 2010 soll der erste NXCAM-Camcorder verfügbar sein. film-tv-video.de konnte einen Blick auf einen Prototypen werfen.

NXCAM nennt Sony eine geplante neue Produktfamilie, die auf dem AVCHD-Codec basiert und bandlos mit Festspeichermedien arbeitet. Der AVCHD-Codec kommt aus dem Consumer-Lager und konnte sich dort innerhalb kurzer Zeit etablieren. Panasonic nutzte diesen Codec als erster Hersteller, auch in eher auf den Profimarkt ausgerichteten Geräten (Test). Jetzt hat sich mit Sony ein zweiter großer Hersteller entschieden, diese Technik im unteren Profisegment zu nutzen und plant offenbar gleich eine ganze Reihe neuer Produkte auf AVCHD-Basis. Als erstes Gerät der Reihe soll ein Z5-ähnlicher Camcorder auf den Markt kommen (Z5-Test).

Beim ersten Camcorder der NXCAM-Reihe setzt Sony also in weiten Teilen auf bewährte Technik. Vereinfacht gesagt, hat Sony beim ersten, vorsert noch namenlosen NXCAM-Camcorder den HDV-Camcorder Z5 vom HDV-Laufwerk befreit und mit AVCHD verheiratet. Herausgekommen ist dabei ein Speicherkarten-Camcorder, der zwar ganz ähnlich aussieht wie ein Z5, der aber wahlweise auf zwei Memory Sticks oder auf eine optional erhältliches, andockbare Flash-Memory-Einheit aufzeichnet. Letzterer weist eine Speicherkapazität von 128 GB aus, was in der höchsten Qualitätsstufe des Geräts (AVCHD mit 24 Mbps) elf Stunden Aufzeichnung erlauben soll.

Aufzeichnung

Der Camcorder kann in vier unterschiedlichen Bitraten aufzeichnen: mit 24 Mbps in der höchsten Qualitätsstufe, wahlweise auch mit 16, 9 und 5 Mbps. Generell erlaubt der Camcorder sowohl die Aufzeichnung mit 1080 Zeilen im Raster 1920 x 1080. Auch einen 720p-Modus gibt es. Zudem soll es mit dem Camcorder auch möglich sein, in SD aufzuzeichnen, dann in MPEG-2 mit AC-3-Audiokodierung. Im HD-Modus kann der Ton laut Sony wahlweise als L-PCM unkomprimiert oder aber AC-3 komprimiert aufgezeichnet werden.

Sensoren, Objektiv

Sony hat beim Z5 und beim Z7 (Test) erstmals 1/3-Zoll CMOS-Sensoren eingebaut, die auch beim neuen NXCAM-3-Chip-Camcorder zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für das 20fach-Objektiv der »G-Serie«, das seinen Usprung im Zukauf des Fotoherstellers Konica/Minolta durch Sony hat, also sozusagen auch eigener Produktion kommt. Das Objektiv ist mit drei Bedienringen bestückt, mit denen sich Blende, Zoom und Fokus manuell steuern lassen — allerdings ohne festen Anschlag.

Speichermedien, Hybridaufzeichnung

Der NXCAM-Camcorder ist mit zwei Slots für Memory Sticks ausgerüstet, und der Hersteller empfiehlt den Einsatz von Memory Sticks der HX-Serie, da diese besonders hohe Datenraten erlauben. Derzeit beträgt die maximale Kapazität dieser Karten 32 GB, es soll aber auch bald eine 64-GB-Variante geben.

Warum setzt Sony bei der neuen NXCAM-Reihe auf Memory Sticks und nicht auf weiter verbreitete Medien wie etwa die SD-Card? Sony begründet dies unter anderem damit, dass das Unternehmen bei Memory Sticks letztlich die Kontrolle über die Leistungsfähigkeit der Karten habe, was bei anderen Medien wie CF-Card und SD nicht gegeben sei. Der Hersteller schließt aber auch nicht aus, bei zukünftigen Geräten andere Medien vorzusehen — und schließlich gibt es ja mit dem andockbaren Flash-Laufwerk auch eine Alternative.

Allerdings soll das alternative Medium für die bandlose Aufzeichnung nur als aufpreispflichtige Option angeboten werden: Die Festspeichereinheit bietet eine Kapazität von 128 GB und wird hinten rechts am Camcorder angedockt. Das Schöne daran: neben der Steckerverbindung für den kabellosen Direktanschluss am Camcorder ist der Festspeicher auch mit einer USB-Schnittstelle bestückt. So lässt sich die Speichereinheit nach der Aufzeichnung direkt per USB an einen Rechner anschließen. Ebenfalls gut: Es soll möglich sein, parallel auf die Memory Sticks und auf den Festspeicher aufzuzeichnen, und das sogar in unterschiedlichen Auflösungen, also beispielsweise in HD auf den Festspeicher und in SD auf die Memory Sticks — oder umgekehrt.

Ausstattung, Handling

Wer die HDV-Camcorder Z5 oder Z7 kennt, wird viele Tasten und Funktionen am NXCAM-Camcorder wiederfinden: Neben klassischen Features wie etwa einen dreistufigem ND-Filter, mehrstufigem Gain und diversen Picture-Profiles bietet auch der NXCAM-Camcorder die Slomo-Funktion, die auch schon die genannten HDV-Camcorder hatten und die in bestimmten Grenzen vergleichsweise gute Ergebnisse liefert (Clip-Download am Ende des Z5-Tests). Echte Slow- und Quick-Motion in voller Auflösung und Datenrate mit varibler Bildrate, wie man sie vom EX1 kennt, bietet der NXCAM-Camcorder allerdings nicht, und auch aufs Cache-Recording wurde verzichtet.

Einige Funktionen des Camcorders hat Sony aus dem Consumer-Lager übernommen. So wurde beispielsweise ein GPS-Modul integriert, das bei der Aufzeichnung Längen- und Breitengrad ermittelt und auf Wunsch zusammen mit den Videoclips speichert, sodass sich später darüber jederzeit der Ort der Aufzeichnung rekonstruieren lässt. Das GPS-Modul lässt sich je nach Wunsch aber auch abschalten. »Active Steady Shot«, die am weitesten entwickelte Anti-Wackeleinrichtung au dem eigenen Haus, hat Sony beim NXCAM-Camcorder ebenfalls integriert. Letztlich setzt Sony darauf, dass mittlerweile viele die Scheu verloren haben, solche Funktionen auch im professionellen Bereich zu nutzen.

Display und Viewfinder des NXCAM-Camcorders sind ebenfalls alte Bekannte und etwa auch beim Z7 zu finden. Das Display bietet eine Diagonale von 3,2 Zoll und 921.600 Bildpunkten, der Sucher weist 0,45 Zoll Diagonale und 1.226.880 Bildpunkte auf (852 x 480 x 3; RGB).

Ein Besonderheit des NXCAM-Camcorders ist die Touch-Screen-Funktionalität, die Sony integriert hat. Darüber lässt sich das »normale« Menü aufrufen und bedienen, es gibt aber auch den »Visual Index« für die Wiedergabe und einen weiteren Modus fürs Kopieren und Editieren der aufgezeichneten Clips.

Ton

Für die Tonaufzeichnung ist der NXCAM-Camcorder gut gerüstet: Er bietet zwei XLR-Eingänge für den Anschluss eines externen Mikrofons, zusätzlich ist ein Stereomikro eingebaut und ein einfaches Monomikrofon wird ebenfalls mitgeliefert. Audio lässt sich wahlweise als L-PCM oder AC-3 komprimiert aufzeichnen.

Anschlüsse

Neben einem Cinch-AV- und einen Komponentenanschluss sowie einer USB-Buchse, ist der Camcorder mit HD-SDI– und mit HDMI-Ausgängen ausgerüstet. Beide Ausgänge lassen sich sogar parallel betreiben. Auf eine S-Video-Buchse hat Sony verzichtet.

Anbindung Postproduktion

Das Containerformat der aufgezeichneten AVCHD-Daten ist M2TS. Damit muss das verwendete Schnittsystem zurechtkommen. Am komfortabelsten soll die Postproduktion zumindest beim Datenimport mit Sonys eigenem Schnittprogramm Vegas funktionieren, das AVCHD direkt verarbeiten kann und kein vorheriges Umkodieren erfordert. Bei gängigen Schnittprogrammen, etwa von Avid oder Apple, ist die Bearbeitung von AVCHD etwas aufwändiger und die Daten müssen zunächst mehr oder weniger schnell und komfortabel importiert werden, bevor man damit arbeiten kann.

Totenglöckchen für HDV?

Mit der Vorstellung von NXCAM neigt sich die Ära der bandbasierten Systeme nun auch bei Sony dem Ende zu — auch wenn der Hersteller das vielleicht momentan noch anders kommuniziert. So gibt Sony an, dass HDV-Camcorder derzeit in den Verkaufscharts einen zweiten Frühling erleben. Das mag daran liegen, dass sich der eine oder andere vor dem nahenden Ende von HDV noch schnell mit verfügbaren Geräten eindecken möchte. Und das wiederum dürfte sicherlich daran liegen, dass die Vielfalt an Formaten und auch an Speichermedien mittlerweile ein Maß erreicht hat, das für die Mehrzahl der Kunden schlichtweg zu viel ist.

Weitere Infos

Das gleiche Video, das oben in diese Seite integriert ist, können Sie hier in höherer Qualität ansehen.

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red

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