Messe: 11.09.2010

IBC2010: Sony kündigt SxS-Camcorder PMW-500 an

Sony will schon ab November 2010 den neuen Speicherkarten-Camcorder PMW-500 ausliefern. Der verheiratet erstmals die bisher bei Sony getrennten Features SxS- und 4:2:2-Aufzeichnung: Der MXF-basierte Schultercamcorder zeichnet auf SxS-Karten Signale in 4:2:2 mit bis zu 50 Mbps auf — ein Signalformat, das in der aktuellen Produktpalette von Sony bisher den Disc-Camcordern der PDW-Baureihe vorbehalten war.

Mit dem neuen PMW-500 wird Sony erstmals einen 4:2:2-Schultercamcorder anbieten, der nicht auf Disc, sondern auf SxS-Karten aufzeichnet. Der Hersteller will den Camcorder aber nicht als Ablösung für die Disc-Camcorder verstanden wissen, sondern als Ergänzung für Kunden, die lieber auf Speicherkarte als auf Professional Disc aufzeichnen möchten. Der neue Camcorder soll nach Sony-Lesart also die 4:2:2-Produktreihe um die Disc-Camcorder PDW-700 und PDW-F800 abrunden.

Wie sich das in der Realität entwickeln wird, werden die Anwender entscheiden und tatsächlich haben sich laut Sony mit dem NDR und dem WDR, unter anderem auch schon zwei deutsche Broadcaster entschieden, den PDW-500 einzusetzen.

Äußerlich ähnelt der PMW-500 sehr stark dem PMW-350 (Test): Der Body ist bis auf den Ausklappschirm und eine weitere USB-Buchse nahezu identisch. Während der 350er aber zur XCDAM-EX-Familie gehört und deshalb auf 4:2:0 limitiert ist, trägt der PMW-500 den Schriftzug XDCAM HD.

Mit dem PMW-500 löst Sony also den Widerspruch auf, den die Verheiratung einer anspruchsvollen Schulterkamera mit der SxS-Technik beim PMW-350 noch beinhaltete: 2/3-Zoll-Sensoren aber Aufzeichnung in 4:2:0 mit 35 Mbps. Nun lässt der Hersteller also auch diese Hürde fallen: mit dem PMW-500 gibt es nun auch 4:2:2-Aufzeichnung auf SxS-Karten.

Eckdaten des Camcorders

Um es plakativ zu formulieren: Der PMW-500 bietet annähernd die Funktionen eines PMW700/800, steckt aber im Gehäuse eines PMW-320/350. In der Preisgestaltung hat Sony den PMW-500 günstiger als den 700er/800er angesiedelt: Er soll ab November für rund 25.000 Euro ausgeliefert werden (Nettopreis ohne Objektiv). Zum Vergleich: Der PDW-700 kostet netto rund 27.200 Euro, der PDW-F800 40.600 Euro. Wesentlicher Unterschied: Der PMW-500 speichert nicht auf Disc, sondern auf SxS-Karten, zudem wird es für den neuen Camcorder eine SD-Option für die Aufzeichnung in den Formaten IMX und DVCAM geben.

Weiter ist der PMW-500 mit drei 2/3-Zoll-CCD-Sensoren (Power HAD FX) ausgerüstet, setzt also auf die bewährte CCD– und nicht auf CMOS-Technologie wie im 320er und 350er, die ja mit Exmor-Sensoren bestückt sind. Im Tonbereich sieht der PMW-500 vier Audiokanäle vor, die sich getrennt pegeln lassen und in 24 Bit aufzeichnen.

Das Gewicht des Camcorders gibt Sony mit 3,4 kg an, die Leistungsaufnahme mit 29 W. Damit ist der neue Camcorder in etwa so schwer wie PMW-320 und PMW-350, braucht aber mehr elektrische Leistung als die beiden EX-Schultercamcorder, deren Leistungsaufnahme bei rund 18 W liegt. Der höhere Wert des 500ers führt auch zu höherer Temperaturentwicklung, weshalb der Neue mit einem Lüfter ausgerüstet ist, während 320/350er ohne Lüfter auskommen. Die Laufzeit des PMW-500 gibt Sony mit rund 170 Minuten bei der Nutzung von Li-Ion-Akkus BP-GL95  an.

Ausstattung, Bedienung

Bei der Ausstattung hat sich Sony insgesamt stark am 700er orientiert, bei der Bedienung aber auch am 350/320er. So soll etwa das Bildschirm-Menü dem anderer XDCAM-Camcorder gleichen und etwa auch die Darstell-Modi der XDCAM-EX-Camcorder bieten. Den Umschalter fürs Menü hat Sony vom 700er übernommen, dabei aber gleich eine Fehlerquelle ausgemerzt: So ist der Menüschalter nicht automatisch ausgeschaltet, wenn die Menü-Abdeckklappe geschlossen ist.

Sony wird den PMW-500 ohne Objektiv anbieten – der 2/3-Zoll-Bajonett-Anschluss erlaubt den Anschluss zahlreicher gängiger Objektive.

Als Sucher setzt Sony beim PMW-500 auf die aus der PDW-Baureihe bekannten Modelle und nicht auf den neuen Kombisucher von PMW-350/320.

Für die Beeinflussung des Bildes sieht der PMW-500 viele Möglichkeiten vor. Zum Standardset eines Camcorders dieser Klasse zählen vier integrierte ND-Filter (100%, 1/4, 1/16, 1/64). Elektronisches Filtering für 3200K, 4300K, 5600K und 6300K ist ebenfalls vorgesehen wie ein Gain, der sich maximal auf eine Verstärkung von 42dB einstellen lässt.

Ein Besonderheit hat Sony bei den Gamma-Einstellungen eingebaut: hier bietet der Camcorder die Auswahl aus sechs Standard-Gammakurven und vier Hypergamma-Settings, wie man sie auch von HDCAM-Camcordern und der Kamera F23 kennt. Zahlreiche Einstellmöglichkeiten gibt es auch beim Shutter, insbesondere beim Slow-Shutter. Sehr gut sieht auch der Wert aus, ene Sony für der Lichtempfindlichkeit angibt: F12 bei 2.000 Lux.

Weitere Funktionen des neuen Camcorders: ATW, diverse Markierungen im Sucherbild, Intervallaufnahme, Picture-Cache-Recording mit bis zu 15 Sekunden und zahlreiche Assigntasten, die man individuell belegen kann. Zudem ist der Camcorder mit einem 3,5-Zoll-Farbdisplay ausgestattet.

Slow & Quick Motion bietet der Camcorder ebenfalls und zwar bei progressiver HD-Aufzeichnung mit 1080 und 720 Zeilen (bei den Bildraten 23.98, 25 und 29,97). Abhängig vom verwendeten Filesystem (FAT oder UDF, mehr dazu im Abschnitt »Aufzeichnungs-Modi«) lassen sich dabei Zeitraffer und Zeitlupe mit Bilderzahlen von 1 bis 60 fps einstellen. Im Interlace- und SD-Modus stehen Slow&Quick Motion nicht zur Verfügung.

Aufzeichnungs-Modi

Der PMW-500 unterstützt die Aufzeichnung im File-System UDF und FAT. Der Hintergrund hierfür: Im FAT-Modus gibt es Größenbeschränkungen bei der File-Größe, die maximal aufgezeichnet werden kann, im HD-Modus liegt diese bei 4 GB, im SD-Modus bei 2 GB. Im UDF-Modus gibt es diese Limitierung nicht – daher haben sich die Entwickler wohl dazu entschieden, beide Varianten anzubieten.

Weiterer Effekt: Man kann den Camcorder so betreiben, dass er in eine XDCAM-EX-Infrastruktur passt (FAT-Filesystem), aber auch in eine Struktur mit XDCAM-Disc-Camcordern (UDF), kann der PMW-500 eingefügt werden. Gleichzeitiger Mischbetrieb beider File-Systeme ist nicht möglich, man entscheidet sich jeweils beim Formatieren des Speichermediums für FAT oder UDF.

Die Möglichkeit, wahlweise mit FAT oder UDF zu arbeiten, bietet viele Vorteile und Flexibilität. Doch abhängig vom gewählten Modus ergeben sich auch unterschiedliche Aufzeichnungsparameter und -möglichkeiten (mehr dazu am Ende des Textes).

Aufzeichnungsmedium

Der PMW-500 kann mit SxS-Speicherkarten beider Familien aufzeichnen (SxS Pro und SxS-1), ab Oktober 2010 sollen dabei auch 64-GB-Karten zur Verfügung stehen.

Neben den SxS-Karten erlaubt der Camcorder aber auch die Aufzeichnung mit dem Memory-Stick– und dem SDHC-Karten-Adapter (allerdings nur im FAT-Modus) und auf den externen HD-Recorder PHU-60K aus dem Hause Sony (nur MP4-Wrapper keine MXF-Aufnahme).

Auch der HVR-DR60 und der HVR-MRC1 sollen sich mit dem PMW-500 nutzen lassen und dann in der Lage sein, via i.Link DV– oder HDV-Signale aufzuzeichnen.

Anschlüsse

Für Video bietet der PMW-500 Anschlüsse für SD-/HD-SDI (Out, In als Option), i.Link (FAT-Modus), Timecode und Genlock. Für Audio stehen vorne einer und hinten zwei XLR-Eingänge zur Verfügung, zudem ist ein Slot für Drahtlos-Receiver vorgesehen. Weiter ist der Camcorder mit zwei USB-Eingängen ausgerüstet, von denen der Device-Eingang künftig auch dafür genutzt werden soll, einen WiFi-Adapter anschließen zu können (geplante Option CBK-WA01). Auch die Einbindung des Camcorders in ein Studioumfeld ist per XDCA-55-Adapter vorgesehen. Weiter ist angedachtet, einen MPEG-Adapter zu bringen, der MPEG-TS-Ströme ausgeben kann. Auch die Nutzung diverser Sony-Fernbedienungen soll mit dem Camcorder möglich sein.  

Firmware-Updates

Sony kündigt schon jetzt ein Firmware-Updates für den 500er an — es soll ab März 2011 verfügbar sein.
CBK-WA01: Metadaten– und WiFi-Adapter
CBK-HD02: Für den 500er soll es optional einen SD/Composite-Eingang und einen Digital Extender geben. Letzterer ermöglicht es, digitla um den Faktor 2 vergrößerte Bilder aufzeichnen zu können. In Kombination mit einem optischen Extender lässt ich somit ohne Blendenverlust eine 4fach-Vergrößerung erreichen — allerdings zum Preis eines Auflösungsverlusts.
CBK-MD01: Während der Wiedergabe soll es nach dem Update eine Möglichkeit geben, aufgezeichnetes Video im Sucher als Overlay zu sehen, um die Live-Quelle besser daran anpassen zu können (Live&Play).
CBK-VF01: Der PMW-500 bietet zwei Anschlüsse für Sicher (20 Pin und 26 Pin). Mit dem Firmware-Update im März 2011 soll es möglich sein, an den 26-Pin-Anschluss auch den Kombisucher CBK-VF01 anzuschließen, der beim 350/320er als Standardsucher ausgeliefert wird.

UDF- und FAT-Modus: Auflösungen / Datenraten
UDF-Modus

Video
HD 422 50: MPEG-2 422P@HL, 50 Mbps/CBR
1920×1080/59.94i, 50i, 29.97P, 25P,23.98P
1280×720/59.94P, 50P, 29.97P, 25P, 23.98P
HD 420 HQ: MPEG-2 MP@HL, 35 Mbps/VBR
1440×1080/59.94i, 50i, 29.97P, 25P, 23.98P
1280×720/59.94P, 50P, 23.98P (PD)
SD IMX (bei installierter Option CBK-MD01)
720×486/59.94i, 29.97PsF
720×576/50i, 25PsF
SD DVCAM (bei installierter Option CBK-MD01)
720×486/59.94i, 29.97PsF
720×576/50i, 25PsF

Audio
HD 422 50
LPCM 24 Bit, 48 kHz 4 Kanäle
HD 420 HQ
LPCM 16 Bit, 48 kHz 4 Kanäle
SD IMX (bei installierter Option CBK-MD01
LPCM 16/24 Bit, 48 kHz 4 Kanäle
SD DVCAM (bei installierter Option CBK-MD01)
LPCM 16 Bit, 48 kHz 4 Kanäle

FAT-Modus

Video
HD HQ 1920: MPEG-2 MP@HL, 35 Mbps/VBR
1920 ×1080/59.94i, 50i, 29.97P, 25P,23.98P
HD HQ 1440: MPEG-2 MP@HL, 35 Mbps/VBR
1440 ×1080/59.94i, 50i, 29.97P, 25P,23.98P
HD HQ 1280: MPEG-2 MP@HL, 35 Mbps/VBR
1280 ×720/59.94P, 50P, 29.97P, 25P,23.98P
HD SP 1440: MPEG-2 MP@H-14, 25 Mbps/CBR
1440 ×1080 /59.94i, 50i
SD DVCAM (bei installierter Option CBK-MD01)
720×480/59.94i, 29.97 PsF
720×576/50i, 25 PsF

Audio
HD LPCM 16 Bit, 48 kHz, 4 Kanäle
SD DVCAM (bei installierter Option CBK-MD01)
LPCM 16 Bit, 48 kHz, 2 Kanäle

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